In guten Händen – Aus der Arbeit der Bundesprüfstelle (1991)
von Andre Thaetz in Draufsicht, Gesellschaft, Kolumnen & Blogs am 12. April 2011

Bildklick=Videostart. Still aus: Vor 20 Jahren - Die Arbeit der Bundesprüfstelle (Quelle: spiegel-online)
VON GESTERN:
Prüde Republik Deutschland oder: Sitten-Wacht am Rhein
Wissend, dass die geschnittene Version des französischen Horrorfilms “À l’intérieur” in Deutschland als beschlagnahmt gilt und somit als verboten anzusehen ist, jedoch im benachbarten Frankreich, ungeschnitten und freigegeben ab 16, offiziell über die Ladentische geht, stellen sich mir immer wieder die Haare zu Berge, wenn ich von Indizierungen und Beschlagnahmungen höre. Es war ein Irrglaube zu denken, mit Vollendung meines 18. Lebensjahres gehöre mir die Welt. Weit gefehlt. Jene, die entscheiden, was und wieviel ich in dieser Welt lesen, sehen, hören und spielen darf, sind wachsam. Dank ihrer allumfassenden Sicht, ihres unbegrenztes Hintergrundwissens und perfekter Kenntnisse entscheiden Zensoren darüber, was dem deutschen Gutbürger zuzumuten ist, was der verkraften kann, ohne in Gefahr zu geraten, Amok zu laufen oder Amok zu ficken.
1991 gewährte SpiegelTV Einsicht in das emsige Treiben der Beschäftigten der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Bad Godesberg bei Bonn. Zum Rest des Beitrags »
ShareCapturing the Friedmans (Andrew Jarecki)
von Andre Thaetz in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 6. April 2011
“Capturing the Friedmans”, eine Dokumentation mit Zusammenschnitten von persönlichen Aufnahmen einer Familie von den späten 80′ern bis ins Jahr 2001. Gegen den Familienvater Arnold Friedman wird wegen Besitzes von Kinderpornografie ermittelt, nachdem er in den Niederlanden ein solch geartetes Magazin bestellt hatte. Schließlich erfährt die lokale Polizei, dass Friedman einen Computerkurs für Kinder leitet und es beginnt eine Hexenjagd auf Friedman und seine Familie. Da die Friedmans über mehrere Videokameras verfügten, wurde der langsame Zerfall der Familie von den Söhnen festgehalten. Es mutet nach einem Seelen-Striptease an, wenn man die Mitglieder der Familie Friedman steiten und intrigieren sieht. Es ist aber mehr als das. Es ist ein Portrait einer Familie, die an den pädophilen Neigungen des Vaters und an der medialen Hysterie zerbricht.
Andre Thaetz
Capturing the Friedmans (USA 2003, Regie: Andrew Jarecki)
SharePicnic (Shunji Iwai)
von Andre Thaetz in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 6. April 2011
“Picnic”- der wohl schönste Kuss der Kurzfilmgeschichte. Ich liebe diesen Film, ich verehre ihn. Deshalb habe ich gehungert um mir den viel zu teuren Import der Japan-DVD vor gut 10 Jahren leisten zu können. Und ich habe es nie bereut. Ein Auto folgt einer Spur von Rosen. Ziel ist eine Psychiatrie, in die die junge Coco (Chara) von ihren Eltern gebracht wird. Dort trifft sie auf Tsumuji (Tadanobu Asano) und Satoru (Koichi Hashizume), zwei ungleiche Zimmernachbarn. Zu den Qualen der Vergangenheit gesellt sich nun auch ein nicht gerade zimperliches Psychiatrie-Personal. Immer häufiger verlassen die Drei das Klinikgelände um dem Ganzen zu entfliehen. Tsumuji erhält auf einem ihrer ungewöhlichen Ausflüge von einem Priester eine Bibel. Mit Hilfe dieser, im Englischen verfassten Bibel, und minimalen Kentnissen dieser Sprache konstruieren er sich seine Ordnung, seinen Sinn von Gut und Böse. Und er meint das Datum des Endes der Welt zu wissen. Alle drei Charaktere definieren sich zuerst über ihr ver-rücktes Weltbild. Selbst das Leiden fängt Iwai in wunderschönen Bildern ein, denen die freie, naive Erkundung der Aussenwelt gegenüber steht. Die Bilder von “Picnic” erinnern an Christopher Doyles Kameraführung. Umrahmt werden die 68 Minuten, wie in fast allen Iwaifilmen von seiner Hausband, den Remedios.
Darstellerin und Popstar Chara lernte Tadanobu Asano, eines der bekanntesten Gesichter des japanischen Kinos, am Set kennen. Beide sind seit 1995 miteinander verheiratet und haben zusammen zwei Kinder.
Andre Thaetz
Picnic/Pikunikku (Japan 1996, Regie:Shunji Iwai)
ShareErmittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger (Elio Petri)
von Andre Thaetz in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 5. April 2011
Eine Studie über krankhaften Machtmissbrauch in Form eines Politthrillers. Ein Staatsdiener, zu Höherem berufen, ein Narziss, begeht einen Mord, will sehen, wie weit er gehen kann. Ist das Gesetz Werkzeug der Mächtigen? Gian Maria Volonté brilliert in der Rolle des Dottore, einem Mann der machtbesessen ist, bis zu dem Punkt, an dem er die nur noch als unbegreiflich ansieht. Elio Petris zeitloses zynisches Glanzstück ist bis heute nicht in Deutschland erschienen. Eine Schande!
