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	<title>Lesen was klüger macht &#187; Daniela Kloock</title>
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		<title>UFA in Farbe – Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 10:29:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kino: Vergangenheit+Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Macht und Magie der bunten Bilder
Ein Buch über die UFA in Farbe
„Münchhausen“ – wer kennt es nicht das Bild von Hans Albers auf der Kanonenkugel? Und die ambivalenten Gefühle, die es auslöst? Denn der trickreiche Ausstattungs- und Abenteuerfilm um den sagenhaften Lügenbaron entstand 1943 als größtes Prestigeobjet der UFA in der NS-Zeit. Joseph Goebbels wollte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Macht und Magie der bunten Bilder</span></p>
<p><span style="font-size: small; color: #808080;">Ein Buch über die UFA in Farbe</span></p>
<div id="attachment_38055" class="wp-caption alignleft" style="width: 330px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/10/münchhausen-320.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-38055  " title="Muenchhausen" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/10/münchhausen-320.jpg" alt="Hans Albers in &quot;Münchhausen&quot; 1943" width="320" height="454" /></a><p class="wp-caption-text">Hans Albers in &quot;Münchhausen&quot; 1943</p></div>
<p>„Münchhausen“ – wer kennt es nicht das Bild von Hans Albers auf der Kanonenkugel? Und die ambivalenten Gefühle, die es auslöst? Denn der trickreiche Ausstattungs- und Abenteuerfilm um den sagenhaften Lügenbaron entstand 1943 als größtes Prestigeobjet der UFA in der NS-Zeit. Joseph Goebbels wollte besonders mit dieser Produktion die Welt von der Leistungsfähigkeit der deutschen Filmindustrie überzeugen. Dabei ging es nicht nur um schauspielerische und tricktechnische Spitzenleistungen, sondern vor allem auch um die Durchsetzung eines eigenen Weltstandards im Farbfilm. Wenige Jahre nach „Vom Winde verweht“ (Victor Fleming, 1939) sollte das deutsche Agfa-Color-Verfahren das Technicolor aus Hollywood ausstechen.</p>
<p>Über dieses verdrängte bzw. tabuisierte Kapitel der deutschen Filmgeschichte ist nun ein ebenso anschaulich-opulenter wie diskussionswürdiger Band erschienen. „UFA in Farbe – Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945“ dokumentiert erstmalig die Produktionsgeschichte und Rezeption der insgesamt 13 Farbfilme, die unterm Hakenkreuz entstanden sind. Dabei gelingt es den Autoren sowohl den richtigen Ton zu treffen als auch den Leser mit neuen Erkenntnissen zu überraschen. Etwa damit, dass diese Filme entgegen der weit verbreiteten Meinung keine Propagandafilme waren. Bis auf eine Ausnahme: „Kolberg“ (Veit Harlan, 1945), ein bis heute sogenannter Vorbehaltsfilm und mit 8,5 Millionen Reichsmark die teuerste UFA-Produktion. Wenngleich er nach Ansicht ausländischer Kritiker alle bis 1945 inszenierten Kriegsfilme aus Hollywood in den Schatten stellte, konnte er doch seine Funktion nicht mehr erfüllen. Der Film hatte die wohl grausigste Premiere, die man sich vorstellen kann. Am 30. Januar 1945 wurden die Filmbüchsen von der deutschen Luftwaffe über der von den Amerikanern besetzten Atlantikfestung La Rochelle abgeworfen.</p>
<p>Interessanterweise hatte sich bereits Ende der 1930er-Jahre die Einsicht durchgesetzt, dass Propagandafilme nicht gut laufen. Und so drehte man vorzugsweise leichte bunte Kost:<span id="more-38053"></span> Märchen-, Tanz-, Kostüm- und Liebesfilme. Ob und wie sich allerdings hinter so harmlosen Titeln wie „Wiener Mädeln“ (1944/45), „Das Bad auf der Tenne“ (1943) „Das große Spiel“ (1942) oder „Frauen sind doch bessere Diplomaten“ (1941) ideologische Botschaften verbargen wird bis heute durchaus kontrovers bewertet. Den dreizehn Filmen ist jeweils ein eigenständiges Kapitel mit viel Bildmaterial gewidmet. Bei der Lektüre gesellt sich zum Schauer auch Faszination. Denn die großzügig präsentierten Abbildungen machen auch bewusst, wie einzigartig Agfacolor war. Die Farben wirken ungleich dezenter, pastelliger, weicher; die Autoren sprechen von lyrischeren Farben, von Farben „mit einem Hauch von Noblesse“ – und so entsteht ein deutlich anderer Bildeindruck als der des eher schreiend-bunten Technicolors aus Hollywood. Auch Francois Truffaut, um ein prominentes und politisch unverfängliches Beispiel zu geben, schwärmte von der besonderen Farbdramaturgie der „goldenen Stadt“, einem sogenannten Jungmädchendrama von 1942. Wie unterschiedliche technische Standards zu vollkommen unterschiedlichen Seheindrücken führen ist ganz nebenbei eine weitere Erkenntnis, welche sich aus dem filmhistorischen Kapitel zum Thema „früher Farbfilm“ ergibt.</p>
<p>Doch das Buch hat einen weiteren Schwerpunkt. All diese Filme sollten nicht nur vom Alltag ablenken, sondern auch kommerziell erfolgreich sein. Durch die Besetzung fast des gesamten europäischen Kontinents und die über Hollywood-Produktionen verhängten Aufführungsverbote war ein riesiger Kino-Binnenmarkt entstanden, mit Kinogängern in dreistelliger Millionenhöhe. Früh hatten Goebbels aber auch Hitler verstanden, dass zu einer erfolgreichen Vermarktung der Ware Film auch große Namen gehören. Also versuchte man das amerikanische Starsystem zu kopieren. Noch bevor die Filme selbst farbig wurden ließen sich die Schauspieler auf Agfacolor-Diafilmen fotografieren. Diese farbigen Portraits, die in Illustrierten, auf Werbeplakaten oder Autogrammpostkarten veröffentlicht wurden, erregten Aufmerksamkeit. Aus privaten Sammlungen und in jahrelanger Arbeit von den Autoren zusammengetragen dokumentieren diese Abbildungen die Attraktivität und Eigenart der damaligen Kinogrößen (und werfen dabei auch ein Licht auf die Homogenität und Uniformität heutiger vor allem weiblicher Hollywoodstars). Idole wie Zarah Leander, die vor 1945 nie in einem Farbfilm auftrat, Kristina Söderbaum, die Ehefrau des Regisseurs Veit Harlan, Emil Jannings, der 1929 den ersten Oscar erhielt, Marianne Hoppe, Lil Dagover, Brigitte Horney, Marika Röck, Heinrich George, um nur einige zu nennen, sind in dieser Bildergalerie versammelt. Wohl nie wieder stießen schöner Schein der Filmwelt und düsterer zeitgeschichtlicher Kontext so augenfällig aufeinander. Man fragt sich auch, wie die Schauspieler in diesem „Spagat“ gelebt haben? Von Hans Albers wird berichtet, er habe es in 12 Jahren NS-Diktatur erfolgreich vermieden, mit einem ihrer Protagonisten abgebildet zu werden. So, als hätten diese, als hätte dies alles niemals existiert.</p>
<p>Es ist schon erstaunlich, dass es sieben Jahrzehnte gedauert hat, bis eine derartige Publikation veröffentlicht wurde. Man muss es den Autoren, nicht zuletzt aber auch dem Verlag, hoch anrechnen, diesen längst überfälligen Beitrag geleistet zu haben. Ein wichtiger Anstoß sich mit diesem dunklen Kapitel der deutschen Filmgeschichte eingehender zu beschäftigen.</p>
<p><em>Daniela Kloock</em></p>
<div id="attachment_38054" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3899104749/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=wwwvideotakde-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899104749" target="_blank"><img class="size-full wp-image-38054 " title="51vCYuYHrkL._SL500_AA300_" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/10/51vCYuYHrkL._SL500_AA300_.jpg" alt="UFA in Farbe" width="300" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">UFA in Farbe</p></div>
<p>Friedemann Beyer/Gert Koshofer/Michael Krüger:</p>
<p><strong>UFA in Farbe – Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945</strong></p>
<p>Collection Rolf Heyne, München 2011,<br />
288 S. mit 340 Abbildungen, 58 Euro.</p>
<p><em>bei <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3899104749/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=wwwvideotakde-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899104749" target="_blank">amazon</a> kaufen</em></p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/2ed736e7497048cab6be9d1c9f231e5e" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Das Kino geht neue Wege &#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Aug 2011 10:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kino: Vergangenheit+Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[
Mach mit, mach&#8217;s nach, mach&#8217;s besser
Kino im Aufbruch: Upload Cinema, Salon oder Neighborhood Location 
Die Kulturinteressen der Deutschen wurden jüngst  von der Stiftung für Zukunftsfragen untersucht. 43 Prozent der Befragten gaben dabei dem Besuch des Kinos den Vorrang vor einem Gang ins Theater, Museum oder Konzert. Ein erstaunliches Ergebnis wo man heute doch fast überall Filme anschauen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/1900/08/kinosaal690.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-36190" title="kinosaal690" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/1900/08/kinosaal690.jpg" alt="" width="680" height="223" /></a></p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Mach mit, mach&#8217;s nach, mach&#8217;s besser</span></p>
<p><span style="color: #888888; font-size: small;">Kino im Aufbruch: Upload Cinema, Salon oder Neighborhood Location </span></p>
<p>Die Kulturinteressen der Deutschen wurden jüngst  von der Stiftung für Zukunftsfragen untersucht. 43 Prozent der Befragten gaben dabei dem Besuch des Kinos den Vorrang vor einem Gang ins Theater, Museum oder Konzert. Ein erstaunliches Ergebnis wo man heute doch fast überall Filme anschauen kann. Am Computer, im Fernsehen, unterwegs auf dem Laptop, auf iPads und iPhones. Die Bilder sind wie die Töne längst mobil geworden, flüchtig und schnell. Demgegenüber funktioniert das Kino – wenn man darunter einen Ort versteht an dem gegen Bezahlung zu einer bestimmten Zeit in einer sehr programmatischen und ritualisierten Form Filme abgespielt werden – wie vor 50 Jahren.<span id="more-36131"></span></p>
<p><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/08/kino300.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-36181" title="kino300" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/08/kino300.jpg" alt="" width="200" height="126" /></a>Hier soll von Versuchen und Initiativen die Rede sein, die die schwerfälligen Vertriebs- und Programmstrukturen verändern und ein flexibleres Kinomodell ausprobieren. Bisher in Deutschland beispielsweise kaum bekannt sind die sogenannten <em>Upload Cinemas</em>. Sie zeigen  nicht nur wöchentlich die witzigsten Filme aus dem Internet, sondern sind darüberhinaus auch eine Plattform für selbst produzierte Kurzfilme ihrer Zuschauer. Die Idee stammt ursprünglich aus Amsterdam. Barbara de Wiyn und Dagan Cohen veranstalten bereits seit 2008 in ihrem Kino Themenabende, für die auf der eigens hierfür eingerichteten website Vorschläge gesammelt werden bzw. jeder auch eigene Produktionen einsenden kann. In einem transparenten Auswahlverfahren wird dann ein Programm zusammengestellt, welches bis zum Abend der Aufführung geheim bleibt. Diese Art von Überraschungskino, kombiniert mit kleinen Festivals oder anderen attraktiven Veranstaltungen, gibt es mittlerweile in mehreren Städten der Niederlande. Jüngst wurde das Konzept sogar nach Spanien exportiert. Auch Barcelona und Madrid haben jetzt ihre <em>Upload Cinemas</em> (<a href="http://www.amsterdam.uploadcinema.net">www.amsterdam.uploadcinema.net</a>).</p>
