DRAUFSICHT ausgesucht und kommentiert von Stefan Bußhardt, Wolf Jahnke und Andre Thaetz
Ödipussi (Vicco von Bülow)
von Stefan Bußhardt+ in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 3. März 2012
Alltags-Verquas eines linkischen Biedermannes
Es gibt Fälle bei denen wird unweigerlich der Eindruck erweckt als könnten sie niemals einer adäquaten Lösung zugeführt werden – und doch existiert sie auf eine bestimmte Art und Weise. Die Lebensweise von Stoff- und Möbelhändler (in 3. Generation) Paul Winkelmann (Loriot) ist so ein Fall.
Von Bülows erstmaliges „mise en scène“ in Kinoformat bringt uns dessen heitere Comicfiguren als real existierende Tante Lotte-Onkel Egon-Fabula direkt aufs Wohnzimmersofa. Die narrativen Stilmittel erreichen in ihrem Dynamikstrudel ein derartiges Signifikanzniveau, dass selbst Sigmund Freud sein dem Filmtitel monstranz-trächtig gleichnamiges psychoanalytisches Konzept überdenken müsste.
Als ob nicht schon die „Neue Deutsche Film“-Generation zu Beginn der 1980er Jahre dem Gegenwartskino ihr feingeistig-sozialrevolutionäres
Exempel auf statuierte, da poliertes Kommerzkino in Hollywood reizvoller erschien, bedurfte es 1987 des intellektuell-satirischen Weggrinsens jeglicher warnender Vorbilder eines Stilhumoristen wie Loriot.
Fragt sich der Rezipient was er hier sieht, muss er unverhohlen zu dem Schluss gelangen: ‚sich selbst‘! Verbrachte nicht auch schon ich die Freitag- und Samstagabende im spießigen „Lass uns was spielen“-Ambiente mit Menschen deren trautes Privatleben einem unzerbrechlichen Neutron gleicht, anstatt mit Freunden auszugehen? Unternahm nicht auch ich schon absurdeste Versuche selbstbewusster und so lebensbejahender zu werden? Und jedes Mal schwingt sie mit, diese eingeschaltete Begleitrationalität, die uns in Loriots ÖDIPUSSI so vortreffliche Korrelationen ans Bein liefert » die allzu quälende Frage „was wird ‚Sie‘ dazu sagen?“
Hier ausnahmsweise einmal nicht die in Courths-Mahlers Idealwelten schwelende Frau Gemahlin, sondern die hochkultivierte first-class- Mama (Katharina Brauren) persönlich. Sie verkörpert besagtes Neutron schlechthin – unter Anwendung ganz simpler Tricks wie dem ‚Aufbraten‘ von Kartoffelpüree für ihren neuen Untermieter Herrn Weber, seines Zeichens ein hochgesitteter Klaviervirtuose. Der selbstverliebte Herr Sohn wagt es immerhin in seinem ‚jungen‘ Alter sich eine eigene Wohnung zu mieten!
Loriots ‚heile‘ Mama-Firma-Vereins-Diegese‘ könnte zweifelsohne aus einem der lieblich-kitschigen Novells um Hedwig Courths-Mahlers ‚blautintiger‘ Feder stammen. Bloß findet hier das arme Unterschichten-Aschenbrödel nicht zum wohlbehüteten Traumprinz aus gesittetsten Adelsstrukturen – weil in ÖDIPUSSI überhaupt keine plebiszitären Elemente erwähnenswert vorkommen – es handelt sich lediglich um die gelangweilte genervte ‚Go away and let me be‘-Mimik von Diplom-Psychologin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann). Sie ist den alltäglichen Zwangsgedanken- und Handlungen ihrer Patienten längst überdrüssig und setzt nun auf gediegene Kommunikation unter den „Bekloppten“ mittels dem Einsatz einer Sitzgruppe in neuen hellen Farben, um ‚gewissen zwischenmenschlichen Schwierigkeiten‘ trotzend Harmonie herzustellen. Von hoffnungs- weil aussichtslosen Weltverbesserungstheorien längst entfernt, wenden wir uns den wohlwollenden Effekten emotional-synthetischer Ersatzbefriedigungen zu. Begleitet von völlig a-sexuellem Charme (wie auch, bei Hamann und Loriot?) verfolgt die Kontrapunktik der handelnden Figuren ihre Kommunikationsziele auf einer deutlich nüchtern-verstandesgetränkten Transformierungsebene.
ÖDIPUSSI steht wie kaum eine andere deutsche Slapstickkomödie (evtl. PAPA ANTE PORTAS – auch Loriot) für den absolut klaren Menschenverstand in seiner bis ins banalste Detail durchrationalisierten Situationskomik. Sie bietet eine summa summarum ideologiefreie und wertneutrale Draufsicht auf den durchschnittlichen Alltags-Waldi, ohne dabei jemals ernsthaft anzüglich, bewusstseinsumpflügend oder parteiisch zu werden. Loriot und sein Ensemble betrachten ihre Adressaten als einen Kreis emanzipierter Bürger, die die prätentiös konstruierten pick-up’s eines ‚angebrannten Hefezopfs‘ oder ‚wir posieren schon mal fürs Familienbild‘ zu deuten verstehen.
