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	<title>Lesen was klüger macht &#187; Henryk Goldberg</title>
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		<title>The Artist (Michel Hazanavicius)</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 16:43:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmspiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>

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		<description><![CDATA[
Das Schweigen hören
„The Artist“ rekonstruiert die Ästhetik des Stummfilms mit Raffinesse und Sensibilität. Dafür wird es Oscars geben. Wer diesen perfekten Film genießen will, sollte allerdings ein Cineast sein
„Ich sage nichts. Ich sage kein Wort“, sagt der Mann, den sie foltern, aber wir hören es nicht. Wir sehen, was er sagt, es steht auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_6801.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41193" title="artist_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_6801.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Das Schweigen hören</span></p>
<p><span style="color: #808080;">„The Artist“ rekonstruiert die Ästhetik des Stummfilms mit Raffinesse und Sensibilität. Dafür wird es Oscars geben. Wer diesen perfekten Film genießen will, sollte allerdings ein Cineast sein</span></p>
<p>„Ich sage nichts. Ich sage kein Wort“, sagt der Mann, den sie foltern, aber wir hören es nicht. Wir sehen, was er sagt, es steht auf dem Zwischentitel. Wir sehen einem Stummfilm zu, die Leinwand, das Orchester, das premierengeschmückte Publikum, die Stars hinter der Leinwand. Der Film heißt „The Russian Affair“, der nächste wird „The German Affair“ heißen. Dann der Applaus, doch auch den sehen wir nur, und das ist einen Augenblick lang fremd und irritierend. Denn jetzt sehen wir nicht einem Stummfilm zu, jetzt sehen wir einen Stummfilm. „The Artist“, der Künstler, ist ganz gewiss einer der merkwürdigsten Filme der letzten Jahre. Diese französische Produktion des Regisseurs Michel Hazanavicius, die nach den Golden Globes einer der beiden großen Favoriten für den Oscar ist, rekonstruiert mit handwerklicher Perfektion und künstlerischer Sensibilität die Ästhetik des Stummfilms. Und damit das einen Grund in sich findet, erzählt er in den Formen dieser versunkenen Ästhetik davon, wie sie versank. George Valentin (Jean Dujardin), der Stummfilmstar, ist mit seinem Produzenten bei einem Soundtest, 1929. The Artist, der Künstler, lacht und geht. Er lacht, weil er dieses neue Mittel, den sprechenden Film, für etwas Unkünstlerisches hält. Er lacht über seinen Untergang.<span id="more-41188"></span> Denn der schweigende Star ist der untergehende Star. Und einem Kino, in dem die Erde ein schweigender Stern ist, konnte nie die Zukunft gehören. Die Zukunft des Kinos wird immer in jener Technik liegen, die dem Leben am nächsten kommt. Und die Haltung dieses Stars ist genau jene künstlerische Ignoranz, von der noch jede technische Innovation begleitet wurde. Die Erfindung des Films selbst galt mehr als eine Errungenschaft des Jahrmarktes als der Kunst. Misstrauen galt der Erfindung des Tones und der Farbe, wie es <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_3201.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41194" title="artist_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_3201.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>den neuen Formaten galt. So galt und gilt es der Einführung der Dreidimensionalität. Und jetzt ist „Pina“ von Wim Wenders, ein hochkünstlerischer Dokumentarfilm über eine Künstlerin, für einen Oscar nominiert. Manchmal erscheint uns ein ästhetischer Rückgriff auf eine zurückliegende Technologiestufe des Kinos als reizvoll. Das macht etwa die Besonderheit von Schwarz-Weiß-Filmen aus, das kleine Format, die karge Ästhetik lässt uns solche Filme als kostbar empfinden, weil sie weniger schreiend sind als das, was wir gewohnt sind im Kino. Dieser Film aber ist nicht einfach weniger schreiend, er ist stumm. Und das ist ein Rückgriff auf eine Entwicklungsstufe des Kinos, die für die Mehrheit der Kinobesucher nur noch schwer nachzuvollziehen sein dürfte. Zu erwarten, dass diese Ästhetik eine Renaissance erleben könnte, das wäre, als erwartete man eine Renaissance des Lateinischen als Lingua franca der Gegenwart. Dabei, dieser Film ist wunderbar, er ist einfach großartig gemacht – aber man muss wohl ein Cineast sein, um sich an den Zitaten der verschiedensten Art erfreuen zu können. Der Vorspann in dem alten, kleinen Format ist im Design der frühen Filme gehalten, die Schrifttitel werden durchgeblendet, wir erleben die gute alte Kreisblende am Wirken. Die Schauspieler, begleitet von klassischer Filmmusik, unterbrochen von den