Die Frau, die singt (Denis Villeneuve)

Das Thema Gewalt dominiert das Kino derzeit in vielen Facetten. Dieses Drama, 2011 für den „Oscar“ als „bester nicht-englischsprachiger Film“ nominiert, fällt dabei gehörig aus dem Rahmen.

Ähnlich dem dänischen Auslands-„Oscar“-Gewinner „In einer besseren Welt“ verbindet der Film sehr Privates mit dem Weltgeschehen. Regisseur Denis Villeneuve blickt in den Libanon zur Zeit des Bürgerkriegs, der von 1975 bis 1990 dauerte. Doch die Geschichte beginnt in Kanada: Die Geschwister Jeanne (Mélissa Désormeaux-Poulin) und Simon Marwan (Maxim Gaudette) sollen nach dem Tod ihrer Mutter (Lubna Azabal) einen Wunsch der Toten erfüllen. Sie sollen in den Nahen Osten reisen und dort dem von ihnen seit Jahren für tot gehaltenen Vater und einem ihnen bisher unbekannten Bruder Briefe überreichen. Daraus folgt die Enthüllung düsterer Familiengeheimnisse im Bannkreis politischen Schreckens.

Die Erzählung wird aus den Perspektiven von Jeanne und Simon und von deren Mutter, die in Rückblicken präsent ist, entwickelt. Langsam und ohne Hektik, in geradezu unheilvoller Ruhe, wird das Schicksal der Toten erkundet. Der Film belässt dabei vieles in Andeutungen. Das soll auch hier so sein. Nur ein Stichwort: „Folter“. Die Auseinandersetzung damit führt im Kino oft zu brutalen Gewaltdarstellungen. Die gibt es in diesem Fall nicht. Der Erzählton bleibt geradezu nüchtern. Die daraus resultierende Wirkung ist enorm.

Denis Villeneuve hat ein Theaterstück des Libanesen Wajdi Mouawad verfilmt. Insbesondere das subtile Spiel der Darsteller bewahrt jedoch vor jeglicher Theatralik. Herausragend: Lubna Azabal. Selbst in extremen Momenten bleibt sie sehr zurückhaltend und deshalb eindringlich. Villeneuve unterstützt das, indem auch seine Inszenierung auf Zurückhaltung setzt. Das Mühen, grausame Wunden verheilen zu lassen, wird im Verlauf des Geschehens mehr und mehr zu seinem Hauptthema. Unsentimental zeigt er: Es gibt Wunden, die heilen nie. Oft sind das die, die daraus resultieren, dass gesellschaftliche Umstände Menschen in Ohnmacht treiben und damit zu Handlangern jener werden lässt, die das Zusammenleben der Menschen pervertieren. Und plötzlich erzählt der Film eine erschütternde Geschichte aus dem Hier und Heute.

Peter Claus

Die Frau, die singt, Denis Villeneuve (Kanada 2010)

Bilder: Arsenal Filmverleih

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Der Mandant (Brad Furman)

Wer hat was getan und wird wie gefasst? – So in etwa lässt sich die Grundfrage in den meisten Kriminalfilmen stellen. Auch in diesem Reißer. Allerdings wird die Frage mit soviel Schmackes variiert, dass auch die -xte Variante Spaß macht.

Die Romanverfilmung von Regisseur Brad Furman lebt wesentlich von der Ausstrahlung des Hauptdarstellers Matthew McConaughey. Der Typ wirkt von vornherein derart zwielichtig, dass man ihm einen fiesen, geldgierigen Anwalt sofort abnimmt. Klar: im Verlauf des Geschehens wandelt sich die Figur. Doch da der Eindruck des bösen Buben bleibt, bleibt auch die Spannung erhalten.

Richtig gut an der Story: einige kritische Seitenhiebe auf den Einfluss des Geldes innerhalb der US-amerikanischen Justiz-Urteilsfindung im Gericht. Da wird einem tatsächlich Angst und Bange, man hofft, nie in „Gottes eigenem Land“ vor den Kadi gezerrt zu werden. Justitia ist da wirklich blind.

Witzig: ein Luxus-Auto ist der entscheidende Handlungsort. Von dem aus zockt Anwalt Mickey Haller (Matthew McConaughey) seine Klienten ab. Auf dem Rücksitz lenkt er Schicksale, dabei immer den eigenen Profit fest im Blick. Dann gerät er an den Playboy Louis Roulet (Ryan Phillippe) und damit gefährlich ins Schlingern. Mickey muss plötzlich erkennen, dass er sozusagen ohne Bremsen einen sehr, sehr steilen Abhang runter rast.

Der Kriminalroman „Der Mandant“ stammt vom einstigen Polizeireporter Michael Connelly. Der Mann weiß, wovon er schreibt. Und diese Authentizität bekommt der Geschichte gut. Regisseur Brad Furman hat die Vorlage in eine solide Inszenierung übertragen.

