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	<title>Lesen was klüger macht</title>
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		<title>Red-Bull-Kapitalismus</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 11:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Red Bull ist mehr als ein Getränk, ein Energiespender, ein Lebensgefühl. Ja, es ist mehr als nur ein Produkt. Es verkörpert die aktuellste Form des Kapitalismus
Getränke eignen sich als Prophezeiungen des jeweils neuesten Stadiums des Kapitalismus besonders gut. In ihnen sind die Aspekte von Lebens- und Genussmittel, Differenz und Mainstreaming, Image und Illusion besonders ausgeprägt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Red Bull ist mehr als ein Getränk, ein Energiespender, ein Lebensgefühl. Ja, es ist mehr als nur ein Produkt. Es verkörpert die aktuellste Form des Kapitalismus</span></p>
<p>Getränke eignen sich als Prophezeiungen des jeweils neuesten Stadiums des Kapitalismus besonders gut. In ihnen sind die Aspekte von Lebens- und Genussmittel, Differenz und Mainstreaming, Image und Illusion besonders ausgeprägt – und das umso mehr, als sich die Welt gerade das Rauchen abgewöhnt. Die meisten von ihnen kokettieren damit, mehr als ein Getränk zu sein, Lifestyle und Lebensfreude auszudrücken oder auch einen besonderen Status zu haben: die legale Droge. Wenn im Folgenden also vom verflüssigten Kapitalismus im weiteren Sinne und den Red-Bull-Kapitalismus im engeren Sinne die Rede ist, dann um zu beschreiben, wie die Macht vom Produzenten auf den Distribuenten übergegangen ist.<span id="more-41323"></span></p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">1. Die neue Ware ist zu großen Teilen virtuell</span></p>
<p>Wer vom Kapitalismus spricht, muss von Konstanten und Variablen reden, möglicherweise auch von Transformationen. Denn was wir „Krise“ nennen oder doch plural „Krisen“ – wir haben sie geordnet in Immobilienkrisen, Bankenkrisen, Schuldenkrisen und so weiter – ist ja vielleicht nichts anderes als ein Symptom der Veränderung. Der Produktionskapitalismus spaltet sich nach dem Ende seiner Produktivität offensichtlich in einen Finanzkapitalismus, wie er sich derzeit so heftig zeigt, und in einen Distributionskapitalismus, vor dem nicht allein die wirklichen Produzenten, die Bauern zum Beispiel, sondern auch das Produzierte zittern muss. An der stets noch zunehmenden Macht von Lebensmittel- und Pharmakonzernen, Discountern und globalen Playern der Grundversorgung ist abzusehen, dass sich die „neuen“ Waren nicht in sozialen Diskursen verwirklichen, sondern als soziale Diskurse. Die neuen Waren erfüllen nicht mehr allein die Wünsche nach Ess- und Trinkbarem, nach tragbarer Kleidung und zuträglicher beziehungsweise erträglicher Medizin, sie definieren bereits, was essbar und trinkbar, was Gesundheit und Krankheit, was be- oder verkleidet ist. Die neue Ware will das Leben selbst sein, und sie kann das vor allem, weil sie zu großen Teilen virtuell ist.</p>