<p>Das Tolle an der Idee ist, dass sich hier nicht nur ein Netz-affines junges Publikum einfindet, sondern ebenso auch ältere Generationen. Diese ahnen zwar, dass es bei youtube ungewöhnliche Kurzfilme zu entdecken gibt, aber sie wissen nicht wie man diese findet. Upload Cinemas bringen somit Zuschauer unterschiedlichster Altersgruppen zusammen und verwandeln außerdem eine digitale in eine analoge „Community“. Dieses Beispiel macht deutlich, dass das Internet für das Kino Möglichkeiten bietet, um Filminteressierte auf eine neue Art zusammen zu bringen. Dies gilt für die <em>Upload</em> Cinemas ebenso wie beispielsweise für die <em>Cineclubs</em> in Cordoba, wo sich knapp 1000 Mitglieder jede Woche über das Internet verschalten, um dieselben Filme zu sehen. Dadurch entsteht eine neue und äußerst aktive, diskutierfreudige Szene, die eben mehr will und kann, als nur passiv im Kino die Filme anschauen, die Verleihern „gefallen“.</p>
<p><a href="http://shootandrun.de/" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-36184" title="kino2.300" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/08/kino2.3001.gif" alt="" width="300" height="125" /></a>Ungewöhnliche Programmgestaltung, Partizipation, Aufgreifen von Publikumswünschen so lauten die Schlagworte, um Kino flexibler zu machen und veränderten Zuschauerbedürfnissen gerecht zu werden. Hinzu kommt ein immer ungebremsteres Bedürfnis eigene Produktionen aus- und vorzustellen. Im Bereich der bildenden Künste lässt sich schon länger beobachten, dass die traditionellen Grenzen zwischen Künstler und Kunstbetrachter durchlässiger werden. Der Begriff Prosument, ein Amalgam aus Produzent und Konsument, versucht diese Veränderung auf einen Begriff zu bringen. Das Kino hängt hier einer Entwicklung hinterher. Diesseits von youtube muß es Orte geben, wo Selbstproduziertes ohne Zensur und ohne aufwendige Vertriebsstrukturen gezeigt werden kann. Wie beispielsweise im <em>Roderich</em>, einem Kultursalon in Berlin Kreuzberg. Hier findet wöchentlich ein sogenannter <em>shortcutz</em> Kurzfilmwettbewerb statt, wo jeder eigene Filme einreichen kann. Darüber hinaus stellt das <em>Moviemento</em> Kino einmal im Monat die technischen Gerätschaften zur Verfügung um in 48 Stunden einen Berlin-Kurzfilm zu produzieren. Per Publikumsabstimmung wird dann der Gewinner ermittelt (<a href="http://www.shootandrun.de/rtermine">www.shootandrun.de/rtermine</a>). Doch im <em>Roderich</em> werden auch Filme gezeigt, die sonst kein Kino bringt. Spanische und italienische Filme im Original, Phantastisches und Horror, aber auch Klassiker erfreuen eine kleine, vielleicht auch etwas geheime Fangemeinde. Das Verblüffende an diesem Konzept ist, es wird kein Eintritt verlangt, der „Salon“ –  damit wird deutlich, dass es hier um etwas anderes geht – finanziert sich über das Café und den DVD Verleih.</p>
<p>Intimisierung und Miniaturisierung scheinen Trends zu sein, die auch von den großen Verleihern und Kinobetreibern wahrgenommen werden. In England jedenfalls ändert <em>Pathé</em> derzeit radikal sein Kinokonzept. Gebaut werden sogenannte Neighborhood Kinos, mit nicht mehr als 30 bis 40 Plätzen. So entstehen kleinere, leichter zu handhabende Einheiten, die auch wirtschaftlich von anderen Rahmenbedingungen ausgehen können. Man darf gespannt sein, ob und wie sich diese Konzepte für ein vielfältigeres, partizipatorisches und flexibleres Kino verbreiten. Dann werden es vielleicht bald mehr als 43 Prozent für die der Kinobesuch ein lohnendes Erlebnis ist.</p>
<p><em>Daniela Kloock</em></p>
<p><a href="http://www.zukunftkino.com/" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-36180" title="Kino125-05" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/08/Kino125-05.jpg" alt="" width="125" height="50" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/7ffa337e37df4f50830871714831f731" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>„Wünsch dir was!“ – das Kino versucht sich als Erlebnisort aufzuwerten&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 09:56:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kino: Vergangenheit+Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[
„Kino – dafür werden Filme gemacht!“ so lautet der Werbespruch der Filmwirtschaft. Doch die Filmangebote aus dem Netz finden immer schneller ihren Weg zum  Fernsehapparat, zum Monitor oder zum iPad. Demgegenüber ist das Kino eine nicht nur schwerfällige Einrichtung, sondern auch eine äußerst reduzierte „Verteilerdose“ der Ware Film. Was also lässt sich die Branche einfallen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/07/kinosaal690.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-34011" title="kinosaal690" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/07/kinosaal690.jpg" alt="" width="680" height="223" /></a></p>
<p>„Kino – dafür werden Filme gemacht!“ so lautet der Werbespruch der Filmwirtschaft. Doch die Filmangebote aus dem Netz finden immer schneller ihren Weg zum  Fernsehapparat, zum Monitor oder zum iPad. Demgegenüber ist das Kino eine nicht nur schwerfällige Einrichtung, sondern auch eine äußerst reduzierte „Verteilerdose“ der Ware Film. Was also lässt sich die Branche einfallen, um den Besuch der Black Box attraktiver zu machen?<span id="more-33866"></span></p>
<p>Mehrere Strategien lassen sich derzeit beobachten. Da ist zunächst ein altbekanntes Muster. Wie schon immer, wenn dem Kino Konkurrenzmedien in die Quere kamen – man denke an das Fernsehen in den 1960er Jahren oder an das Aufkommen der VHS-Kassette 20 Jahre später – so versucht es auch jetzt mit einem technisch-ästhetischen Mehrwert zu punkten. Waren es früher die Farbe, das Cinemaskop-Format oder das raumgreifende Dolby Surround System so wollte man in den letzten Jahren mit 3D das Kinoerlebnis aufwerten. Steigende Besucherzahlen und der Gewinn über erhöhte Eintrittspreise ließen die Kinowirtschaft zunächst hoffen. Mittlerweile jedoch ist Ernüchterung eingetreten. Unter Fachleuten gilt als ausgemacht, dass es noch einige Zeit dauern wird bis das Kino die Chancen von 3D überzeugend für sich zu nutzen weiß. Neue Formen, die künstlerisch wirklich innovativ sind und auch die große Leinwand brauchen, müssen erst noch entwickelt werden. In diesem Zusammenhang stellt sich eine für die Zukunft absolut grundsätzliche Frage: Findet das Kino Inhalte und Formen, die das Kino nötig machen?</p>
<p>Oder liegt der einzig charakteristische Mehrwert darin, eine Art „Forum Romanum“ zu sein, wie Volker Schlöndorff einmal sagte. Kino als sozialer Ort, als Treffpunkt zieht vor allem dann an, wenn etwas Besonderes geboten wird. Wenn beispielsweise Schauspieler, Regisseure, Filmleute bei Aufführungen hinzukommen, wenn es interessante Gespräche gibt, Premieren oder sonst etwas Außergewöhnliches, stellt sich der Hype des „dabei-sein-wollens“ ein. „Einmaligkeit“ und „Authentizität“ die wichtigsten Charakteristika, die einst Walter Benjamin für den Mehrwert der Theater- gegenüber der Filmaufführung fand, gelten dann auch für das Kino. Vor allem erklärt dies auch die Attraktivität von Filmfestivals, die als Marketing Idee eine nachgerade inflationäre Entwicklung genommen haben. Mittlerweile hat bald jede Stadt ein Filmfestival. Und interessanterweise schaut sich dort ein Publikum Filme an, die es sonst ignorieren würde. „Events herstellen“ heißt also eine weitere Strategie, um das Kinoerlebnis aufzuwerten.</p>
<p>Erfolgreich lässt sich dieser Ansatz auch im Alltag eines normalen Kinobetriebes verwirklichen. Das zeigt das Programm des „Cinéma Le Balzac“ in Paris. Hier finden nicht nur spezielle Wochenend-Matinées statt, sondern regelmäßige live Musikveranstaltungen und Kleinkunst Vorführungen. Diese machen das Filmtheater zu einem attraktiven Treffpunkt für eine Szene, die nicht nur am Kino interessiert ist. Hinzu kommt – typisch französisch – bei Filmpremieren gibt es ein Glas Champagner für alle und die umliegende Gastronomie sponsert delikate Häppchen. Nicht zuletzt auf Grund des Charmes und der Präsenz des Kinobesitzers  – Jean-Jaques Schpoliansky ist eigentlich so gut wie immer in seinem Kino ansprechbar –  fühlt sich das Publikum mit dem Balzac verbunden und vertraut darauf, dass am Wochenende ein Kinoabend bei Patron Schpoliansky immer etwas Besonderes ist.</p>
<p>Die rein aufs Kommerzielle eingedampfte Strategie der Kundenbindung kommt, wie könnte es anders sein, aus den USA. „Premium Cinema“ heißt dieses Konzept und ist bei genauerer Betrachtung nichts anderes als eine aufgehübschte Variante des Multiplex Kinos. Der Filmbesuch wird dabei lediglich zu einer der vielen Haltestationen auf einer Plattform der Vollversorgung an Unterhaltungsangeboten. Von der Pizzeria ins Kino zum Bowling in die Disko, und alles unter einem Dach, vor allem ein junges Klientel findet derlei attraktiv. Eine andere Umsetzung der Idee des „Premium Cinemas“ findet man in Berlin in der Astor Film Lounge. Hier wird versucht die Grandezza der verschwundenen Kinopaläste früherer Zeiten wieder zum Leben zu erwecken. Kinos, die gepflegt wirken und vor allem durch ein schönes architektonisches Ambiente bestechen, kommen bei einem älteren und zahlungskräftigen Klientel an. Doch auch die Astor Film Lounge bietet mehr. Live über Satellit werden Konzerte und Opernaufführungen übertragen und Komfort und Service werden groß geschrieben. Das Auto kann man sich in die Garage fahren lassen und Getränke und Speisen werden am Platz serviert.</p>
<p>Aber es gibt auch Konzepte, die versuchen das streng angebotsorientierte Kino aufzubrechen. Bei „Moviac“ beispielsweise kann man sich auf einer Website den Film seiner Wahl aussuchen. Finden sich über Schneeballsystem im Netz genügend andere Interessierte so bietet der Kinobesitzer diesen Film an. Mit diesem „Wünsch Dir was“-Prinzip versucht das Kino sich zu öffnen, flexibler zu werden und auf  Filmvorlieben der Kunden zu reagieren. Gleichzeitig bildet sich so eine Community von Zuschauern, die denselben Geschmack haben und sich im Kino näher kennenlernen können. Angesichts zunehmender Nutzerorientierung und freier Verfügbarkeit von Entertainment-Angeboten scheint dieser Ansatz Kino zeitgemäßer zu machen einleuchtend.</p>
<p>Ob allerdings die hier vorgestellten Strategien und Konzepte auf Dauer erfolgversprechend sind, oder welche anderen Formen noch entstehen werden um den Kinobesuch aufzuwerten, bleibt abzuwarten. In den USA jedenfalls sind die Kinobesitzer derzeit in höchster Alarmstufe. Video on demand, die Möglichkeit Filme immer früher und immer preisgünstiger am Fernseher abzurufen, ist die große Herausforderung der Zukunft. Auch die Regisseure werden langsam nervös. Kein geringerer als James Cameron äußerte sich jüngst in einem offenen Brief besorgt. Das Kinoerlebnis sei das Herzstück der gesamten Filmindustrie und müsse geschützt und verteidigt werden, schrieb er. Dem wird jeder Cineast spontan zustimmen. Aber im Kino einfach nur Filme abspielen, das wird wohl auf Dauer nicht ausreichen.</p>
<p><em>Daniela Kloock</em></p>
<p><a href="http://www.zukunftkino.com/DanielaKLoockimpressumn.htm" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-33867" title="Kino1,25-0,5" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/07/Kino125-05.jpg" alt="" width="125" height="50" /></a></p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/18a62cdd0d714716b53db141797eb653" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Die einstigen Lichtspielhäuser am Berliner Kurfürstendamm</title>