Zwischentiteln, rekonstruieren perfekt den Stil, mit dem gespielt wurde im stummen Film. Die großen, ausgestellten Gesten, die, sozusagen, überdeutlichen Gesichter. Jean Dujardin mit dem markanten Männergesicht der Stummfilmzeit, Berenice Bejo mit dem flirrenden Charme der Zeit, beide auch nominiert für die Darsteller-Oscars, sie für die beste Nebendarstellerin. Und sie vermitteln das Gefühl, als seien sie, alle, mit einer überbordenden Lust am Arbeiten. Und Michel Hazanavicius kann das inszenieren mit einer wunderbaren Balance. Sie spielen das mit einer wunderbaren sanften Ironie und erlauben es uns doch, sie jederzeit ernst zu nehmen als künstlerische Äußerung. Wie fremd uns diese Ästhetik ist, wie geprägt wir von unseren Gewohnheiten sind, das kann jeder Besucher selbst an sich kontrollieren: Wenn wir das applaudierende Publikum sehen, den rotierenden Plattenteller, hören wir gleichsam das Geräusch – bis wir das Schweigen hören. Michel Hazanavicius hat eine wunderbare Szene. George hört plötzlich den Hund bellen, er hört das Glas, das er absetzt, den Stuhl, den er rückt. Und wir begreifen, wie fremd ihm das, im Kino, erscheinen muss, weil auch wir diese Geräusche jetzt hören, wo wir uns doch daran gewöhnt hatten, das Schweigen zu hören. Wenn dieser Film 80, 85 Jahre alt wäre, dann läge er unberühmt im Archiv. Wenn er, und so wird es sein, einige Oscars bekommt, dann werden die also einer exorbitanten handwerklichen Leistung und der Nostalgie von Cineasten gelten. So ziemlich am Ende gibt es ein geschriebenes „Peng“, und dieses „Peng“ ist der vielleicht witzigste Moment, den das Kino in den letzten Jahren hatte, und es erklärt zugleich, was der Schnitt bedeutet für das Kino. Und machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie diesem „Peng!“ begegnen: Alles wird gut.</p>
<p><em>Henryk Goldberg</em></p>
<p><em>erschienen in Thüringer Allgemeine Zeitung</em></p>
<p><em>Bilder: Delphi</em></p>
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		<title>Hitler im Vogelkäfig sorgt für Debatte</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 08:15:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[MELDUNG Ein kleiner Adolf Hitler in Uniform, der grüßend in einem Vogelkäfig eingesperrt ist. Die provokante Plastik des Weimarer Bauhaus-Studenten Sebastian Hertrich werden die Gäste der Ausstellungseröffnung am Donnerstag auf dem Fraktionsflur der Grünen im Landtag nicht gleich sehen. Das Kunstwerk steht in einem Beratungsraum. (Kai Mudra, Thüringer Allgemeine,  26.01.12)
&#160;
KOMMENTAR von Henryk Goldberg: Braune  Vögel
Natürlich, streiten kann man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_41121" class="wp-caption aligncenter" style="width: 523px"><a href="http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Hitler-im-Vogelkaefig-sorgt-fuer-Debatte-1554495768" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41121  " title="Hitlerkäfig513" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Hitlerkäfig513.jpg" alt="" width="513" height="192" /></a><p class="wp-caption-text">Nur in einem Zimmer darf Sebastian Hertrich sein Kunstprojekt &quot;Your Brown Cage&quot; - einen Käfig mit Hitlerfigur - im Landtag zeigen. Foto: Sascha Fromm </p></div>
<p><span style="color: #ff0000;">MELDUNG</span> Ein kleiner Adolf Hitler in Uniform, der grüßend in einem Vogelkäfig eingesperrt ist. Die provokante Plastik des Weimarer Bauhaus-Studenten Sebastian Hertrich werden die Gäste der Ausstellungseröffnung am Donnerstag auf dem Fraktionsflur der Grünen im Landtag nicht gleich sehen. Das Kunstwerk steht in einem Beratungsraum. (<a href="http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Hitler-im-Vogelkaefig-sorgt-fuer-Debatte-1554495768" target="_blank">Kai Mudra, Thüringer Allgemeine,  26.01.12</a>)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #ff0000;">KOMMENTAR </span>von Henryk Goldberg: <span style="font-size: medium; color: #800000;">Braune  Vögel</span></p>
<p>Natürlich, streiten kann man immer. Ob das Kunst ist? Der kleine Hitler im Vogelkäfig, wir stellten ihn gestern vor. Aber im Grunde ist das die falsche Frage, denn was Kunst ist, das kann niemand dekretieren. Die Frage heißt allenfalls, wie überzeugend diese Kunst ist.<br />
Aber darum geht es nicht. Es geht darum, ob man so etwas in einem sensiblen politischen Raum zeigen darf. Die Präsidentin des Thüringer Landtages entschied: nein. Und so darf das Objekt nicht in einem Korridor des Parlamentes gezeigt werden, sondern nur hinter einer verschlosssenen Tür, hinter der die grüne Fraktion einen Raum hat.<br />
Wieso?<br />
Die grundlegende Haltung hinter diesem Kunstobjekt ist vollkommen unmissverständlich. Und wenn der Betrachter assoziiert, es liege an ihm, an jedem Betrachter, „Your Brown Cage“ geschlossen zu halten, es liege an ihm, wie er das braune Gezwitscher empfindet, dann ist das nicht falsch.<br />
