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	<title>Lesen was klüger macht &#187; Film</title>
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		<title>Dame, König, As, Spion (ab 02. Februar)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 17:18:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Seit Jahrzehnten gehört John le Carré zu den Erfolgsautoren im Genre-Thriller. Sein Hauptthema: der Kalte Krieg. Doch der ist aus. Bedeutet dies auch das „Aus“ für die Romane? Mitnichten. Das beweist die Verfilmung von „Dame, König, As, Spion“, ein meisterliches Bild Europas der 1970er Jahre, das auch Schlaglichter auf die Gegenwart wirft.
Der schwedische Regisseur Tomas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41313" title="bube_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Seit Jahrzehnten gehört John le Carré zu <em>den</em> Erfolgsautoren im Genre-Thriller. Sein Hauptthema: der Kalte Krieg. Doch der ist aus. Bedeutet dies auch das „Aus“ für die Romane? Mitnichten. Das beweist die Verfilmung von „Dame, König, As, Spion“, ein meisterliches Bild Europas der 1970er Jahre, das auch Schlaglichter auf die Gegenwart wirft.</p>
<p>Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson hat sein US-Debüt mit der Präzision eines altmodischen schweizer Uhrwerks inszeniert. Sämtliche Szenen sind in sich klug arrangiert und genauso klug miteinander verwoben. Das damit geschaffene Gespinst aus Lüge und Verrat bekommt so eine wahrlich mörderische Dichte. Kameraführung, Ausstattung und Musik unterstützen das prächtig. Die sepia-getönten Tableaus in schönstem <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41314" title="bube_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>Breitwandformat werden vom üppigen Soundtrack geradezu umschmeichelt. Der Zeitgeist von vor etwa vierzig Jahren feiert auf geradezu unheimliche Art seine Wiederauferstehung.</p>
<p>Ost und West in Konkurrenz: Spione hier, Agenten da, von den eigenen Leuten jeweils als Helden gefeiert, von den anderen verteufelt. Der Kalte Krieg kannte keine Gnade. Aber er kannte Schlupflöcher für die Demokratie. Da passt die hier erzählte Geschichte von der verzweifelten Suche nach einem Doppelagenten wie die Faust aufs Auge. Tomas Alfredson folgt der Vorlage von John le Carré, wenn er sein Augenmerk auf den Ungeist richtet, der alles Tun der Protagonisten bestimmt. Moralische Wertungen bleiben dabei aus. Was den Gänsehauteffekt noch verstärkt. Je mehr die Handlung voranschreitet, umso mehr beschleicht einen das ungute Gefühl, auch heutigentags ist nichts sicher, was uns die politischen Hüter von Staatsräson und -ordnung als sicher anpreisen, nichts ist wirklich weiß, was uns weiß gemacht wird.</p>
<p>Die Erzählung begeistert neben aller Spannung, die aus der Suche nach dem „Bösewicht“ resultiert, insbesondere durch die vielen Szenen, in denen der Kampf der Anti-Helden wie ein Ballett der Blicke und ein Gemetzel der Gesten wirkt. Lautstarke Action haben die Männer an den unsichtbaren Fronten der rivalisierenden Geheimdienste immer vermieden, und der Film vermeidet sie also auch. Selten gab es einen Thriller, in dem das <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_320_2.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41315" title="bube_320_2" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_320_2.jpg" alt="" width="320" height="212" /></a>lauernde Misstrauen von jedem gegen jeden derart intensiv zu spüren war, ohne dass es erklärender Worte oder ausufernder Materialschlachten bedarf. Auch das lässt einen Gruseln: Hört und sieht man das, fragt man sich sofort, ob die letzte Beurteilung, die man bekommen hat, nicht doch mit heimlichen, von einem selbst nicht zu entschlüsselnden Informationen Gespickt war.</p>
<p>Der jugendlich wirkende Benedict Cumberbatch als Peter Gilliam und der gestandene Gary Oldman in der Rolle des George Smiley führen das mit aufregender Gelassenheit agierende Schauspielensemble an. Populäre Akteure wie Colin Firth und Ciarán Hinds unterstützen sie mit nicht unbedingt großen, aber äußerst wirkungsvollen Auftritten. Sie lassen einen frösteln, wenn sie ganz locker und nebenbei beweisen, wie tödlich ein charmantes Lächeln sein kann. Und sie zeigen, dass der Kalte Krieg keine Angelegenheit war, die allein „die da oben“ betraf, sondern eine politische Katastrophe, die das Leben unzähliger so genannter kleiner Leute auf oft dramatische Weise geprägt hat.</p>
<p>Die Verfilmung des 1974 veröffentlichten Romans beginnt übrigens mit einem inszenatorischen Coup: John Hurt, zweifellos ein Weltstar, spielt den Chef von „Circus“, wie der geheimste innere Verbund der britischen Spionage heißt. Er setzt das Geschehen in Gang. Und schon tritt er ab. Die Figur stirbt. Damit ist im Handumdrehen die Spannung angeheizt. Denn keiner im Parkett mag so recht glauben, dass ein Schauspieler vom Format eines John Hurt wirklich nur einen derartig kurzen Auftritt absolviert. Jeder rechnet damit, dass hier die erste Finte gelegt wurde, und der populäre Akteur irgendwann noch einmal mit sardonischem Lächeln auf der Spielfläche erscheint. Ob diese Erwartung erfüllt wird, sei hier selbstverständlich nicht verraten. Aber deutlich gesagt sei, dass dies nicht die einzige trickreiche Überraschung der exzellenten Literaturverfilmung ist!</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>Dame, König, As, Spion</strong>, von Tomas Alfredson (Frankreich, England, Deutschland 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Studiocanal</em></p>