		<link>http://www.getidan.de/kolumne/daniela_kloock/30720/die-einstigen-lichtspielhauser-am-berliner-kurfurstendamm</link>
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		<pubDate>Mon, 09 May 2011 10:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kino: Vergangenheit+Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[
Traumhäuser des Kollektivs
Kinos am Kudamm – Geschichte, Untergang und  Zukunft
Wer heute bei Tommy Hilfinger, Zara oder Benetton am Kurfürstendamm einkauft muss schon genau hinsehen um Details zu entdecken, die auf eine Zeit verweisen als diese Gebäude noch Lichtspielhäuser und veritable Kinopaläste waren. Das „Marmorhaus“, der ehemalige „Gloria-Palast“, die „Filmbühne Wien“ oder das einstige „Universum-Kino“ (heute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_30777" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/05/2010-ging-im-alten-Zoo-Palast-das-Projektorlicht-aus.680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-30777   " title="2010 ging im alten Zoo Palast das Projektorlicht aus.680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/05/2010-ging-im-alten-Zoo-Palast-das-Projektorlicht-aus.680.jpg" alt="2010 ging im alten Zoo Palast das Projektorlicht aus." width="680" height="507" /></a><p class="wp-caption-text">2010 ging im alten Zoo Palast das Projektorlicht aus.</p></div>
<h5><span style="font-style: normal;"><span style="color: #800000;">Traumhäuser des Kollektivs</span></span></h5>
<h6><span style="font-weight: normal;"><span style="color: #888888;">Kinos am Kudamm – Geschichte, Untergang und  Zukunft</span></span></h6>
<p>Wer heute bei Tommy Hilfinger, Zara oder Benetton am Kurfürstendamm einkauft muss schon genau hinsehen um Details zu entdecken, die auf eine Zeit verweisen als diese Gebäude noch Lichtspielhäuser und veritable Kinopaläste waren. Das „Marmorhaus“, der ehemalige „Gloria-Palast“, die „Filmbühne Wien“ oder das einstige „Universum-Kino“ (heute „Schaubühne“) sind architektonische Überbleibsel eines Erlebens von Kino, welches im krassen Gegensatz zu den anonymen und indifferenten Räumlichkeiten heutiger Multiplex-Kinos steht. Einladene, schön beleuchtete Foyers, großzügige und gepflegte Zuschauerräume, riesige Leinwände, alles sollte darauf hinweisen, dass Kino gesellschaftsfähig geworden war und sich vom einfachen Jahrmarktsrummel und den kleinen Ladenkinos verabschiedet hatte. Die Filmwirtschaft boomte in den 10er und 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Allein in Berlin eröffneten 400 Lichtspieltheater, die Größten und Prunkvollsten am Kurfürstendamm. Zur Eröffnung des „Gloria Palastes“ 1926 – es wurde „Tartuffe“ gezeigt, ein UFA-Film mit Emil Jannings – schrieb die Frankfurter Zeitung: „Die großen Lichtspielhäuser in Berlin sind Paläste, sie schlicht als Kinos zu bezeichnen wäre despektierlich!“ Den wohl treffendsten und schönsten Ausdruck für ihren besonderen Charakter hat Walter Benjamin geprägt. Er sprach 1927 von „Traumhäusern des Kollektivs“, und sein Zeitgenosse Siegfried Kracauer nannte sie – vielleicht eher an die hübschen Platzanweiserinnen denkend – „optische Feenlokale“&#8230;<span id="more-30720"></span></p>
<p>Architektonisch orientierten sich viele dieser Häuser an Theaterbauten, andere nahmen die Moderne vorweg. Bis heute am unverkennbarsten ist – mit seinem horizontalen wie ein riesiger Filmstreifen wirkenden Fensterband –  das von E.A. Mendelsohn erbaute „Universum-Kino“ (UFA). 1928 mit 1800 Plätzen das größte Kino Berlins. Kaum vorstellbar, dass dieses einzigartige Gebäude bevor 1981 die „Schaubühne“  einzog, noch vom Abriß bedroht war.</p>
<div id="attachment_30776" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/05/Marmorhaus.250.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-30776 " title="Marmorhaus.250" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/05/Marmorhaus.250.jpg" alt="" width="250" height="333" /></a><p class="wp-caption-text">Das Marmorhaus glänzt durch seine Fassade aus weißem schlesischem Marmor. Heute ist hier die Filiale einer Modekette.</p></div>
<p>Das Schicksal anderer Filmpaläste und Lichtspieltheater am Kurfürstendamm endete weniger glücklich, in Leerstand („Filmbühne Wien“), Zweckentfremdung, in Verkaufsstätten internationaler Bekleidungsketten. So wird, wo 1919 der berühmteste deutsche Stummfilm „Das Kabinett des Dr. Caligari“ (Oskar Wiene) seine Weltpremiere feierte, heute spanische Mode angeboten, bzw. in einem der größten Yogastudios der Republik geschwitzt. Das „Marmorhaus“, das älteste Kino am Kurfürstendamm, wurde 2001 nach gleichermaßen irrwitzigen wie kostspieligen Umbauten vom ehemaligen UFA Chef Volker Riech gewinnbringend verschachert. Schadlos überdauert hat lediglich der wertvolle schlesische Marmor an der Außenfassade, der dem Haus einst seinen Namen gab.</p>
<p>Schräg gegenüber bei Benetton fallen vielleicht die elegant geschwungene Freitreppe, das Kassenhäuschen und ein Neonzeichen am Eingang auf, die letzten Überbleibsel aus der sehr bewegten Geschichte des „Gloria-Palastes“. Hier wurde – ein Zeichen dafür, dass Berlin einst Hollywood war – der erste Tonfilm der Welt gezeigt, und hier begann die sagenhafte Karriere des berühmtesten deutschen Filmstars aller Zeiten. „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich feierte 1930 vor 1200 Zuschauern im „Gloria-Palast“ seine Uraufführung.</p>
<p>Aus heutiger Sicht auch kaum zu glauben, es gab separate Logen für die Filmstars, einen luxuriösen sogenannten Damensalon als diskreten Warteraum für die Zuschauerinnen, plätschernde Marmorbrunnen, einen Orchesterraum, der 40 Musikern Platz bot, und insgesamt 60 Mitarbeiter, die sich um den Programmablauf kümmerten. Der „Gloria-Palast“ war eben das nobelste Kino Berlins. Nach seiner kompletten Zerstörung im Krieg fand 1953 die feierliche Eröffnung des Kino-Neubaus unter gleichem Namen statt. Mit der BERLINALE kehrten dann in den folgenden Jahren noch einmal der Glanz und die Berühmtheiten zurück. 1976 kam das Kino zu seiner letzten großen Schlagzeile: Romy Schneider, die in Berlin „Gruppenbild mit Dame“ drehte, mietete das Kino um „Schlacht um Berlin“ anzusehen. Der letzte Vorhang im „Gloria-Palast“ fiel, relativ überraschend für die Öffentlichkeit, Ende 1998.</p>
<p>Gewissermaßen das Burgtheater unter den Kinos am Kudamm war nach dem Krieg die „Filmbühne Wien“, ehemals „Union Palast“. Max Reinhardt zeigte dort 1913 seinen zweiten Stummfilm „Insel der Seligen“. Unter dem Kinosaal gab es damals sogar ein großes Konzert-Café. Nach dem Krieg, das Haus blieb unbeschadet, war die „Filmbühne Wien“ Premierenkino, BERLINALE Spielort und das erste Kino mit Cinemascop- Leinwand. Wie bei den anderen großen Häusern so wurden auch hier in den 70er und 80er Jahren weitere Säle eingebaut. In dieser Zeit begann die Ära der sogenannten Schachtelkinos, die die Steilvorlage für die spätere Multiplex-Kino-Entwicklung lieferte. Sogar das ehemalige Foyer wurde zum Kino. Zur Jahrtausendwende stellte die UFA den Spielbetrieb ein. Das auffallende Gebäude mit der tempelartigen Fassade und den großen, archaischen Steinfiguren steht schon geraume Zeit leer. Angeblich eröffnet hier demnächst ein Apple Store.</p>
<p>Führt man die Liste der geschlossenen Kinos fort, („Lupe“ 1 + 2 am Olivaer Platz, das „Astor“ , wo heute Tommy Hilfinger Textiles verkauft, oder das „MGM“) und nimmt noch den „Royal Palast“, das „Kuli“ und das „Hollywood“, die „Kurbel“ und die „Filmbühne am Steinplatz“ hinzu – um nur die Bekannteren zu nennen – wird schmerzlich bewusst, dass das Viertel um den Kurfürstendamm bis 1998 die Gegend mit der größten Kinodichte Deutschlands war.</p>
<div id="attachment_30780" class="wp-caption alignright" style="width: 280px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/05/haus.wien_.270.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-30780" title="haus.wien.270" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/05/haus.wien_.270.jpg" alt="Die Film-Bühne Wien wurde im April 2000 geschlossen. Deutschlands größter Apple-Store soll demnächst hier eröffnen." width="270" height="378" /></a><p class="wp-caption-text">Die Film-Bühne Wien wurde im April 2000 geschlossen. Deutschlands größter Apple-Store soll demnächst hier eröffnen.</p></div>
<p>Gründe für dieses Kinosterben sind einerseits die „multiple complexes“, kurz Multiplex-Kinos – die am Potsdamer Platz gleich im Doppelpack implantiert wurden und zu dem führten, was die Fachwelt „Overscreening“ nennt, also schlicht zu viele Leinwände. Andererseits natürlich die horrend gestiegenen Immobilienpreise und maßlosen Mietforderungen, die sich die Lichtspieltheater mit ihren sinkenden Zuschauerzahlen nicht leisten können.</p>
<p>Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass New York, die Stadt auf die in Berlin alle gerne schielen, seine alten Kinos am Leben erhält. Entgegen allen Immobilienspekulationen, veränderten Mediennutzungsgewohnheiten und marktbestimmenden Multiplexen laufen in Manhatten und Brooklyn noch in etlichen traditionsreichen Lichtspielhäusern Filme wie anno dazumal.</p>
<p>Am Kurfürstendamm jedoch gibt es von einst 22 Kinos gerade noch zwei: die „Astor Film-Lounge“ und das „Cinema Paris“. Im „Cinema Paris“ werden seit über 60 Jahren in einem schönen und technisch gut ausgestatteten Zuschauerraum Filme abgespielt. Dies geschieht unverändet deshalb, weil das Haus im Besitz des französischen Staates ist. Dieser schreibt dem inzwischen zur York-Kino-Gruppe  gehörenden Lichtspielhaus ein europäisches Programm mit 50 Prozent Anteil französischer Filme vor.</p>
<p>Die einstige Grandezza der Filmpaläste am Kudamm wieder aufleben zu lassen versucht seit 2008 die „Astor Film Lounge“, ehemals „Filmpalast Berlin“. Hier wird nicht nur mit alten „Umgangsformen“ geworben – es gibt Türsteher, Gardrobieren, Platzanweiser – sondern auch mit einem architektonisch einmaligen Ambiente. Wenngleich das Ganze vielleicht eher einem „neuen“, geschickten Marketing-Konzept geschuldet ist, so schwebt doch über allem ein bisschen Glanz der alten Zeiten. Es werden kleine Speisen und Getränke angeboten, selbstverständlich nur bis Filmbeginn. Man sitzt bequem, die Leinwand ist riesig und die Vorführtechnik vorzüglich. Der bisherige Erfolg, stetig wachsende Besucherzahlen, scheint diesem Kino-Konzept recht zugeben. Gleichzeitig steht die „Astor Film Lounge“ aber auch für eine traurige Bilanz: es ist das letzte verbleibende Großkino dort, wo einst Filmgeschichte geschrieben wurde.</p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><em>Text: Daniela</em> Kloock</p>
<p><em>Text erschienen in Berliner Zeitung, 04.05.20011</em></p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/76c5fb1316404f89bcda328f9ad147a8" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Prof. Martin Hagemann über 3D Film (Ein Interview)</title>
		<link>http://www.getidan.de/kolumne/daniela_kloock/30689/prof-martin-hagemann-uber-3d-film-ein-interview</link>
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		<pubDate>Sat, 07 May 2011 06:45:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kino: Vergangenheit+Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[

Wir arbeiten im offenen Versuchsfeld

Der deutsche Produzent Martin Hagemann glaubt an die Zukunft von 3D
Herr Hagemann, Sie bereiten zur Zeit den ersten deutschen Science Fiction Film „Creeping Zero“ in 3D nach einem Buch von Jeff Noon vor. Der Film war ursprünglich in 2D geplant, wie kam es zu der Entscheidung?
