Dame, König, As, Spion (ab 02. Februar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 1. Februar 2012
Seit Jahrzehnten gehört John le Carré zu den Erfolgsautoren im Genre-Thriller. Sein Hauptthema: der Kalte Krieg. Doch der ist aus. Bedeutet dies auch das „Aus“ für die Romane? Mitnichten. Das beweist die Verfilmung von „Dame, König, As, Spion“, ein meisterliches Bild Europas der 1970er Jahre, das auch Schlaglichter auf die Gegenwart wirft.
Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson hat sein US-Debüt mit der Präzision eines altmodischen schweizer Uhrwerks inszeniert. Sämtliche Szenen sind in sich klug arrangiert und genauso klug miteinander verwoben. Das damit geschaffene Gespinst aus Lüge und Verrat bekommt so eine wahrlich mörderische Dichte. Kameraführung, Ausstattung und Musik unterstützen das prächtig. Die sepia-getönten Tableaus in schönstem
Breitwandformat werden vom üppigen Soundtrack geradezu umschmeichelt. Der Zeitgeist von vor etwa vierzig Jahren feiert auf geradezu unheimliche Art seine Wiederauferstehung.
Ost und West in Konkurrenz: Spione hier, Agenten da, von den eigenen Leuten jeweils als Helden gefeiert, von den anderen verteufelt. Der Kalte Krieg kannte keine Gnade. Aber er kannte Schlupflöcher für die Demokratie. Da passt die hier erzählte Geschichte von der verzweifelten Suche nach einem Doppelagenten wie die Faust aufs Auge. Tomas Alfredson folgt der Vorlage von John le Carré, wenn er sein Augenmerk auf den Ungeist richtet, der alles Tun der Protagonisten bestimmt. Moralische Wertungen bleiben dabei aus. Was den Gänsehauteffekt noch verstärkt. Je mehr die Handlung voranschreitet, umso mehr beschleicht einen das ungute Gefühl, auch heutigentags ist nichts sicher, was uns die politischen Hüter von Staatsräson und -ordnung als sicher anpreisen, nichts ist wirklich weiß, was uns weiß gemacht wird.
Die Erzählung begeistert neben aller Spannung, die aus der Suche nach dem „Bösewicht“ resultiert, insbesondere durch die vielen Szenen, in denen der Kampf der Anti-Helden wie ein Ballett der Blicke und ein Gemetzel der Gesten wirkt. Lautstarke Action haben die Männer an den unsichtbaren Fronten der rivalisierenden Geheimdienste immer vermieden, und der Film vermeidet sie also auch. Selten gab es einen Thriller, in dem das
lauernde Misstrauen von jedem gegen jeden derart intensiv zu spüren war, ohne dass es erklärender Worte oder ausufernder Materialschlachten bedarf. Auch das lässt einen Gruseln: Hört und sieht man das, fragt man sich sofort, ob die letzte Beurteilung, die man bekommen hat, nicht doch mit heimlichen, von einem selbst nicht zu entschlüsselnden Informationen Gespickt war.
Der jugendlich wirkende Benedict Cumberbatch als Peter Gilliam und der gestandene Gary Oldman in der Rolle des George Smiley führen das mit aufregender Gelassenheit agierende Schauspielensemble an. Populäre Akteure wie Colin Firth und Ciarán Hinds unterstützen sie mit nicht unbedingt großen, aber äußerst wirkungsvollen Auftritten. Sie lassen einen frösteln, wenn sie ganz locker und nebenbei beweisen, wie tödlich ein charmantes Lächeln sein kann. Und sie zeigen, dass der Kalte Krieg keine Angelegenheit war, die allein „die da oben“ betraf, sondern eine politische Katastrophe, die das Leben unzähliger so genannter kleiner Leute auf oft dramatische Weise geprägt hat.
Die Verfilmung des 1974 veröffentlichten Romans beginnt übrigens mit einem inszenatorischen Coup: John Hurt, zweifellos ein Weltstar, spielt den Chef von „Circus“, wie der geheimste innere Verbund der britischen Spionage heißt. Er setzt das Geschehen in Gang. Und schon tritt er ab. Die Figur stirbt. Damit ist im Handumdrehen die Spannung angeheizt. Denn keiner im Parkett mag so recht glauben, dass ein Schauspieler vom Format eines John Hurt wirklich nur einen derartig kurzen Auftritt absolviert. Jeder rechnet damit, dass hier die erste Finte gelegt wurde, und der populäre Akteur irgendwann noch einmal mit sardonischem Lächeln auf der Spielfläche erscheint. Ob diese Erwartung erfüllt wird, sei hier selbstverständlich nicht verraten. Aber deutlich gesagt sei, dass dies nicht die einzige trickreiche Überraschung der exzellenten Literaturverfilmung ist!
Peter Claus
Dame, König, As, Spion, von Tomas Alfredson (Frankreich, England, Deutschland 2011)
Bilder: Studiocanal
Die Summe meiner einzelnen Teile (ab 02. Februar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 1. Februar 2012
Der Autor und Regisseur Hans Weingartner, der vor elf Jahren mit „Das weiße Rauschen“ bekannt wurde, der Physik und Neurowissenschaften studiert hat, erzählt in expressiven Bildern vom Mathematiker Martin (Peter Schneider), den ein Burn out umhaut. Nach einer Zeit in einer psychiatrischen Klinik will er wieder „normal“ leben. Doch die Umstände, die sind nicht so. Erst die Freundschaft mit einem kleinen Jungen
(Timur Massold), der nur russisch spricht, bringt ihn wieder auf die Beine – aber nicht unbedingt in die normierte gutbürgerliche Gesellschaft zurück.
Der Zusammenhang und das Wechselspiel von Einzelschicksal und Gesellschaft wird höchst spannend beleuchtet. Der Film zeigt sehr genau, tatsächlich schmerzlich, wie schwer es der Einzelne heutzutage im Bannstrahl eiskalten globalen Profitstrebens hat. Die kluge Erzählung bietet einige Überraschungen, was die Spannung zusätzlich anheizt. Das Entscheidende: Weingartner fühlt sich der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Da haben falsche Töne, hat pure Effekthascherei, keine Chance.
Hauptdarsteller Peter Schneider konnte während des Drehens viel improvisieren, ausprobieren, die Dialoge mit gestalten. Das trägt natürlich wesentlich zum Eindruck von großer Authentizität bei. Was aber auch verstörend wirkt. Man gewinnt manchmal fast den Eindruck, eine Dokumentation zu sehen.
Hans Weingartner schließt mit diesem Film an „Das weiße Rauschen“ an, stilistisch und inhaltlich. Mit dem Finale (das hier nicht verraten werden kann) provoziert der Film viele Fragen, die einen dazu bringen, über die eigene Konstitution nachzudenken. Was wiederum den Mut anheizt, sich gegen die allgemeine Uniformität des Lebens zur Wehr zu setzen. Bravo!