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		<title>Die Summe meiner einzelnen Teile (ab 02. Februar)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 17:13:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Der Autor und Regisseur Hans Weingartner, der vor elf Jahren mit „Das weiße Rauschen“ bekannt wurde, der Physik und Neurowissenschaften studiert hat, erzählt in expressiven Bildern vom Mathematiker Martin (Peter Schneider), den ein Burn out umhaut. Nach einer Zeit in einer psychiatrischen Klinik will er wieder „normal“ leben. Doch die Umstände, die sind nicht so. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/summe_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41307" title="summe_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/summe_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Der Autor und Regisseur Hans Weingartner, der vor elf Jahren mit „Das weiße Rauschen“ bekannt wurde, der Physik und Neurowissenschaften studiert hat, erzählt in expressiven Bildern vom Mathematiker Martin (Peter Schneider), den ein Burn out umhaut. Nach einer Zeit in einer psychiatrischen Klinik will er wieder „normal“ leben. Doch die Umstände, die sind nicht so. Erst die Freundschaft mit einem kleinen Jungen <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/summe_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41308" title="summe_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/summe_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>(Timur Massold), der nur russisch spricht, bringt ihn wieder auf die Beine – aber nicht unbedingt in die normierte gutbürgerliche Gesellschaft zurück.</p>
<p>Der Zusammenhang und das Wechselspiel von Einzelschicksal und Gesellschaft wird höchst spannend beleuchtet. Der Film zeigt sehr genau, tatsächlich schmerzlich, wie schwer es der Einzelne heutzutage im Bannstrahl eiskalten globalen Profitstrebens hat. Die kluge Erzählung bietet einige Überraschungen, was die Spannung zusätzlich anheizt. Das Entscheidende: Weingartner fühlt sich der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Da haben falsche Töne, hat pure Effekthascherei, keine Chance.</p>
<p>Hauptdarsteller Peter Schneider konnte während des Drehens viel improvisieren, ausprobieren, die Dialoge mit gestalten. Das trägt natürlich wesentlich zum Eindruck von großer Authentizität bei. Was aber auch verstörend wirkt. Man gewinnt manchmal fast den Eindruck, eine Dokumentation zu sehen.</p>
<p>Hans Weingartner schließt mit diesem Film an „Das weiße Rauschen“ an, stilistisch und inhaltlich. Mit dem Finale (das hier nicht verraten werden kann) provoziert der Film viele Fragen, die einen dazu bringen, über die eigene Konstitution nachzudenken. Was wiederum den Mut anheizt, sich gegen die allgemeine Uniformität des Lebens zur Wehr zu setzen. Bravo!</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>Die Summe meiner einzelnen Teile</strong>, von Hans Weingartner (Deutschland 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Wild Bunch</em></p>
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		<title>The Artist (Michel Hazanavicius)</title>
		<link>http://www.getidan.de/kritik/film/henryk_goldberg/41188/the-artist-michel-hazanavicius</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 16:43:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
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Das Schweigen hören
„The Artist“ rekonstruiert die Ästhetik des Stummfilms mit Raffinesse und Sensibilität. Dafür wird es Oscars geben. Wer diesen perfekten Film genießen will, sollte allerdings ein Cineast sein
„Ich sage nichts. Ich sage kein Wort“, sagt der Mann, den sie foltern, aber wir hören es nicht. Wir sehen, was er sagt, es steht auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_6801.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41193" title="artist_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_6801.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Das Schweigen hören</span></p>
<p><span style="color: #808080;">„The Artist“ rekonstruiert die Ästhetik des Stummfilms mit Raffinesse und Sensibilität. Dafür wird es Oscars geben. Wer diesen perfekten Film genießen will, sollte allerdings ein Cineast sein</span></p>
<p>„Ich sage nichts. Ich sage kein Wort“, sagt der Mann, den sie foltern, aber wir hören es nicht. Wir sehen, was er sagt, es steht auf dem Zwischentitel. Wir sehen einem Stummfilm zu, die Leinwand, das Orchester, das premierengeschmückte Publikum, die Stars hinter der Leinwand. Der Film heißt „The Russian Affair“, der nächste wird „The German Affair“ heißen. Dann der Applaus, doch auch den sehen wir nur, und das ist einen Augenblick lang fremd und irritierend. Denn jetzt sehen wir nicht einem Stummfilm zu, jetzt sehen wir einen Stummfilm. „The Artist“, der Künstler, ist ganz gewiss einer der merkwürdigsten Filme der letzten Jahre. Diese französische Produktion des Regisseurs Michel Hazanavicius, die nach den Golden Globes einer der beiden großen Favoriten für den Oscar ist, rekonstruiert mit handwerklicher Perfektion und künstlerischer Sensibilität die Ästhetik des Stummfilms. Und damit das einen Grund in sich findet, erzählt er in den Formen dieser versunkenen Ästhetik davon, wie sie versank. George Valentin (Jean Dujardin), der Stummfilmstar, ist mit seinem Produzenten bei einem Soundtest, 1929. The Artist, der Künstler, lacht und geht. Er lacht, weil er dieses neue Mittel, den sprechenden Film, für etwas Unkünstlerisches hält. Er lacht über seinen Untergang.