Andre Thaetz
Ermittlungen gegen einen über jeden Verdacht erhabenen Bürger/Indagine su un cittadino al di sopra di ogni sospetto (Italien 1970, Regie: Elio Petri)
ShareDer Geschmack der Kirsche (Abbas Kiarostami)
von Andre Thaetz in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 4. April 2011
Solch einen Film meinte wohl Werner Herzog, als er die Bedeutung des aufkommenden iranischen Kinos anpriess. Ein Mann fährt am Rand von Teheran mit seinem Geländewagen auf der Suche nach einem Menschen, der seinen toten Körper nach dem geplanten Selbstmord mit Erde bedeckt. Warum er sterben will, erfährt man nicht. Die Gründe der Ablehnung, auf die er stösst, scheinen vielfältig.
ShareHaze (Shinya Tsukamoto)
von Andre Thaetz in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 4. April 2011
Kürzlich erschien “Buried” mit Ryan Reynolds in den Videotheken. “Lebendig begraben Filme” sind selten erwähnenswert und noch seltener gut. “Buried” fängt vielversprechend an, fällt spätestens aber zu dem Zeitpunkt, als man erfährt, wo Reynolds eingebuddelt liegt und das Ganze einen politischen Hintergrund erhält. Natürlich kann man auch die Frage stellen, ob solch ein Kammerspiel für eine Person anderthalb Stunden funktionieren kann.
ShareAsphaltrennen (Monte Hellman)
von Andre Thaetz in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 1. April 2011
Der Film des New Hollywood Kinos, der den status quo dieser Gesellschaft im Umbruch wohl am besten einfangen konnte. Ein Warten auf das Nichts, keine Ideale, Illusionen oder Identifikationsfiguren. Am Ende frisst sich dieser so unpathetische Film selbst.
ShareDas Haus in der Carroll Street (Peter Yates)
von Stefan Bußhardt in Draufsicht, Film, Filmspiegel, Kolumnen & Blogs, Kritik 1988
Machtstrategische Bewertungszusammenhänge
In seiner Abschiedserklärung an das amerikanische Volk nach öffentlichem Bekanntwerden seiner Alzheimer-Krankheit 1994, machte US-Präsident Ronald Reagan den Menschen Hoffnung mit folgenden Worten “Ich beginne nun eine Reise, die mich in den Sonnenuntergang meines Lebens führt, in der Gewissheit, dass es für Amerika einen leuchtenden Sonnenaufgang geben wird.” Als ob Peter Yates es bereits 1988 – als er diesen Film drehte – geahnt hätte, eröffnet er seinen Politthriller mit dem Abfilmen einer im leichten Wind wehenden US-Flagge und im Hintergrund darüber die hell strahlend goldene Sonne. Auf das „Reich des Bösen“ und seine Ableger-Staaten übte die Sonne eine mystische Faszination aus. So frohlockte einst die DDR-Hymne, dass die Sonne seit Gründung der Arbeiterrepublik „so schön wie nie über Deutschland scheine“. Die Sonne steht wie kein anderer Himmelskörper für Lebensquelle, Erhalt alles Lebendigen, Gedeih und Neuanfang. Sie gibt ca. sieben Milliarden Menschen auf dieser Erde täglich die Chance auf Veränderung, Weitermachen oder Aufhören. Wählte Yates deshalb dieses narrative Stilmittel zur Eröffnungseinstellung als hinleitendes ikonographisches Gefüge zum eigentlichen Thema seines Thrillers: Die Hetzjagd auf Kommunisten in den USA der 1950er Jahre? Zum Rest des Beitrags »
ShareAlice’s Abenteuer im Wunderland
von @getidan in Draufsicht, Kolumnen & Blogs am 18. Mai 2012
Es war bald gesagt, „Trinke mich“, aber die altkluge kleine Alice wollte sich damit nicht übereilen. „Nein, ich werde erst nachsehen,“ sprach sie, „ob ein Todtenkopf darauf ist oder nicht.“ Denn sie hatte mehre hübsche Geschichten gelesen von Kindern, die sich verbrannt hatten oder sich von wilden Thieren hatten fressen lassen, und in andere unangenehme Lagen gerathen waren, nur weil sie nicht an die Warnungen dachten, die ihre Freunde ihnen gegeben hatten; zum Beispiel, daß ein rothglühendes Eisen brennt, wenn man es anfaßt; und dass wenn man sich mit einem Messer tief in den Finger schneidet, es gewöhnlich blutet. Und sie hatte nicht vergessen, daß wenn man viel aus einer Flasche mit einem Todtenkopf darauf trinkt, es einem unfehlbar schlecht bekommt.
Diese Flasche jedoch hatte keinen Todtenkopf. Daher wagte Alice zu kosten; und da es ihr gut schmeckte (es war eigentlich wie ein Gemisch von Kirschkuchen, Sahnensauce, Ananas, Putenbraten, Naute und Armen Rittern), so trank sie die Flasche aus. Zum Rest des Beitrags »
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