Peter Claus
Die Summe meiner einzelnen Teile, von Hans Weingartner (Deutschland 2011)
Bilder: Wild Bunch
The Artist (Michel Hazanavicius)
von Henryk Goldberg in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 27. Januar 2012
Das Schweigen hören
„The Artist“ rekonstruiert die Ästhetik des Stummfilms mit Raffinesse und Sensibilität. Dafür wird es Oscars geben. Wer diesen perfekten Film genießen will, sollte allerdings ein Cineast sein
„Ich sage nichts. Ich sage kein Wort“, sagt der Mann, den sie foltern, aber wir hören es nicht. Wir sehen, was er sagt, es steht auf dem Zwischentitel. Wir sehen einem Stummfilm zu, die Leinwand, das Orchester, das premierengeschmückte Publikum, die Stars hinter der Leinwand. Der Film heißt „The Russian Affair“, der nächste wird „The German Affair“ heißen. Dann der Applaus, doch auch den sehen wir nur, und das ist einen Augenblick lang fremd und irritierend. Denn jetzt sehen wir nicht einem Stummfilm zu, jetzt sehen wir einen Stummfilm. „The Artist“, der Künstler, ist ganz gewiss einer der merkwürdigsten Filme der letzten Jahre. Diese französische Produktion des Regisseurs Michel Hazanavicius, die nach den Golden Globes einer der beiden großen Favoriten für den Oscar ist, rekonstruiert mit handwerklicher Perfektion und künstlerischer Sensibilität die Ästhetik des Stummfilms. Und damit das einen Grund in sich findet, erzählt er in den Formen dieser versunkenen Ästhetik davon, wie sie versank. George Valentin (Jean Dujardin), der Stummfilmstar, ist mit seinem Produzenten bei einem Soundtest, 1929. The Artist, der Künstler, lacht und geht. Er lacht, weil er dieses neue Mittel, den sprechenden Film, für etwas Unkünstlerisches hält. Er lacht über seinen Untergang. Zum Rest des Beitrags »
The Artist (ab 26. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 26. Januar 2012
Die „Oscar“-Verleihung steht an – und alle reden über einen französischen Film, erwarten dass er der große Abräumer werden wird: „The Artist“. Bei der Vergabe der „Golden Globe“ kam er schon sehr gut weg – und das heizt die Spekulationen an, gelten die „Golden Globe“ doch als Barometer für die „Oscar“. Wir werden sehen. In jedem Fall: Das ist ein großartiger Film!
Schwärmen ist angesagt: eine mit vielen Überraschungen gespickte Story voller Gefühl. Bezwingend schöne Bilder, einschmeichelnde Musik und tolle Schauspielerleistungen prägen die romantische Liebeserklärung an die Filmkunst.
Die Geschichte spielt Ende der 1920er Jahre: George Valentin ist ein Star. Die Premiere seines jüngsten Films ist für den Charmeur ein Riesenerfolg. Die Frauen himmeln ihn an, stehen Schlange am roten Teppich, auch Peppy Miller. Zufällig entsteht ein Foto von ihr und George. Das landet in der Zeitung und macht einen Produzenten auf die Unbekannte aufmerksam. Peppy sieht nicht nur gut aus, sie hat auch Talent, und wird zum neuen Stern am
Himmel der Traumfabrik aufgebaut. George hingegen fällt tief. Die Einführung des Tonfilms markiert das Ende der Karriere auch dieses Stummfilmidols. Das Publikum, das ihm eben noch zu Füßen lag, vergisst ihn. Peppy aber vergisst George nicht. Und inzwischen weiß sie ja ziemlich gut, wie man geschickt ein Happy End bastelt.
Regisseur Michel Hazanavicius sprudelt nur so vor Einfällen. Die erlesen schönen Bilder bieten jede Menge zu entdecken. Doch die optische Opulenz dominiert nicht. Sie illustriert die Geschichte, die das A und O ist, bestens. Fans alter Filme können vielen Anspielungen auf unvergessliche Momente des Kinos der 1920er und 1930er Jahre entdecken: Chaplin, Laurel & Hardy, der Filmhund Rin-Tin-Tin und die Garbo grüßen, Szenen zitieren Klassiker wie „A Star is Born“, „Sunrise“ und „Metropolis“. Kintopp-Romantik pur.
Das Spiel der Akteure folgt dem Schlüsselsatz aus Billy Wilders Filmdrama „Boulevard der Dämmerung“, der berühmten, Ende der 1940er Jahre herausgekommenen, tiefschwarzen Auseinandersetzung mit Licht und Schatten der Traumfabrik, die inzwischen erfolgreich als Musical für die Bühne adaptiert wurde. Da sagt die gestürzte Stummfilm-Diva Norma Desmond (im Film gespielt von der damals nicht mehr sehr bekannten Gloria Swanson) über die Ära der Stummfilmstars: „Wir brauchten keine Worte, wir hatten Gesichter“. – Was Jean Dujardin als George und Bérénice Bejo als Peppy befolgen. Sie sagen mit ihren Gesichtern alles. Ganz dem uns heutzutage überlebensgroß anmutenden Stil des Stummfilms entsprechend, spiegeln sie in Blicken, Lächeln, Schmollen – aber ohne Worte – nahezu die gesamte Skala menschlicher Empfindungen.
Michel Hazanavicius bringt die Bilder elegant, raffiniert, charmant zum Sprechen. Eine Wonne. In einer Szenenfolge geht es um die Ängste des Stummfilmstars vor der neuen Technik. Da kommt augenzwinkernd auch der Tonfilm zu seinem Recht. Und im Publikum dürfte mancher Schneuzer zu hören sein. Das Schmunzeln aber überwiegt – und eine wunderbare Leichtigkeit, die einen schließlich beinahe tanzend aus dem Kino entlässt.
Peter Claus
The Artist, von Michel Hazanavicius (Frankreich 2011)
Bilder: Delphi
The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (ab 26. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 26. Januar 2012
Alexander Payne hat sich mit „About Schmidt“ als kluger Beobachter US-amerikanischer Spießermentalität erwiesen. Vorschnelles Verurteilen ist seine Sache nicht. Diesmal ist er gnadenloser. Doch die Liebe zu den Figuren behält die Oberhand.
Hauptfigur ist der Anwalt Matt King (George Clooney). Ein Sunny Boy. Doch der Schein trügt. Hawaii ist für ihn und seine Frau Elizabeth (Patricia Hastie) und die zwei Töchter Alex (Shailene Woodley) und Scottie (Amara Miller) kein Paradies. Matt steht dauernd unter Druck, ist nicht wirklich für die Seinen da. Stress bringt auch ein wertvolles Stück Land, das der Familie seit ewigen Zeiten gehört. Die Erbengemeinschaft drängt Matt, als Treuhänder, auf Verkauf. Er wehrt ab. Unentwegt. Dabei merkt er gar nicht, wie ihn das in Schach hält. Zum Innehalten kommt er erst durch ein Unglück: Elizabeth hat einen Unfall und fällt ins Koma. Sein Leben verändert sich dadurch radikal. Was noch verstärkt wird, weil er herausfindet, dass seine Frau eine Affäre mit einem jüngeren Mann (Matthew Lillard) hat und für sie die Ehe nur noch auf dem Papier bestand. Matt muss raus. Zusammen mit den Töchtern und
dem Freund der einen (Nick Krause) tritt er eine Reise an, die einiges klären soll – was den Landverkauf angeht, die Ehe, Matts Lebensplanung. Der Ausgang ist absolut ungewiss.