Diese Entscheidung steht für die große Unsicherheit der regierenden Politik, gerade im atmosphärischen Umfeld der Nazi-Terror-Szene. Nur nicht provozieren. Indessen, ich mindestens sehe in einem Hitler-Käfig keine Provokation. Was ist daran falsch?<br />
Eine Provokation ist jetzt die Beobachtung der Linkspolitiker. Exakt durch jenen Dienst, dem es nicht gelang, die kleinen Hitlers einzusperren.</p>
<p><em>Henryk Goldberg, Thüringer Allgemeine 27.01.2012</em></p>
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		<title>Verzeih’n Sie mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 15:11:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Meldung Die Bahnstation Radebeul-West soll ab 2014 wieder Radebeul-Kötzschenbroda heißen. Die Station ist durch den Nachkriegsschlager „Verzeihn Sie mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda“ bekannt. Das Lied sang der Westberliner Künstler Bully Buhlan 1946 nach der weltbekannten Swing-Melodie „Chattanooga Choo Choo“ von Glenn Miller. © dapd. 19.01.12
Alte Platten
Es muss so ungefähr die gleiche Zeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #800000;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/BahnhofRadebeul-West.290.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-40891" title="BahnhofRadebeul-West.290" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/BahnhofRadebeul-West.290.jpg" alt="" width="290" height="186" /></a>Meldung</span> Die Bahnstation Radebeul-West soll ab 2014 wieder Radebeul-Kötzschenbroda heißen. Die Station ist durch den Nachkriegsschlager „Verzeihn Sie mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda“ bekannt. Das Lied sang der Westberliner Künstler Bully Buhlan 1946 nach der weltbekannten Swing-Melodie „Chattanooga Choo Choo“ von Glenn Miller. <em>© dapd. 19.01.12</em></p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Alte Platten</span></p>
<p>Es muss so ungefähr die gleiche Zeit gewesen sein. Ich hörte damals dieses Lied auf einer alten Schallplatte meines Fräulein Mutter, der dazugehörige Abspielapparat wurde von der Energie einer zu drehenden Kurbel angetrieben. Später, als das Grammophon keine Töne mehr von sich gab, diente die Kurbel, im Zusammenspiel mit einer alten Kaffeemühle, zur Simulation eines Straßenbahnführerstandes. Und ich las damals diese Bücher, auf Vermittlung der nämlichen Dame. Es gab in der DDR meiner Kindheit noch private Leihbüchereien, so hieß das. Karl May, wunderbar, die große, die weite Welt .  Noch weiter als Kötzschenbroda, wovon dieses prima Lied erzählte. &#8220;Verzeih’n Sie mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?“ Und in Wusterhausen ließ man sich entlausen. Behauptete jedenfalls Bully Buhlan, und der Gedanke, dass es nicht mehr so sehr viele gibt, die diesen Namen noch kennen, ist schon etwas melancholisch. Jahre zuvor ging es zu dieser Melodie nach Chattanooga, Jahre später in einem Sonderzug nach Pankow.  Was ich nicht kannte , war der Zusammenhang von Karl May und Bully Buhlan: Kötzschenbroda war nämlich Radebeul-West, und Radebeul ist Karl-May-Stadt. Jetzt nennen sie es wieder Kötzschenbroda. Kurz vor dem Ableben der letzten Kenner von Karl May und Bully Buhlan.</p>
<p><em>Henryk Goldberg, Thüringer Allgemeien 20.01.2012</em></p>
<p><em>Bild: Bahnhof Radebeul West, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de" target="_blank">CC-BY-SA-3.0</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Jbergner">Jbergner</a></em></p>
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		</item>
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		<title>Die Arroganz der Macht -&#8221;Gutmensch&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 07:58:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Meldung Das „Unwort des Jahres 2011“ heißt „Döner-Morde“. Auf Platz 2 landete das Wort &#8220;Gutmensch&#8221;. Mit dem Ausdruck werde &#8220;insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des guten Menschen in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren&#8221;, urteilte die Jury und sprach von einem Widerspruch gegen die &#8220;Grundprinzipien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #800000;">Meldung</span> Das „Unwort des Jahres 2011“ heißt „Döner-Morde“. Auf Platz 2 landete das Wort &#8220;Gutmensch&#8221;. Mit dem Ausdruck werde &#8220;insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des guten Menschen in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren&#8221;, urteilte die Jury und sprach von einem Widerspruch gegen die &#8220;Grundprinzipien der Demokratie&#8221;.</p>