Die lauen Annäherungsversuche Winkelmanns an Margarethe offerieren das infantile Vorgehen des typischen Durchschnittsdeutschen in Liebesangelegenheiten. Die unerklärlichen dennoch ureigenen Komplexe höchstwahrscheinlich aus kindheitstraumatischer Perzeption herrührend, werden einfach hinwegkompensiert mit pseudo-effektivem und ambig politischem Vereinshabitus am Stammtisch in der Eckwirtschaft. Einerseits versteht sich die Organisation, der Winkelmann angehört, als Pioniergruppe die daran arbeitet, die Begriffe „Umwelt“ und „Frau“ in den Karnevalsgedanken zu integrieren, andererseits regt sich ein männliches krawattenbehängtes Mitglied beim Toilettengang über eine junge Punkerin am Tresen verweilend auf.
Vicco von Bülow filmt an gegen den Pessimismus einer breiten Generation von Filmkünstlern um Wim Wenders und R.W. Fassbinder » deren vornehmstes Anliegen politischer Massendialog in seinen soziokulturellen Verfehlungen zu sein scheint. Warum nicht endlich akzeptieren dass wir nun mal täglich aneinander vorbeireden und uns im sicherheitsorientierten Wohlfühl-Deutschland als „würdig und recht“ erweisen. Kehr ein unter mein Dach, aber halt den Schnabel und iss was auf den Tisch kommt! Das geht so weit, dass jemand auch im fortgeschrittenen Alter nicht weiß in welcher Straße er wohnt.Der Alltags-Verquas dieses linkischen Biedermannes kennt keinerlei Pein und zieht bissige Schnuten. Wir verzeihen gerne – schließlich ist’s Loriot der uns zum Narren hält!
© Stefan Bußhardt
„Ödipussi“ – Slapstick BRD von 1987, Regie: Vicco von Bülow (Loriot)
Bilder: Tobis
ShareDer schwarze Abt (Franz Josef Gottlieb)
von Stefan Bußhardt+ in Draufsicht, Film, Kolumnen & Blogs, Kritik am 7. Februar 2012
Keine banalen Zirkelschlüsse
Im deutschen Nachkriegskino der fünfziger Jahre floss viel abgestandenes Heldenblut, weil Filmemacher wie Bernhard Wicki (Die Brücke) die Westfront ad hoc nicht verlassen wollten. Die Wagen sollten noch weiter westwärts ziehen, um zumindest einen Hauch von John Ford Point und rollenden Steppenläufern zu erhaschen. Da aber die rauchenden Colts eines James Stewart oder der coole Salon-Marshall-Charme von Ronald Reagan im fransengeschmückten Lederanzug nicht wirklich zur Schwäbischen Alb passten, besannen sich die „Anti-Trümmer“-Pioniere auf einen Achsensprung zwischen good old-germany und new frontier land » dem deutschen Film brachte man sein Publikum zurück. Heinz Rühmann, Freddy Quinn und Heinz Erhardt allein machten nicht genug Appetit auf das große Telehor-Fressen.
Alexander Kluge und seine Leidensgenossen begannen zu schwitzen, da der intellektuelle Zerfall der ‚crowds‘ weiter voran schritt. Bisher ergötzten wir uns immerhin an seelenheilenden Bilderbuchlandschaften und waren stolz darauf Kernseife zu besitzen, wenn Grethe Weiser damit ihre Hände wusch und nebenbei ihr‚ na wat se nich saj’n‘ berlinerisch-schnäuzisch trällerte. Trivialer konnte es kaum kommen – sogar auf flott-derbe Deputy-Sprüche a’ la Whiskyglas-Verschütt konnte getrost verzichtet werden!
Das Edgar-Wallace-Filmgenre öffnete den Deutschen ihr Fenster zur Welt. Mit Pappkulissen und synthetisch erzeugtem Big Ben-Geläut entstanden in Berliner Filmstudios künstliche Londoner Lebenswelten. Zwischen 1959 und 1972 bescherten uns Regisseure wie Alfred Vohrer, Dr. Harald Reinl (war mit Karin Dor liiert) oder Jürgen Roland (Polizeirevier Davidswache) unzählige ‚Huch-Peng-Plumps‘-Konstruktionen aus der gesegneten Mottenkiste naiver Geisterbahn-Fabulas jener Epoche. Ganze Karnevalsvereine staunten Bauklötze, wenn der geheimnisvolle Schlächter im Gorilla-Kostüm ziemlich feige von hinten mit seinen Pranken die faltigen Hälse seiner Opfer umschlang und ihnen mit infantilen Handgriffen die Sauerstoffzufuhr abdrehte.