Endlich mal wieder eine Story, die nicht schon in den ersten Szenen das Ende ahnen lässt. Spannung ist angesagt, und die hält den ganzen Film über an. Der musikalisch ausgefeilte Rhythmus der Erzählung, die sensible Inszenierung und das großartige Spiel der Akteure geben der Tragikomödie einiges an Gewicht – und Attraktivität. Wenn es hier zur Sache geht, dann richtig: die tragischen Momente, in denen mitunter geradezu ein Höllenfeuer emotionaler Verwirrung entfacht wird, gehen einem unter die Haut. Die schönen Landschaften und Interieurs, in denen sich das abspielt, betonen die Brutalität des Geschehens enorm.
George Clooney bietet wieder eine facettenreiche Charakterstudie. Der Mann ist einfach gut. Das menschliche Drama, in das der von ihm verkörperte Matt gestürzt wird, verlangt aber auch einen Schauspieler der Spitzenklasse. Ein falscher Ton, und nichts ginge mehr. Bei Clooney aber sitzt jeder Ton, stimmt jede Geste. Einerseits immer vom Glamour Hollywoods umweht, hat er andererseits die Ausstrahlung des Kumpels von nebenan. Wenn er die geistige und emotionale Beschränktheit der Figur, die überall als hochintelligent durchgeht, aufscheinen lässt, ohne den Mann zu denunzieren, ist das schlichtweg grandios. Freilich: Da wird’s dann auch Kino, wenn Matt schließlich über sich hinauswächst. Aber: Ein dämliches Happy End in rosarot gibt es nicht!
Ein Rührstück, das nie rührselig ist, weil Regie und Schauspiel die Geschichte mit genauem Blick auf die Realität servieren. Paynes genialer Trick: Die Sozialsatire ist scharf, aber mit einer so raffinierten Mischung aus Tragik und Komik gewürzt, dass man die bitteren Pillen über die ganz durchschnittliche Dummheit von uns allen mit Genuss schluckt. Später, wenn das Aufstoßen kommt, entdeckt man, wie viel einem hier zum Nachdenken über das eigene Leben angeboten wird.
Peter Claus
The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten, von Alexander Payne (USA 2011)
Bilder: Fox
Michael (ab 26. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 25. Januar 2012
Kindesmisshandlung – eines der Stichwörter des Schreckens nun schon seit ein paar Jahren. Immer wieder wird in den Medien über grausame Fälle berichtet. Regisseur Markus Schleinzer nähert sich dem schwierigen Thema in seinem gerade beim Max Ophüls Festival in Saarbrücken erfolgreichen Debütfilm mit kühlem Realismus, der alles Spekulative vermeidet. Gut so. Dadurch rutscht der Film nie ins Schmuddelige ab.
Michael (Michael Fuith) ist ein Durchschnittstyp. Der Angestellte einer Versicherung führt scheinbar ein ganz unauffälliges Leben. Doch der Mittdreißiger hält im Keller einen Jungen, Wolfgang (David Rauchenberger), als Gefangenen. Das Kind kann das düstere Versteck nur verlassen, wenn er zum Essen in den von der Außenwelt blickdicht abgeschotteten Raum geholt wird. Gesprochen wird kaum. Der Peiniger und sein Opfer haben eine fast
nonverbale Kommunikation entwickelt. Schockierend sind jene Szenen, in denen alles nach üblichem Familienleben aussieht: der Zehnjährige legt ein Puzzle zusammen mit Michael, die Beiden schmücken einen Weihnachtsbaum… Fast sieht es so aus, als habe sich der Halbwüchsige mit seiner Situation abgefunden. Die Hölle sieht nicht anders aus als Tausende Wohnhöhlen braver Bürger. Ist ein Entrinnen möglich?
Markus Schleinzer zeigt den Ablauf fast eines halben Jahres. Die äußere Gelassenheit, mit der er das umsetzt, schnürt einem fast den Atem ab. Horrorbilder, etwa von sexuellen Akten, braucht es da nicht. Die Position von Schleinzer ist eindeutig: Er zeigt, wie Michael die Abhängigkeit seines Opfers genießt, und möchte doch nichts als „normal“ wirken. Die Intensität, mit der Inszenierung und Spiel des Hauptdarstellers das vermitteln, ist beängstigend.
Das Psychogramm eines Täters und eines Opfers werden nicht gegeneinander ausgespielt. Eine griffige Aburteilung, schnelles Moral-Verteilen, Punktevergaben bleiben aus. Das provoziert. Als Zuschauer ist man gezwungen, auch wenn es einen noch so schmerzt, über Möglichkeiten und Grenzen der Gesellschaft zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch nachzudenken und einen eigenen Standpunkt zu beziehen. Angeregt zum Film wurde Markus Schleinzer durch ein Projekt der Berliner Charité, in dem Menschen, die in sich eine sexuelle Sehnsucht nach Minderjährigen verspüren, dieser aber nicht nachgegangen sind, Hilfe angeboten wurde. Dies wissend, drängt sich natürlich die Frage auf, wie eine solche Hilfe aussehen kann. Dadurch, dass Michael nicht als Monster gezeigt wird, empfindet man die Suche nach Lösungen als besonders dringlich.
Peter Claus
Michael, von Michael (Österreich 2011)
Bilder: Fugu
The Black Cat (Edgar G. Ulmer 1934 / Lucio Fulci 1980)
von Georg Seeßlen in Draufsicht, Film, Kolumnen & Blogs, Kritik am 24. Januar 2012
Allerhand Rätsel
Poe-Verfilmungen zeigen nicht nur die filmische Darstellung der Perversität, sondern auch die Perversion des Filmischen. Edgar G. Ulmer, Emigrant in Hollywood, Dekorateur und B-Film-Regisseur, drehte 1934 einen Horrorfilm mit den beiden Stars Bela Lugosi und Boris Karloff. Die Handlung hat mit Poe zunächst gar nichts zu tun, da hilft es auch nicht, ein paarmal eine schwarze Katze vor die Kamera zu jagen. Aber dann sieht man die Poeschen Motive, die schöne Frau, eingeschlossen zwischen Leben und Tod, die Musik als Vorspiel des Grauens, das Schlafwandlerische im Grausamen. Hinter dem Poe-Horror erzählt Ulmer von dem Kommandanten eines Forts im Ersten Weltkrieg, der über den Gräueln der Schlacht wahnsinnig wurde und nicht wieder zurückkehrte in die Gemeinschaft der Menschen. Jeder Albtraum ist hier nur die Hülle eines noch größeren Albtraums.