Matthew McConaughey überzeugt als Mickey Haller von A bis Z. Moral oder Gerechtigkeit kennt ein Kerl, wie der, nicht. Der Darsteller bringt das rüber, ohne die Figur zu denunzieren. Mickey ist, wie er ist, nicht weil ein besonders übler Mensch, sondern weil er in der Gesellschaft, in der er lebt, auf der Gewinnerseite stehen will. Neben ihm setzt Ryan Phillippe die entscheidenden schauspielerischen Akzente. Ist der Playboy, den er verkörpert, nun ein brutales Schwein oder nicht? Phillippe sorgt dafür, dass selbst gewiefte Zuschauer lange nicht wissen, wie sie diese Frage beantworten sollen – und sorgt damit für zusätzlichen Thrill.

Schauspielerisch rundum gut, klug aufs Finale zusteuernd inszeniert und mit der Geschichte fest in der Realität verankert, mit kritischen, aber nie geifernden Schlaglichtern auf die Realität gespickt, bietet der Film gediegene Unterhaltung.

Peter Claus

Der Mandant, Brad Furman (USA 2011)

Bilder: Universum Film

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Rocky Balboa (Sylvester Stallone)

Dieser Film ist die Ehrenrettung von Rocky Balboa und von Sylvester Stallone auch. Diese Figur, die Stallone der amerikanischen Kultur schenkte, war immer dann stark, wenn sie der Underdog war. Und genau da, am Anfang holt Stallone die Figur zum Ende wieder ab. Zum Rest des Beitrags »

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Source Code (Duncan Jones)

Nichts ist sicher, alles ist im Fluss
Duncan Jones aufregender Sciene-Fiction-Thriller passt in keine der gängigen Genre-Schubladen

Ein Traum, ein böser Traum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Für den US-Hubschrauberpiloten Colter Stevens, einen verdienten Afghanistan-Kämpfer, dauert die Fahrt in einem Pendlerzug nach Chicago exakt acht Minuten. Dann ist alles vorbei. Eine gewaltige Explosion, eine riesige Rauchsäule am Himmel. Der Zug ist das Ziel eines heimtückischen  Bombenanschlags geworden und keiner der Passagiere in Duncan Jones’ Thriller Source Code soll überlebt haben. Doch diese Endgültigkeit des Geschehens ist nur eine der vielen intelligenten Täuschungen, denen der Zuschauer in diesem amerikanisch-kanadischen Film ausgesetzt wird. Zum Rest des Beitrags »

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X-Men: Erste Entscheidung (Matthew Vaughn)

Die Filme der „X-Men“-Serie gehören zu denen, die ich sehe, amüsiert zur Kenntnis nehme – und dann ziemlich schnell vergesse. Kein Wunder also, dass der Medien-Hype um „X-Men: Erste Entscheidung“ an mir vorbeigegangen ist. Wie auch der Starttermin. Also hab ich das Pfingstfest mal wieder für einen Kinobesuch genutzt. Da wurde mir – der Einschub sei erlaubt – mal wieder klar, unter welch Luxus-Bedingungen Kritiker Filme gucken. Popcorn-Gequietsche und Rumgequatsche von infantilen Filmfans sind ja noch zu ertragen, aber die Sucht von unzähligen Kinogängern, während des Films das Mobiltelefon für Gesprächs- und sms-Orgien zu nutzen, das ist echt hardcore! Ich hoffe, es wird für Filmtheater-Betreiber bald mal erschwinglich, die Kinos so auszurüsten, dass diese kleinen Technikmonster nicht funktionieren.

Zum Eigentlichen, dem Film, wenn ich richtig gezählt habe, Film Nummer fünf nach der berühmten Comic-Vorlage. Die Geschichte – das ist spannend und staunenswert – lässt sich im Grunde auf eine simple Freundschaft-Rache-Vergältungs-Mär reduzieren, ist jedoch so komplex gestaltet, dass ein durchaus in die Tiefe dringendes Bild der (un)menschlichen Schrecken des vorigen Jahrhunderts entsteht.

Regisseur Matthew Vaughn thematisiert anhand der Story vom Mit- und Gegeneinander von Mensch und Mutant das wichtige Thema des Umgangs von Mehrheiten in einer Gesellschaft mit Minderheiten, mit dem a priori verdächtigen Fremden.

James McAvoy und Michael Fassbender sind in den Hauptrollen nicht allein glaubwürdig, sie provozieren auch wirklich dazu, Haltung zu beziehen. Erschrocken stellt man sich plötzlich Fragen nach der eigenen Toleranzbereitschaft beziehungsweise deren Grenzen.

In einigen Rezensionen wurde bemängelt, dass die Produktion bei der Ausstattung zu sehr gespart hätte, der Look des Films zu ärmlich ausfiele. Ja, üppig ist das nicht, doch genau das empfinde ich als Vorteil. Die Durchschnittlichkeit des Sets unterstreicht, dass hier im Kern eine Geschichte erzählt wird, in der wir alle die Hauptrolle übernehmen könnten.

Peter Claus

X-Men: Erste Entscheidung, Matthew Vaughn (USA 2011)

Bilder: Fox

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Fremd Fischen (Luke Greenfield)

Boy meets Girl. Das Uralt-Erfolgsrezept der darstellenden Künste zieht immer. In Hollywood wird das Rezept leider viel zu oft derart weich gekocht, dass nichts als Langeweile herauskommt. Wie jetzt bei Regisseur Luke Greenfield.