Auf die Idee ein 3D Projekt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><span style="font-style: normal;"><span style="color: #800000;"></p>
<p><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/05/Hagemann.2602.jpg"><img class="size-full wp-image-30696     alignleft" title="Hagemann.260" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/05/Hagemann.2602.jpg" alt="" width="260" height="165" /></a></p>
<p>Wir arbeiten im offenen Versuchsfeld</p>
<p></span></span></h5>
<h6><span style="font-weight: normal;"><span style="color: #333333;">Der deutsche Produzent Martin Hagemann glaubt an die Zukunft von 3D</span></span></h6>
<p><em><span style="color: #808080;">Herr Hagemann, Sie bereiten zur Zeit den ersten deutschen Science Fiction Film „Creeping Zero“ in 3D nach einem Buch von Jeff Noon vor. Der Film war ursprünglich in 2D geplant, wie kam es zu der Entscheidung?</span></em></p>
<p>Auf die Idee ein 3D Projekt zu machen sind meine englische Kollegin Julie Baines und ich durch „Avatar“ gekommen. Uns war klar, dass hier etwas entstanden ist, was ästhetisch für das Genre Science Fiction bzw. Thriller interessant sein könnte. Hinzu kam, dass es von finanzieller Seite her eine enorme Nachfrage nach 3D Filmprojekten gab, was sich mittlerweile schon wieder etwas relativiert&#8230;</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Bleiben wir beim Finanziellen. Wie viel teurer ist denn eine 3D Produktion und woran liegt das?</span></em></p>
<p><em><span style="color: #333333;"> </span></em></p>
<p>In der Regel wird ein 3D Film zwischen 25 und 30 Prozent teurer. Das liegt zunächst daran, dass 2D-Drehbücher meistens einfach in 3D gedreht werden. Wenn aber ein von Anfang an für 3D geschriebenes Drehbuch die Grundlage für die Produktion ist, dann betragen die Mehrkosten nach meiner Erfahrung nur noch circa 10-15 Prozent.<span id="more-30689"></span></p>
<p>Der eigentliche Mehraufwand besteht dann vor allem bei den Dreharbeiten. Hier braucht man mehr Zeit für den Szenenaufbau. Hinzu kommt, dass Sie mit zwei Kameras arbeiten, die über einen Spiegel zusammengeführt werden müssen. Bei diesem Aufnahmeverfahren verlieren sie Licht. Das muss dann aufwändig ausgeglichen werden. Und der dritte Punkt betrifft die Postproduktion. Hier sind mehr technische Schritte nötig als bisher.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Hatten Sie denn ein für 3D gedachtes Drehbuch für „Creeping Zero“?</span></em></p>
<p><em><span style="color: #808080;"> </span></em></p>
<p>Wir haben unserem Autor Jeff Noon einen 3D Probedreh gezeigt.  Daraufhin hat er das ganze ehemalige 2D Drehbuch noch einmal für 3D umgeschrieben. Er hat die Szenen vor allem langsamer aufgelöst. Das stellt unter anderem auch an die Schauspieler andere Anforderungen. Außerdem haben wir die Ortswechsel eingeschränkt, weil das Auge des Zuschauers sonst nicht mitkommt.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Es gibt also bei 3D ganz andere Regeln für Dramaturgie, Bildaufbau, Szenenauflösungen etc. Wird das denn bereits irgendwo gelehrt? </span></em></p>
<p><em><span style="color: #808080;"> </span></em></p>
<p>Im Moment sind wir noch alle Laien, so viel erstmal vorweg. Bis auf James Cameron natürlich. An der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam laufen jedoch verschiedene studentische Projekte in 3D. Aber bisher kann man sagen, dass wir alle eigentlich noch in einem offenen Versuchsfeld arbeiten.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Immer wieder ist die Rede vom Beruf des Stereographen, können Sie dazu etwas sagen?</span></em></p>
<p>Es geht bei 3D Dreharbeiten unter anderem darum die Tiefe des Bildes zu definieren, festzulegen wie Anschlüsse funktionieren und ähnliches mehr. Das alles ist sehr komplex, und die Kameraleute haben hierzu meist noch wenig Erfahrung. Die Stereographie hat sich in den letzten Jahren von einem ursprünglich rein technischen zu einem eher inhaltlichen Berufszweig entwickelt, weil letzten Endes technische Entscheidungen Auswirkungen auf den Inhalt haben. „Pina“ von Wim Wenders wäre z.B. nicht vorstellbar ohne den Stereographen Alain Derobe, der diesen Film begleitet hat.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Wim Wenders sieht die Zukunft von 3D vor allem im Dokumentarischen, warum ist für Sie Science Fiction als Genre interessant?</span></em></p>
<p>Es gibt Untersuchungen, dass 3D vom Publikum gerade für die dunklen Genres &#8211; also Science Fiction und Thriller &#8211; angenommen wird. Denn hier öffnen sich neue Räume für fantastische Visionen. Wir werden zum Beispiel in unserem Film in den „realen“ 3D Raum noch einmal einen 3D Raum hineinsetzen, so dass es ein doppeltes Raumempfinden geben wird. Also eine bisher völlig unbekannte Raumsituation und unbekannte Räume werden vom Zuschauer eher akzeptiert. Dagegen steht die These von Wenders, dass 3D das perfektere Medium ist für die Wiedergabe des Realen. Dahinter steckt natürlich die komplementäre Vorstellung im Kino der Realität so nahe wie möglich zu kommen.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Gibt es denn Ihrer Meinung nach schon überzeugende 3D Dokumentarfilme?</span></em></p>
<p>Studenten und Dozenten der HFF haben gerade im Rahmen einer Recherche mit einer kleinen 3D Consumer Kamera in einer Schiffsschraubenfabrik in Waren dokumentarisch gedreht und das Ergebnis ist wirklich atemberaubend. Da haben Sie das Gefühl, Sie sind ganz nah dran an der Realität. Das hat wirklich Größe.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Rückt uns das hypergenaue Medium 3D nicht zu sehr auf den Leib? Es gibt neurophysiologische Untersuchungen, die besagen, dass ein Raum, der übergenau repräsentiert ist, eher stört. Salopp ausgedrückt: wir brauchen einen „Freiraum“ um Bilder mental  zu verarbeiten und zu genießen.</span></em></p>
<p>Es gibt da sicher physiologische Grenzen. Aber wenn Sie auf die Überforderung der Zuschauer anspielen so habe ich bezüglich der Informationsdichte in den letzten 10 Jahren viel mehr Probleme mit der Montage in Actionfilmen gehabt. Dort haben wir immer höhere Schnittfrequenzen zu sehen bekommen. Unsere Arbeitshaltung in Bezug auf 3D ist, dass wir die Schnittfrequenz verlangsamen.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Anders gefragt, verändern wir mit 3D die Sehgewohnheiten?</span></em></p>
<p>Bezogen auf das, was im Kino passiert, ja, mit Sicherheit.</p>
<p>In der Filmherstellung stoßen wir durch die Digitalisierung auf neue Wahrnehmungsformen. Aber es gibt auch mehr Möglichkeiten mit weniger Aufwand Filme zu machen. Derzeit produziere ich z.B. einen Film in Armenien. Der Regisseur ist dort, der Cutter sitzt in den USA, und ich bin hier in Berlin. Via Skype und den schnellen Datenübertragungen arbeiten wir gemeinsam an den Schnittfassungen, ohne jedesmal reisen zu müssen. Das wäre in der analogen Welt niemals möglich gewesen.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Eine letzte Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des Kinos?</span></em></p>
<p>Wir brauchen mit der Vollendung der Digitalisierung in den Kinos junge Kinomacher, die die neuen Möglichkeiten der Programmierung und Präsentation innovativ nutzen. Außerdem muss die gesamte Branche für den Erhalt jedes einzelnen Lichtspielhauses kämpfen. Denn wo einmal ein Kino zumacht entsteht kein neues mehr.</p>
<p><em><span style="color: #808080;">Und die Zukunft von 3D?</span></em></p>
<p>Ich glaube 2D wird in fünf bis sechs Jahren historisch sein.</p>
<p><em><span style="color: #888888;">___________________________________</span></em></p>
<p><span style="color: #888888;">Martin Hagemann ist Film-Produzent und Professor für Film- und Fernsehproduktion an der HFF Potsdam Babelberg, außerdem Vorstand der AG DOK sowie seit 2006 Mitglied in der Richtlinienkommission der FFA. 2010 feierte der von ihm produzierte Film „Spur der Bären“ von Hans-Christoph Blumenberg und Alfred Holighaus auf der Berlinale Premiere, 2011 folgte „The Turin Horse“ von Bella Tarr, preisgekrönt mit dem silbernen Bären.</span></p>
<p><em><span style="color: #888888;">___________________________________</span></em></p>
<p><em>Das Gespräch führte Daniela Kloock</em></p>
<p><em>Text erschienen in Berliner Zeitung, 21.04.2011</em></p>
<p><em>Foto: Daniela Kloock</em></p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/c2a57193ac684212890e8decb5219034" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Der Berlinale Bär&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 18:33:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[
Was macht eigentlich der Berlinale Bär mit seinen Tatzen? &#8211; Die Künstlerin Renée Sintenis schuf die Trophäe des Festivals
Filmfestivals scheinen gefährliche Tiere als Werbeträger zu lieben. Berlin hat seinen Bär, Venedig den Löwen, Locarno favorisiert den Gepard. Und jüngst ist dem Bestarium in Saarbrücken der Tiger beigetreten. Zweifelsohne sollen diese Tiere für Faszination stehen: sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_23519" class="wp-caption alignleft" style="width: 220px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/02/Berlinale.baer_.210.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-23519 " title="Berlinale.baer.210" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/02/Berlinale.baer_.210.jpg" alt="Renèe Sintenis (1888 – 1965)  „Bär“, Bronze ca. 1932, Höhe 18,5 cm" width="210" height="257" /></a><p class="wp-caption-text">Renèe Sintenis (1888 – 1965)  „Bär“, Bronze ca. 1932, Höhe 18,5 cm</p></div>
<h5><span style="font-style: normal;"><span style="color: #800000;">Was macht eigentlich der Berlinale Bär mit seinen Tatzen? &#8211; Die Künstlerin Renée Sintenis schuf die Trophäe des Festivals</span></span></h5>
<p>Filmfestivals scheinen gefährliche Tiere als Werbeträger zu lieben. Berlin hat seinen Bär, Venedig den Löwen, Locarno favorisiert den Gepard. Und jüngst ist dem Bestarium in Saarbrücken der Tiger beigetreten. Zweifelsohne sollen diese Tiere für Faszination stehen: sie sind wild, stark, aber auch unberechenbar. Eben so wie die Festivals. Der Bär jedoch hat in vielerlei Hinsicht eine Sonderstellung. Nicht nur dass er phonetisch so perfekt zur Hauptstadt passt, er ist auch – nach dem Hund – des Deutschen Lieblingstier (so das Ergebnis eines Nürnberger Marktforschungsinstituts „Konzept &amp; Analyse“). Das mag unter anderem mit Margarete Steiff zu tun haben, aus deren prominenter Werkstatt vor über 100 Jahren der Teddy seinen Siegeszug antrat. Psychoanalytiker sehen in ihm ja „nur“ das klassische Übergangsobjekt. Es dient der kindlichen Seele als Projektion von Erwartungen und Sehnsüchten. Derzeit funktioniert letzteres jedoch auch mit dem weniger plüschigen Pendant, der Berlinale Trophäe.</p>