Edgar G. Ulmer: The Black Cat, 1934 (gesehen bei Youtube)
Auch Lucio Fulcis Film The Black Cat ist eine freie Poe-Adaption: In der englischen Provinz stellt eine mysteriöse Unfallserie die Behörden vor allerhand Rätsel. Eine Reporterin macht die Entdeckung, dass sämtliche Todesopfer Narben von Katzenkrallen tragen. Hauptsächlich sieht man Nahaufnahmen von kätzischen und menschlichen Augenpaaren, manchmal Krallenwunden und Blut und gelegentlich die Welt, wie sie eine Katze sehen mag. Außerdem spielt hier Dagmar Lassander eine Nebenrolle, eine deutsche Schauspielerin, die ohnehin so wirkt, als habe sie Edgar Allan Poe nach drei, vier Gläsern Amontillado erfunden.
Georg Seeßlen
erschienen in DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
Edgar G. Ulmer: The Black Cat (1934)
Lucio Fulci: The Black Cat (1980)
J. Edgar (ab 19. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 19. Januar 2012
Das Porträt des Bösen? Ja, das bietet dieser Film. Und sonst?
J. Edgar Hoover (1895 – 1972), hat fast ein halbes Jahrhundert, 48 Jahre, der US-amerikanischen Bundespolizei FBI, vorgestanden. Sein enormer Kommunistenhass ist berühmt-berüchtigt. Auch seine Skrupellosigkeit. Er soll selbst US-Präsidenten bespitzelt, Dokumente gnadenlos für seine Vorhaben gefälscht, engste Freunde ans Messer geliefert haben. Die Geheimakten, die er über die angeblichen Feinde der Demokratie anlegen ließ, und die er, wenn es ihm nutzte, eiskalt mit Erfundenem ausschmückte, füllen riesige Archive. Sein persönliches Leben aber ist nahezu unbekannt. Gerüchte gibt es, ansonsten fast nichts. Regisseur Clint Eastwood und Autor Dustin Lance Black , der für sein Drehbuch zu „Milk“ einen „Oscar“ bekam, hatten also alle Freiheit im Erzählen. Die nutzen sie klug, verlieren sich jedoch nicht in reißerischen Spekulationen.
Der Film beginnt in den 1960er Jahren: J. Edgar (Leonardo DiCaprio) diktiert Erinnerungen. Seine Erinnerungen, ganz subjektiv. 1919, noch vor Gründung des FBI, hebt er an. Hier weht ein Hauch Abenteurertum. Der wird bald von Karrieresucht abgelöst. Der Mann will immer nach oben und am liebsten noch höher.
Der Film heißt „J. Edgar“ und nicht „Hoover“, weil der Mann, der im 20. Jahrhundert lange Zeit einer der mächtigsten der USA ist, bis zu deren Tod mit seiner Mutter (Judy Dench) zusammen lebt und nie aus ihrem Schatten heraus kommt. Der folgsame Junge aus
bigottem Hause hat nie die Chance, wirklich selbständig zu werden. Neben der dominanten Mutter sind die lebenslange Assistentin Helen (Naomi Watts) und der Vertraute Clyde (Armie Hammer) die wichtigsten Begleiter. Zu ihr gibt es einmal den Versuch einer Annäherung, mit ihm teilt J. Edgar über viele, viele Jahre das Privatleben. Ob es je eine körperliche Beziehung, zu wem auch immer, gab, ist nicht bekannt. Im Film gibt es einmal ein „Ich liebe Dich“. Das Echo darauf wird nicht gezeigt.
Schon sehr bald nach Filmbeginn interessiert nicht mehr, was der Mann nun für eine Sexualität hatte, falls überhaupt. Entscheidender ist eine Frage, die im Verlauf des Geschehens einmal gestellt wird: Was ist wichtiger, der gute Ruf eines Mannes oder der einer Institution? – Hoovers Diktate, die jeweils Anlass für lange Rückblenden sind, geben seine eindeutige Antwort. Eastwood und Co. halten sich zurück. Das ist der Schwachpunkt des Films: Er bezieht keine Position, mit der man mitgehen oder an der man sich reiben könnte. Damit vergibt sich „J. Edgar“ die Möglichkeit, den Lebenslauf J. Edgar Hoovers als Spiegel des von den Herrschenden geförderten öffentlichen Denkens in den USA zu nutzen. Somit gerät der Film über eine der berüchtigten politischen Figuren der westlichen Welt im vorigen Jahrhundert nebulös unpolitisch. Das hinterlässt einen leicht bitteren Nachgeschmack.
Das psychologische fein ziselierte Porträt, das allen voran Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio mit feinnervigem Spiel entwirft, zeigt ein Muttersöhnchen im Rampenlicht. Das ist packend. In manchen Szenen meint man im Kino J. Edgars Angstschweiß zu riechen. Kriechernatur einerseits und Machtmensch andererseits – das zu sehen ist spannend. Ein kluger dramaturgischer Trick, der hier nicht verraten sei, bringt den Zuschauer schließlich dazu, Mitleid, Verachtung und Respekt für J. Edgar Hoover zu empfinden. Er wird sowohl als tragische Figur wie als Monster erkennbar. Das kommt der historischen Wahrheit sicherlich nahe. Alle, die sich für vertrackte Lebensmuster interessieren, werden mit Spannung bedient. Wer aber ein – gerade auch mit Blick auf die Gegenwart – erhellendes Kunstwerk über das Mit- und gegeneinander von Individualität und Gesellschaft erwartet, dürfte das Kino doch etwas enttäuscht verlassen.
Peter Claus
J. Edgar, von Clint Eastwood (USA 2011)
Bilder: Warner
Kriegerin (ab 19. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 19. Januar 2012
Was tun gegen rechte Gewalt? Die Frage steht seit Jahren hierzulande an. Nicht erst die Untaten der rechtsextremistischen Terrorgruppe namens „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), in den Medien oft kurz „Zwickauer Zelle“ genannt, haben dieser Frage Gewicht gegeben.
Autor und Regisseur David F. Wnendt hat seinen Film lange vor dem öffentlichen Bekanntwerden der so genannten „Zwickauer Zelle“ konzipiert. Da verwundert es, dass dieser Film derzeit gern in manchen Medien so gehandelt wird, als sei er ein Kommentar zu den Ereignissen. Was auch Angst macht: Schaut, hier haben wir doch einen aufklärerischen Film, wir tun doch was, so die unterschwellige Botschaft manchen Berichts, der damit eine falsche Beruhigung suggeriert.