Die Story um zwei Freundinnen, die auf den gleichen Kerl stehen, verbindet Komik der müden Art mit Romantik von der Stange. Kaum hat der Film begonnen, weiß man auch schon, wie er enden wird.

Das wäre nicht der Rede wert, wenn hier nicht mit Kate Hudson, der Tochter von Goldie Hawn, eine Schauspielerin verheizt würde, der man doch einiges mehr als hübsche Nichtigkeiten zutraut. Das ist richtig ärgerlich. Mehr bleibt nicht von diesem Filmchen, als dass man Kate Hudson, die vor einigen Jahren immerhin schon einmal eine „Oscar“-Nominierung hatte, kräftig die Daumen für eine lohnenswerte Rolle drückt.

Peter Claus

Fremd Fischen, Luke Greenfield (USA 2011)

Bilder: Tobis

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The Tree of Life (Terence Malick)

Terence Malick gilt vielen als einer  der intellektuellen Regisseure Hollywoods in nahezu direkter Nachfolge des Genies Orson Welles. Tatsächlich hat Malick in den letzten vier Jahrzehnten mit gerade mal vier Spielfilmen Kino-Geschichte geschrieben. Sein jüngstes Werk nun errang in diesem Jahr die Goldene Palme beim Festival in Cannes.

Die Besprechungen aus Cannes waren jedoch nicht durchweg hymnisch, im Gegenteil, verhaltenes Murren dominierte. Das Filmfestival-Publikum hatte ja auch nicht nur gejubelt, es gab auch Buh-Rufe. Ich denke, es ist ganz simpel: Wer sich auf Malicks sperrige Erzählweise einlassen kann, findet Genuss, alle anderen dürften sich einfach nur langweilen.

Wovon handelt der Film? Leichte Frage. Die Antwort fällt schwer. Familiendrama, Geschichte der Welt, Natur-Oper, Vater-Sohn-Konflikt… – es lässt sich einiges finden. Wie‘s zusammenpasst, muss wohl jeder im Kino für sich selbst entscheiden. Hübscher Gag: Sean Penn spielt den Sohn von Brad Pitt. Dieser Sohn ist für mich die Hauptfigur. Der auch schon angejahrte Mann erinnert sich an Bilder aus seiner Kindheit in den 1950er Jahren und hat dazu, wie’s nun mal so ist, zahlreiche sprunghafte Assoziationen. Siehe oben…

Malicks vorherigen abendfüllenden Spielfilme – „Badlands“, „In der Glut des Südens“, „Der schmale Grat“ und „The New World“ –  haben relativ handfeste Geschichten erzählt. Die wurden in wundervolle Bildkompositionen gebettet. Die es diesmal auch gibt. Doch die handfeste Geschichte fehlt. Ja, da ist unendlich viel Raum fürs Philosophieren. Ja, das ist reizvoll. Aber: Ist das noch Kino? Der Begriff Essay drängt sich auf. Manche sprechen auch von einer Sinfonie. All die klugen Texte zu diesem Film lesend, muss ich immer wieder an die Filme von Orson Welles denken, gedankenschwer sie alle, oft krude in der Form, auch keine leichte Kost. Aber: Bei Orson Welles stand immer die Lust am Geschichtenerzählen über allem, die Lust, gleich Shakespeare, mit dem Erzählen das Gute im Menschen zu feiern und es dadurch anzufeuern. Diese Lust fehlt bei Terence Malick. Das macht mir den Film suspekt.

Peter Claus

The Tree of Life, Terence Malick (USA 2011)

Bilder: Concorde Film

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Freche Mädchen (Ute Wieland)

Mehr motivlos statt frech

Wer hätte das für möglich gehalten – im Kinojahre 2008 des Herrn sind Filmemacher in der gesinnungstechnisch adäquaten Lage, um das längst totgeglaubte Genre des Heimat- und Schnulzenfilms wiederauferstehen zu lassen. Diese buntgefärbte mit lebensoptimistischer Intention versehene cineastische Idee wäre einer der größten Filmflops aller Zelluloid-Epochen geworden, hätte Ute Wieland es versäumt moralingetränkte Urbilder deutscher Idealvorstellungen über unseren fleißigen braven und sensiblen Nachwuchs mit einer paradoxen Substanz aus 68er Lebensrealität und den Synergieeffekten gegenwärtiger Multimedialität audiovisuell geschickt zu verarbeiten. Dafür spricht der mit Bravour getimte Einsatz von Zeichentricksequenzen und Split-Screen – „Berlin Berlin“ mit seiner liebenswürdig-chaotischen Comicheldin Lolle lässt grüßen! Die 16-jährige Hauptdarstellerin deutsch-russischer Abstammung Emilia Schüle als schwärmerisch verliebte Schülerin Mila hebt samt Laptop vom Sofa ab, während sie an diesem ein Liebesgedicht an den jungen Schulreferendar Pit Winter (David Rott) tippt. Der leiht ihr während des Biologieunterrichts prompt seinen grauen V-Ausschnitt-Pulli, da Mila von ihrer Mitschülerin Vanessa  mit voll Pflanzenresten durchtränktem Wasser beschüttet wird. Zum Rest des Beitrags »