Die aus heutiger Sicht lächerliche Fang-die-Maus-Causa offenbarte sich bereits nach der ersten Wallace-Klappe 1959 zu DER FROSCH MIT DER MASKE. Damals waren es Siegfried Lowitz (Der Alte), Joachim Fuchsberger, Dieter Eppler und Karl Lange, die die dubios-finsteren Charaktere aus dem „King of crime“-Talmud um Rialto Film, Kurt Ulrich-Film oder CCC-Film einem Phoenix aus der Asche gleichwerden ließen.
Weitere Vögel wie DIE TOTEN AUGEN VON LONDON, DAS GASTHAUS AN DER THEMSE, DER ZINKER, DER FÄLSCHER VON LONDON oder DER HEXER flogen empor und verschlissen Unmengen an Pappkameraden, Sonnenbrillen, Platzpatronen, Genussmitteln und „Bobby“-Uniformen aus dem hiesigen Theaterfundus von Hannelore Wessel » Horst Wendlandts unverschonte weil spendable Geldbörse soll nicht
unerwähnt bleiben. Eingereiht in diesen pointierten Zoom- und Schnitt-Adaptionskanon hatten sich stets die Schlagergruselkompositionen von Martin Böttcher oder Peter Thomas; ihres Zeichens tüchtige Absorber des Jazz- und Twist-Klamauks á la „Übermut im Salzkammergut“, die sich als unfreiwillige Anti-Helden für Auftritts- und Erfolgsmöglichkeiten von Quick-Musikern wie Gus Backus oder Billy Mo gerierten.
Die unmotivierten Komparsen und Laiendarsteller, denen man ansah dass sie auf Handzeichen durch die biedere, häufig von den Bühnenarchitekten und Baumeistern Walter Kutz oder Wilhelm Vorwerg erschaffene Kulisse schlenderten, bildeten den stummen Kontrast zu einer vergilbten Gut-Böse-Narration, die moralinsaurer kaum sein konnte. Da half es auch nicht viel, wenn hin und wieder zeig-freudige Go Go-Girls in unseriösen Barspelunken ihre nackten Beine hochwarfen, oder Heinz Drache (Tatort) aus einem Geheimversteck die hübschen Beine von Corny Collins in DAS INDISCHE TUCH beäugte.
Um den Witz endlich herauslassen und umzingeln zu können, bedienten sich Vohrer & Co einem munteren Pausenclown wie Eddi Arent und dem epochalen wie monumentalen Neurotiker Klaus Kinski, deren sukzessive sowie simultane Implikation gelegentlich in Äquivalenz steht zu einem Günter Grass, der im Oktoberfest-Bierzelt einen Literaturvortrag hält.
Ein wirkliches Juwel in diesem mit lauter Altherrenregenmänteln und schrillem Weibergeschrei besetzten Filmgenre, bietet sich dem Cineasten in DER SCHWARZE ABT.
Die 15. Wallace-Adaption unter der fürsorglichen Aufsicht von Franz-Josef Gottlieb ist schon allein deshalb ein Augenschmaus, da sie im bildvisuell ästhetischen anamorphotischen CinemaScope-Verfahren inszeniert wurde. Deutlich feinsinniger und prästabiliert harmonischer greifen hier die ikonographischen Assoziationsimpulse, die die Diegese für den Rezipienten in einer sehr analen Weise erfahrbar machen.
Die erste Dialogszene zwischen Butler Thomas Fortuna (Klaus Kinski) und Dick Alford (Joachim Fuchsberger) enthält zentrales Wirkungspotential. Thomas macht den smarten Schlossverwalter von Fossaway – nachdem er in den Ruinen der Abtei des Adelsanwesens einen Mann erstochen vorfand – auf dessen am Tatort verlorengegangener Pfeife aufmerksam und überreicht sie Alford. Unter sichtlicher Erklärungsnot und Hast stehend, antwortet dieser in aufgeregten Worten: „Beim Nachhause gehen bin ich fast über diese Leiche gestolpert, ja und dabei muss ich sie verloren haben.“ Thomas entgegnet: „Das ist sehr peinlich Sir!“ „Nicht peinlicher als für Sie, Thomas!“, herrscht Alford zurück. Ein sehr asymmetrisches Einfluss- und Machtverhältnis!