<p>Und auch dieser Bär hat seine Geschichte als „kleines“ Kunstwerk einer großen Frau. Die Skulptur, die jeder preisgekrönte Filmemacher stolz in die Kamera hält, ist das Werk der Bildhauerin Renée Sintenis (1888-1965).<span id="more-23518"></span> Die Künstlerin, von der wohl nicht nur Rainer Maria Rilke einst hingerissen war, hatte ein Faible für Kleinplastiken. Sie schuf viele Tiere aus Bronze und Ton. Rehe, Pferde und Bären waren ihre bevorzugten Sujets. Diese Skulpturen waren das künstlerische Antidot zum immer noch verbreiteten Prunk der wilhelminischen Staatskunst. Renée Sintenis Werke waren gefragt in der Zeit der Weimarer Republik. 1921 lehrte sie bereits an der Akademie der Künste in Berlin. Während des Nationalsozialismus jedoch war ihre Zukunft mehr als ungewiß. Sie wurde als Halbjüdin aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen, diffamiert und ihre Werke als entartet bezeichnet.  1947 lehrte sie dann als Professorin an der Hochschule für Bildenden Künste in Berlin und wurde bis zu ihrem Tod mit vielen Preisen geehrt, u.a. erhielt sie als zweite Frau nach Käthe Kollwitz  den „ordre pour le mérite“ für Wissenschaft und Künste.</p>
<p>Der Bär, der als Vorlage für den Berlinale Bär diente, wurde von ihr in den 1930er Jahren geschaffen, und 1951 entstand daraus die Filmtrophäe, die drei Jahre später die Variante erhielt, die wir bis heute kennen und lieben. Der anderthalb Kilo schwere Meister Petz wurde bereits an die 500 mal in Bronze, Gold oder Silber gegossen und verliehen. Wo all diese Exemplare wohl stehen mögen? In Berlin Friedenau ist ein Platz nach der Künstlerin benannt, dort kann man ihr „großes grasendes Fohlen“ das ganze Jahr bewundern. Aber auch jeder, der bei Dreilinden auf der Autobahn stadteinwärts fährt, passiert den großen in Bronze gegossenen Berlinale Bär mit dem hübschen Po, der stolzen Kopfhaltung und der erhobenen linken Tatze. Doch was bedeutet die Geste eigentlich? Winkt dieser Bär? Hebt er zum Beifall an? Sucht er Schutz? Will er uns warnen? So viel ist klar: er ist sehr menschlich geraten &#8211; auch darin unterscheidet er sich vom Savannengetier anderer Festivals.</p>
<p><em>Text: Daniela Kloock</em></p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/047306884e4d44ae9b0c7e9dd4db0fea" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Hans-Joachim Flebbe im Interview: Wir haben hier einen Event.</title>
		<link>http://www.getidan.de/kolumne/daniela_kloock/23149/hans-joachim-flebbe-im-interview-wir-haben-hier-einen-event</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Feb 2011 14:51:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kino: Vergangenheit+Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[„Wenders provoziert vielleicht ganz gerne und 2011 wird ein besseres Kinojahr&#8230;.“
ein Gespräch mit Hans-Joachim Flebbe über die Zukunft des Kinos 

(Hans-Joachim Flebbe ist seit Ende der 70er Jahre Kino-Unternehmensgründer. Der ehemalige Vorstand der CinemaxX AG betreibt Großkinos in Braunschweig und Hannover und baute 2008 den ehemaligen Filmpalast Berlin am Kurfürstendamm zu einer exquisiten Film-Lounge um. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><span style="font-style: normal;"><span style="color: #800000;">„Wenders provoziert vielleicht ganz gerne und 2011 wird ein besseres Kinojahr&#8230;.“</span></span></h5>
<p><span style="color: #333333;"><em>ein Gespräch mit Hans-Joachim Flebbe über die Zukunft des Kinos </em></span></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/02/flebbe.690.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-23198" title="flebbe.690" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/02/flebbe.690.jpg" alt="" width="690" height="395" /></a></p>
<p>(Hans-Joachim Flebbe ist seit Ende der 70er Jahre Kino-Unternehmensgründer. Der ehemalige Vorstand der CinemaxX AG betreibt Großkinos in Braunschweig und Hannover und baute 2008 den ehemaligen Filmpalast Berlin am Kurfürstendamm zu einer exquisiten Film-Lounge um. Nach diesem Vorbild entstehen ähnliche Kinos in Genf und Hamburg, Mailand und Rom sollen folgen. Flebbe hat jüngst auch den Zuschlag für den Zoo-Palast bekommen, der 2012 wiedereröffnet wird.)</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Herr Flebbe  Sie sind ein richtig alter Hase, ja wie sagt man jetzt, der Kinowirtschaft?</span></em></p>
<p>Der Kinobranche. Als Student trat ich gegen die Altbranche in West-Deutschland an. Es gab damals einen großen Kinokönig Heinz Riech. Ihm gehörten alle Ufa Theater, und er war berüchtigt für die sogenannten Schachtelkinos. In die ehemaligen wunderschönen aber heruntergekommenen Filmpaläste mit zum Teil 1000 Plätzen ließ er bis zu sieben Schachtel-Kinos einbauen. Diese Entwicklung führte letztendlich dazu, die Besucher aus den Kinos zu vertreiben.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Das war in den 70er und 80er Jahren. Dann kamen die home-entertainement Produkte, die Videokassette und später die DVD als Konkurrenz. Wie kann das Kino, das Lichtspieltheater wie es früher so schön hieß, wieder punkten?</span></em></p>
<p>Es ist ja so, daß die Multiplexkinos&#8230;</p>
<p><em><span style="color: #333333;">die Sie ja selber mit aufgebaut haben&#8230;<span id="more-23149"></span></span></em></p>
<p><em><span style="color: #333333;"> </span></em></p>
<p>ja, ja, daß diese Kinos für viele Zuschauer absolut nicht mehr akzeptabel sind. Heute muß man eine perfekte Technik haben und natürlich eine Atmosphäre schaffen, die das Gefühl gibt mit anderen Menschen im Kino zu sein. Und das ist dann schon etwas grundlegend anderes als zu Hause alleine vor dem Fernseher zu sitzen.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Film wird bei Ihnen digital projiziert, kommt über Festplatte, also keine Filmrollen mehr?</span></em></p>
<p>Damit auch keine Filmrisse und keine Unschärfen. Das gibt es ja im Digitalen nicht mehr! Wir haben eine insgesamt bessere Qualität, denn die klassischen Filmkopien werden ja immer körniger und unschärfer, weil die Verleiher sparen!</p>
<p>Im übrigen verstehe ich Kino als vierte Leinwand im Raum. Das heißt eine große und gute Projektion mit einem super Sound. Dazu kommt die Bequemlichkeit wie z.B. Liegesessel, oder daß man – wie hier im ASTOR – am Platz bedient wird, wenn man will. Man soll zu uns kommen wie wenn man ins Restaurant gehen würde. Das ist der Unterschied. Wir haben hier einen Event.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Nun gehört ja nicht nur der bequeme Ledersessel und das kalte Hühnerbein dazu, sondern auch Filmkultur. Eben nicht nur die Aufwertung des Kinos, sondern auch der Ware Film. Das heißt u.a. auch Filme zeigen, die eben andere sind als die im Fernsehen, oder Gespräche mit Regisseuren etc.</span></em></p>
<p>Ich sehe das so: Ein Kino hat keinen pädagogischen oder bildungspolitischen Hintergrund. Wir werden aber im ZOOPALAST jede Menge Premieren machen, wo die Schauspieler kommen, vor allem die deutschen Schauspieler, denn dann haben wir hier in Berlin nach der LICHTBURG in Essen das zweitgrößte Kino der Bundesrepublik mit 800 Plätzen.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Nun sind die Kinobilanzen 2010 erschütternd. Fast 20 % weniger Besucher. Woran liegt das? </span></em></p>
<p><em><span style="color: #333333;"> </span></em></p>
<p>Der Anteil an deutschen Filmen im letzten Jahr hat sehr, sehr nachgelassen. Und wenn die Deutschen unattraktive Filme machen, dann ist das für uns ein schlechtes Kinojahr. Aber abgesehen davon muß die Kinobranche insgesamt auf zwei Sachen aufpassen: Sie muß das Publikum mehr umwerben, und sie muß darauf achten, daß die Eintrittspreise nicht zu teuer werden.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Im ASTOR liegt der Eintrittspreis bei 15 Euro im Schnitt, auch nicht gerade billig.</span></em></p>
<p>Wir haben aber steigende Besucherzahlen, und der Eintrittspreis erklärt sich über unseren Personalaufwand.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Wieviel verdient eigentlich derjenige, der so ein Kino betreibt an der Eintrittskarte?</span></em></p>
<p>Das kann ich so nicht sagen&#8230;</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Ist es ein Drittel, die Hälfte?</span></em></p>
<p>Das sagt ihnen keiner! Mal so viel: Die Hälfte des Preises geht an den Verleiher für die Filmmiete und die andere Hälfte deckt die Unkosten.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Dazu gehört auch die Miete. Stichwort Kinosterben am Kudamm, das hat auch etwas mit den Immobilienpreisen zu tun. Früher das alte Astor, das Gloria und die wunderschöne Filmbühne Wien, da soll jetzt angeblich ein Apple Store einziehen, all diese Kinos sind weg.</span></em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Diese Kinos sind alle großen Geschäften zum Opfer gefallen. Deshalb ist es den Besitzern vom ZOOPALAST  hoch anzurechnen, daß da kein Kaufhaus entsteht. Auch Dieter Kosslick hat sich sehr für den Erhalt des Kinos eingesetzt.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Na, kommt dann die Berlinale zurück?</span></em></p>
<p>Ich gehe davon aus. Denn Kosslick ist ein Fan des ZOOPALASTES.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Stimmt es eigentlich, dass die CinemaxX Kinos am Postdamer Platz nach dem Umzug der Berlinale dorthin jahrelang subventioniert wurden, damit sie dem Filmmarkt der IFB erhalten bleiben?</span></em></p>
<p>Was damals zwischen der Debis AG, der damaligen Tochterfirma von Daimler Benz, und der Berlinale ausgehandelt wurde, das weiß ich nicht – das durchblicke ich nicht.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Und heute, fließt da Geld?</span></em></p>
<p>Nee, Quatsch! Die Kinos am Potsdamer Platz gehören zu den fünf best besuchten deutschen Kinos! Da wird nichts subventioniert&#8230;</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Immerhin verbuchte die CinemaxX AG 2008 noch Verluste in Millionenhöhe.– Bleiben wir beim Geld. Stichwort Digitalisierung. Wer soll die teure Umstellung von analoger auf digitale Projektion bezahlen?</span></em></p>