Der Film selbst taucht mit oft dokumentarisch anmutendem Gestus in die rechte Szene in einer deutschen Kleinstadt: Marisa (Alina Levshin), Supermarktkassiererin, hasst Ausländer, Andersfarbige, Juden, Politiker, Gesetzeshüter. Wenn sie kann, schlägt sie zu. Am wohlsten fühlt sie sich in einer Clique saufender und prügelnder Nazis. Zu Filmbeginn sehen wir sie, wie sie Reisende in einem Zug terrorisieren. Der Anführer, Marisas Sexpartner, wird verhaftet, verurteilt und hinter Gittern verwahrt. Aber nur kurz. Schon
bald darf er wieder raus. Zusammen mit Marisa und den anderen lässt er sich unter anderem mit Propagandamaterial aus der Zeit des deutschen Faschismus „schulen“. An einem See tauchen zwei Jugendliche auf, fremd aussehend, Jamil (Najebullah Ahmadi) und Rasul (Sayed Ahmad Wasil Mrowat). Sie können fliehen. Aber Marisa setzt sich ans Steuer ihres Autos und lässt ihren blindwütigen Hass an den zwei jungen Männern aus: Sie steuert den Wagen gezielt gegen die Beiden, die auf einem Moped fahren. Es kracht. Die Jungen landen im Straßengraben.
Die ausführlichen Recherchen von David Wnendt machen sich bis hierhin bezahlt. Der Film besticht als kühle und kühne Milieustudie. Unterhaltsam ist das nicht, will es auch nicht sein. Aber: Was will der Film? Es gibt nicht einen Moment, in dem die Nazi-Szenerie attraktiv wirkt. Dumpfer, alkoholgeschwängerter Mief und abstoßende Brutalität prägen die Bilder. Doch nach Marisas Gewalttat wird die Story zum Krimi und zum Psychodrama. In der Nazi-Clique bekommt die 20-jährige Marisa in der 15-jährigen Svenja (Jella Haase) erst eine Konkurrentin, dann eine Begleiterin. Und nun, ausgelöst auch durch eine Begegnung mit einem der zwei ausländischen Jungs vom Badesee, beginnt Marisa die Welt mit anderen Augen zu sehen, will gar aussteigen. Wirklich glaubwürdig ist das nicht.
David Wnendt ist der erste hierzulande, der eine Frau ins Zentrum eines Films zum Thema Nazis heute in Deutschland stellt. Das ist interessant, geht aber über bereits Bekanntes nicht hinaus. Beweggründe und Motive dieser Figur werden nicht sichtbar. Und die eingangs gestellte Frage, die gerät völlig ins Aus. Sie kommt gar nicht vor. Einzig ein paar küchentischpsychologische Wahrheiten über die unheilvollen schwierigen Kindheiten kommen ins Spiel. Das ist etwas zu wenig, um mit diesem Film ein weiterführendes Nachdenken über das momentane Erschrecken hinaus zu bewirken.
Peter Claus
Kriegerin, von David Wnendt (Deutschland 2011)
Bilder: Ascot Elite
Mein liebster Alptraum (ab 19. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 19. Januar 2012
Isabelle Huppert darf Clown sein. Oft wurde ihr das noch nicht gewährt. Am erfolgreichsten bisher in François Ozons „8 Frauen“. Das ist nun aber auch schon ein paar Jahre her. In der Regel tritt die Star-Schauspielerin in Dramen und Tragödien auf, oft dem Bösen verlockend Gestalt verleihend.
Böse sein darf Isabelle Huppert in dieser Komödie auch. Sie spielt eine Frau aus besseren Kreisen, Agathe, eine erfolgreiche Galeristin. Madame ist überaus gebildet und bildet sich darauf jede Menge ein. Da ist es an sich schon urkomisch, dass ausgerechnet sie
sich in den trinkfesten Proleten Patrick verguckt. Eine Elternsprechstunde in der Schule bringt beide zusammen. Was Agathes Gefährten François ins Abseits und Patrick in den Mittelpunkt ihres Lebens rückt. Chaos also muss kommen.
Regisseurin Anne Fontain setzt auf den Reiz von Gegensätzen, die sich anziehen. Dabei gibt sie dem Hauptdarsteller-Trio viele Chancen, verbal und körperlich mit kraftvoller Komik zu brillieren. Die drei Stars nutzen das effektvoll aus, allen voran Isabelle Huppert. Man liegt schon flach vor Lachen, wenn man nur beobachtet, was sie alles mit ihren Augen anstellt. Darin spiegelt sich Sehnsucht und Zärtlichkeit, Zorn und Arroganz, Furcht und Intelligenz. In vielen überdrehten Momente des turbulenten Geschehens, erzählt die Huppert mit abschätzigen, strahlenden, angstvollen, genervten oder auch mal schlicht kuh-blöden Blicken mehr als viele Dialoge. Wobei der Sprachwitz des Films über weite Strecken ebenfalls beträchtlich ist. Jedenfalls im Original.
Fans der dramatischen Aktrice Isabelle Huppert werden wohl staunen, mit welcher Lust sie hier Klamauk serviert. Da ist einem der Fortgang der überschaubaren Story recht bald ziemlich egal. Man lacht, man schmunzelt, man amüsiert sich, nicht mehr und nicht weniger.
Peter Claus
Mein liebster Alptraum, von Anne Fontain (Frankreich/ Belgien 2011)
Bilder: Concorde
Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen (ab 12. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 12. Januar 2012
„Das Leben der Anderen“ hat das Thema Stasi & Co ja schon „Oscar“-reif zur Schmonzette verarbeitet. Können wir abhaken. Muss nicht mehr im Kino reflektiert werden. Jedenfalls nicht so, wie in der wabernd-pseudoreligiösen Schnulze. Wenn, wie jetzt, in „Das System – Alles verstehen, heißt, alles verzeihen“, dann allerdings sehr wohl! Denn der Film blickt tatsächlich nicht aufs Gestern, sondern aufs Heute, zeigt dabei freilich sehr genau, was die
Gegenwart aus ihren Wurzeln in der Vergangenheit Prägendes zieht.
Mike (Jacob Matschenz), der Anti-Held der Story, ist so um die 20. Ein Kleinkrimineller aus einer Plattenbausiedlung. Zusammen mit Kumpel Dustin (Florian Renner) klaut er hier und da und dort und schlägt sich so durch. Das ändert sich durch die Bekanntschaft mit dem wesentlich älteren Konrad (Bernhard Schütz). Der wird zum Freund und damit zum Ersatz für den Vater, den Mike nie hatte. Konrad mischt erfolgreich in der Baubranche mit und verhilft Mike zu wichtigen Erkenntnissen. Und die führen zu Mikes Erzeuger – und damit ins Geflecht noch heute existierender Stasi-Verbände. Mike will mehr und mehr herausbekommen und bringt sich damit in große Gefahr. Spannungssteigerung ist also garantiert.