Das Motivationsniveau der handelnden Akteure pflegt einen stark emotional geprägten und reflexiven Umgang mit den im Sujet implementierten Kommunikationsinhalten. So fokussiert sich die lineare Erzählstruktur sukzessive auf kulturelle Entwicklungshöhepunkte, wie etwa dem Ersten Adel Englands oder Scotland Yard als absolut seriöse und unparteiische staatliche Institution über Recht und Gesetz. Dieter Borsche als neurotischer Lord Harry Shelford und Charles Regnier als Gentlemen-Scotland-Yard-Inspektor Puddler bilden diese normativen Erwartungskonstanten sinnhaft ab. Der Rezipient kann sich entspannt zurücklehnen wenn er erfährt, dass es Joachim Fuchsberger ist, der sich rührend um die Anwaltsschwester Leslie Gine (Grit Böttcher) kümmert. Entspricht er doch so ziemlich allen Erwartungen, die das Kinopublikum jener Zeit an ein deutsches Plagiat oben erwähnter Westernhelden hegte.
Der Aktionsradius mit seinen dicht auf die Schlossgemächer, dem Abtei-Areal und ein paar Londoner Nebenschauplätzen beschränkten Determinanten, macht den B-Film zum Kammer-Kriminalspiel » ein plot-struktureller Effekt, vom Rezipienten bzw. Cineasten kaum negativ sanktionierungsbedürftig da situationsadäquat. Auf diese Weise gelangen die Perzepte stets in den jeweils vorgesehenen Kognitionskanal der Bezugsgruppen. Die Aufsummierung der Handlungsintentionen von Gottliebs Figuren folgt weniger einer tautologischen Konstruktion und ist mehr anspruchsvoll da sujetgeleiteter als das in anderen Wallace-Adaptionen der Fall ist. Die im Bett an schwerer Krankheit leidende Alice Treff als Lady Shelford oder der größenwahnsinnige weil im Banne seiner Mutter stehende Harry Shelford – streckenweise unfreiwillig komischer Dieter Borsche – stehen in enger Analogie zur gespenstischen Fabula.
Die Titelfigur ist insofern designativer Bedeutungsträger, als dass sie nicht so anarchisch und sozialrevolutionär daherkommt wie etwa DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE oder ‚Der Hai‘ in DAS GASTHAUS AN DER THEMSE » als klerikales Ikon verfolgt er fast schon sittlich-einzelgängerisch da ambivalent seine Intention. Zumal ihn der „point of attack“ als steten Verfolger eines Prismas vorsieht.
Wir freuen uns, dass F. J. Gottlieb sich nicht mit banalen Zirkelschlüssen getreu einer ‚Töten weil gierig und böse‘-Konklusion zufriedengab » ein wahrer German Holly seiner Klasse!
© Stefan Bußhardt
Bilder: Universum Film
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The Black Cat (Edgar G. Ulmer 1934 / Lucio Fulci 1980)
von Georg Seeßlen+ in Draufsicht, Film, Kolumnen & Blogs, Kritik am 24. Januar 2012
Allerhand Rätsel
Poe-Verfilmungen zeigen nicht nur die filmische Darstellung der Perversität, sondern auch die Perversion des Filmischen. Edgar G. Ulmer, Emigrant in Hollywood, Dekorateur und B-Film-Regisseur, drehte 1934 einen Horrorfilm mit den beiden Stars Bela Lugosi und Boris Karloff. Die Handlung hat mit Poe zunächst gar nichts zu tun, da hilft es auch nicht, ein paarmal eine schwarze Katze vor die Kamera zu jagen. Aber dann sieht man die Poeschen Motive, die schöne Frau, eingeschlossen zwischen Leben und Tod, die Musik als Vorspiel des Grauens, das Schlafwandlerische im Grausamen. Hinter dem Poe-Horror erzählt Ulmer von dem Kommandanten eines Forts im Ersten Weltkrieg, der über den Gräueln der Schlacht wahnsinnig wurde und nicht wieder zurückkehrte in die Gemeinschaft der Menschen. Jeder Albtraum ist hier nur die Hülle eines noch größeren Albtraums.
Edgar G. Ulmer: The Black Cat, 1934 (gesehen bei Youtube)
Auch Lucio Fulcis Film The Black Cat ist eine freie Poe-Adaption: In der englischen Provinz stellt eine mysteriöse Unfallserie die Behörden vor allerhand Rätsel. Eine Reporterin macht die Entdeckung, dass sämtliche Todesopfer Narben von Katzenkrallen tragen. Hauptsächlich sieht man Nahaufnahmen von kätzischen und menschlichen Augenpaaren, manchmal Krallenwunden und Blut und gelegentlich die Welt, wie sie eine Katze sehen mag. Außerdem spielt hier Dagmar Lassander eine Nebenrolle, eine deutsche Schauspielerin, die ohnehin so wirkt, als habe sie Edgar Allan Poe nach drei, vier Gläsern Amontillado erfunden.