<p>Eine Umrüstung von analog auf digital kostet zwischen 80.000 und 100.000 Euro. Und die einzigen, die etwas davon haben, sind die Verleiher. Denn sie müssen keine Filmkopien mehr machen. Die kosten so ungefähr 1.500 Euro pro Stück in der Herstellung, eine Festplatte demgegenüber kostet ungefähr 100 Euro. Auch die Transportkosten fallen weg.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em><span style="color: #333333;">Aber die Verleiher spielen nicht mit. Und die Programm- und Arthouse Kinomacher argumentieren, daß – abgesehen von der anfänglichen Finanzierung –  völlig unklar ist, was die neue Technik an Folgekosten bringt. Wie lange halten die digitalen Projektoren im Unterschied zu den unverwüstlichen 35mm Projektoren? Und dann die Frage der Kontrolle, der Fremdbestimmung des Programms, das dann zentral gesteuert werden kann. Im Moment ist die Situation ziemlich vertrackt, oder?</span></em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Eines kann man sagen: Die Verleiher warten ab. Sie denken irgendwann fängt schon einer an mit der Umrüstung und beugt sich dem Druck, und dann ziehen die anderen hinterher. Und wenn die kritische Masse an digitalen Kinos da ist, dann haben sie auf jeden Fall gewonnen.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Und dann kommt Wenders und macht 3D, das ist ja auch durchaus kritisch für die Programnmkinos. Das wird ein Lackmustest auf der Berlinale&#8230;</span></em></p>
<p><em><span style="color: #333333;"> </span></em></p>
<p>Da kann man dem Künstler jetzt ja keinen Vorwurf machen. Aber ich denke unser Kulturminister muß sich einsetzen, da müssen Fördermittel fließen, aber das alles zieht sich schon viel zu lange! Aber ich bin sicher, kein Mensch ist daran interessiert, dass in Berlin die kleinen Kinos zu machen und keiner will eine Kinowüste auf dem flachen Lande. Da wird die Politik etwas beitragen müssen&#8230;.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Und wenn kein Geld da ist?</span></em></p>
<p>Auf die Verleiher würde ich jedenfalls als letztes setzen.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Und die kleinen Kinos haben verloren. Marktbereinigung ist das Wort, das häufig auftaucht, wenn es um die Zukunft der Kinos geht, die keinen großen Ketten angehören. Die Hoffnung stützt sich derzeit auf die Politik.</span></em></p>
<p><em> </em></p>
<p>Da muß auf jeden Fall etwas passieren! Zur Zeit machen ja noch viele kleine Kinos auf analog, das geht jetzt noch einigermaßen, aber wer weiß wie die Sache in ein oder zwei Jahren aussieht&#8230;</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Die Kinobranche kommt  insgesamt dann noch mehr unter Druck, wenn das web-tv kommt.</span></em></p>
<p>Ja. Dann, wenn Monitor und Fernseher die gleiche Funktion haben, also wenn man zu hause einen Fernseher hat, wo man sehr viel leichter an die Spielfilme rankommt, ob illegal, legal oder wie auch immer, da kommen noch ganz andere Bedrohungen auf die Kinobranche zu.</p>
<p><em><span style="color: #333333;">Und 3D, bringt das auf Dauer etwas fürs Kino, schafft 3D einen Mehrwert?</span></em></p>
<p><em><span style="color: #333333;"> </span></em></p>
<p>Bei bestimmten Filmen ja. Wo die Story unterstützt wird, eine optische Aufwertung erfährt wie bei <em>Avatar</em>. Aber es gibt unheimlich viele Erzählfilme, wo 3D völlig daneben geht, wo man das gar nicht braucht, wo die Wirkung verpufft&#8230;</p>
<p><em><span style="color: #333333;">3D ist also keine Lösung für eine Film- und Kinokrise? Wenders sagt übrigens die Zukunft von 3D liegt im dokumentarischen&#8230;</span></em></p>
<p>Na ja, als Regisseur provoziert man unter Umständen vielleicht ganz gerne. Aber denken Sie an die Imax Dokumentar- oder Naturfilme. Das ist nicht schlecht, wenn ich <em>Serengenti</em> in 3D sehe. Es ist ein „add-on“ wenn es passt. Aber eine schwache Geschichte möble ich nicht auf, wenn ich die in 3D mache&#8230;</p>
<p>Rückblickend kann man sagen: Es gibt immer wieder „Auf“ und „Abs“ in der Kinogeschichte. Von Jahr zu Jahr wechseln die Rekorde. 2009 war ein Rekordjahr mit 144 Millionen, das letzte Jahr war ein schlechtes Jahr, aber das heißt nicht, dass eine Talfahrt beginnt, sondern ich kenne das seit 30 Jahren. Zugegeben, hat mich das schon erschüttert, dass trotz <em>Avatar</em> und 3D die Zahlen so schlecht sind&#8230;, aber wir gehen davon aus, dass 2011 ein besseres Kinojahr wird.</p>
<p><em>Das Gespräch führte Daniela Kloock</em></p>
<p><em>Foto © Daniela Kloock</em></p>
<p><em>zur website ZUKUNFT KINO geht es </em><em><a href="http://www.zukunftkino.com/" target="_blank">hier</a></em></p>
<p><em><a href="http://www.zukunftkino.com/" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-23231" title="zukunft.kino_.teaser" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/02/zukunft.kino_.teaser.jpg" alt="" width="223" height="125" /></a><br />
 </em></p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/05a5ab86c6a84cb2b5ed1f44f8eab3b0" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Ulrich Kriest (Hg.): Formen der Liebe. Die Filme von Rudolf Thome</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 09:44:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filmwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein neues Buch über den Filmemacher Rudolf Thome
Dieses Buch – als Festschrift zum 70. Geburtstag von Rudolf Thome gedacht – kommt zwar mit Verspätung, dafür ist es eine „runde Sache“ geworden. Freunde und Fans des Regisseurs werden sich freuen. Aber auch für „Thome-Aversive“ dürfte das Buch von Interesse sein. Denn vieles, was in den insgesamt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><span style="color: #800000;"><span style="font-style: normal;">Ein neues Buch über den Filmemacher Rudolf Thome</span></span></h5>
<p>Dieses Buch – als Festschrift zum 70. Geburtstag von Rudolf Thome gedacht – kommt zwar mit Verspätung, dafür ist es eine „runde Sache“ geworden. Freunde und Fans des Regisseurs werden sich freuen. Aber auch für „Thome-Aversive“ dürfte das Buch von Interesse sein. Denn vieles, was in den insgesamt 34 Beiträgen zum Ausdruck kommt, ist auch ein Stück bundesdeutscher Filmgeschichte.</p>
<p>Rudolf Thome, dessen filmische Anfänge in den 60er Jahren in München liegen, kann mittlerweile auf ein Gesamtwerk von 27 Lang- und 6 Kurzfilmen blicken. Im Zentrum seines künstlerischen Schaffens steht von Beginn an das krisenhafte und komplizierte Leben moderner Menschen, ihre Befindlichkeiten, vor allem aber ihre Verstrickungen in  Liebesdingen. Dieses Thema „das Interessanteste im Leben“ verfolgt der Regisseur nach wie vor mit beneidenswerter Unermüdlichkeit. Immer sind die Filme eigenartige, kunstvolle Konstruktionen, angesiedelt in einem seltsamen Zwischenreich wo sich Realität und Phantasie überlagern. „Thome verzaubert die Welt“ schrieb jüngst ein Kritiker. Dieser Zauber scheint sich auch auf diejenigen zu übertragen, die über seine Filme nachdenken, schreiben.<span id="more-22037"></span></p>
<p>In den Aufsätzen, Interviews und Erinnerungsstücken des Buches erfährt der Leser sympathisch beiläufig vieles über das abwechslungsreiche, abenteuerliche und zum Teil schwierige Leben des Regisseurs, der mit dem Schreiben über Film u.a. für die „Süddeutsche Zeitung“ und den „Tagesspiegel“ anfing, sich in Berlin als Bauarbeiter verdingte und im Arsenal-Kino Filmrollen schleppte, um mit sage und schreibe 800 DM das 16mm Material für seinen 5. Film zu finanzieren. Das war, man glaubt es kaum, fünf Jahre nach „Rote Sonne“, dem legendären Film mit Uschi Obermaier, die – auch das erfährt man in dem Buch – nur gegen äußerste Widerstände von Rainer Langhans „die Erlaubnis“ bekam mitzuspielen. Heute gilt „Rote Sonne“, der Film in dem vier junge Frauen in einer Art Kommune leben und beiläufig Männer umbringen, als „einer der radikalsten deutschen Filme“, so Norbert Grob in seinem Text. Und als der Film 2007 auf dem Münchner Filmfest lief „haben sich die Leute fast umgebracht vor Begeisterung“ erzählt der Regisseur.</p>
<p>Das schöne an dem Buch ist auch, dass ganz unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen. Da sind die kleinen „Liebeserklärungen“ von Thomas Arslan und Hanns Zischler, „alte“ erhellende Texte von Karsten Witte, Frieda Grafe, Hans-Christoph Blumenberg – den Großen der bundesdeutschen Filmkritik der 70er Jahre. Aber auch Neues von Ekkehard Knörer, Josef Lederle oder Peter Körte, um nur einige zu nennen. Daneben gibt es mehrere Interviews und ein ausführliches Werkststattgespräch in dem Thome nicht nur von seinen Filmen berichtet, sondern sich auch zur Kinosituation in Deutschland äußert: „Wir sollten nicht versuchen das Hollywood Kino zu imitieren – statt Riesenproduktionen sollten wir kleine listige Filme machen&#8230;“</p>
<p>Last not least findet der Leser auch zwei Beiträge, die Rudolf Thome, der übrigens seit 2003 im Netz eine Art Arbeitstagebuch führt (www.moana.de), selbst verfasst hat: „das Kino, von dem ich träume“ und „Überleben in den Niederlagen – Gedanken zum Filmemachen in der Bundesrepublik“, ein eher nüchterner, aber sehr sympathischer Text über die vielen Schiffbrüche seines Lebens.</p>
<p>Trotzdem und Gott-sei-Dank hat er immer weiter gemacht mit dem Filmen. Seine letzte Produktion „Das rote Zimmer“ ist jüngst in den Kinos angelaufen, wurde bereits auf der Viennale gefeiert und hat wunderbare Kritiken bekommen. Auch für diesen Film gilt der vielleicht schönste Satz des Buches: „Dass jemand so schamlos offen seine Wünsche zeigt, das ist doch etwas sehr seltenes.“ Chapeau! Und hoffentlich noch viele Filme&#8230;</p>
<p><em>Text: Daniela Kloock</em></p>
<p><a href="http://bookview.libreka.de/retailer/urlResolver.do?id=9783894726812&amp;retid=100080#X2ludGVybmFsX0ZsYXNoRmlkZWxpdHk/eG1saWQ9OTc4Mzg5NDcyNjgxMiUyRjYmaW1hZ2VwYWdlPSZfX3N0Yj1TdWNodGV4dA==" target="_blank">reinlesen mit libreka</a></p>
<p><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/01/41J3elZ+KzL._SL500_AA300_.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-22040" title="Formen der Liebe" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/01/41J3elZ+KzL._SL500_AA300_.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a><strong><em>Ulrich Kriest (Hg.): Formen der Liebe. Die Filme von Rudolf Thome</em></strong></p>
<p><em>352 S., Pb., zahlr. Abb., </em><em>29,90 €</em></p>
<p><em>Schüren Verlag, 2010</em></p>
<p><em>bei <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3894726814?ie=UTF8&amp;tag=wwwvideotakde-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3894726814" target="_blank">amazon</a> kaufen</em></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><br class="spacer_" /></p>
<p><em><br />
 </em></p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/0782b35577c148468523e76df670e1cb" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Rudolf Thomé im Interview: Das rote Zimmer</title>
		<link>http://www.getidan.de/gesellschaft/leben/daniela_kloock/20386/rudolf-thome-im-interview-das-rote-zimmer</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Jan 2011 11:45:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kino: Vergangenheit+Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ihr neuer Film „Das rote Zimmer“ hat ein grünes Filmplakat.
Ja wir hatten zuerst ein Rotes, aber das ging dann nicht, und „das rote Zimmer“ auf einem grünen Plakat ist doch eigentlich pfiffiger.
Ja schon, aber das rote Plakat war so malerisch, fast wie ein Bild von von Gerhard Richter&#8230;.