<p>Wo die Ware indes weitgehend virtuell geworden ist, erhalten womöglich auch die Produktionsmittel einen völlig neuen Charakter. Zunächst begannen sie ihren nomadischen Zug durch die Welt, immer auf der Suche nach billigen Arbeitskräften und günstigen Standortbedingungen wie schwache und korrupte oder komplizenhafte Regierungen, steuerliche Begünstigungen, preiswerte Infrastruktur und so weiter. Doch die Beutezüge des nomadischen Produzierens kommen an ihre Grenzen. Ist der Kapitalismus einmal um die Welt gezogen, sind auch die Differenzen eingeebnet, die für die Dynamik ausschlaggebend waren. Deshalb bietet sich im Medienkapitalismus eine neue Art des Produzierens an, die an die reale Existenz der Ware gar nicht mehr gebunden ist. Je virtueller die Waren, je fiktiver, politischer oder taktischer die Preise, desto mehr wird die Macht der Distribuenten gestärkt und die der eigentlichen Produzenten beschränkt. Nicht wer etwas herstellen kann, erzielt den größten Profit, sondern wer die Hände in der Verteilung hat. Wie in der Finanzwirtschaft wächst auch in der sogenannten Realwirtschaft der Handel mit Dingen, die man gar nicht hat, oder auch mit Dingen, die es gar nicht gibt. Man handelt also mit Versprechungen, mit sozialen Identifikationen, mit Zeichen und Mythen, in denen die wirkliche Ware nur noch letzte haptische Verwirrung der Sinne ist.</p>
<p>Die Ware selber besteht im verflüssigten Kapitalismus nun nicht mehr in einem bestimmten Ding, sondern in einem Komplettangebot aus „Rezeptur“, Marken-Image, Vermarktungsstrategie und der Verknüpfung mit sozialen Events. Coca-Cola hat diese Strategie des verflüssigten Kapitalismus einst vorgemacht, und nicht zufällig gelang diesem einst kokain-, nun nur noch koffein-haltigen Getränk, der größte Sprung nach vorn durch einen Krieg, den Zweiten Weltkrieg. Jeder amerikanische Soldat hatte das Recht auf eine Flasche Coca-Cola, wo immer er auch war, und Coca-Cola, eins, zwei, drei, war das erste große Geschenk an die Befreiten. Die Ware war indes nicht eine in alle Welt verkaufte braune Brühe, es waren die Ware und ihre furchtbar geheime Rezeptur. So entstand die Marke.</p>
<p>Bis heute hat sich selbst diese Übereinstimmung aufgelöst. Während Coca-Cola überall auf der Welt annähernd gleich schmecken sollte, enthält eine Dose Bier, auf der die Marke „Löwenbräu“ prangt, je nach Konsumort sehr, sehr unterschiedliche Flüssigkeiten. Das weiß jeder, der in den USA einmal zu einem „original“ Löwenbräu eingeladen wurde. Mit der Bionade entwickelte man vor einigen Jahren in Deutschland ein Getränk, das Gegenwärtigkeit und sogar Dominanz innerhalb von sozialen Bewegungen und Jugendkulturen erringen konnte. Auch hier wurde der mythische Zusammenhang zwischen Produktion (ein „Familienbetrieb“ jenseits der Konzerne) und Produkt rasch aufgelöst. Auf drei sehr unterschiedliche Arten gelangen diese drei Getränke zum gleichen Ziel, nämlich in bestimmten gesellschaftlichen Situationen, die Dominanz der Diskurse zu begleiten: kein Pop-Konzert ohne Coca-Cola, keine bavarian gemutlichkeit ohne Löwenbräu, kein Klönschnack unter Alternativen ohne Bionade.</p>
<p><span style="color: #800000; font-size: medium;">2. Taurin ist das Kokain des kleinen Mannes</span></p>
<p>Die Entwicklung von Coca-Cola zur Bionade besteht nicht zuletzt darin, dass man von der Begleitung von Diskurs und Spektakel zur Beteiligung übergegangen ist. Die nächste Phase besteht zwangsläufig darin, dass die flüssige Ware Diskurs und Spektakel selbst erzeugt. Ein Beispiel bietet Red Bull, was ursprünglich eine Art von Brauselimonade mit irgendeinem Energie-Zusatz von Koffein und Vitamin und einem mehr oder weniger geheimnisvollen Zusatzmittel namens Taurin war, das in einer eigenwilligen Werbekampagne einen neuen Markt-Auswuchs bildete. Aufschlussreich schon die Entstehungsgeschichte der Marke: Taurin als Wirkstoff in einem Getränk entstammt, wiederum nicht zufällig, nehmen wir an, einer Entwicklung des Krieges: Im Zweiten Weltkrieg wurden die japanischen Piloten damit versorgt, weil man glaubte, dadurch Leistung und Einsatzbereitschaft zu erhöhen.</p>