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Drachenläufer (Marc Forster)

Goldene Tränen

Der Junge Amir schreibt Geschichten. Eine handelt von einem Mann, dessen Tränen zu Perlen werden. Dieser Mann ermordet seine Frau, so kann er weinen und die Tränen vergolden. Warum, fragt den jungen Dichter sein Freund, kann der Mann nicht einfach an einer Zwiebel riechen? Es ist der gleiche Grund, der auch diese Geschichte bestimmt: Ein Mann, der an einer Zwiebel riecht, ist nicht dramatisch.

Ohne die Markttauglichkeit von Schicksalen finden diese kaum statt in einer medialen Welt. Deshalb hat das Buch von Khaled Hosseini wohl mehr für das Verständnis von Afghanistan getan als viele sachliche Berichte. „Drachenläufer“ ist ein in weiten Teilen sensibler Film. Amir ist der Sohn des reichen Mannes, Hassan der Sohn des Dieners. Die Beziehung zwischen den beiden ist das Sehenswerte dieses Filmes, das Anrührende, das mitunter so flirrend, so leicht erscheint wie die Drachen über Kabul.

Henryk Goldberg

Text erschienen in Thüringer Allgemeine (11.06.11)

Bilder: Paramount

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Mahler auf der Couch (Percy Adlon, Felix O. Adlon)

‘Mahler macht Spass’

Diese mehrdeutige These entsteht, wenn der cineastische Vergleich gezogen wird zwischen dem 2010 in die Kinos gekommenen Künstlerdrama „Mahler auf der Couch“ und einem Interview in dem die beiden Regisseure Percy und Felix Adlon mit erfolglos unterdrücktem  Scham preisgeben, sie wollten etwas machen „das uns Spaß macht“. Genau hier beginnt der Bock hoffnungslos gegen die Mauer zu laufen! Es kann nicht gegen die historische Wirklichkeit im Leben eines im 19. und 20. Jahrhundert angesehenen Wiener Komponisten angefilmt werden, selbst wenn dies unter der Losung „Alles nur Satire und Ironie“ geschieht. Schon gar nicht, wenn das Darstellerensemble in einen unprätentiösen Mittelbau zwischen verquasten Rückblenden, vernebelter Bildästhetik und bleiernen Dialogen implementiert wird. Möchten die Adlons in einer Zeit, in der das asymmetrisch verklammerte Alltagsgefüge aus beruflicher Selbstfindung und Familienleben immer weniger Spaß macht, uns diesen mit einem in übernervös hektischer Weise österreichelnden Johannes Silberschneider (Gustav Mahler) zurückbringen? Völlig verzweifelt über die zunehmenden Pressemeldungen von überforderten Eltern die ihre Familien auslöschen oder die hohen Scheidungsraten, die sogar abnehmen, weil verheiratet bleiben doch billiger ist als der Scheidungsanwalt? Dieses biographisch anmutende Ehedrama und gleichzeitig aufklärerische Schmonzetten-Theater, ist der berühmte Schlag auf den Tisch. Zum Rest des Beitrags »

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Der Mann, der über Autos sprang (Nick Baker-Monteys)

Es ist die Woche der Schauspieler-Filme. Auch hier: großartige Darsteller, angeführt vom Duo Robert Stadlober / Jessica Schwarz.

Im Zentrum steht ein offenbar durchgeknallter junger Mann: Julian (Robert Stadlober). Der wandert von Berlin nach Tuttlingen. Nicht genug damit, kann er auch noch hellsehen. So verrückt das klingt, so seriös wirkt der Blondschopf, obwohl wir wissen, dass er gerade erst aus einer Nervenheilanstalt ausgebüxt ist. Man kann sich ihm nicht entziehen. Das geht den Figuren, denen er begegnet so – und dem Publikum. Jessica Schwarz spielt eine dieser Figuren, die wichtigste, eine in Beruf und im Privatleben in Routine erstarrte Ärztin. Sie schließt sich dem Wanderer für einige Zeit an. Andere folgen. Sie alle finden nicht das große Glück, doch erfahren sie einiges Wichtige über sich selbst, was ihnen vielleicht die nach wie vor anstehende Glückssuche erleichtert.

Die Wanderung Julians soll dazu dienen, einem Kranken alles nur Erdenkliche an Kraft zukommen zu lassen. Der Film verrät nicht, ob das klappt. Gottlob! Wie überhaupt vieles im Märchenhaften verbleibt. Daraus resultiert ein Großteil von dem Charme, der den Film auszeichnet. Regiedebütant Nick Baker-Monteys traut sich, was es sonst im deutschen Kino viel zu selten gibt: nicht immer alles aufzudröseln. (Leider trompetet er am Ende denn doch ein, zwei Antworten zu viel heraus und landet damit im letzten Moment in einer Flut von Harmonie, die es nicht gebraucht hätte. Doch das verzeiht man gern.)