Das Autoren-Duo Dörte Franke und Khyana El Bitar hat eine starke Story entwickelt, in der Privates geschickt das Politische spiegelt. Solides Schauspiel und eine gekonnte Bildgestaltung, die kühl alle Leere in den Seelen der Protagonisten spiegelt, packen. Mancher Dialog ist überflüssig, illustriert mehr als dass er erhellt. Aber dies ist ein Debütfilm, da hört man über kleine Stolperer gern hinweg. Beeindruckend ist die Geradlinigkeit und Wahrhaftigkeit, mit der hier deutsch-deutsche Geschichte und Gegenwart erhellt werden – sehr viel ehrlicher und genauer als je zuvor in einem deutschen Kinofilm, der nach 1990 gedreht wurde!
Peter Claus
Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen, von Marc Bauder (Deutschland 2011)
Bilder: Filmlichter
Verblendung (ab 12. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 11. Januar 2012
Hollywood setzt gern auf Nummer sicher. Da fallen Novitäten gern hinten runter. Fortsetzungen von Hits oder Neuverfilmung von Erfolgen versprechen in der Regel gut gefüllte Kassen. Und nur die zählen. Dass da oft die Kunst keine Chance hat, interessiert die Produzenten nicht. Die US-amerikanische Version von „Verblendung“ verblüfft vor diesem Hintergrund. Der Krimi ist selbst jenen zu empfehlen, die bereits die vor zwei Jahren herausgekommene europäische Erstverfilmung des Bestellers genossen haben. Regisseur David Fincher hat den weltweit verschlungenen Roman des Schweden Stieg Larsson stilvoll, raffiniert und selbst für Kenner der Geschichte überraschend adaptiert. Fincher-Fans wundert das nicht. Seit seinem furiosen Schocker „Sieben“ (1995) gilt er als Meister apokalyptischer Schreckensvisionen von außerordentlichem Unterhaltungswert. Bei der Story haben sich David Fincher und sein Drehbuchautor Steven Zaillian, der seit der Arbeit für Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ (1993) zu den bestbezahlten Schreibern Hollywoods gehört, ziemlich genau an die Vorlage gehalten: Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) wird zum Buh-Mann, weil er einer bei einem Enthüllungsreport Fehlinformationen auf den
Leim gegangen ist und nicht ausreichend recherchiert hat. Weil dadurch nicht nur um den guten Ruf gebracht, sondern auch finanziell ruiniert, greift er zu, als ihm ein reicher Geschäftsmann (Christopher Plummer) einen lukrativen Auftrag als Detektiv anbietet: Mikael soll den Fall von dessen vor Jahrzehnten verschwundener, vermutlich ermordeter Nichte aufklären. Der Ex-Journalist versuchts. Gemeinsam mit der Punkerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) macht er sich auf in die Schattenwelt der Vergangenheit und landet geradewegs auf der Straße ins Jenseits. Wer nicht weiß, wie’s weiter geht, glaubt fast bis zum letzten Bild, dass Lisbeth und Mikael niemals lebend aus dem Schlamassel herauskommen können. Aber auch wer um den Fortgang des Geschehens weiß, wird schon von den ersten Filmszenen völlig gefangen genommen und gerät in den Sog der wahrlich mörderischen Spannung.
Das ist als erstes der exzellenten Inszenierung Finchers zu danken, die unter anderem auf gehörigem Respekt vor der Romanvorlage fußt. So hat der Regisseur darauf bestanden, die Handlung nicht, wie in Hollywood üblich, in die USA zu verlagern, sondern, entsprechend dem Roman, in Schweden zu belassen. Und dieses Schweden zeigt er mit einer fast schon sadistisch anmutenden Lust des gewieften Erzählers als Hort des Bösen. Zum Rest des Beitrags »
State of Play – Stand der Dinge (Kevin Macdonald)
von Stefan Bußhardt in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 6. Januar 2012
Keine biedermeierliche Gebetsmühlenmentalität
In den allermeisten Fällen wird die Bevölkerung zur aktiven Beeinflussung politischer Prozesse aufgerufen – zumindest in Nationalstaaten, die sich „demokratisch“ heißen und die staatsphilosophischen Dogmen in einem Dossier hinter Panzerglas offeriert wird. Soweit die hoffnungsfrohe Botschaft. Weniger Hoffnung – und das ist keine plakative Stimmungsmache in biedermeierlicher Gebetsmühlenmentalität – geben da die Interaktionen, auf die uns „STATE OF PLAY“ aufmerksam macht
Sie verdeutlichen auf melancholische – beinahe ohnmächtig machende – Weise die Inkonsistenz der Effekte eines präsidentiell-demokratischen Transformationsprozesses, der in seiner Index- und Paradigmenbildung mehr als fragwürdig erscheint. Besorgniserregend ist nicht etwa die unlautere Liebesaffäre eines US-Präsidenten, worauf ganz im sensationsjournalistischen Stil ein „Sonderermittler“ angesetzt wird, Zum Rest des Beitrags »
The Game (David Fincher)
von Stefan Bußhardt in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 6. Januar 2012
Kafkaeske Wirkungstendenzen
Wogegen sich eine Person entscheidet, wenn sie sich für etwas Bestimmtes – etwa den eigens gewählten Lebensstil – entscheidet, bemerkt sie üblicherweise erst dann wenn es zu spät zu sein scheint. Welcher Beruf es im hektisch-impulsiven Neuzeit-Amerika nur sein kann, der den Menschen vieles von dem nimmt was wir uns „by-nature“ evolutionsgebunden und kognitiv erstritten haben – der des Investmentbankers! Er steht wie kaum ein zweiter für die rücksichtslose Abholzung privatester Lebensbepflanzung » nicht mal ein kuscheliges Feuer knistert, weil auch der Kamin im trauten Elfenbeinturm des Hauptprotagonisten nur leblose Kulisse ist. Zum Rest des Beitrags »
Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten (ab 05. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 4. Januar 2012
Nachgeliefert: Regisseur Guy Ritchie, Schauspielstar Robert Downey Jr. und Jude Law erwiesen sich vor zwei Jahren mit ihrer ersten Holmes-Hommage als Dreamteam. Glaubt man vielen KritikerInnen, präsentieren sie sich mit ihrem zweiten gemeinsamen Ausflug in die Krimiwelt als Alptraumtrio. Ich hab’ mich bestens amüsiert. Popcorn-Kino. Zwischendurch ist das einfach schmackhaft.
Die Story ist dabei völlig uninteressant. Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und Dr. Watson (Jude Law) jagen das Böse. Das sich für Sherlock schon in Watsons Gattin Mary Morstan (Kelly Reilly) personifiziert. Weshalb er sie ziemlich schnell aus der Bahn und dem Geschehen wirft. Anschließend haben die beiden Kerle freie Bahn – und die Zuschauer das Vergnügen. Das resultiert aus einem geschickten Mix. Action, Humor und Spannung sind wohlig miteinander vermischt. Das Ermittler-Duo wirkt wie clevere Vorfahren von James Bond. Allerdings: 007, der Agent Ihrer Majestät, im Fummel? Unvorstellbar! Holmes kann das. Und Robert Downey Jr. erst recht. Überraschung: Der Film offeriert doch tatsächlich so etwas wie eine Lovestory zwischen Holmes und Watson – komisch und anrührend.