<p><span style="color: #800000; font-size: medium;">Henryk Goldberg würde gern den „Gutmensch“ begraben</span></p>
<p>Mein Unwort des Jahres 2011 wäre es nicht gewesen. Allein mit dem mir dafür verfügbaren Instrumentarium, mit dem Gefühl für Moral und Sprache also, hätte ich die „Döner-Morde“ nicht als einen anstößigen Begriff empfunden.</p>
<p>Mag sein, man muss ein Gutmensch sein dafür.</p>
<p>Und genau dieses Wort, der diesjährige zweite Platz, ist seit Langem mein Favorit für ein Unwort des Jahres. Denn es wird in der Regel so gebraucht, wie ich es, zur Demonstration, hier gebraucht habe: Als polemischer Kampfbegriff.</p>
<p>Es ist ein Wort, in dem sich Arroganz und Anmaßung manifestieren.<span id="more-40847"></span> Es wird gebraucht von Leuten, die sich so ihrer lässigen Souveränität gegenüber einer vermeintlichen Naivität versichern. Es ist ein Wort, das, zum Beispiel, kühle politische Köpfe gerne nahmen für jene, die dem Irak-Krieg skeptisch gegenüberstanden.</p>
<p>In diesem Wort bündelt sich die Arroganz der Macht. Die Arroganz des real siegenden Kapitalismus, dessen Protagonisten auf Einreden nur noch mit spöttischer Überlegenheit reagieren können.</p>
<p>Der ironische Untertext des Wortes „Gutmensch“ steht dafür, dass das Bedürfnis, ein guter, ein moralischer Mensch sein zu wollen, heute im Ruf einer Marotte steht. Es ist der Kampfbegriff der moralischen Realpolitiker. Die Herren zu Guttenberg und Wulff werden ihn mögen.</p>
<p><em>Henryk Goldberg, Thüringer Allgemeine 18.01.2012</em></p>
<p><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/gutmensch1.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-40886" title="aufruf iran.indd" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/gutmensch1.jpg" alt="" width="223" height="125" /></a></p>
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		<title>Bunker in Polen</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 23:01:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[
Also, in Thüringen wird das ja immer schwieriger. Wenn unsere demokratischen Nazis irgendwo ein Stückchen Land pachten oder eine hübsche Immobilie erwerben wollen, dann kommt jetzt neuerdings immer irgendjemand vom System und macht ihnen das link unter irgendeinem Vorwand. Dabei wollen unsere braunen Freunde doch nur ein bisschen das Liedgut pflegen (deutsche Texte!) und sich, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Hitlerbunker_wolfsschanze.290.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-40854" title="Hitlerbunker_wolfsschanze.290" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Hitlerbunker_wolfsschanze.290.jpg" alt="" width="290" height="387" /></a>Also, in Thüringen wird das ja immer schwieriger. Wenn unsere demokratischen Nazis irgendwo ein Stückchen Land pachten oder eine hübsche Immobilie erwerben wollen, dann kommt jetzt neuerdings immer irgendjemand vom System und macht ihnen das link unter irgendeinem Vorwand. Dabei wollen unsere braunen Freunde doch nur ein bisschen das Liedgut pflegen (deutsche Texte!) und sich, mit fest geschlossenen Reihen, ein paar lustige Trickfilme anschauen, mit Panthern oder so.</div>
</div>
<div>
<p>Also, die deutschen Landsleute machen da jetzt immer so ein Gedöns wegen dieser harmlosen Kameradenabende, das ist ärgerlich. Aber diese streng pluralistische Kolumne ist für alle da, und deshalb hat sie einen Tipp für die Kameraden an der Heimatfront.<br />
Nämlich in Ostpreußen, oder Polen wie sie heute meistens sagen, genauer, in Rastenburg, das die heute dort Einheimischen Ketrzyn nennen.<br />
Na? Genau!<br />
Die Polen suchen nämlich einen Pächter für die Wolfsschanze. Sie wissen schon, Führerhauptquartier, Barbarossa. Heiliger Boden, deutsche Erde. Die könnten die Kameraden doch pachten. Und dort einige passende Informationen anbringen über diese ehrvergessenen Offiziere um diesen Oberst, der die Ehre des deutschen Waffenrocks beschmutzte.<br />
Die Ausschreibung endet am 27. Januar.</p>
<p><em>Henryk Goldberg, Thüringer Allgemeine 19.01.2012</em></p>
<p><em>Bild: Ruine des Hitlerbunkers in der Wolfsschanze, CC-BY-SA-2.0 <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Buschaot" target="_blank">Buschaot</a></em><span style="font-size: small;"><span class="Apple-style-span" style="line-height: normal; -webkit-border-horizontal-spacing: 2px; -webkit-border-vertical-spacing: 2px;"><br />
</span></span></p>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Mein Freund der Baum</title>
		<link>http://www.getidan.de/allgemeines/henryk_goldberg/40472/mein-freund-der-baum</link>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 14:54:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[

Nun ist wirklich Schluss. Heute ist Weihnachten auch offiziell vorbei und morgen wird abgerüstet.