<span id="more-41188"></span> Denn der schweigende Star ist der untergehende Star. Und einem Kino, in dem die Erde ein schweigender Stern ist, konnte nie die Zukunft gehören. Die Zukunft des Kinos wird immer in jener Technik liegen, die dem Leben am nächsten kommt. Und die Haltung dieses Stars ist genau jene künstlerische Ignoranz, von der noch jede technische Innovation begleitet wurde. Die Erfindung des Films selbst galt mehr als eine Errungenschaft des Jahrmarktes als der Kunst. Misstrauen galt der Erfindung des Tones und der Farbe, wie es <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_3201.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41194" title="artist_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_3201.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>den neuen Formaten galt. So galt und gilt es der Einführung der Dreidimensionalität. Und jetzt ist „Pina“ von Wim Wenders, ein hochkünstlerischer Dokumentarfilm über eine Künstlerin, für einen Oscar nominiert. Manchmal erscheint uns ein ästhetischer Rückgriff auf eine zurückliegende Technologiestufe des Kinos als reizvoll. Das macht etwa die Besonderheit von Schwarz-Weiß-Filmen aus, das kleine Format, die karge Ästhetik lässt uns solche Filme als kostbar empfinden, weil sie weniger schreiend sind als das, was wir gewohnt sind im Kino. Dieser Film aber ist nicht einfach weniger schreiend, er ist stumm. Und das ist ein Rückgriff auf eine Entwicklungsstufe des Kinos, die für die Mehrheit der Kinobesucher nur noch schwer nachzuvollziehen sein dürfte. Zu erwarten, dass diese Ästhetik eine Renaissance erleben könnte, das wäre, als erwartete man eine Renaissance des Lateinischen als Lingua franca der Gegenwart. Dabei, dieser Film ist wunderbar, er ist einfach großartig gemacht – aber man muss wohl ein Cineast sein, um sich an den Zitaten der verschiedensten Art erfreuen zu können. Der Vorspann in dem alten, kleinen Format ist im Design der frühen Filme gehalten, die Schrifttitel werden durchgeblendet, wir erleben die gute alte Kreisblende am Wirken. Die Schauspieler, begleitet von klassischer Filmmusik, unterbrochen von den Zwischentiteln, rekonstruieren perfekt den Stil, mit dem gespielt wurde im stummen Film. Die großen, ausgestellten Gesten, die, sozusagen, überdeutlichen Gesichter. Jean Dujardin mit dem markanten Männergesicht der Stummfilmzeit, Berenice Bejo mit dem flirrenden Charme der Zeit, beide auch nominiert für die Darsteller-Oscars, sie für die beste Nebendarstellerin. Und sie vermitteln das Gefühl, als seien sie, alle, mit einer überbordenden Lust am Arbeiten. Und Michel Hazanavicius kann das inszenieren mit einer wunderbaren Balance. Sie spielen das mit einer wunderbaren sanften Ironie und erlauben es uns doch, sie jederzeit ernst zu nehmen als künstlerische Äußerung. Wie fremd uns diese Ästhetik ist, wie geprägt wir von unseren Gewohnheiten sind, das kann jeder Besucher selbst an sich kontrollieren: Wenn wir das applaudierende Publikum sehen, den rotierenden Plattenteller, hören wir gleichsam das Geräusch – bis wir das Schweigen hören. Michel Hazanavicius hat eine wunderbare Szene. George hört plötzlich den Hund bellen, er hört das Glas, das er absetzt, den Stuhl, den er rückt. Und wir begreifen, wie fremd ihm das, im Kino, erscheinen muss, weil auch wir diese Geräusche jetzt hören, wo wir uns doch daran gewöhnt hatten, das Schweigen zu hören. Wenn dieser Film 80, 85 Jahre alt wäre, dann läge er unberühmt im Archiv. Wenn er, und so wird es sein, einige Oscars bekommt, dann werden die also einer exorbitanten handwerklichen Leistung und der Nostalgie von Cineasten gelten. So ziemlich am Ende gibt es ein geschriebenes „Peng“, und dieses „Peng“ ist der vielleicht witzigste Moment, den das Kino in den letzten Jahren hatte, und es erklärt zugleich, was der Schnitt bedeutet für das Kino. Und machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie diesem „Peng!“ begegnen: Alles wird gut.</p>
<p><em>Henryk Goldberg</em></p>
<p><em>erschienen in Thüringer Allgemeine Zeitung</em></p>
<p><em>Bilder: Delphi</em></p>
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		<title>The Artist (ab 26. Januar)</title>
		<link>http://www.getidan.de/kritik/film/peter_claus/41072/the-artist-ab-26-januar</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 23:07:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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Die „Oscar“-Verleihung steht an – und alle reden über einen französischen Film, erwarten dass er der große Abräumer werden wird: „The Artist“. Bei der Vergabe der „Golden Globe“ kam er schon sehr gut weg – und das heizt die Spekulationen an, gelten die „Golden Globe“ doch als Barometer für die „Oscar“. Wir werden sehen. In [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41073" title="artist_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Die „Oscar“-Verleihung steht an – und alle reden über einen französischen Film, erwarten dass er der große Abräumer werden wird: „The Artist“. Bei der Vergabe der „Golden Globe“ kam er schon sehr gut weg – und das heizt die Spekulationen an, gelten die „Golden Globe“ doch als Barometer für die „Oscar“. Wir werden sehen. In jedem Fall: Das ist ein großartiger Film!</p>