Aber, Achtung: die deutsche Synchronversion ist mal wieder, ich muss so deutlich werden, „unter aller Sau“. Da wird auf grobe Gags gesetzt, dass es unentwegt kracht. Sehr bedauerlich, ein Ärgernis. Vielleicht hat das die erstaunlich hohe Zahl an Negativ-Rezensionen bewirkt? Wer kann, wer etwas davon hat, weil sicher im Englischen, gehe in die Originalfassung.
Peter Claus
Sherlock Holmes 2: Spiel im Schatten, von Guy Richie (USA 2011)
Bilder: Warner
Ziemlich beste Freunde (ab 05. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 4. Januar 2012
Olivier Nakache und Eric Toledano, ein bewährtes Regie-Duo, erzählt von der Freundschaft eines Sozialhilfeempfängers und eines reichen Behinderten. – Das klingt nach gruseliger Schmonzette. Geboten aber wird ganz anderes, nämlich eine erstaunlich wahrhaftig anmutende, herzerwärmende Komödie vom Feinsten. Die von wirklichem Geschehen angeregte Story ist originell, das Schauspiel von Güteklasse A und die Inszenierung effektvoll, ohne reißerisch anzumuten.
Die Protagonisten: Der junge Farbige Driss (Omar Sy) und der etwa drei Jahrzehnte ältere Weiße Philippe (François Cluzet). Ersterer ist arm, der Zweite stinkreich. Aber Philippe ist
querschnittsgelähmt und engagiert Driss als Pfleger. So kommen die Beiden zusammen, geraten erstmal gehörig aneinander, um dann schließlich eine wahrlich wunderbare Freundschaft aufzubauen. Klar: es gibt auch Trubel, Chaos und andere erfreuliche Episoden. Nur Klamauk, den gibt es zum Glück nicht.
Omar Sy und François Cluzet dürfen ihrem Affen Zucker geben. Das machen sie mit Schmackes. Doch die Zwei übertreiben dabei nicht, so dass die Geschichte und die Charaktere glaubwürdig bleiben. Schön, dass das Thema „Behinderung“ hier einmal wirklich locker beleuchtet wird, unverkrampft, realistisch, ohne dass dabei etwas beschönigt wird. Weil absolut souverän in Schauspiel und Inszenierung kann beispielsweise gezeigt werden, wie schwierig für Philippe allein schon ein Besuch der Toilette ist. Da bekommt der Film eine schöne Größe, die von Würde gestützt wird.
Peter Claus
Ziemlich beste Freunde, von Olivier Nakache und Eric Toledano (Frankreich 2011)
Bilder: Senator
Huhn mit Pflaumen (ab 05. Januar)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Im Kino, Kolumnen & Blogs, Kritik am 4. Januar 2012
Es darf gestritten werden. Die einen schimpfen: „Kitsch!“ Die anderen schwärmen. So war’s schon in Venedig, im letzten Herbst, nach der Uraufführung. So wird es nun wohl auch anlässlich des deutschen Kinostarts sein. Mein Standpunkt: großes Vergnügen, resultierend aus einer nahezu perfekten Balance von Unterhaltung und Geist.
„Persepolis“, der Zeichentrickfilm, der die Jugend der in Paris lebenden Iranerin Marjane Satrapi spiegelt (die den Film zusammen mit Vincent Paronnaud realisiert hat), war 2008 ein wahrlich grandioses Debüt. Darin waren sich alle einig. „Huhn und Pflaumen“ ist kein Abklatsch, keine Fortsetzung. Die Form: Das Regieduo offeriert einen Schauspielerfilm fast klassischen Zuschnitts mit
einigen Animationselementen. Und mit einem Übermaß an Phantasie. Womit wir beim Inhalt wären: Dem Geiger Nasser Ali Khan (Mathieu Amalric) wird von seiner wütenden Frau Faranguisse (Maria de Medeiros) das Instrument in Stücke gehackt. Das kostet ihn alle Kraft. Er will sterben. Denn die für ihn unersetzbare Geige war ihm weniger Musikinstrument denn Erinnerung an die Liebe seines Lebens, an Irâne (Golshifteh Farahani). Nicht mal sein Lieblingsgericht, Huhn mit Pflaumen, richtet ihn auf. Nasser Ali Khan fleht den Tod herbei. Tja, und der (Edouard Baer) kommt denn auch zu ihm. Fragt sich nur bis zum letzten Bild, wie das ausgehen soll.
Die Gegenwartsebene des Films liegt ihm Jahr 1958, Rückblenden führen in die Jahre, ja, Jahrzehnte davor, ein Großonkel von Marjane Satrapi gab das Vorbild für die Hauptfigur ab. Offeriert wird das als farbenfrohes, mal kraftvoll-komisches, mal melancholisches Märchenpuzzle, das mit optischen Reizen geradezu wuchert. Kunstgewerbe aber bleibt aus. So wird die Hauptfigur in allen Lebensaltern von Mathieu Amalric ohne Masken- und Schminktricks verkörpert. Damit wird dezent betont, dass die Erinnerungen, die in den Rückblenden wach werden, natürlich ganz aus dessen Sicht, von seinem Empfinden geprägt, gestaltet sind. Sieben Tage, sieben Erinnerungen (im Märchen passiert ja das Wichtige oft sieben Mal!), und über allem liegt ein zauberhafter Geigenklang. Der Franzose Renaud Capuçon – einer der Star-Geiger unserer Tage
– spielt (an Stelle von Mathieu Amalric), und Capuçon spielt einfach göttlich. Diese Musik und die visuelle Finesse begeistern. Dazu kommt, dass leiser Humor feine Akzente setzt, die – für mich! – aller Sentimentalität eine Abfuhr erteilen. Da ist der Streitpunkt, das sehen viele anders, sprechen von „Kitsch!“. Weit verbreiteter Vorwurf gegen das Autoren-Regie-Duo: die politische Schärfe von „Persepolis“ wird nicht erreicht. Ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn in einer Schlüsselszene Nassder Ali und Irâne einander nach vielen Jahren ein letztes Mal begegnen, dann wird der Film ohne jeden vordergründigen Verweis für mich zu einer poltisch-scharfen Anklage eines von den Machthabern verordneten Lebensstils, der den Frauen eine Rolle nach den Männern zuweist, der die Freiheit des Einzelnen beschneidet, der aufrichtigen Glauben in religiösen Zwang verwandelt. Aber für viele muss es wohl immer der Holzhammer sein. Schade!
Lustgewinn am Rande: Chiara Mastroianni und Isabella Rosselini bezirzen mit köstlich (selbst-)ironischen Gastauftritten. Hauptdarsteller Mathieu Amalric ist einfach nur hinreißend. Sein Können gibt dem Film endgültig eine große Klasse.