Der Stern wird wieder nicht auseinandergebaut werden: Aus seinen Einzelteilen wäre wohl nie wieder ein Ganzes zu fügen, und dabei stammt er von einer Oma. Auch die Pyramide wird wieder für ein Jahr in der kleinen Kammer für Dieses &#38; Jenes verschwinden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>
<div><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/baum.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-40483" title="baum" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/baum.jpg" alt="" width="680" height="495" /></a></div>
<div>Nun ist wirklich Schluss. Heute ist Weihnachten auch offiziell vorbei und morgen wird abgerüstet.</div>
</div>
<div>
<p>Der Stern wird wieder nicht auseinandergebaut werden: Aus seinen Einzelteilen wäre wohl nie wieder ein Ganzes zu fügen, und dabei stammt er von einer Oma. Auch die Pyramide wird wieder für ein Jahr in der kleinen Kammer für Dieses &amp; Jenes verschwinden, ebenso der beinahe vollautomatische Weihnachtsbaumständer.<br />
Nur der Baum selbst ist ein Problem. Irgendwann wird er irgendwo abgeholt. Die genaueren Angaben stehen vermutlich im Abfallkalender. Nur, dass dieser Haushalt nicht so verfasst ist, dass irgendeines seiner Mitglieder zu sagen wüsste, wo dieser Kalender zu finden wäre.<br />
Also werden wir die Nachbarn beobachten und die umliegenden Straßen. Wo sich eine größere Ansammlung trauriger Weihnachtsbäume zeigt, werden wir den unseren hinzufügen. Immer in der Hoffnung, dass die Nachbarn aus Kenntnis handeln.<br />
Irgendwie ist der Abschied vom Baum auch immer etwas melancholisch. Wie Abschiede überhaupt, zum Beispiel von der Schwester, die heute auf eine sehr, sehr lange Reise geht. Und der ich etwas mit auf die Reise gebe, was zu sagen ich mich nicht traute: Die Spezialsocken, die sie mir schenkte, sind eine Nummer zu klein. So muss ich sie nicht benutzen und kann sie in Ehren halten.</p>
<p><em>Henryk Goldberg</em></p>
<p><em>erschienen in Thüringer Allgemeine (05.01.2012)</em></p>
<p><em>Bild: © getidan</em></p>
</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Kleine Fische</title>
		<link>http://www.getidan.de/gesellschaft/henryk_goldberg/40396/kleine-fische</link>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 17:09:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Henryk Goldberg freut sich über korrektes Angeln
Das musste mal sein. Nun zeigt die deutsche Justiz Härte und Konsequenz. Bisher, das waren nur kleine Fische.