Robert Stadlober verleiht dem seltsamen jungen Mann eine lichte Aura des Besonderen. Ein Heiliger? Ein Spinner? Stellt man sich am Anfang des Films noch diese Frage, vergisst man sie rasch, weil man sich Stadlobers Magie nur zu gern hingibt. Auch Jessica Schwarz besticht mit einer starken Präsenz, auch der von ihr verkörperten jungen Frau glaubt man noch die seltsamsten Entscheidungen. Man schließt sich ihnen gern an – und geht schließlich ganz unbeschwert mit ihnen zusammen auf die Suche nach dem eigenen Ich.

Peter Claus

Der Mann, der über Autos sprang, Nick Baker-Monteys (Deutschland 2011)

Bilder: Arsenal Filmverleih

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Beginners (Mike Mills)

Bekannt wurde Mike Mills als Grafikdesigner und durch Musikvideos. Schon Yoko Ono lobte sein Können. Mit der Romanadaption „Thumbsuckers“ gab er 2005/06 sein Debüt als Spielfilmregisseur – und überzeugte mit schönster Eigenwilligkeit. Insbesondere sein Gespür fürs Skurrile und Satirische beeindruckte. 2007 überraschte er dann mit einer Dokumentation zum Thema Depression.

„Beginners“ nun ist eine, was den Stil angeht, konventionelle Komödie. Formale Besonderheiten fallen kaum ins Auge. Aber auch hier sind großartige Schauspieler zu bewundern: Ewan McGregor, Mélanie Laurent, Christopher Plummer. Das Beste: Mills und seine Akteure erzählen mit einer Herzenswärme, die einen tatsächlich überrumpelt und im Handumdrehen gefangen nimmt. Gut möglich, dass es für den Autor und Regisseur entscheidend war, wie persönlich er dem Film verbunden ist. Die komplexe Geschichte um einen Vater-Sohn-Konflikt soll weitestgehend auf eigenen Erfahrungen von Mills beruhen, auch was die sexuelle Neuorientierung des Vaters angeht.

Vordergründig wird die vertrackte Lovestory des Grafikdesigner Oliver (Ewan McGregor) und der Schauspielerin Anna (Mélanie Laurent) erzählt. Doch entscheidend – und da wird’s wirklich hintergründig – sind die Erkundungen des Seelenlebens der Beiden. Und das wird bei Oliver insbesondere vom Tod der Eltern geprägt. Der der Mutter liegt schon etwas länger zurück, der des Vaters noch nicht. Und zu seinem Vater hatte Oliver erst nach dem Tod der Mutter ein wirklich herzliches Verhältnis. Eine besondere Rolle spielte, dass der alte Herr sich als Witwer zu seiner Homosexualität bekannte, für den kurzen Rest seines Lebens völlig neu durchstartete und vielleicht zum ersten Mal wirklich glücklich war.

Mike Mills hält geschickt die Balance von Komik und Tragik. Durchgehend leise im Ton, kann er selbst Trauriges mit einem Lächeln im Knopfloch servieren. Die sensible Inszenierung unterstützt das selbstverständlich. Und das tun die Schauspieler. Bei Ewan McGregor und Mélanie Laurent meint man es wirklich knistern zu spüren; und Alt-Star Christopher Plummer als Senior, der sich endlich traut, zu sich selbst zu stehen, ist einfach hinreißend. Nicht ein Moment gerät auch nur in die Nähe von Kitsch!

Wer mag, kann den Film schlicht als lässige Vater-Sohn-Komödie mit verhaltenen Momenten genießen. Mit Lust am Nachdenken lässt sich jedoch mehr entdecken. Mike Mills denkt hier nämlich sehr klug über ein Problem nach, das wohl viele Menschen kennen: Wie nur soll man sich eine Zukunft aufbauen, wenn die eigene Vergangenheit eine Last ist? Die Antworten, die Mike Mills gibt, sind so originell wie bedenkenswert.

Peter Claus

Beginners, Mike Mills (USA 2010)

Bilder: Universal Pictures

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Country Strong (Shana Feste)

Der Titel ist dusslig, die Story dünn und das Thema abgedroschen. Klar also: „Contry Song“ nicht angucken. – Denkste! Hauptdarstellerin Gwyneth Paltrow, die sich in den letzten Jahren ein wenig rar gemacht hat, entschädigt für alle Mängel. Wer schauspielerische Leidenschaft schätzt, muss sich diese Schmonzette ihretwegen unbedingt ansehen! Nicht allein wegen ihres Spiels, auch weil sie hervorragend singt. Immerhin hat ihr dieser Film – der bei US-Kritik und -Publikum ziemlich durchgerasselt ist – das Angebot eines Plattenvertrags als Country-Lady eingebracht.

Die Story in Stichworten: Nachwuchs-Sänger Beau Hutton (Garrett Hedlund), Country-Star Kelly Canter (Gwyneth Paltrow), ihr Gatte James (Tim McGraw) und dessen Liebschaft (Leighton Meester) geraten in ein kompliziertes Geflecht aus Liebe, Alkoholsucht und der Albtraumwelt des Showgeschäfts.