<p>Der Slogan „Red Bull verleiht Flügel“ bekommt hier eine makabre Nebenbedeutung. Und auch der Stier im Namen hat nicht nur eine symbolische Bedeutung von Kraft: Die Substanz, die seit dem Jahr 1824 bekannt ist, wurde aus Ochsengalle gewonnen und erhielt mittels einer Ableitung vom griechischen „tauros“ (= Stier) ihren Namen. Einerseits: Würg! Andererseits: eine ungeheure mythische Aufladung eines Brausegetränks bis in die Tiefen der Konstruktion von männlicher Kraft und gar „übermenschlichen“ Fähigkeiten.</p>
<p>Mittlerweile wird das Taurin in den Energy Drinks natürlich synthetisch hergestellt und kann auch pur bezogen werden, 100 Gramm kosten etwa acht Euro. Laut Anbieter Energize Your Life möchte das weiße Pulver durchaus ein wenig wie das Kokain des kleinen Mannes wirken (das Sprachzentrum scheint schon mal angegriffen): „Ähnlich wie Koffein hat Taurin dieselben Auswirkungen auf den Körper. Jedoch steigert und beschleunigt Taurin die Wirkung von Koffein. Müdigkeit wird überdeckt, Konzentrationsfähigkeit gesteigert. Leichte Kopfschmerzen können verschwinden. Die Wirkungen sind unter anderem abhängig von der Dosis, den Gewöhnungseffekten, Stoffwechselfunktionen sowie vom psychischen Zustand des Menschen. Unter anderem wird Taurin für die Fettverdauung, die Aufnahme fettlöslicher Vitamine, die Regulierung des Blutcholesterinspiegels gebraucht. Ebenso kann der Körper bei übermäßigem Alkoholkonsum Taurin nicht mehr richtig verwerten und sollte daher ergänzt werden.“ Mit anderen Worten: Man kann mehr fressen, ficken und saufen und schläft auch beim Fernsehen nicht mehr so schnell ein, während man von Disco-Queens und Extremsport träumt.</p>
<p>Tatsächlich scheint es das Werbeziel bei etlichen Anbietern von Energy Drinks zu sein, immer jüngere Zielgruppen zu erreichen, etwa indem Verpackung und Design besonders „kindgerecht“ gewählt werden. Dem Aspekt der legalen Droge wird immerhin so weit Rechnung getragen, als auf einer Red-Bull-Dose der Hinweis zu lesen ist: „Nicht empfohlen für Kinder, Schwangere und koffeinempfindliche Personen. In moderaten Mengen konsumieren.“</p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">3. Was zählt, ist die Distribution</span></p>
<p>Auch die Back-Story liefert ihren Beitrag zum Wert der flüssigen Ware: Der „Erfinder“ von Red Bull, Dietrich Mateschitz, brachte die Idee 1982 von einem Besuch in Thailand mit, wo ein Getränk namens „Krating Daeng“ angeboten wird, unter anderem, um die Folgen des Jetlag zu überwinden. 1987 wurde Red Bull zunächst auf dem österreichischen Markt getestet und fand schnell Anklang insbesondere unter Jugendlichen, in deren Szenen man durch einen Mix aus Werbung, PR, Image-Produktion und „Guerilla Marketing“ einen nachhaltigen Effekt auslöste. Red Bull wurde zu einem Bestandteil der Techno- und Snowboarding-Szene, immer unter dem Versprechen, Ausdauer, Energie und „Spaß“ zu befördern.</p>
<p>Der „Red Bull Energy Drink“, meist auch nur Red Bull genannt, besteht hauptsächlich aus Wasser, Zucker (Saccharose, Glucose), Glucuronolacton, Koffein (im Maß etwa einer Tasse Kaffee) und besagtem Taurin sowie zugesetzten Vitaminen. Gegenüber dem thailändischen Krating Daeng wurde die Rezeptur moderat verwestlicht. Das Angebot wurde außerdem um eine zuckerfreie Variante erweitert, neben der 250ml-Dose existieren auch größere Behältnisse wie etwa seit 2008 die 330ml-PET-Flaschen für die Discounter. „Special Editions“ bieten Geschmacksverbindungen etwa mit Heidelbeere und Limette. In der Szene wird der Energy Drink unter dem Namen „Flügerl“ mit Wodka gemischt, manchmal heißt der Longdrink auch „Vodka Energy“ oder „Ferrari“ (mit rotem Wodka).</p>