Sido zum Beispiel. Der Name stand ursprünglich für „Scheiße im Ohr“, was von dem Künstler korrigiert wurde in „Super-intelligentes Drogenopfer“, woran man erkennt, es handelt sich um einen Rapper. Der Mann hatte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #800000;"><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-82077242.html" target="_blank"><img class="size-full wp-image-40402 alignleft" title="titel.280" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/titel.280.jpg" alt="" width="196" height="272" /></a>Henryk Goldberg freut sich über korrektes Angeln</span></p>
<p>Das musste mal sein. Nun zeigt die deutsche Justiz Härte und Konsequenz. Bisher, das waren nur kleine Fische.</p>
<p>Sido zum Beispiel. Der Name stand ursprünglich für „Scheiße im Ohr“, was von dem Künstler korrigiert wurde in „Super-intelligentes Drogenopfer“, woran man erkennt, es handelt sich um einen Rapper. Der Mann hatte, unter anderem, einmal einen Prozess am Hals wegen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung. Das Verfahren wurde eingestellt gegen 14.000 Euro.</p>
<p>Bushido zum Beispiel. Der Name kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Weg des Krieges“, ohne Zweifel, auch ein Rapper. Der hatte auch mal einen Prozess, es ging auch um Körperverletzung, es wurde auch eingestellt, gegen 20.000 Euro.</p>
<p>Und jetzt waren die beiden Jungs gemeinsam angeln. Zwei Künstler, von denen der eine sagt „Ihr Österreicher habt uns da mal einen rübergeschickt, der uns Ordnung beigebracht hat!“ und der andere singt „Salutiert, steht stramm, ich bin ein Leader wie A.“ finden schon irgendwie einen Draht zueinander. Der „Kulturspiegel“ war dabei, ein Interview. Und Sido sagte, er gehe in Deutschland, ehe er saufen geht, manchmal angeln, ohne Angelschein. Und jetzt hat er eine Untersuchung am Hals, Fischwilderei.<span id="more-40396"></span></p>
<p>Die beiden zitierten Sätze sind natürlich nicht justiziabel. Aber der deutsche Fisch.</p>
<p><em>Henryk Goldberg in Thüringer Allgemeine, 05.01.2012</em></p>
<p><span style="color: #800000;">Die Meldung </span>Die Berliner Rapper Sido (31) und Bushido (33) bekommen Ärger wegen Schwarzfischens. Die beiden hatten in einem Interview mit dem &#8220;Kulturspiegel&#8221;, das vor einigen Wochen beim Angeln am Tegeler See in Berlin geführt wurde, berichtet, dass sie ohne Angelschein fischen gingen. Daraufhin hatte sich offenbar ein Leser beim Berliner Fischereiamt beschwert, woraufhin die Behörde Anzeige wegen Fischwilderei erstattete.<em> via <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/leute/article1870527/Sido-und-Bushido-angeln-ohne-Schein.html" target="_blank">Berliner Morgenpost</a>, 03. 01. 2012</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: left;"><span style="color: #800000;">Die Quelle</span> via <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-82077242.html" target="_blank">SPIEGELonline</a><br />
<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-82077242.html" target="_blank"><img class="size-full wp-image-40399 alignleft" title="quelle neu" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/quelle-neu.jpg" alt="" width="680" height="508" /></a></p>
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		<title>Johannes Heesters († 24.12.2011)</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Dec 2011 08:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Der geschützte Mann
Zum Tod von Johannes Heesters, der mit 108 Jahren starb
Der Mantel der Geschichte ist eine Tracht, die zu tragen nur wenigen Menschen vergönnt ist, die Glücklicheren werden einmal gestreift davon. Und höchst sonderbar scheint, wenn diese Tracht so ausschaut, wie der Umhang des Operetten-Grafen Danilo.
Johannes Heesters wird am 5.Dezember 1903 geboren, einige Wochen, ehe Tschechows &#8220;Kirschgarten&#8221; in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/1800/12/Johannes-Heesters-in-März-2006-in-Osnabrück1.jpg" target="_blank"><img class="alignright size-full wp-image-40138" title="Johannes-Heesters-in-März-2006-in-Osnabrück" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/1800/12/Johannes-Heesters-in-März-2006-in-Osnabrück1.jpg" alt="" width="270" height="289" /></a><span style="color: #800000; font-size: medium;">Der geschützte Mann</span></p>