<p>Schwärmen ist angesagt: eine mit vielen Überraschungen gespickte Story voller Gefühl. Bezwingend schöne Bilder, einschmeichelnde Musik und tolle Schauspielerleistungen prägen die romantische Liebeserklärung an die Filmkunst.</p>
<p>Die Geschichte spielt Ende der 1920er Jahre: George Valentin ist ein Star. Die Premiere seines jüngsten Films ist für den Charmeur ein Riesenerfolg. Die Frauen himmeln ihn an, stehen Schlange am roten Teppich, auch Peppy Miller. Zufällig entsteht ein Foto von ihr und George. Das landet in der Zeitung und macht einen Produzenten auf die Unbekannte aufmerksam. Peppy sieht nicht nur gut aus, sie hat auch Talent, und wird zum neuen Stern am <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41074" title="artist_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>Himmel der Traumfabrik aufgebaut. George hingegen fällt tief. Die Einführung des Tonfilms markiert das Ende der Karriere auch dieses Stummfilmidols. Das Publikum, das ihm eben noch zu Füßen lag, vergisst ihn. Peppy aber vergisst George nicht. Und inzwischen weiß sie ja ziemlich gut, wie man geschickt ein Happy End bastelt.</p>
<p>Regisseur Michel Hazanavicius sprudelt nur so vor Einfällen. Die erlesen schönen Bilder bieten jede Menge zu entdecken. Doch die optische Opulenz dominiert nicht. Sie illustriert die Geschichte, die das A und O ist, bestens. Fans alter Filme können vielen Anspielungen auf unvergessliche Momente des Kinos der 1920er und 1930er Jahre entdecken: Chaplin, Laurel &amp; Hardy, der Filmhund Rin-Tin-Tin und die Garbo grüßen, Szenen zitieren Klassiker wie „A Star is Born“, „Sunrise“ und „Metropolis“. Kintopp-Romantik pur.</p>
<p>Das Spiel der Akteure folgt dem Schlüsselsatz aus Billy Wilders Filmdrama „Boulevard der Dämmerung“, der berühmten, Ende der 1940er Jahre herausgekommenen, tiefschwarzen Auseinandersetzung mit Licht und Schatten der Traumfabrik, die inzwischen erfolgreich als Musical für die Bühne adaptiert wurde. Da sagt die gestürzte Stummfilm-Diva Norma Desmond (im Film gespielt von der damals nicht mehr sehr bekannten Gloria Swanson) über die Ära der Stummfilmstars: „Wir brauchten keine Worte, wir hatten Gesichter“. – Was Jean Dujardin als George und Bérénice Bejo als Peppy befolgen. Sie sagen mit ihren Gesichtern alles. Ganz dem uns heutzutage überlebensgroß anmutenden Stil des Stummfilms entsprechend, spiegeln sie in Blicken, Lächeln, Schmollen – aber ohne Worte – nahezu die gesamte Skala menschlicher Empfindungen.</p>
<p>Michel Hazanavicius bringt die Bilder elegant, raffiniert, charmant zum Sprechen. Eine Wonne. In einer Szenenfolge geht es um die Ängste des Stummfilmstars vor der neuen Technik. Da kommt augenzwinkernd auch der Tonfilm zu seinem Recht. Und im Publikum dürfte mancher Schneuzer zu hören sein. Das Schmunzeln aber überwiegt – und eine wunderbare Leichtigkeit, die einen schließlich beinahe tanzend aus dem Kino entlässt.</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>The Artist</strong>, von Michel Hazanavicius (Frankreich 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Delphi</em></p>
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		<title>The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (ab 26. Januar)</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 23:01:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Alexander Payne hat sich mit „About Schmidt“ als kluger Beobachter US-amerikanischer Spießermentalität erwiesen. Vorschnelles Verurteilen ist seine Sache nicht. Diesmal ist er gnadenloser. Doch die Liebe zu den Figuren behält die Oberhand.
Hauptfigur ist der Anwalt Matt King (George Clooney). Ein Sunny Boy. Doch der Schein trügt. Hawaii ist für ihn und seine Frau Elizabeth (Patricia [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/The-Descendants_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41066" title="The Descendants_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/The-Descendants_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Alexander Payne hat sich mit „About Schmidt“ als kluger Beobachter US-amerikanischer Spießermentalität erwiesen. Vorschnelles Verurteilen ist seine Sache nicht. Diesmal ist er gnadenloser. Doch die Liebe zu den Figuren behält die Oberhand.</p>
<p>Hauptfigur ist der Anwalt Matt King (George Clooney). Ein Sunny Boy. Doch der Schein trügt. Hawaii ist für ihn und seine Frau Elizabeth (Patricia Hastie) und die zwei Töchter Alex (Shailene Woodley) und Scottie (Amara Miller) kein Paradies. Matt steht dauernd unter Druck, ist nicht wirklich für die Seinen da. Stress bringt auch ein wertvolles Stück Land, das der Familie seit ewigen Zeiten gehört. Die Erbengemeinschaft drängt Matt, als Treuhänder, auf Verkauf. Er wehrt ab. Unentwegt. Dabei merkt er gar nicht, wie ihn das in Schach hält. Zum Innehalten kommt er erst durch ein Unglück: Elizabeth hat einen Unfall und fällt ins Koma. Sein Leben verändert sich dadurch radikal. Was noch verstärkt wird, weil er herausfindet, dass seine Frau eine Affäre mit einem jüngeren Mann (Matthew Lillard) hat und für sie die Ehe nur noch auf dem Papier bestand. Matt muss raus. Zusammen mit den Töchtern und <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/The-Descendants_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41067" title="The Descendants_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/The-Descendants_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>dem Freund der einen (Nick Krause) tritt er eine Reise an, die einiges klären soll – was den Landverkauf angeht, die Ehe, Matts Lebensplanung. Der Ausgang ist absolut ungewiss.</p>