<p>Im Jahr 2010 hatte Red Bull trotz Nachahmungen nach eigenen Angaben noch einen Anteil von 90 Prozent bei den Energy-Getränken in der Gastronomie. Es gilt als eines der erfolgreichsten neu eingeführten Markenprodukte des neuen Jahrhunderts. Ob es eine Leistungssteigerung auch nur für Augenblicke gibt oder nicht, ist umstritten; immerhin scheinen einige Versuche, eine anaerobe Leistungssteigerung nicht auszuschließen. Da das Getränk bei der Einführung in verschiedenen Ländern auf gewisse Beschränkungen – in Frankreich gar auf ein Verbot (bis im Jahr 2008 wurde dort das Taurin durch Arginin ersetzt; später wurde aber auch das taurinhaltige Getränk zugelassen), umweht immer ein Hauch von „Droge“ das Getränk, was allen Warnungen zum Trotz (in Ländern wie Kanada sogar auf den Dosen angebracht) insbesondere in Verbindung mit Alkohol (gegen Müdigkeit) Red Bull zum idealen Event- und Partygetränk machte.</p>
<p>Red Bull ist gewiss ein überteuertes Produkt, durch seine Werbekampagnen, Sponsor-und Event-Aktivität bleibt es gleichwohl ungebremst erfolgreich. Neben klassischen Sponsor-Auftritten entstanden ganz eigene Events wie das „Red Bull X-Fighters“ (Freestyle Motocross Rennen) oder die „Red Bull Air Race Series“. In der Formel 1 ist man mit Red Bull Racing und Scuderia Toro Rosso gleich mit zwei Teams vertreten. Die von Red Bull initiierten Extremsportarten forderten im Jahr 2009 bei den „Basejumpern“ zwei Todesopfer, was zu einer Abmilderung der Strategie führte und unter anderem zum Sponsoring klassischer Sportarten wie Fußball, darunter beim RB Leipzig und dem FC Red Bull Salzburg.</p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">4. Es geht um die Red-Bullisierung der Kultur</span></p>
<p>Es gibt im Grunde keine Red-Bull-Fabrikationsstätte; die Limonade wird bei mehreren Getränkefirmen erzeugt. Was zählt, ist nicht mehr der Besitz der Produktionsmittel, die man im globalen Spiel auch ohne Weiteres von einem Wirtschafts- und Rechtsraum in den anderen verlagern kann. Was zählt, sind „Marken“, Copyrights und Kampagnen, was zählt, ist eine wie auch immer erzeugte Dominanz in der Distribution.</p>
<p>Der entscheidende Impuls für eine Distributionsdominanz in Postdemokratie und Neoliberalismus ist die Verknüpfung eines (mehr oder weniger virtuellen) Produkts mit den Sphären der Freizeit und der Medien, aber auch mit anderen kontrollierbaren und übernehmbaren „Events“ und Institutionen wie Kunst, Pop und sogar Medizin, Politik und Bildung – kurz gesagt: die Blödmaschinen. Die Dominanz kann sich auf dem Freizeit- und Kulturmarkt realisieren, weil sie zu Blödmaschinen geworden sind, und umgekehrt werden Medien, Spektakel und „kulturelle“ Institutionen zu Blödmaschinen, weil sie sich für die Herstellung und Festigung der Distributionsdominanz oligarchischer Interessen zu Beihelfern machen lassen. Die Medien sind nicht einfach „Opfer“ von Ökonomisierung und Privatisierung, sondern sie sind Teil der Wandlung des Produktions- in den Distributionskapitalismus. Daher geht es eben nicht allein um die „Kultivierung“ einer Marke wie „Red Bull“, sondern vielmehr um die Red-Bullisierung kultureller Institutionen. Kreativität wird nicht nur auf eine Weise von den Marken-Kampagnen benutzt, um positive Konnotationen zu schaffen wie in der klassischen Werbung, sondern direkt der Marke unterworfen, so wie künstlerische Kreativität, körperliche Leistung et cetera einstmals „der Ehre Gottes“ (oder doch der Macht der Kirche) unterworfen wurden. Und aus dem Zeichen der dominanten Marke wird ein Dominanzzeichen, wozu sich natürlich das Bild eines roten Stieres besonders gut eignet, da es ja zu keinem anderen Zweck erfunden wurde, als Dominanz auszudrücken.</p>