Georg Seeßlen
erschienen in DIE ZEIT, 31.12.2008 Nr. 02
Edgar G. Ulmer: The Black Cat (1934)
Lucio Fulci: The Black Cat (1980)
ShareState of Play – Stand der Dinge (Kevin Macdonald)
von Stefan Bußhardt+ in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 6. Januar 2012
Keine biedermeierliche Gebetsmühlenmentalität
In den allermeisten Fällen wird die Bevölkerung zur aktiven Beeinflussung politischer Prozesse aufgerufen – zumindest in Nationalstaaten, die sich „demokratisch“ heißen und die staatsphilosophischen Dogmen in einem Dossier hinter Panzerglas offeriert wird. Soweit die hoffnungsfrohe Botschaft. Weniger Hoffnung – und das ist keine plakative Stimmungsmache in biedermeierlicher Gebetsmühlenmentalität – geben da die Interaktionen, auf die uns „STATE OF PLAY“ aufmerksam macht
Sie verdeutlichen auf melancholische – beinahe ohnmächtig machende – Weise die Inkonsistenz der Effekte eines präsidentiell-demokratischen Transformationsprozesses, der in seiner Index- und Paradigmenbildung mehr als fragwürdig erscheint. Besorgniserregend ist nicht etwa die unlautere Liebesaffäre eines US-Präsidenten, worauf ganz im sensationsjournalistischen Stil ein „Sonderermittler“ angesetzt wird, Zum Rest des Beitrags »
ShareThe Game (David Fincher)
von Stefan Bußhardt+ in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 6. Januar 2012
Kafkaeske Wirkungstendenzen
Wogegen sich eine Person entscheidet, wenn sie sich für etwas Bestimmtes – etwa den eigens gewählten Lebensstil – entscheidet, bemerkt sie üblicherweise erst dann wenn es zu spät zu sein scheint. Welcher Beruf es im hektisch-impulsiven Neuzeit-Amerika nur sein kann, der den Menschen vieles von dem nimmt was wir uns „by-nature“ evolutionsgebunden und kognitiv erstritten haben – der des Investmentbankers! Er steht wie kaum ein zweiter für die rücksichtslose Abholzung privatester Lebensbepflanzung » nicht mal ein kuscheliges Feuer knistert, weil auch der Kamin im trauten Elfenbeinturm des Hauptprotagonisten nur leblose Kulisse ist. Zum Rest des Beitrags »
ShareOmar Mukhtar – Löwe der Wüste (Moustapha Akkad)
von Wolf Jahnke+ in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 21. Oktober 2011
Lion of the Desert: Part 1 via youtube
Überraschend viele Diktatoren wie Adolf Hitler oder Kim Jong-il waren bzw. sind Filmliebhaber, so auch Libyens Ex-Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi. Er förderte und finanzierte mit seiner Regierung Filme wie MOHAMMED (1976) und OMAR MUKHTAR (1979): dieses Epos erzählt vom Guerilla libyscher Beduinen unter der Führung des Volkshelden Omar Mukhtar (Anthony Quinn) gegen die italienische Armee in den 1920er-Jahren. Zum Rest des Beitrags »
ShareClean, Shaven (Lodge Kerrigan)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 6. Oktober 2011
"Clean, Shaven" ist anders. Mindestens soweit von Filmen von Regisseuren wie Solondz oder Linklater entfernt, wie deren Filme von Blockbusterproduktionen aus Hollywood. "Clean, Shaven" folgt nicht der gängigen Erzählweise des im Vergleich doch so gefälligen amerikanischen Independentkinos. Wohl eher ein Experimentalfilm. Der schwer schizophrene Peter Winter wird aus der Psychiatrie entlassen. Blicke verfolgen ihn, Stimmen in seinem Kopf hämmern auf ihn ein. Die Flucht nach vorne bedeutet ein Auto aufbrechen, was ihn fürs erste schützt. Ein Mädchen durchbort mit ihrem Blick die Windschutzscheibe. Winter steigt aus und während die Kamera im Wagen verweilt hört man Schläge, an deren Ende Winter ein schweres Bündel in den Kofferraum legt. Er macht sich auf den Weg zu seiner dominanten Mutter, will Kontakt zu seiner Tochter herstellen, die bei einer Pflegemutter lebt. Währendessen geht der Ermittler Jack McNally Mädchenmorden in der Umgebung nach. Unweigerlich drängt sich ein Zusammenhang zwichen Winter und den Morden auf.
Vieles bleibt offen, wie etwa, ob er Schuld am Tod der Mutter seiner Tochter trägt oder welchen Antrieb der private Ermittler bei der Aufklärung der Mordfälle hat. Puzzleartig fügen sich die Geschehnisse zu einer Handlung erst gegen Ende des Films zusammen und klären zumindest den Zusammenhang zwichen den Mädchenmorden und Winter. Das Hauptaugenmerk des Filmes liegt primär auf der Darstellung der Schizophrenie. Geräusche, Stimmen und Bilder werden aus ihrem Kontext gerissen, geben Nahrung für den schizophrenen Geist. Kontrastiert werden diese Elemente von ruhigen statischen Kameraeinstellungen. Peter Greene spielt den zum Bersten gespannten Charakter erschreckend gut. So gut, daß man den erkrankten Geist zwar sehen kann, aber keinen Zugang zu ihm findet. Verstörendes und radikales Kino.