<p>Endlich mal wieder eine Story, die nicht schon in den ersten Szenen das Ende ahnen lässt. Spannung ist angesagt, und die hält den ganzen Film über an. Der musikalisch ausgefeilte Rhythmus der Erzählung, die sensible Inszenierung und das großartige Spiel der Akteure geben der Tragikomödie einiges an Gewicht – und Attraktivität. Wenn es hier zur Sache geht, dann richtig: die tragischen Momente, in denen mitunter geradezu ein Höllenfeuer emotionaler Verwirrung entfacht wird, gehen einem unter die Haut. Die schönen Landschaften und Interieurs, in denen sich das abspielt, betonen die Brutalität des Geschehens enorm.</p>
<p>George Clooney bietet wieder eine facettenreiche Charakterstudie. Der Mann ist einfach gut. Das menschliche Drama, in das der von ihm verkörperte Matt gestürzt wird, verlangt aber auch einen Schauspieler der Spitzenklasse. Ein falscher Ton, und nichts ginge mehr. Bei Clooney aber sitzt jeder Ton, stimmt jede Geste. Einerseits immer vom Glamour Hollywoods umweht, hat er andererseits die Ausstrahlung des Kumpels von nebenan. Wenn er die geistige  und emotionale Beschränktheit der Figur, die überall als hochintelligent durchgeht, aufscheinen lässt, ohne den Mann zu denunzieren, ist das schlichtweg grandios. Freilich: Da wird’s dann auch Kino, wenn Matt schließlich über sich hinauswächst. Aber: Ein dämliches Happy End in rosarot gibt es nicht!</p>
<p>Ein Rührstück, das nie rührselig ist, weil Regie und Schauspiel die Geschichte mit genauem Blick auf die Realität servieren. Paynes genialer Trick: Die Sozialsatire ist scharf, aber mit einer so raffinierten Mischung aus Tragik und Komik gewürzt, dass man die bitteren Pillen über die ganz durchschnittliche Dummheit von uns allen mit Genuss schluckt. Später, wenn das Aufstoßen kommt, entdeckt man, wie viel einem hier zum Nachdenken über das eigene Leben angeboten wird.</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten</strong>, von Alexander Payne (USA 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Fox</em></p>
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		<title>Michael (ab 26. Januar)</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 22:57:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Kindesmisshandlung – eines der Stichwörter des Schreckens nun schon seit ein paar Jahren. Immer wieder wird in den Medien über grausame Fälle berichtet. Regisseur Markus Schleinzer nähert sich dem schwierigen Thema in seinem gerade beim Max Ophüls Festival in Saarbrücken erfolgreichen Debütfilm mit kühlem Realismus, der alles Spekulative vermeidet. Gut so. Dadurch rutscht der Film [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/michael_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41059" title="michael_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/michael_680.jpg" alt="" width="680" height="410" /></a></p>
<p>Kindesmisshandlung – eines der Stichwörter des Schreckens nun schon seit ein paar Jahren. Immer wieder wird in den Medien über grausame Fälle berichtet. Regisseur Markus Schleinzer nähert sich dem schwierigen Thema in seinem gerade beim Max Ophüls Festival in Saarbrücken erfolgreichen Debütfilm mit kühlem Realismus, der alles Spekulative vermeidet. Gut so. Dadurch rutscht der Film nie ins Schmuddelige ab.</p>
<p>Michael (Michael Fuith) ist ein Durchschnittstyp. Der Angestellte einer Versicherung führt scheinbar ein ganz unauffälliges Leben. Doch der Mittdreißiger hält im Keller einen Jungen, Wolfgang (David Rauchenberger), als Gefangenen. Das Kind kann das düstere Versteck nur verlassen, wenn er zum Essen in den von der Außenwelt blickdicht abgeschotteten Raum geholt wird. Gesprochen wird kaum. Der Peiniger und sein Opfer haben eine fast <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/michael_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41060" title="michael_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/michael_320.jpg" alt="" width="320" height="193" /></a>nonverbale Kommunikation entwickelt. Schockierend sind jene Szenen, in denen alles nach üblichem Familienleben aussieht: der Zehnjährige legt ein Puzzle zusammen mit Michael, die Beiden schmücken einen Weihnachtsbaum&#8230; Fast sieht es so aus, als habe sich der Halbwüchsige mit seiner Situation abgefunden. Die Hölle sieht nicht anders aus als Tausende Wohnhöhlen braver Bürger. Ist ein Entrinnen möglich?</p>
<p>Markus Schleinzer zeigt den Ablauf fast eines halben Jahres. Die äußere Gelassenheit, mit der er das umsetzt, schnürt einem fast den Atem ab. Horrorbilder, etwa von sexuellen Akten, braucht es da nicht. Die Position von Schleinzer ist eindeutig: Er zeigt, wie Michael die Abhängigkeit seines Opfers genießt, und möchte doch nichts als „normal“ wirken. Die Intensität, mit der Inszenierung und Spiel des Hauptdarstellers das vermitteln, ist beängstigend.</p>
<p>Das Psychogramm eines Täters und eines Opfers werden nicht gegeneinander ausgespielt. Eine griffige Aburteilung, schnelles Moral-Verteilen, Punktevergaben bleiben aus. Das provoziert. Als Zuschauer ist man gezwungen, auch wenn es einen noch so schmerzt, über Möglichkeiten und Grenzen der Gesellschaft zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch nachzudenken und einen eigenen Standpunkt zu beziehen. Angeregt zum Film wurde Markus Schleinzer durch ein Projekt der Berliner Charité, in dem Menschen, die in sich eine sexuelle Sehnsucht nach Minderjährigen verspüren, dieser aber nicht nachgegangen sind, Hilfe angeboten wurde. Dies wissend, drängt sich natürlich die Frage auf, wie eine solche Hilfe aussehen kann. Dadurch, dass Michael nicht als Monster gezeigt wird, empfindet man die Suche nach Lösungen als besonders dringlich.</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>Michael</strong>, von Michael (Österreich 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Fugu</em></p>