<p>Der rote Stier zeigt sich nicht nur als Sinnbild gebündelter Energie – unübersehbar immer wieder die Blut-Metapher in diesem rot, sondern vor allem auch als Wesen der massiven Konkurrenz. Man hält länger durch als die anderen, gleichgültig, ob es sich dabei um Sport, Tanz, Sex oder soziale Performance handelt. Dafür ist man nicht nur bereit, einen höheren Preis zu zahlen, sondern auch dazu, sein Leben unter das Zeichen des roten Stieres zu stellen, und das schließt, wie erste zaghafte medizinische Einwände (und hier und dort Warnhinweise, von dem Stoff nicht zu viel zu sich zu nehmen und eine Vermischung mit Alkohol zu unterlassen, was natürlich einer Aufforderung zu eben diesem gleich kommt) meinen, den Raubbau an der eigenen Gesundheit mit ein.</p>
<p>So wird der rote Stier zum Sinnbild der Rücksichtslosigkeit gegenüber den anderen und sich selbst, freilich nicht in der Sphäre der Produktion, der Karriere und der sozialen Auseinandersetzung, die sorgfältig ausgeblendet werden, sondern in der Sphäre des bedeutungslosen Genusses, der stets neu erfundenen „Extremsportarten“, der „depolitisierten“ Variante von Musik und Street Art, des unverbindlichen Miteinanders der Klassen, Rassen und Geschlechter, wenn auch mit einer strikten Betonung der Jugendlichkeit. Red Bull ist die Marke des Spektakels im Neoliberalismus – und als solche im Wesentlichen nichts anderes als ein käuflicher Wirklichkeitsrest. Der Eintritt in eine virtuelle Welt, einen Kult-Raum der angestrengten Nichtigkeiten. Während ich mit Coca-Cola in die Welt kam, mir Bionade ein gutes Trinkgewissen verschaffte, und Löwenbräu-Bier erlaubte Regression signalisiert, ist Red Bull eine Welt für sich, ein legal high des positiven Denkens.</p>
<p><span style="color: #800000; font-size: medium;">5. Die Ware bezeichnet keinen Sinn. Sie ist der Sinn</span></p>
<p>Die kulturelle Dominanz-Sphäre, die Red Bull schafft – eine synthetische „Subkultur“ unter anderem – ist nie wirklich unpolitisch. In ihr modellieren sich nicht nur soziale Strategien und Abhängigkeitsverhältnisse, sondern es wird Dominanz als Wesensform gesellschaftlicher Aktivität konstruiert. Diese vernetzte Dominanz ist die neue Form von Herrschaft. Weder sichtbare Macht noch Kontrolle, stattdessen Dominanz als Gegenwärtigkeit, als Korruption von Sprache und Code, als Anschlussfähigkeit der Subdominanten. Auch die großen Konzern-Discounter „herrschen“ nicht, sondern sind „nur“ dominant, indem sie kulinarische, modische, technische und soziale Diskurse bestimmen, nicht in Befehls-, sondern in Verlaufsform.</p>
<p>Doch während die „realen“ Distribuenten noch Gebäude besetzen und Menschen anziehen müssen, ist ein virtueller Distribuent wie Red Bull, der Idee, Haltung oder Strategie verkauft, an der die Ware noch hängen muss, darauf nicht mehr angewiesen. Er vermag die Menschen zu dominieren, wo sie sind.</p>