<p><span style="color: #808080;">Zum Tod von Johannes Heesters, der mit 108 Jahren starb</span></p>
<p>Der Mantel der Geschichte ist eine Tracht, die zu tragen nur wenigen Menschen vergönnt ist, die Glücklicheren werden einmal gestreift davon. Und höchst sonderbar scheint, wenn diese Tracht so ausschaut, wie der Umhang des Operetten-Grafen Danilo.</p>
<p>Johannes Heesters wird am 5.Dezember 1903 geboren, einige Wochen, ehe Tschechows &#8220;Kirschgarten&#8221; in Moskau uraufgeführt wird. Und beinahe 100 Jahre später wird er eine Rolle in diesem Stück spielen. Wer geboren wurde, als Heesters erstmals den Grafen Danilo sang, der ist heute jenseits der 70. Franz Lehar hielt ihn für den besten Danilo aller Zeiten und Adolf Hitler auch. Und wenigstens juristisch ungeklärt ist die Frage, ob er gelegentlich einer verordneten Besichtigung des KZ Dachau dort auch vor den Wachmannschaften gesungen hat. Das entscheidende Urteil darüber hat kein Gericht gesprochen: Es war das Publikum. Und in der Tat, gesungen oder nicht, Heesters hat, anders als Leni Riefenstahl, öffentlich seine Scham bekannt und er hat, anders als diese, Hitler nicht durch eine exzellente Kunstsausübung vergöttlicht.</p>
<p>Johannes Heesters auf der Bühne, das war, wer es erlebte in den letzten Jahren, ein merkwürdiges Erlebnis. Der alte Mann läuft wie auf Glas, ohne Schuhe. Vorsichtig tastend lehnt er sich an den Flügel, zu den sie ihn führen, legt die Hände auf das Instrument. Das ist sein Quell und das ist sein Ort. Hier benötigt er niemanden, der ihn stützt. Hier hat er, wenn sie ihn die ersten Zeilen einsagen, den Text und den Ton.<span id="more-40131"></span>Hier kann er abrufen, was gespeichert ist in ihm. Dann singt er. Und träumt? Er steht da vorn wie geschützt hinter Glas. Wie entrückt. Wie anwesend und doch sehr fern. Wie ein sehr kostbares Stück in einer gläsernen Vitrine, bewundert von allen, alle faszinierend. Und betrachet wie etwas, das sehr fremd ist und sehr anders auch.</p>
<p>Es ist etwas zutiefst Anrührendes um diesen Mann und etwas Merkwürdiges auch. Die 100 ist eine magische Schwelle. Wer sie überschreitet ist noch immer ein Mensch, doch wir nehmen ihn wahr, als sei er nicht wirklich noch einer von uns. Als lüfte die Schöpfung für einen Augenblick den Vorhang vor ihrem letzten Geheimnis, das wir eines Tages angstvoll zu entdecken haben. Und es ist, als sähen wir für einen Augenblick hinter den Vorhang.</p>
<p>Wer weiß schon, was dieser Mann sieht und träumt, wenn er singt, was er vor siebzig Jahren sang. Ist es noch eine Melancholie, eine Traurigkeit, wenn er von den Damen im Maxim singt oder ist es schon eine glückselige Hingabe an den Augenblick? Sieht er sich, wie er als ein glänzend aussehender Mann die Showtreppe beherrschte, neben dem alten Mann stehen, der am Flügel lehnt und den sie feiern, weil er noch stehen kann? Ist das noch ein alter Mann oder doch schon wieder ein unbefangenes Kind, dem die Zeit nichts bedeutet?</p>
<p>Die Standing Ovations, die der alte blinde Mann nicht mehr sehen, nur spüren konnte, die galten nicht wirklich seinem Gesang. Sie gelten den Jahren. Und auf seinen schwachen Schultern hocken die körperlosen Geister seiner berühmten Zeitgenossen. Aber niemand der kräftigeren Menschen vermöchte diese flirrende Last zu tragen. Deshalb erhoben sie sich vor diesem alten, schwachen Mann. Und wie um die Legende zu vollenden starb er am Vormittag, dem die Heilige Nacht folgte.</p>
<p><em>Henryk Goldberg</em></p>
<p><iframe src="http://www.youtube-nocookie.com/embed/POSmnw5-hP8?rel=0" frameborder="0" width="640" height="480"></iframe></p>
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		<title>Geschlechterforschung und das Prinzessin Lillifee Gewehr</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 00:13:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Prinzessin mit der Büchse
Henryk Goldberg sucht seine Traurigkeit
Haben Sie das auch? Das Gefühl, Ihnen fehle etwas?