Das liest sich nicht nur nach Kitsch, das ist Kitsch. Das Drehbuch von Shana Feste, die auch Regie führte, trieft nur so von Klischees und Psycho-Quark. Ernster zu nehmende Spielfilme zum Thema Alkoholmissbrauch gab es bereits zuhauf, auch aus Hollywood, etwa Billy Wilders legendärer Spielfilm „The Lost Weekend“, das schon mehrfach verfilmte Show-Biz-Drama „A Star is Born“ oder, jüngst erst, „Crazy Heart“. Wieso es das schwache Drehbuch ins Produktionsstadium geschafft hat, ist nicht zu verstehen.

Aber, sei’s drum: Was Gwyneth Paltrow aus ihrer Rolle macht, was auch mit, neben ihr und um sie herum an Schauspiel geboten wird, das ist erstklassig. Vor allem Tim McGraw und Garrett Hedlund wirken neben der Hauptdarstellerin souverän und glaubwürdig. Damit tragen sie Gwyneth Paltrow, die in einigen exzessiven Szenen bis an die Grenze des Erträglichen geht, diese Grenze aber nie überschreitet.

Peter Claus

Country Strong, Shana Feste (USA 2010)

Bilder: Sony Pictures

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Kottan ermittelt – Rien ne va plus (Peter Patzak)


Von 1976 bis 1984 gelang Regisseur Peter Patzak mit der TV-Film-Reihe „Kottan ermittelt“ eine in Österreich und in West-Deutschland ungemein erfolgreiche Krimifilmserie voller pomadisiertem Schmäh und schrägem Charme. Nun, mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem bisherigen Ende, gibt’s eine Fortsetzung. Patzak versucht, den Stil von Gestern für heutige Seh- und Hörgewohnheiten aufzupolieren. Und da liegt das Problem. Die Geschichte um Mord, Korruption und Machtmissbrauch ist nicht heutig, Kottan ist es auch nicht, Patzaks Inszenierungsstil ebenso wenig. Statt sich dazu zu bekennen, und das als Stärke auszustellen, wird versucht, alles Gestrige verschämt zu umgehen. Was dazu führt, dass viele Szenen eher peinlich denn pointiert anmuten.

Auffallend positiv: die Kameraführung. Immer wieder sorgen bestechende Bilder, die fast stilisiert anmuten, an Grafiken erinnern, für ein Innehalten beim Zuschauen. Kameramann  ist in diesem Fall Andreas Köfer, der 1989/ 90 den unvergesslichen DEFA-Spielfilm „Die Architekten“ fotografiert und damit wesentlich geprägt hat. Immerhin ein Grund zur Freude! Ansonsten die Empfehlung, dass sich Kottan-Fans an die Videothek ihres Vertrauens wenden, um an die Fernsehklassiker zu kommen. Das Original hat’s in sich!

Peter Claus

Kottan ermittelt – Rien ne va plus, Peter Patzak (Österreich 2010)

Bilder: THIM FILM / barnsteiner-film

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Hangover II (Todd Phillips)


Die prüden Amis lieben das – jedenfalls im Kino: Hose runter, Sexismus tonnenweise und eine Sprache, die tatsächlich zum Himmel stinkt. Nur mit dem rigid-pseudobraven Alltagsleben in den USA ist wohl zu erklären, wieso Krachklamotten voller Fäkalhumor und Gekreisch unterhalb der Gürtellinie beim breiten Publikum so außerordentlich erfolgreich sind. 1998 hatte in „There’s Something about Mary“ („Verrückt nach Mary“) solcherart Witz durchaus etwas Subversives und konnte als Satire auf die muffige Spießermentalität des Großteils der bürgerlichen Gesellschaft in „Gottes eigenem Land“ gedeutet werden. Die Kopien des Hits waren in der Regel plump und fadenscheinig.

Mit „Hangover“ kam vor zwei Jahren wieder Schwung in die Schmuddelecke. Die Fortsetzung will das noch toppen. Verblüffenderweise ist die Geschichte um eine Handvoll erwachsener Männer, die sich alberner benehmen als ein Rudel Vorschulkinder, tatsächlich komischer als in der ersten Variante. Die Story nicht, sie folgt dem Vorbild: Tumbe Kerle versacken kurz vor der Hochzeit eines der ihren total, stürzen ab und landen in einem Chaos. Diesmal in Thailand, Bangkok vor allem. Die Folgen reichen von Ekel-Tattoos bis zu surreal-mörderischer Action. Der Witz resultiert insbesondere daraus, dass viel Spaß mit Entsetzen getrieben wird. Das Verschwinden eines Halbwüchsigen, möglicherweise sein Tod, sorgt für tatsächlich krasse Komik. Wenn nicht derart überdreht inszeniert, wie hier, würde das wohl kaum ein kollektives wieherndes Lachen auslösen, sondern nur Abscheu. Dass so harter Humor funktioniert, spricht für die Inszenierung. Zum Rest des Beitrags »

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Das Blaue vom Himmel (Hans Steinbichler)


Kino großer Gefühle, das nicht in kleinlichen Kitsch abrutscht, gibt es hierzulande selten. Regisseur Hans Steinbichler hat schon mehrfach, beispielsweise mit der „Winterreise“, sein Faible für üppige Emotionen bewiesen. In „Das Blaue vom Himmel“ schwelgt er geradezu darin, was die Gemüter der Zuschauer spalten dürfte. Denn manchmal überzieht er ein bisschen. Manchmal. Trotzdem lohnt der Kinobesuch unbedingt. Kalt lassen wird dieser Film wohl niemanden.