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		<title>The Black Cat (Edgar G. Ulmer 1934 /  Lucio Fulci 1980)</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 11:20:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Draufsicht]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
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		<description><![CDATA[Allerhand Rätsel
Poe-Verfilmungen zeigen nicht nur die filmische Darstellung der Perversität, sondern auch die Perversion des Filmischen. Edgar G. Ulmer, Emigrant in Hollywood, Dekorateur und B-Film-Regisseur, drehte 1934 einen Horrorfilm mit den beiden Stars Bela Lugosi und Boris Karloff. Die Handlung hat mit Poe zunächst gar nichts zu tun, da hilft es auch nicht, ein paarmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Allerhand Rätsel</span></p>
<p>Poe-Verfilmungen zeigen nicht nur die filmische Darstellung der Perversität, sondern auch die Perversion des Filmischen. Edgar G. Ulmer, Emigrant in Hollywood, Dekorateur und B-Film-Regisseur, drehte 1934 einen Horrorfilm mit den beiden Stars Bela Lugosi und Boris Karloff. Die Handlung hat mit Poe zunächst gar nichts zu tun, da hilft es auch nicht, ein paarmal eine schwarze Katze vor die Kamera zu jagen. Aber dann sieht man die Poeschen Motive, die schöne Frau, eingeschlossen zwischen Leben und Tod, die Musik als Vorspiel des Grauens, das Schlafwandlerische im Grausamen. Hinter dem Poe-Horror erzählt Ulmer von dem Kommandanten eines Forts im Ersten Weltkrieg, der über den Gräueln der Schlacht wahnsinnig wurde und nicht wieder zurückkehrte in die Gemeinschaft der Menschen. Jeder Albtraum ist hier nur die Hülle eines noch größeren Albtraums.</p>
<p><strong><br /><img src="http://www.getidan.de/images/the cat_500.jpg" alt="media" /><br />
</strong></p>
<p><span style="color: #888888;">Edgar G. Ulmer: The Black Cat, 1934  (gesehen bei Youtube)</span></p>
<p>Auch Lucio Fulcis Film <em>The Black Ca</em>t ist eine freie Poe-Adaption: In der englischen Provinz stellt eine mysteriöse Unfallserie die Behörden vor allerhand Rätsel. Eine Reporterin macht die Entdeckung, dass sämtliche Todesopfer Narben von Katzenkrallen tragen. Hauptsächlich sieht man Nahaufnahmen von kätzischen und menschlichen Augenpaaren, manchmal Krallenwunden und Blut und gelegentlich die Welt, wie sie eine Katze sehen mag. Außerdem spielt hier Dagmar Lassander eine Nebenrolle, eine deutsche Schauspielerin, die ohnehin so wirkt, als habe sie Edgar Allan Poe nach drei, vier Gläsern Amontillado erfunden.</p>
<p><em>Georg Seeßlen</em></p>
<p><em>erschienen in DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02</em></p>
<p><span style="color: #808080;">Edgar G. Ulmer: The Black Cat (1934)</span></p>
<p><span style="color: #808080;">Lucio Fulci: The Black Cat (1980)</span></p>
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		<title>J. Edgar (ab 19. Januar)</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 23:38:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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Das Porträt des Bösen? Ja, das bietet dieser Film. Und sonst?
J. Edgar Hoover (1895 – 1972), hat fast ein halbes Jahrhundert, 48 Jahre, der US-amerikanischen Bundespolizei FBI, vorgestanden. Sein enormer Kommunistenhass ist berühmt-berüchtigt. Auch seine Skrupellosigkeit. Er soll selbst US-Präsidenten bespitzelt, Dokumente gnadenlos für seine Vorhaben gefälscht, engste Freunde ans Messer geliefert haben. Die Geheimakten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/J.-Edgar_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-40804" title="J. Edgar_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/J.-Edgar_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Das Porträt des Bösen? Ja, das bietet dieser Film. Und sonst?</p>
<p>J. Edgar Hoover (1895 – 1972), hat fast ein halbes Jahrhundert, 48 Jahre, der US-amerikanischen Bundespolizei FBI, vorgestanden. Sein enormer Kommunistenhass ist berühmt-berüchtigt. Auch seine Skrupellosigkeit. Er soll selbst US-Präsidenten bespitzelt, Dokumente gnadenlos für seine Vorhaben gefälscht, engste Freunde ans Messer geliefert haben. Die Geheimakten, die er über die angeblichen Feinde der Demokratie anlegen ließ, und die er, wenn es ihm nutzte, eiskalt mit Erfundenem ausschmückte, füllen riesige Archive. Sein persönliches Leben aber ist nahezu unbekannt. Gerüchte gibt es, ansonsten fast nichts. Regisseur Clint Eastwood und Autor Dustin Lance Black , der für sein Drehbuch zu „Milk“ einen „Oscar“ bekam, hatten also alle Freiheit im Erzählen. Die nutzen sie klug, verlieren sich jedoch nicht in reißerischen Spekulationen.</p>
<p>Der Film beginnt in den 1960er Jahren: J. Edgar (Leonardo DiCaprio) diktiert Erinnerungen. Seine Erinnerungen, ganz subjektiv. 1919, noch vor Gründung des FBI, hebt er an. Hier weht ein Hauch Abenteurertum. Der wird bald von Karrieresucht abgelöst. Der Mann will immer nach oben und am liebsten noch höher.</p>