Bildstörung veröffentlichte die DVD im Mai.
André Thaez
Bild: Bildstörung
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Hitlerkantate (Jutta Brückner)
von Stefan Bußhardt+ in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 15. September 2011
Unzählige Versuche die deutsche Naziepoche aus der Zwangsläufigkeit eines soziokulturellen Wandels zur Weimarer Zeit heraus zu deuten, verzeichnen jahrzehntelange Hochkonjunkturen. Angesichts dessen braucht es die horizontale Erweiterung im periodischen Zeitachsenspiegel implementierter freiheitlich-demokratischer Grundstrukturen Deutschlands nach 1945. Die Historikerin Jutta Brückner wagt solch einen Schritt. Sie bebildert die historisch belegbare Hitler-Goebbels-Invasion mit den stereotypen Elementen eines Liebesdramas, projiziert auf zwei Hauptprotagonisten im Dritten Reich: Musikstudentin Ursula (Lena Lauzemis) und Komponist Hanns Broch (Hilmar Thate). Zum Rest des Beitrags »
SharePeppermint Candy (Lee Chang-dong)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 21. August 2011
"Peppermint Candy" beginnt mit dem Ende eines zerstörten Lebens. 1999, bei einem Klassentreffen, steht Yong-Ho auf eine Eisenbahnbrücke. Man hört den sich nähernden Zug. Yong-Ho breitet die Arme aus, die Augen weit aufgerissen. "I want to go back" ruft er laut, bevor er überrollt wird, (oder auch "I'm going back!", es gibt zwei koreanische DVD-Veröffentlichungen, mit unterschiedlicher Übersetzung). Wie es zu dieser verzweifelten Tat kam, wird in sieben Episoden aus seinem Leben erzählt. Alle verbunden durch eine rückwärts laufende Zugaufnahme. Neben Yong-Hos Charakterwandel der letzten 20 Jahre wird auch die Gesellschaft Südkoreas portraitiert. Zum Rest des Beitrags »
ShareSpiel mit dem Tode (John Farrow)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 5. August 2011
Die Schlinge zieht sich immer enger. Nun gibt es keinen Weg mehr, die Spur von sich weg zu führen. George Stroud (Ray Milland) ist im Gebäude des Janoth-Verlagshauses in New York gefangen. Keiner darf rein oder raus. Der Chefredakteur einer so bedeutenden Investigativabteilung, wie Crimeways, selbst ein Mörder? Was geschah in den letzten 36 Stunden? Wie konnte es zu solch einem Fall kommen? Zum Rest des Beitrags »
ShareBad Teacher (Jake Kasdan)
von Stefan Bußhardt+ in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 26. Juli 2011
Leck mich!
Klischees und Banalitäten aus der Schüler-Lehrer-Sozialität
Es ist wie mit dem uralten Trick des Hütchenspielers, der die Kugel nach paarmaligem Vertauschen der Hütchen unter ein anderes kullern lässt. Er funktioniert immer wieder, weil er die primitivsten Reize in unserem infogefluteten Nervengefüge anspricht und sich nichts macht aus rationaler Logik. So finden wir uns in einer der primitivsten und dümmlichsten Klamotten der filmischen Gegenwart wieder. „Bad Teacher“ würde seinem Titel alle Ehre machen, handelte er tatsächlich von ‚schlechten Lehrern‘. Stattdessen quält er uns mit einer überhektischen Abfolge von Bildern, die eine Reihe chaotischer Handlungsfetzen und überzogener Einfälle liefert. Zum Rest des Beitrags »
ShareDas Auge (Claude Miller)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs am 24. Juli 2011
Ein Mann starrt auf ein Schulfoto mit jungen Mädchen. Fragt, ob Marie das Mädchen oben links sei, ... mit dem traurigen Blick. Jedes Jahr erlaubt ihm seine Exfrau einmal zu raten und jedes Jahr liegt er daneben. Etwas scheint schief gelaufen zu sein, bei Privatdetektiv Beauvoirs (Michel Serrault) letzten Auftrag. Trotzdem wird „Das Auge“ auf den Fall Paul Hugo angesetzt. Ein reicher junger Mann, dessen Eltern besorgt sind, ihr Sohn könnte mit der falschen, nicht standesgemäßen, Frau zusammenkommen. Lucie Brentano (Isabelle Adjani) heißt die so unschuldig aussehende Schönheit. Und hier blickt „das Auge“ zum ersten mal in den Abgrund: Die junge Frau tötet den reichen Schnösel, nimmt den Schmuck und entledigt sich seiner Leiche im Teich. Fasziniert von ihr, folgt Beauvoir der Femme Fatale und meint in ihr seine Tochter wiederzuerkennen. Zum Rest des Beitrags »
ShareRollercoaster (James Goldstone)