Die Geschichte, die erzählt wird, läuft auf zwei Zeitebenen ab: 1990 und Ende der 1930er, Anfang der 1940er Jahre. Die ersten Szenen spielen kurz nach der Wende. Sofia (Juliane Köhler) arbeitet in West-Berlin beim Fernsehen. Gerade tobt der Umbruch in Lettland, woher ihre Mutter Marga (Hannelore Elsner) stammt. Kein Wunder, dass sich die TV-Journalistin brennend für das Thema interessiert und deshalb in ihrem Job außerordentlich engagiert. Doch ausgerechnet jetzt fordert Marga ihre ganze Aufmerksamkeit. Marga leidet an Demenz. Dazu belastet sie offenbar ein schweres Trauma. Sofia glaubt, dass eine Reise an den Ort von Margas Jugend, nach Riga, nach Lettland, helfen könnte. Doch im Chaos des Umbruchs lässt sich dem Gestern nur schwer nachspüren. Doch nach und nach gelingt’s. Und dabei kommt nicht nur Gutes ans Tageslicht.

Hannelore Elsner absolviert eine tour de force. Aggressiv, ängstlich, jubelnd, tieftraurig lebt die von ihr mit Feingefühl verkörperte Marga in einer ganz eigenen Welt. Hannelore Elsner überzieht nicht, bleibt verhalten, und erreicht gerade dadurch eine schöne Intensität. Sentimentalem gibt sie keine Chance. Ganz anders, leider, gelegentlich der Regisseur. In den Rückblenden (Karoline Herfurth verkörpert die junge Marga) lässt er zu oft die Musik ins Gefühlige abgleiten und heizt die Geschichte um persönlichen und politischen Verrat mit ein paar vordergründig-belehrenden Momenten zu viel auf. Zum Rest des Beitrags »

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Unter Kontrolle (Volker Sattel)

Die Grünen – Bremen hat es gerade wieder gezeigt – sind im Vormarsch. Die Stimmung nach dem Reaktorunglück in Fukushima und das daraus resultierende Anwachsen der Angst vor dem Atomstrom haben der Partei so einiges an Auftrieb gegeben. Das Thema Atomkraft ist derzeit so präsent wie seit Jahren nicht mehr. Was das Team um Regisseur Volker Sattel nicht wissen konnte, als es die Dokumentation „Unter Kontrolle“ entwickelt, geplant und schließlich gedreht hat. Doch, ganz klar, die jüngsten Entwicklungen beeinflussen das Sehen des Films entscheidend.

Deshalb stellt sich auch erst einmal Verblüffung ein. „Unter Kontrolle“ bedient nämlich nicht die Erwartungen. Dies ist kein Werbefilm für die Anti-Atomkraft-Bewegung. Der Film, eher Essay denn Dokumentation, bleibt ungemein sachlich. Ohne alles Grelle wird Alltag in deutschen und österreichischen Atomkraftwerken erkundet. Schlichte Neugier und von Vernunft angetriebener Wissensdurst steuern den Blick. Kernenergie und deren Gewinnung sind Alltag in den sogenannten Industrieländern. Bei aller Sachlichkeit, die Sattel walten lässt, erzielt er ein hintergründiges Nachdenken durch künstlerischen Einfallsreichtum. So zeigt er zum Beispiel einmal, wie der pralle Vollmond Fabrik-Dampf beleuchtet. Angesichts des an Einstellungen in Horrorfilmen erinnernden Bildes kommen wohl jedem Zuschauer sofort kritische Assoziationen, ohne dass Sattel „auf die Tube“ drücken muss. Das macht er nicht einmal. Dennoch – oder genau deshalb – regt er zu vielen Gedanken an. Geradezu erschreckend wird’s, wenn er fast beiläufig zeigt, wie Angestellte nach Arbeitsschluss in einer Art Glaskäfig auf Strahlenbelastung überprüft werden, wie ihre Unterwäsche gereinigt wird. Da stellen sich viele Fragen ein. Die geradezu drängend werden, wenn schließlich der sogenannte  „Schnelle Brüter“ in Kalkar besucht wird. Nie in Betrieb genommen, lädt hier ein Vergnügungspark zu grellem Amüsement. Und man fragt sich, weshalb all die Gründe, die vor etwa zwei Jahrzehnten zur Nicht-Inbetriebnahme von Kalkar geführt haben, andernorts nicht einmal diskutiert worden sind.