<p>Der Film heißt „J. Edgar“ und nicht „Hoover“, weil der Mann, der im 20. Jahrhundert lange Zeit einer der mächtigsten der USA ist, bis zu deren Tod mit seiner Mutter (Judy Dench) zusammen lebt und nie aus ihrem Schatten heraus kommt. Der folgsame Junge aus <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/J.-Edgar_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-40805" title="J. Edgar_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/J.-Edgar_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>bigottem Hause hat nie die Chance, wirklich selbständig zu werden. Neben der dominanten Mutter sind die lebenslange Assistentin Helen (Naomi Watts) und der Vertraute Clyde (Armie Hammer) die wichtigsten Begleiter. Zu ihr gibt es einmal den Versuch einer Annäherung, mit ihm teilt J. Edgar über viele, viele Jahre das Privatleben. Ob es je eine körperliche Beziehung, zu wem auch immer, gab, ist nicht bekannt. Im Film gibt es einmal ein „Ich liebe Dich“. Das Echo darauf wird nicht gezeigt.</p>
<p>Schon sehr bald nach Filmbeginn interessiert nicht mehr, was der Mann nun für eine Sexualität hatte, falls überhaupt. Entscheidender ist eine Frage, die im Verlauf des Geschehens einmal gestellt wird: Was ist wichtiger, der gute Ruf eines Mannes oder der einer Institution? – Hoovers Diktate, die jeweils Anlass für lange Rückblenden sind, geben seine eindeutige Antwort. Eastwood und Co. halten sich zurück. Das ist der Schwachpunkt des Films: Er bezieht keine Position, mit der man mitgehen oder an der man sich reiben könnte. Damit vergibt sich „J. Edgar“ die Möglichkeit, den Lebenslauf J. Edgar Hoovers als Spiegel des von den Herrschenden geförderten öffentlichen Denkens in den USA zu nutzen. Somit gerät der Film über eine der berüchtigten politischen Figuren der westlichen Welt im vorigen Jahrhundert nebulös unpolitisch. Das hinterlässt einen leicht bitteren Nachgeschmack.</p>
<p>Das psychologische fein ziselierte Porträt, das allen voran Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio mit feinnervigem Spiel entwirft, zeigt ein Muttersöhnchen im Rampenlicht. Das ist packend. In manchen Szenen meint man im Kino J. Edgars Angstschweiß zu riechen. Kriechernatur einerseits und Machtmensch andererseits – das zu sehen ist spannend. Ein kluger dramaturgischer Trick, der hier nicht verraten sei, bringt den Zuschauer schließlich dazu, Mitleid, Verachtung und Respekt für J. Edgar Hoover zu empfinden. Er wird sowohl als tragische Figur wie als Monster erkennbar. Das kommt der historischen Wahrheit sicherlich nahe. Alle, die sich für vertrackte Lebensmuster interessieren, werden mit Spannung bedient. Wer aber ein – gerade auch mit Blick auf die Gegenwart – erhellendes Kunstwerk über das Mit- und gegeneinander von Individualität und Gesellschaft erwartet, dürfte das Kino doch etwas enttäuscht verlassen.</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>J. Edgar</strong>, von Clint Eastwood (USA 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Warner</em></p>
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		<title>Kriegerin (ab 19. Januar)</title>
		<link>http://www.getidan.de/kritik/film/peter_claus/40796/kriegerin-ab-19-januar</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 23:33:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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Was tun gegen rechte Gewalt? Die Frage steht seit Jahren hierzulande an. Nicht erst die Untaten der rechtsextremistischen Terrorgruppe namens „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), in den Medien oft kurz „Zwickauer Zelle“ genannt, haben dieser Frage Gewicht gegeben.
Autor und Regisseur David F. Wnendt hat seinen Film lange vor dem öffentlichen Bekanntwerden der so genannten „Zwickauer Zelle“ konzipiert. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/kriegerin_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-40797" title="kriegerin_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/kriegerin_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Was tun gegen rechte Gewalt? Die Frage steht seit Jahren hierzulande an. Nicht erst die Untaten der rechtsextremistischen Terrorgruppe namens „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), in den Medien oft kurz „Zwickauer Zelle“ genannt, haben dieser Frage Gewicht gegeben.</p>
<p>Autor und Regisseur David F. Wnendt hat seinen Film lange vor dem öffentlichen Bekanntwerden der so genannten „Zwickauer Zelle“ konzipiert. Da verwundert es, dass dieser Film derzeit gern in manchen Medien so gehandelt wird, als sei er ein Kommentar zu den Ereignissen. Was auch Angst macht: Schaut, hier haben wir doch einen aufklärerischen Film, wir tun doch was, so die unterschwellige Botschaft manchen Berichts, der damit eine falsche Beruhigung suggeriert.</p>
<p>Der Film selbst taucht mit oft dokumentarisch anmutendem Gestus in die rechte Szene in einer deutschen Kleinstadt: Marisa (Alina Levshin), Supermarktkassiererin, hasst Ausländer, Andersfarbige, Juden, Politiker, Gesetzeshüter. Wenn sie kann, schlägt sie zu. Am wohlsten fühlt sie sich in einer Clique saufender und prügelnder Nazis. Zu Filmbeginn sehen wir sie, wie sie Reisende in einem Zug terrorisieren. Der Anführer, Marisas Sexpartner, wird verhaftet, verurteilt und hinter Gittern verwahrt. Aber nur kurz. Schon <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/kriegerin_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-40798" title="kriegerin_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/kriegerin_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>bald darf er wieder raus. Zusammen mit Marisa und den anderen lässt er sich unter anderem mit Propagandamaterial aus der Zeit des deutschen Faschismus „schulen“. An einem See tauchen zwei Jugendliche auf, fremd aussehend, Jamil (Najebullah Ahmadi) und Rasul (Sayed Ahmad Wasil Mrowat). Sie können fliehen. Aber Marisa setzt sich ans Steuer ihres Autos und lässt ihren blindwütigen Hass an den zwei jungen Männern aus: Sie steuert den Wagen gezielt gegen die Beiden, die auf einem Moped fahren. Es kracht. Die Jungen landen im Straßengraben.</p>