von Stefan Bußhardt+ in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 20. Juli 2011
Vergnügen – ein janusköpfiges Geschäft
Er ist das reinste Kaleidoskop - ein Vorzeigevergnügungspark in den USA der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Auf diesem Gelände werden auch für Erwachsene bunte Kinderträume wahr und lassen Alltagssorgen ins Hintertreffen verschwinden. ‚Unschuldig wie die Kinder sollt ihr werden‘ mahnt uns die Bibel, doch sind sie das wirklich? Genauso hinterfragt James Goldstone das farbenfrohe, temporeiche und heitere Treiben im Vergnügungspark. Ist er wirklich so vergnüglich wie sein verlockender Name es vorgibt, oder finden wir nicht auch in ihm das Böse unter den Sternen? Mit seinem Plot passt „Rollercoaster“ in die Ära der Katastrophenthriller – Spielfilme wie „Seilbahn in den Tod“ von Gordon Hessler (1974) waren hochmodern. Die Beschaffenheit der narrativen Struktur dagegen verweist eher auf die Konstruktion eines herkömmlichen Psychothrillers, da die schockierende Situation bewusst herbeigeführt wird, und nicht ‚höherer Gewalt‘ unterliegt. Zum Rest des Beitrags »
ShareAchterbahn (Peter Dörfler)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs am 10. Juli 2011
Im Kinderprogramm des DDR- Fernsehens lief „Spuk unterm Riesenrad“. Besagtes Riesenrad gehörte zum Kulturpark Plänterwald in Berlin. Nach der Wende wurde daraus der Spree-Park. Der Vergnügungspark in Treptow-Köpenick war der Höhepunkt im Schaffen der Schaustellerfamilie Witte, zugleich aber auch der Beginn des Endes eines Menschen für den jedes erreichte Ziel nur der Startpunkt einer noch größeren Unternehmung sein konnte. Zum Rest des Beitrags »
ShareEin Haufen verwegener Hunde (Enzo G. Castellari)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs am 5. Juli 2011
Man könnte sicher vortrefflich über die Qualität von Enzo G. Castellaris spätem Italowestern „Keoma“ streiten, nichts zu streiten gibt es jedoch beim Spaßfaktor von seinem „Haufen verwegener Hunde“ aus dem Jahre 1978. In diesem Exploitationkino vergehen kaum fünf Minuten, ohne das etwas in die Luft fliegt oder jemand in eine Kugel oder in ein Messer rennt. Und im Gegensatz zum Remake (wohl eher eine Anlehnung) funktioniert die erbärmliche Story tadellos um die Action irgendwie plausibel zu machen. Wo Tarantino nicht mal in der Lage war, den Titel „The Inglorious Bastards“ richtig zu schreiben, seine Verneigung vor dem Original nur mit kleinen Gesten, wie, dass Brat Pitt sich Enzo Girolami (Castellaris Geburtsnamename) nennt, ausdrücken konnte und ein Gruppe langweiliger Akteure vor die Kamera zieht, genau da kommen im Original B-Movie Schauspieler wie Bo Svenson und Raimund „Kartoffelquetsche“ Harmstorf vor die Kamera. Dreckig und sinnfrei. Und wo im Remake die „Basterds“ aus sauren Juden bestehen, da sind es in der Vorlage wirkliche Bastarde. Vergewaltiger, Mörder und Diebe fliehen auf dem Weg ins Militärgefängnis, sehen sich schon in der neutralen Schweiz, dem Paradies für Kriegsverbrecher, treffen auf nackte Nazifrauen mit Maschinenpistolen und auf französische Widerstandskämpfer. Zum Rest des Beitrags »
ShareWer will Jessie umbringen? (Vaclav Vorlicek)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 24. Juni 2011
"freedom to dream"
1995 wagte es der Videospielhersteller Sega mit "Comix Zone" eine Chimäre aus Comic und Videospiel auf den Markt zu werfen. Der Protagonist hangelte sich von Bild zu Bild, sah sich mit Rätseln konfrontiert oder schlug alles Feindselige zu Klump. Solche Crossovers sind kompliziert und selten. Etwas subtiler setzte sich der tschechische Regisseur Vaclav Vorlicek mit der Thematik auseinander. Vorlicek haben wir übrigens auch "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" zu verdanken. Weinachten hätte er damit schon mal gerettet. "Wer will Jessie umbringen?" konnte wohl nur in den 60ern entstehen. Während Frankreich die Werke der Nouvelle Vague feierte, nannte sich die Neuausrichtung des Kinos in der Tschechoslowakei Nova vlna. Der Spaß beginnt in einer Comicwelt. Die leicht geschürzte Heldin Jessie Zum Rest des Beitrags »