Peter Claus

Unter Kontrolle, Volker Sattel (Deutschland 2011)

Bilder: farbfilm / 24 Bilder

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Auf brennender Erde (Guillermo Arriaga)

Deutsche Verleihtitel sind ja immer wieder für blöde Überraschungen gut. Das vor drei Jahren beim Filmfestival Venedig uraufgeführte Drama „The Burning Plain“ mit „Auf brennender Erde“ zu übersetzen, ist schlichtweg nur dusslig.

Kurz die Story: Ein Wohnmobil brennt. In den Überresten finden sich zwei Leichen, Gina (Kim Basinger) und Nick (Joaquim de Almeida). Zu Lebzeiten waren sie verheiratet, jedoch nicht miteinander. Was ist passiert? – Die Suche nach Antwort auf diese Frage und dazu die Rätsel um einige andere Schicksale, die mit der Geschichte von Gina und Nick verwoben sind, werden von Regiedebütant Guillermo Arriaga üppig in Szene gesetzt. Der Name ist Filmkennern ein Begriff für Klasse. Guillermo Arriaga schrieb die Drehbücher zu internationalen Erfolgen wie „Babel“ und „21 Gramm“. Liebe wider alle Konventionen, Schuld und Sühne, Rache und Schmerz – das sind Stichworte, die, so oberflächlich sie anmuten, typisch für die von ihm entwickelten Storys sind. In seinem Regiedebüt bleibt Guillermo Arriaga „typisch“. Heißt auch: es geht melancholisch zu. Wer das mag, wird seine Freude daran haben. Nur: Die zeitlichen Verschachtelungen, die sich Arriaga ausgedacht hat, wirken abgezirkelt. Damit kommt er plumpem Kunstgewerbe recht nah. Leider. Schauspielerisch wird nämlich Feinstes geboten. Neben Kim Basinger kann Charlize Theron ihr Können voll und ganz entfalten. Die zwei bewahren den Film davor, in die Untiefen eines Rührstücks abzurutschen. Ihretwegen lohnt der Besuch.

Peter Claus

Auf brennender Erde, Guillermo Arriaga (USA 2008)

Bilder: Capelight Pictures

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Wer ist Hanna? (Joe Wright)

Action-Filme sind Männer-Sache. In diesem ungewöhnlichen Thriller ist das jedoch ein bisschen anders. Auch anders: Die Farbe Weiß, in der Regel Symbol der Unschuld, wirkt in den schneereichen Landschaften Nordeuropas, in denen der Film beginnt, geradezu unheilschwanger. Und Unheilvolles geschieht: Hanna (Saoirse Ronan), noch Kind, bald Frau, wird von ihrem Vater (Eric Bana) in diversen Kampftechniken geschult. Der Grund: Sie soll gegen die CIA-Agentin Marissa Wiegler (Cate Blanchett) antreten. Hannah fügt sich. Der Weg, der vor ihr liegt, ist dornenreich. Sie muss nahezu einmal rund um den Globus. Finale in Berlin. Bis dahin sorgt vor allem eine Frage für Spannung: Was soll das Ganze?

Regisseur Joe Wright arbeitet mit vielen klassischen Krimimustern. Doch mit einigem Mut zu künstlerisch Gewagtem sorgt er immer wieder auch für lustvolle Irritation. So lässt er beispielsweise die Kamera extrem nah auf Hannas Gesicht zugehen, bis dessen Konturen fast verschwinden. Formspielerei ist das nicht, sondern macht Sinn, weil damit das drohende Verschwinden der Persönlichkeit Hannas zum Ausdruck kommt. Das irritiert, weil es die Frage provoziert, ob das Geschehen eine als real zu verstehende Geschichte zeigt oder Tagträume des Mädchens. Passiert Hanna, was wir sehen, oder sind es ihre Phantasien, die von Grimms Märchen, denen im Film nämlich eine pointierte Rolle zukommt, angeregt worden sind? In Märchen gibt es fast immer die schöne böse Frau. Hier ist das Marissa. Zwielichtige Gestalten sind deren Helfershelfer. Die „Hexe“ scheut nicht einmal vor Neonazi zurück. Und wieder drängt sich die eine Frage auf: Was soll das Ganze? Zum Rest des Beitrags »

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Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten (Rob Marshall)

Jack, ein Themenpark
Johnny Depp ist zurück in als Captain Jack Sparrow. Zum vierten Mal sticht der populärste aller Piraten in See

„War das alles?“ fragt die Lady, wir sind in London, nachdem Jack Sparrow sie geküsst hat und hernach Anstalten unternimmt, aus der Kutsche zu springen. Jack hat es eilig, die Garde des debilen Königs ist ihm auf der Spur, und die Lady hätte wohl gern einige Zeit mehr mit ihm verbracht. Wir dürfen das, indessen fragen wir uns später die nämliche Frage: War das alles?

Alles, was diesen Film motiviert, ist eine Zahl: 2,7 Milliarden Dollar. So viel erspielten die ersten drei Teile. Und alles, was diese Filme und ihren Erfolg ausgemacht hat, das ist der exzellente Johnny Depp mit der wunderbaren Erfindung Jack Sparrow. Zum Rest des Beitrags »

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