<p>Die ausführlichen Recherchen von David Wnendt machen sich bis hierhin bezahlt. Der Film besticht als kühle und kühne Milieustudie. Unterhaltsam ist das nicht, will es auch nicht sein. Aber: Was will der Film? Es gibt nicht einen Moment, in dem die Nazi-Szenerie attraktiv wirkt. Dumpfer, alkoholgeschwängerter Mief und abstoßende Brutalität prägen die Bilder. Doch nach Marisas Gewalttat wird die Story zum Krimi und zum Psychodrama. In der Nazi-Clique bekommt die 20-jährige Marisa in der 15-jährigen Svenja (Jella Haase) erst eine Konkurrentin, dann eine Begleiterin. Und nun, ausgelöst auch durch eine Begegnung mit einem der zwei ausländischen Jungs vom Badesee, beginnt Marisa die Welt mit anderen Augen zu sehen, will gar aussteigen. Wirklich glaubwürdig ist das nicht.</p>
<p>David Wnendt ist der erste hierzulande, der eine Frau ins Zentrum eines Films zum Thema Nazis heute in Deutschland stellt. Das ist interessant, geht aber über bereits Bekanntes nicht hinaus. Beweggründe und Motive dieser Figur werden nicht sichtbar. Und die eingangs gestellte Frage, die gerät völlig ins Aus. Sie kommt gar nicht vor. Einzig ein paar küchentischpsychologische Wahrheiten über die unheilvollen schwierigen Kindheiten kommen ins Spiel. Das ist etwas zu wenig, um mit diesem Film ein weiterführendes Nachdenken über das momentane Erschrecken hinaus zu bewirken.</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>Kriegerin</strong>, von David Wnendt (Deutschland 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Ascot Elite</em></p>
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		<item>
		<title>Mein liebster Alptraum (ab 19. Januar)</title>
		<link>http://www.getidan.de/kritik/film/peter_claus/40788/mein-liebster-alptraum-ab-19-januar</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 23:25:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Im Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>

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		<description><![CDATA[
Isabelle Huppert darf Clown sein. Oft wurde ihr das noch nicht gewährt. Am erfolgreichsten bisher in François Ozons „8 Frauen“. Das ist nun aber auch schon ein paar Jahre her. In der Regel tritt die Star-Schauspielerin in Dramen und Tragödien auf, oft dem Bösen verlockend Gestalt verleihend.
Böse sein darf Isabelle Huppert in dieser Komödie auch. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/alptraum_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-40789" title="alptraum_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/alptraum_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Isabelle Huppert darf Clown sein. Oft wurde ihr das noch nicht gewährt. Am erfolgreichsten bisher in François Ozons „8 Frauen“. Das ist nun aber auch schon ein paar Jahre her. In der Regel tritt die Star-Schauspielerin in Dramen und Tragödien auf, oft dem Bösen verlockend Gestalt verleihend.</p>
<p>Böse sein darf Isabelle Huppert in dieser Komödie auch. Sie spielt eine Frau aus besseren Kreisen, Agathe, eine erfolgreiche Galeristin. Madame ist überaus gebildet und bildet sich darauf jede Menge ein. Da ist es an sich schon urkomisch, dass ausgerechnet sie <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/alptraum_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-40790" title="alptraum_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/alptraum_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>sich in den trinkfesten Proleten Patrick verguckt. Eine Elternsprechstunde in der Schule bringt beide zusammen. Was Agathes Gefährten François ins Abseits und Patrick in den Mittelpunkt ihres Lebens rückt. Chaos also muss kommen.</p>
<p>Regisseurin Anne Fontain setzt auf den Reiz von Gegensätzen, die sich anziehen. Dabei gibt sie dem Hauptdarsteller-Trio viele Chancen, verbal und körperlich mit kraftvoller Komik zu brillieren. Die drei Stars nutzen das effektvoll aus, allen voran Isabelle Huppert. Man liegt schon flach vor Lachen, wenn man nur beobachtet, was sie alles mit ihren Augen anstellt. Darin spiegelt sich Sehnsucht und Zärtlichkeit, Zorn und Arroganz, Furcht und Intelligenz. In vielen überdrehten Momente des turbulenten Geschehens, erzählt die Huppert mit abschätzigen, strahlenden, angstvollen, genervten oder auch mal schlicht kuh-blöden Blicken mehr als viele Dialoge. Wobei der Sprachwitz des Films über weite Strecken ebenfalls beträchtlich ist. Jedenfalls im Original.</p>
<p>Fans der dramatischen Aktrice Isabelle Huppert werden wohl staunen, mit welcher Lust sie hier Klamauk serviert. Da ist einem der Fortgang der überschaubaren Story recht bald ziemlich egal. Man lacht, man schmunzelt, man amüsiert sich, nicht mehr und nicht weniger.</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>Mein liebster Alptraum</strong>, von Anne Fontain (Frankreich/ Belgien 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Concorde</em></p>
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