Général Idi Amin Dada: Autoportrait (Barbet Schroeder)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 24. Juni 2011
Diktatoren weisen mitunter einen Hang zum Exzentrischen auf. Gaddafis Leibwache der vierzig Jungfrauen, Kim Jong-ils extravagante Verköstigung, während sein Volk hungert und natürlich Idi Amin. Der "Schlächter von Afrika"
hat zwischen drei- und vierhunderttausend Menschen auf seinem Gewissen (wenn ein Gewissen existiert haben sollte). Dieser Mann hing fröhlich sein Fähnchen immer in die für ihn genehme außenpolitische Richtung und lies auch mal eine seiner Ehefrauen samt Anhang töten, wenn er genug von ihr hatte. Sich selbst gab der lächelnde Koloss den selbstgewählten Titel "Seine Exzellenz, Präsident auf Lebenszeit, Feldmarschall Al Hadji Doktor Idi Amin Dada, VC, DSO, MC, Herr aller Kreaturen der Erde und aller Fische der Meere und Eroberer des Britischen Empires in Afrika im Allgemeinen und Ugandas im Speziellen“. Zum Rest des Beitrags »
I wie Ikarus (Henri Verneuil)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 21. Juni 2011
In einem fiktiven Staat wird der gerade wiedergewählte Präsident Opfer eines Attentates. Entgegen dem politisch gefälligen Schluss der Untersuchung des Attentats, dass es die Tat eines Einzelnen sei, erzwingt der Generalstaatsanwalt Henri Volney (brilliant gespielt von Yves Montand) eine weitere Untersuchung des Falls. Schnell wird klar, dass der mutmaßliche Schütze nicht der Täter war und das Volney sich der Tragweite dieser Verswörung nicht bewusst ist.
Zwar bedient sich Regisseur Henri Verneuils (Der Clan der Sizilianer) ungeniert am Mordfall Kennedy (schon der Name des angeblichen Schützen Karl Daslow ist ein Annagramm von Oswald), doch seine Motivation lag nicht in einer Aufarbeitung des offensichtlichen Vorbildes, sondern in einer Parabel auf das Marionettenspiel auf politischer Ebene Zum Rest des Beitrags »
Freche Mädchen (Ute Wieland)
von Stefan Bußhardt+ in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik am 15. Juni 2011
Mehr motivlos statt frech
Wer hätte das für möglich gehalten – im Kinojahre 2008 des Herrn sind Filmemacher in der gesinnungstechnisch adäquaten Lage, um das längst totgeglaubte Genre des Heimat- und Schnulzenfilms wiederauferstehen zu lassen. Diese buntgefärbte mit lebensoptimistischer Intention versehene cineastische Idee wäre einer der größten Filmflops aller Zelluloid-Epochen geworden, hätte Ute Wieland es versäumt moralingetränkte Urbilder deutscher Idealvorstellungen über unseren fleißigen braven und sensiblen Nachwuchs mit einer paradoxen Substanz aus 68er Lebensrealität und den Synergieeffekten gegenwärtiger Multimedialität audiovisuell geschickt zu verarbeiten. Dafür spricht der mit Bravour getimte Einsatz von Zeichentricksequenzen und Split-Screen – „Berlin Berlin“ mit seiner liebenswürdig-chaotischen Comicheldin Lolle lässt grüßen! Die 16-jährige Hauptdarstellerin deutsch-russischer Abstammung Emilia Schüle als schwärmerisch verliebte Schülerin Mila hebt samt Laptop vom Sofa ab, während sie an diesem ein Liebesgedicht an den jungen Schulreferendar Pit Winter (David Rott) tippt. Der leiht ihr während des Biologieunterrichts prompt seinen grauen V-Ausschnitt-Pulli, da Mila von ihrer Mitschülerin Vanessa mit voll Pflanzenresten durchtränktem Wasser beschüttet wird. Zum Rest des Beitrags »
ShareKleine Morde (Alan Arkin)
von Andre Thaetz+ in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 14. Juni 2011
Alfred Chamberlain (Elliott Gould) ist Fotograf. Er fotografiert wortwörtlich Scheiße und heimst dafür Preise ein. Wenn er bei seinen Aufnahmen von Jugendlichen gepflegt aufs Maul bekommt, summt er vor sich hin und lässt es geschehen. Er ist Apathist, nicht Atheist. Bedeutet, ihm geht alles am Allerwertesten vorbei. Nicht nur der Schöpfer ist ihm egal, auch Frauen, Liebe und der Staat. Alfred fühlt nichts mehr, er ist ein Tagträumer. Bis eines Tages Patsy auftaucht, die die auf ihn einschlagende Meute verscheucht und ihn auffordert zu leben, zu lieben und eine Meinung zu haben. Zum Rest des Beitrags »
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