Nur die Schauspielerin wollte nicht nackt abgebildet sein.
Bleiben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-20388" title="th_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/01/th_320.jpg" alt="" width="256" height="199" /></p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Ihr neuer Film „Das rote Zimmer“ hat ein grünes Filmplakat.</em></span></p>
<p>Ja wir hatten zuerst ein Rotes, aber das ging dann nicht, und „das rote Zimmer“ auf einem grünen Plakat ist doch eigentlich pfiffiger.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Ja schon, aber das rote Plakat war so malerisch, fast wie ein Bild von von Gerhard Richter&#8230;.</em></span></p>
<p>Nur die Schauspielerin wollte nicht nackt abgebildet sein.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Bleiben wir beim Thema „Bild“. Die männliche Hauptfigur lässt sich in Ihrem Film über ein Bild verführen. Ein Bild ist es etwas, was ihn von seiner Wissenschaft abbringt. Diese Miniatur auf der eine Insel abgebildet ist bringt ihn zum träumen, es funktioniert wie eine Eintrittspforte ins Paradies&#8230;.</em></span></p>
<p>Das Bild als Eintrittspforte, das gefällt mir als Formulierung! Was dem Schauspieler da passiert das ist übrigens vor der Berlinale beim Drehbuch schreiben auch mir passiert. Man schöpft ja aus allen Quellen und Vieles hat auch mit mir zu tun. Ich habe zu meinen Hauptdarstellern immer wieder gesagt: Ihr spielt auch mich&#8230;<span id="more-20386"></span></p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Woher kommt Ihr Interesse am Küssen, und wie wurde es zu einem Filmthema?</em></span></p>
<p>Das Küssen hat für mich schon immer eine besondere Bedeutung gehabt und als ich dann das Drehbuch für „das rote Zimmer“ schreiben wollte – das war nach der Berlinale 2009 – hatte ich in einer Zeitung einen Bericht über eine amerikanische Kussforscherin gelesen. Da dachte ich, dass wäre doch ein lustiges Thema&#8230; Das kann man übrigens noch heute im Internet nachlesen.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Sie schreiben ja Ihre Drehbücher immer in 28 Tagen live im Internet.</em></span></p>
<p>Ja, und wenn ich anfange weiß ich noch gar nicht, was ich machen will. Es beginnt mit handschriftlichen Notizen 10 Tage lang, und am 11. Tag fange ich dann richtig an.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Das klingt ja fast alttestamentarisch&#8230; Wie muss man sich das konkret vorstellen?</em></span></p>
<p>Das erste wonach ich suche ist ein Titel, der mich reizt, der mir gefällt. Wenn ich den habe kommen immer mehr Sachen dazu, und wenn ich Glück habe ist der Film am 10. Tag im Prinzip im Kopf.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Es gibt dann Leute, die diesen Prozess im Netz verfolgen?</em></span></p>
<p>Ja, auf meiner website „moana-film“ gucken ungefähr 300 Leute täglich rein, und manche schreiben mir dann e-mails.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Kann es vorkommen, dass Sie etwas aufgreifen was Ihnen geschrieben wird?</em></span></p>
<p>Uff, wenn es mir gefällt – es gab auch schon Proteste&#8230;</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Bezogen auf was? Dass Frauen sich im „Roten Zimmer“ so leidenschaftlich küssen?</em></span></p>
<p>Dass das so werden würde war mir selbst vorher nicht klar! Beim Casting habe ich zu den Schauspielern gesagt, ich habe keine Ahnung, wie ich diesen Filme drehen soll, dass es nicht unangenehm wirkt&#8230; In meinen Filmen früher habe ich immer gesagt „bitte die Lippen nur ganz leicht berühren, das sieht viel schöner aus, viel ästhetischer.“ Und dann war ich platt, wie unkompliziert das hier ging&#8230;</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Diese Nähe, die Sie mit den Schauspielern hergestellt haben, scheint sich auch auf die Zuschauer zu übertragen, man schwimmt im Erzählfluss so mit&#8230;</em></span></p>
<p>Ja genau so soll sein! Gestern hab ich einen Film von Jean-Luc Godard gesehen „Une Femme Mariée“, mein Gott das ist Kino! Godart hat eine Art zu erzählen, die gegen alles ist, die total revolutionär ist&#8230; die liebevoll mit den Personen, mit den Figuren, umgeht, die er zeigt. – Max Zihlmann, Klaus Lemke und ich, wir haben früher immer gesagt, Film ist eine Sache der Einstellung. Damit meinten wir natürlich nicht die Kameraeinstellung, sondern die innere Haltung, und das ist letztendlich auch eine Sache der Moral. Dass ein wirklich guter Film eigentlich zutiefst moralisch sein muss.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Sie haben einmal gesagt 99 Prozent aller Filme hätten nichts mit Kino zu tun, das ist starker Tobak.</em></span></p>
<p>Ja, da steh ich zu!</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Was ist dann Kino nach Thomé?</em></span></p>
<p>Von Beginn der Filmgeschichte an gibt es Kino im thoméschen Sinne, z.B. die Filme von Griffith. Ich würde sogar soweit gehen: auch Eisenstein ist Kino. Obwohl der eine Botschaft rüberbringen wollte – und wenn die Botschaft das Primäre wird, gefällt mir das überhaupt nicht!</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Das würde jetzt aber bedeuten, dass ihrer Meinung nach 99 Prozent der Filme eine Botschaft haben?</em></span></p>
<p>Ja, denn das ist es was das Publikum will, was die Festival-Chefs wollen, und was die Kinobesitzer wünschen – und die verstehen ja vom Film gar nichts, nicht wirklich&#8230; Es gibt von Samuel Goldwyn den bekannten Spruch aus den 1930er Jahren „if you have a message send me a telegram“. Mein Filmverständnis ist geprägt durch die nouvelle vague, durch deren Filme und Texte – denn die meisten Regisseure haben ja auch geschrieben – habe ich Kino kennen gelernt. Auch das amerikanische Kino. Für die deutsche Kritik war damals ein Film von beispielsweise Howard Hawks unannehmbar. Das war ja Kommerz! Und in den 1950er Jahren wollten sie historische Themen. Das waren dann Filme, in die ganze Schulklassen reingehen mussten, um hinterher Aufsätze zu schreiben, Filme über Gustav Stresemann oder so was&#8230; Und als dann die Oberhausner kamen mit ihrem Manifest hat sich zwar ein bisschen was verändert, aber die sind total auf die Forderungen der damaligen Filmkritik eingegangen. Filme mussten gesellschaftskritisch sein. An vorderster Front war das Alexander Kluge, aber schauen sie sich heute mal einen Kluge-Film an&#8230;. Für mich ist es so: man muss aus dem Kino kommen und sich wohl fühlen. Und das betrifft nicht nur Filme, auch Romane. Wenn ich ein Buch lese, merke ich schon auf den ersten 20 Seiten, ob ich dabei bin oder nicht. Da springt etwas über, was mich fasziniert oder nicht, womit ich mich wohl fühle oder nicht.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Dann kommen am Ende ja nur Wohlfühlfilme raus&#8230;</em></span></p>
<p>Was heißt das denn schon! Es will doch niemand einen schlechten Film machen oder sehen. Dazu ist das Ganze auch zu mühsam und zu teuer. Aber jetzt hier bei „das rote Zimmer“ gibt es durchaus Leute, denen der Film ÜBERHAUPT nicht gefällt! Einer hat gesagt, der Film beginnt mit einer Prostitutierten und endet mit Prostitution. Ein Mann, der mit zwei Frauen zusammenlebt und die einen Vertrag machen, dass er das bezahlt, das sei doch letztendlich Prostitution. Ich habe gesagt: im kommunistischen Manifest bei Karl Marx heißt es, die Ehe IST Prostitution.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Ein Vertrag zur gegenseitigen Benutzung der Geschlechtsorgane schreibt Kant&#8230;</em></span></p>
<p>Und im Christentum heißt es, die Ehe ist ein Sakrament. In meinen Filmen wird ja relativ häufig geheiratet und ich habe schon erlebt, dass ein katholischer Pfarrer das ablehnt zu spielen – weil die echten Pfarrer sind einfach besser als Schauspieler – weil es ein Sakrament ist.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Es gibt absolute Thomé-Fans und absolute Thomé-Hasser. Sie sind so eine Art Scheidewasser, wie erklären Sie sich das? Nur wenige Filmemacher rufen so eine Spaltung hervor, oder?</em></span></p>
<p>Also auf Dauer wahrscheinlich nicht&#8230;</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Das ist doch eine echte Leistung über all die vielen Jahre&#8230;.</em></span></p>
<p>Sie sehen das positiv? Aber ich muss damit leben! Mir wäre natürlich lieber, wenn es das nicht gäbe, denn ich möchte von allen Leuten geliebt werden.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Nee, ehrlich?</em></span></p>
<p>Ja, doch!</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Ist „das Rote Zimmer“ digital gedreht?</em></span></p>
<p>Ja, dieser Film ist der erste Film von mir, der digital gedreht ist. Obwohl ich ein totaler Computer-Freak bin stand das bisher nicht zur Debatte&#8230;</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Wie kam es dazu? Und wie würden Sie das rückblickend beurteilen?</em></span></p>
<p>Ich habe einfach nicht mehr Geld bekommen&#8230; Und die Umwandlung von anlog, also von 35-mm Negativabtastung in HD hätte um die 25.ooo Euro gekostet, und dieses Geld hätte mir gefehlt. Das war ein langer Prozess des Umdenkens. Dann kam mir die Idee: ich drehe den Film gleich digital und zwar mit der Red One.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Warum stand das denn bisher nicht zur Debatte, wo doch so viele über das digitale Drehen schwärmen?</em></span></p>
<p>Ich hab ja auch erst 2005 zum ersten Mal die digitale Postproduktion machen MÜSSEN. Bis dahin stand hier ein klassischer Schneidetisch, stellen Sie sich das mal vor, und das ging einfach nicht mehr! Es gab kein Material mehr!</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Was?</em></span></p>
<p>Ja! Es gab kein Perfoband mehr, es gab kein Blauband mehr, im Mischstudio standen die 12 Mischmaschinen, die 12 Perfospieler nicht mehr&#8230; Dann habe ich versucht diesen Schneidetisch zu verkaufen, der war perfekt. NIEMAND wollte ihn haben, ich wollte ihn verschenken, auch das hat 2 Monate gedauert. Daran sehen Sie wie viel sich verändert hat&#8230; Also ich bin durch die technische Entwicklung gezwungen worden digitale Postproduktion zu machen.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Ohne diesen Zwang hätten Sie genau so weiter gemacht?</em></span></p>
<p>Ja hätte ich weitergemacht</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Aus Gewohnheit?</em></span></p>
<p>Nein man hat mir natürlich schon in den 90er Jahren gezeigt wie digitale Schnittsysteme aussehen. Aber ich wollte diesen Materialwiderstand und eine Cutterin, die sich dreimal überlegt, ob sie einen Schnitt setzt, weil wenn er falsch ist, muss sie ihn neu zusammenkleben. Also der Materialwiderstand, der ist schon produktiv, und wenn der wegfällt dann fehlt etwas&#8230;.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Und jetzt?</em></span></p>
<p>Jetzt habe ich das erste mal mit einer Cutterin zusammengearbeitet, die das Programm, den digitalen Schnitt, den final cut an der dffb unterrichtet. Das war ein wunderbares Erlebnis! Es ging unendlich schnell. Wir hatten nach 5 Tagen bereits den Rohschnitt, und nach 14 Tagen war der Schnitt ganz fertig. So konnte der Film bereits auf der VIENNALE gezeigt werden.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Rückblickend würden Sie also sagen es ist ein tolle Sache?</em></span></p>