Peter Claus
Huhn mit Pflaumen, von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud (Frankreich/Belgien/Deutschland 2011)
Bilder: Prokino
Ich reise allein (Stian Kristiansen)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 28. Dezember 2011
Eine der schönsten Komödien um die Schwierigkeit, erwachsen zu werden, kam vor drei Jahren aus Norwegen: „Der Mann, der Yngve liebte“. Regisseur Stian Kristiansen, der damit 2008 sein Debüt gab, setzt nun die Geschichte der Hauptfigur fort. Und von einem Aufguss kann keine Rede sein! Zugegeben: Sonderlich toll klingt die Story in Stichworten nicht: Jarle (Rolf Kristian Larsen) bekommt einen Schock, als eines Tages eine siebenjährige Göre (Amina Eleonora Bergrem) vor der Tür steht. Die Kleine erklärt dem 25-jährigen Studenten, dass sie seine Tochter sei, und dass er jetzt eine
Zeitlang auf sie aufpassen müsse. – Ähnliches gab es schon mehrfach, etwa im Vorjahr, arg schick und snobistisch erzählt, in „Somewhere“ von Sophia Coppola. Anders als sie aber interessiert Regisseur Stian Kristiansen, der sich das Drehbuch wieder von dem Schriftsteller Tore Renberg schreiben ließ, die soziale Realität von Leuten der Marke „Du und ich“. Jarle, den wir beim ersten Mal Ende der 1980er Jahre trafen, diesmal Mitte der 1990er, liebt nur eins: das Werk von Marcel Proust. Da ist natürlich kein Platz in seinem Herzen für ein Kind, auch nicht für deren Mama. Behauptet jedenfalls Jarle – und ist der einzige weit und breit, der das glaubt. Klar, dass die Geschichte anders weitergeht als er es sich zu Beginn vorstellen kann. Übrigens, im Detail, auch anders, als wohl die meisten Zuschauer erwarten dürften.
Handfeste Milieuzeichnungen und sensible Charakterstudien fesseln von Beginn an. Jarle, der Jung-Intellektuelle, der laut Eigeneinschätzung lieber mit einem Buch ins Bett geht als mit einer Frau, der aber trotzdem grad ganz furchtbar darunter leidet, dass er ungewollt Single ist, wird dabei nie zur Witzfigur. Buch, Regie und Schauspiel nehmen Jarle erfreulich ernst, was dem Humor eine schöne Schärfe verleiht. Seine oft verzweifelten Versuche, sich aus aller Verantwortung, vor allem auch gegenüber sich selbst, zu ziehen, liefern dabei die besten Pointen.
Klar: komödiengerecht kommt auch die Frau Mama (Marte Obstad) noch gehörig ins Spiel. Fader Familienkitsch à la Hollywood jedoch gibt es nicht. Hier wird kein verlogenes Hohelied auf den angeblich unschätzbaren Wert der Familie gesungen. Aber es wird auch kein Klamauk der billigen Art geboten! Bis zum Schlussbild bleibt der Humor trotz aller Schärfe im Ton eher sanft. Und es werden auch Fragezeichen gesetzt, die ohne Antworten stehen bleiben. Hier ist nach dem Lachen Zeit zum Nachdenken. Dabei stellt sich ein interessanter Nebeneffekt ein: Die 1990er Jahre erscheinen einem als Paradies, fern der heute allgegenwärtigen Hektik, weitab von Finanzkrisen und Terrorangst. Da wird der Film sogar zeitkritisch. Wunderbar! – Das Kino Skandinaviens ist nun mal immer wieder gut für schöne Überraschungen.
Peter Claus
Ich reise allein, von Stian Kristiansen (Norwegen 2011)
Bilder: Neue Visionen
Und dann der Regen (Icíar Bollaín)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 28. Dezember 2011
Südamerika – Paradies oder Hölle? Der Film geht nach Bolivien. Da fällt die Antwort auf die Eingangsfrage zwiespältig aus. Südamerika ist so reich an Wasser wie kein zweiter Kontinent. Trotzdem herrscht in Bolivien Knappheit am Leben spendenden Nass. Der Grund: die Profitsucht von international arbeitenden Konzernen. Regisseurin Icíar Bollaín erzählt davon nun nicht in einem vordergründig die Missstände anklagenden Drama, sondern – sehr hintergründig – und genau deshalb überaus wirkungsvoll – in einer spannenden Geschichte um die komplizierten Dreharbeiten zu einem Film: Regisseur
Sebastián (Gael García Bernal), Produzent Costa (Luis Tosar) und Team reisen nach Bolivien. Sie wollen einen Spielfilm über Columbus drehen, über dessen Gier nach Macht und Ruhm, nach Gold und Sklaven. Die Realität der Gegenwart „funkt“ unentwegt dazwischen. Hauptdarsteller Daniel (Juan Carlos Aduviri) zum Beispiel kämpft aktiv im so genannten bolivianischen Wasserkrieg wider die menschenverachtenden Methoden der Industrie. Da kann die Kunst nur nebensächlich sein – oder?
Iciar Bollain gelang ein packendes Polit-Drama, das auch unterhält. Sich mehr und mehr auf die Zwangslage des Schauspielers – zwischen gesellschaftlichem Engagement und Geldverdienen – konzentrierend, steigt die Spannung rasant an. Die Entdeckung: der Hauptdarsteller, Juan Carlos Aduviri. Ein Mann mit Star-Potential. Vor allem er macht die Auseinandersetzung mit einer alles andere als glamourösen Wirklichkeit über das Glamour-Medium Film absolut sehenswert!
Peter Claus
Und dann der Regen, von Icíar Bollaín (Frankreich/ Mexiko/ Spanien 2010)
Bilder: Pfiffl
Habemus papam – Ein Papst büxt aus (Nanni Moretti)
von Peter Claus in Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 21. Dezember 2011
P. S. zu Habemus papam – Ein Papst büxt aus – siehe getidan vom 08. 12. 2011
In der Regel schauen Kritikerinnen und Kritiker die Filme im Original und das, nicht selten bei nicht-deutschen Produktionen, gern vor den Pressevorführungen hierzulande im Produktionsland. So muss zwangsläufig sehr oft eine Beurteilung der Synchronisation ausbleiben. (Zumal auch die Pressevorführungen meist das Original zeigen.) Gelegentlich hagelt‘s dann auch Nutzer-Protest, weil der empfohlene Film in deutscher Fassung nicht mehr den Charme und die Größe des Originals hat. Im Falle von „Habemus papam“ habe ich nun einmal die Probe aufs Exempel gemacht und darf sagen: die Synchronisation ist überaus gelungen. Klaus Sonnenschein, der Michel Piccolis Part spricht, und Janusz Chichocki, er spricht Jerzy Stuhr, der in der wichtigen Rolle des Pressesprechers des Vatikans agiert, und alle anderen, haben ganze Arbeit geleistet! Das deutsche Textbuch (Beate Klöckner, die auch die Synchronregie geführt hat) konnte den doch recht speziellen Witz von Nanni Moretti exzellent übertragen. Wie schon geschrieben: Hut ab!
Peter Claus






