Sie finden es im Internet  (designmadeingermany) und zwar in einer Diplomarbeit.„So begann ich“, schreibt eine Designerin, „mir ein Kinderspielzeug zu überlegen, welches zur Rückgewinnung der bei Frauen verschwundenen Emotion Wut dienen könnte.“Hä? Wut? Verschwunden? Frau? Glauben Sie das auch, liebe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium; color: #800000;"><a href="http://www.designmadeingermany.de/2011/25067/" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-39997" title="Lena-800x1200" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/12/Lena-800x12001.jpg" alt="" width="288" height="432" /></a>Die Prinzessin mit der Büchse</span></p>
<p><span style="color: #888888;">Henryk Goldberg sucht seine Traurigkeit</span></p>
<p>Haben Sie das auch? Das Gefühl, Ihnen fehle etwas?<br />
Sie finden es im Internet  (<a href="http://www.designmadeingermany.de/2011/25067/">designmadeingermany</a>) und zwar in einer Diplomarbeit.„So begann ich“, schreibt eine Designerin, „mir ein Kinderspielzeug zu überlegen, welches zur Rückgewinnung der bei Frauen verschwundenen Emotion Wut dienen könnte.“Hä? Wut? Verschwunden? Frau? Glauben Sie das auch, liebe Leserin? Und Sie, lieber Gatte der lieben Leserin? Sie wissen das doch besser.Derlei Fehlinterpretationen könnten einen Mann schon traurig machen – aber es geht nicht. Denn, heißt es weiter, „Ich überlegte mir, welches Spielzeug zur Rückgewinnung der bei Männern verschwundenen Emotion Traurigkeit dienen könnte.“<br />
Das macht mich jetzt aber mal richtig traurig, echt.<br />
So. Und jetzt die Lösung. Die kleinen Mädchen bekommen, (FSK 3) ein Gewehr. Nämlich das Prinzessin Lillifee Softair Gewehr. Weiß mit bunten Blumen, 54 cm.<br />
Und wir? Wir bekommen, als Sensibilitätsverstärker, eine Puppe zum Schminken und Kämmen. Aber weil wir eben Jungs sind, ist es Thor, ein Krieger wie wir.<br />
Und dann schießt die kleine Schwester mit der Lillifee dem Thor die Eier weg und wird eine taffe Frau. Und der kleine Bruder ist jetzt wirklich traurig. Weil er nicht schießen durfte.</p>
<p><span style="font-size: small;"><em>Henryk Goldberg in Thüringer Allgemeine 22.12.2011</em></span></p>
<p><em>Bild: Prinzessin Lillifee Softair Gewehr (Fotografie: Enrico Aderhold) via <a href="http://www.designmadeingermany.de/2011/25067/">designmadeingermany</a></em></p>
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		<title>Die Botschaft aus Brüssel</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Dec 2011 16:14:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Natürlich kann er das. Er ist mehrsprachig, er ist medial, er hat Kontakte in alle Welt, und er versteht etwas von dem Job, zu dem er berufen wurde. Denn ohne das Internet hätte er diesen Job nie angenommen. Ohne das Internet hätte niemand je erfahren, dass er ein Betrüger ist, und also wäre Karl-Theodor zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/12/Karl-Theodor_Freiherr_von_und_zu_Guttenberg.teaser.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-39749" title="Karl-Theodor_Freiherr_von_und_zu_Guttenberg.teaser" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2011/12/Karl-Theodor_Freiherr_von_und_zu_Guttenberg.teaser.jpg" alt="" width="223" height="125" /></a>Natürlich kann er das. Er ist mehrsprachig, er ist medial, er hat Kontakte in alle Welt, und er versteht etwas von dem Job, zu dem er berufen wurde. Denn ohne das Internet hätte er diesen Job nie angenommen. Ohne das Internet hätte niemand je erfahren, dass er ein Betrüger ist, und also wäre Karl-Theodor zu Guttenberg noch Bundesminister der Verteidigung und Bundeskanzler im Wartestand. Und als solcher hätte er über diesen armseligen Job gelächelt.</p>
<p>Berater für Internetfreiheit im Auftrag der EU.</p>
<p>Aber was soll er machen. Der Mann ist noch jung, und man weiß ja nie. Vielleicht interessiert sich ja in zwei Jahren niemand mehr für den Schnee vom letzten Winter. Bisschen Getrickst. Machen doch alle. Na und? Sollen lieber vor ihrer eigenen Tür kehren.</p>
<p>Er selbst interessiert sich ja auch nicht mehr dafür. „Dies ist kein politisches Comeback“, betonte er. Hat sich eben so ergeben. Der Auftritt in den USA. Das Interview in der „Zeit“. Der Auftritt in Brüssel.</p>
<p>Eigentlich ist es egal. Eigentlich ist selbst Guttenberg egal, wenigstens, so lange er noch nicht Minister ist. Aber die Botschaft ist nicht egal. Sie kommt von der zuständigen EU-Kommissarin, die ihn berief. Sie hat ihn nicht trotz, sondern wegen seines Rufes engagiert. Und die Botschaft davon ist, dass das alte Lied auch für die europäische Politik gilt: There is no business like show business.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Henryk Goldberg in Thüringer Allgemeine 14.12.11</em></p>
<p><em>Bild/Ausschnitt: Karl-Theodor zu Guttenberg, 2011; <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Peter_Weis" target="_blank">Urheber Peter Weis</a> -gemeinfrei</em></p>
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