<p>Ja. Aber das hat ja nichts mit dem digitalen Drehen zu tun. Das digitale Drehen ist nochmal eine ganz, ganz neue Erfahrung gewesen. Denn ich sehe sofort, was ich gedreht habe. Ich bin ja immer neben den Schauspielern, ich arbeite nie mit Monitor. So spüren die Schauspieler meinen Blick, nach ein oder zwei Drehtagen spüren sie meinen Enthusiasmus, und das hilft ihnen wirklich gut zu sein&#8230; Der ganz große Vorteil ist aber, dass ich nicht mehr daran denken muss was es kostet, wenn die Kamera läuft. Ich habe früher immer gesagt, Ihr müsst solange spielen bis ich cut sage&#8230; Ihr müsst weiter spielen&#8230; bei 16 mm konnte man sich das leisten, aber bei 35 mm, wo einfach jede Sekunde, die die Kamera läuft um die 4 Euro kostet, jede Sekunde, nur das Bild&#8230;Negativmaterial, Entwicklung, Kopierwerk, Muster&#8230;.stellen Sie sich das vor!</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Nun gibt es ja prominente Stimmen, Sophie Coppola oder Woody Allen, die sagen sie würden nie digital drehen! Weil es diesen Touch nicht mehr hat&#8230;</em></span></p>
<p>Aber den können sie doch künstlich herstellen.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Kommen wir noch auf das Thema „Kino“. Denken Sie, dass das Kino als Abspielstätte eine Zukunft hat, wo man sich jetzt doch fast alles aus dem Netz holen kann?</em></span></p>
<p>Ich denke das Kino der Zukunft wird digital sein im Bezug auf die Produktion. Und ich bin sicher die Kinoorte werden so flexibel sein, dass sie sich verändern. Denn sie müssen sich verändern! Ich kenne ja noch die wunderbaren Filmpaläste am Kudamm, von denen ja bis auf wenige Ausnahmen nichts übrig geblieben ist. Vielleicht noch die Astor-Lounge, okay, aber ansonsten ist nichts übrig geblieben. Die Astor Longe soll ja vom technischen und vom Komfort her absolute Spitze sein. Und genau so muss das sein!</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Also wenn die Technik stimmt und das Ambiente, dann würden Sie sagen, dass das Kino also Ort überlebt?</em></span></p>
<p>Ja.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Trotz all der Konkurrenz der anderen Medien, der anderen Abspielmöglichkeiten?</em></span></p>
<p>Ja gut, ich habe da auch einen Plasmafernseher, 42 Inch. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht oft ins Kino gehe. Ich habe zum Beispiel jetzt alle Hong Sang-hoo Filme gesehen, dat geht ja nur so&#8230;</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Deshalb frage ich ja&#8230;</em></span></p>
<p>Wenn ich also sage, ich habe gerade „Une Femme Mariée“ von Godard gesehen, so geht das ja auch nur so! So ein Film läuft ja nicht im Kino. Und das Internet macht das möglich. Wenn man unbedingt will kriegt man da fast alles. Das ist natürlich eine Konkurrenz für das Kino. Aber natürlich müssen sich nicht nur die Kinos verändern, sondern auch das Publikum&#8230; das, was in den 50er Jahren in Frankreich passiert ist und was in den 60er Jahren in New York passierte, das kann wieder passieren, aber jetzt halt leider nicht. Diese totale Filmverrücktheit ist einfach vorbei, wobei im Internet da etabliert sich was. Es gibt da Foren, Websites, da tut sich schon einiges.</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Zum Schluss: Wovon wird Ihr nächster Film handeln?</em></span></p>
<p>Mein nächster Film wird die Geschichte über einen alten Regisseur erzählen, der als Produzent und Schauspieler den ersten Spielfilm seiner Tochter begleitet. Es wird ein Road Movie werden, quer durch Italien. Und die Tochter dreht digital, träumt aber vom analogen&#8230;</p>
<p><span style="color: #888888;"><em>Herr Thomé, vielen Dank für dieses Gespräch.</em></span></p>
<p><em>Interview und Foto: Daniela Kloock</em></p>
<p><span style="color: #800000;"><a href="http://www.getidan.de/film/peter_claus/20994/das-rote-zimmer" target="_blank">mehr lesen:</a> </span>Ballade vom unbezahlbaren Wert der Liebe <span style="color: #800000;">Peter Claus über DAS ROTE ZIMMER<br />
 </span></p>
<img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/7c4ac5f37d8640338a12e85a2f62e2c8" width="1" height="1" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>3D Film – Hype oder neue Kunstform?</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Jan 2011 22:07:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniela Kloock</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kino: Vergangenheit+Zukunft]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[
3D ist so alt wie die Filmgeschichte selbst. Neu jedoch ist das Universalmedium Software, welches die komplette Digitalisierung unserer Lebenswelt möglich macht. Dies führt zu erheblichen medialen Verlagerungen und Verschiebungen und nicht zuletzt zu einer gigantischen, global-kapitalistischen Verwertungskette.
Denn auch bei der digitalen Dreidimensionalität geht es – wie bei allen umfassenden technisch-ästhetischen Umbrüchen in der Geschichte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/01/coraline.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-20156" title="coraline" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/01/coraline.jpg" alt="" width="690" height="319" /></a></p>
<p>3D ist so alt wie die Filmgeschichte selbst. Neu jedoch ist das Universalmedium Software, welches die komplette Digitalisierung unserer Lebenswelt möglich macht. Dies führt zu erheblichen medialen Verlagerungen und Verschiebungen und nicht zuletzt zu einer gigantischen, global-kapitalistischen Verwertungskette.<span id="more-20154"></span></p>
<p>Denn auch bei der digitalen Dreidimensionalität geht es – wie bei allen umfassenden technisch-ästhetischen Umbrüchen in der Geschichte der Medien – um ein riesen Geschäft. So ist die Produktion eines 3D Films beispielsweise im Durchschnitt 15 Millionen Dollar teurer als ihre 2D Variante auf Grund der aufwendigen Technologie. „Drachenzähmen leicht gemacht“ hatte z.B. eine Produktionszeit von 5 Jahren. Auch deshalb weil innerhalb eines einzigen Drehtages durchschnittlich drei Terabyte Daten anfallen, die bearbeitet werden müssen. Und so viel Rechenpower erfordert wiederum laufend neue Investitionen in leistungsfähigere Computer.</p>
<p>3D ist also ein schönes Beispiel unserer ökonomischen Logik: immer größer, immer mehr! Und so wundert es nicht, dass über kurz oder lang auch der Fernsehapparat, das Handy und natürlich der heimische PC umrüsten. Auch im medizinischen und militärischen Bereich wird 3D „state of the art“. Keineswegs geht es also um ein spezielles Kinophänomen, sondern das Lichtspielhaus dient als Vorreiter und Aufmerksamkeitsfenster zur Durchsetzung einer neuen Technologie. Was bedeutet, dass auch schneller als gedacht Schluss sein könnte mit der momentanen Euphorie.</p>
<p>Doch nicht nur der Neuigkeitswert könnte sich verschleifen, es gibt auch deutliche Minuspunkte der „neuen“ Technologie selbst. Zum einen sind circa ein Fünftel der 3D Filme des vergangenen Jahres nachträglich konvertiert –  das heißt die Bilder wurden klassisch gedreht und im Nachhinein aufgedoppelt und stereoskopisch verschoben – und also eigentlich Schummelpackungen. Hierzu gehören z.B. „Kampf der Titanen“, „Die Legende von Aang“ oder „Piranha 3D“. Zum anderen gilt: 3D lässt die Filmbilder „absaufen“. Denn sie verlieren in der Regel von der Aufnahme bis zur Projektion 3 Blenden, was den bekannten US-amerikanischen Filmhistoriker und Drehbuchautor Rogert Ebert regelmäßig fuchsteufelswild macht. „Alice in Wonderland“ auf 3D sei beispielsweise schlichtweg ein Ärgernis wenn man die in den Farben und vom Licht her ungleich schönere 2D Fassung des Films kennt. Rogert Ebert kritisiert aus guten Gründen darüber hinaus auch, dass sich das Kino mit 3D anderen, besseren Möglichkeiten der Projektion verschließt.</p>
<p>Doch es fehlt vielen Filmen nicht nur an Leuchtkraft und an mangelnder Tiefenschärfe, sondern auch daran, 3D dramaturgisch sinnvoll einzusetzen. Bestes Beispiel hierfür ist „Saw 3D“. Der Film floppte jüngst total. Er ist eine uninspirierte Pflichtübung und erschreckend schlecht im Vergleich zu 3D „My Bloody Valentine“. Dass das stereoskopische Kino, wenn es auf Dauer erfolgreich sein will, neue, andere Erzählformen braucht gilt Fachleuten mittlerweile als Gewissheit.</p>
<p>Doch noch ein weiterer Punkt ist zu beachten. Bisher war ja der wichtigste Marketing-Aspekt um das 3D Erlebnis attraktiv zu machen das Moment der sogenannten Immersion. Wir sollen uns „ganzheitlicher“ als bisher in die Bilder versenken, ganz nah dran, mittendrin im Filmgeschehen sein. Damit verändert sich etwas grundlegend. Denn das Vergnügen im Kino bestand im Voyeurismus, im sicheren Abstand zum Geschehen. 3D aber führt der Tendenz nach zur gesteigerten physischen Teilhabe. Es provoziert Reaktion, vielleicht sogar Interaktion. Damit wären Games im 3D Bereich medial viel naheliegender. Wie ja überhaupt das interaktive Spiel gegenüber dem rein rezeptiven Kino zunehmend an Marktchancen gewinnt.</p>
<p style="text-align: center;"><span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #888888;"><span style="color: #000000;">Anzeige_</span>__________________________________________________</span></span></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.facebook.com/#!/pages/Kokowaah/150729788292378" target="_blank"><img class="size-full wp-image-20415  aligncenter" title="kokowääh" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/01/kokowääh.gif" alt="" width="450" height="110" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><span style="text-decoration: underline;"><span style="color: #888888;">_________________________________________________________</span></span></p>
<p style="text-align: left;">Doch noch herrscht weitestgehend Optimismus in der Filmbranche. Die toll klingenden Kinobilanzen des ersten Halbjahres, immerhin ein Umsatzplus von circa 13 %, gehen zu einem guten Teil auf das Konto von 3D. Und wenn demnächst Wim Wenders mit seinem 3D Film über Pina Bausch kommt, gibt es sicherlich noch einmal eine Wende. Denn dann könnte das neue alte Medium auch attraktiv für den Arthaus-Dokumentarfilm werden und das Image des großen Rummels verlieren. 3D wird dann „seriös“ oder sollte man „kunstvoll“ sagen?</p>
<p style="text-align: left;">Interessant ist in diesem Zusammenhang „Coraline“. Hier sind Räume/Szenen zu sehen, die nachweisbar nicht nach den klassischen Regeln der Perspektive funktionieren. Man kann quasi „Van Goghsche“ Bildverzerrungen und Größenverschiebungen entdecken, die verfremdend wirken. Diese künstlerisch beabsichtigten Regelverletzungen der klassischen Perspektivlehre gehen in eine Richtung, die der US-amerikanische Film- und Medientheoretiker Lev Manovich als eigentliches Potential der digitalen Bilder angedacht hat. Er hofft, dass sich mit dem Digitalen das Bild endlich von der indexikalischen Identität photorealistischer Bilder löst und aufzeigt, was vordem so noch nicht sichtbar war. Statt irgendetwas festzuhalten, was sich vor einer Kameralinse abgespielt hat, wird es dann vielmehr um künstlerische Visualisierungen von Ideen und Vorstellungen gehen.</p>
<p>Erst die nächsten Jahre werden also zeigen, ob der „Aufbruch nach Pandora“ der Beginn einer neuen Kunstform war oder nur ein erfolgreiches Mittel die Film- und Bilderindustrie weiter anzufeuern.</p>
<p><em>Text: Daniela Kloock</em></p>
<p><em>zuerst erschienen in Berliner Zeitung</em></p>
<p><em>Bild: „Coraline&#8221; (Universal Pictures)</em></p>
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