<p>Haben wir je in einem Lidl-Geschäft ein politisches Gespräch gehört? Wohl aber haben wir erstaunt zur Kenntnis genommen, dass dies ein Ort ist, an dem man gern und keinesfalls allzu leise Details aus seiner sexuellen, medizinischen und beruflichen Biografie kommuniziert. Diese Sphäre ist auch in dieser Hinsicht mit einer neuen Kirche verwandt (so wie jedes Red Bull-Event eine Art Feldgottesdienst darstellt). Es ist ein direktes Andocken der „biografischen Einheit“ an einen semantisch mit Dominanz-Zeichen ausstaffierten sozialen Raum. Die Vielfalt der Waren täuscht hier so wenig über die Dominanz, wie in einer der alten Kirchen die Vielfalt von Heiligen über die Dominanz des Meta-Zeichens hinwegtäuschen wollte. So wird die virtuelle Ware à la Red Bull zum Transformationsmittel zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen, dem Sozialen und dem Körperlichen, kurz zur Nachfolge dessen, wofür einst Religion und dann Kultur zuständig war.</p>
<p>Darüber hinaus entstehen neue Formen der Dominanz. Red Bull und seine Distribution ist ein Beispiel dafür, wie eine Ware andere Güter infiziert, um über die Kette von Nutzwert, Tauschwert, Sozialwert und Sinnwert noch hinauszugelangen: Man besetzt in gewissem Sinne ganze Lebenssphären beziehungsweise erfindet eine Form von „Lebensqualität“. Es entsteht also neben der Dominanz einer Person, einer Firma, eines Zeichens (wie Coca-Cola) die Dominanz eines Lebenskonzepts inklusive aller vorherigen Elemente der Dominanz: Red Bull bezeichnet keinen Sinn, sondern ist ein Sinn; er drückt nicht ein „Lebensgefühl“ aus, sondern tritt an seine Stelle.</p>
<p>Wenn Coca-Cola die Brause war, die sich den Stars lustvoll unterwarf, so ist Red Bull die Ware, die selber zum Star geworden ist und die sich die Stars lustvoll unterwirft. Anders gesagt: Red Bull ist die Marke, die die „Stars von Morgen“ macht. Eine einzige gewaltige Casting Show, in der Red Bull das Brandzeichen des Erfolges darstellt.</p>
<p><em>Georg Seeßlen</em></p>
<p><em>erschienen in FREITAG (19.01.2012)</em></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/red-bull_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41328" title="red bull_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/red-bull_680.jpg" alt="" width="680" height="339" /></a></p>
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		<title>Dame, König, As, Spion (ab 02. Februar)</title>
		<link>http://www.getidan.de/kritik/film/peter_claus/41304/dame-konig-as-spion-ab-02-februar</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 17:18:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Filmspiegel]]></category>
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		<description><![CDATA[
Seit Jahrzehnten gehört John le Carré zu den Erfolgsautoren im Genre-Thriller. Sein Hauptthema: der Kalte Krieg. Doch der ist aus. Bedeutet dies auch das „Aus“ für die Romane? Mitnichten. Das beweist die Verfilmung von „Dame, König, As, Spion“, ein meisterliches Bild Europas der 1970er Jahre, das auch Schlaglichter auf die Gegenwart wirft.
Der schwedische Regisseur Tomas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41313" title="bube_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Seit Jahrzehnten gehört John le Carré zu <em>den</em> Erfolgsautoren im Genre-Thriller. Sein Hauptthema: der Kalte Krieg. Doch der ist aus. Bedeutet dies auch das „Aus“ für die Romane? Mitnichten. Das beweist die Verfilmung von „Dame, König, As, Spion“, ein meisterliches Bild Europas der 1970er Jahre, das auch Schlaglichter auf die Gegenwart wirft.</p>
<p>Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson hat sein US-Debüt mit der Präzision eines altmodischen schweizer Uhrwerks inszeniert. Sämtliche Szenen sind in sich klug arrangiert und genauso klug miteinander verwoben. Das damit geschaffene Gespinst aus Lüge und Verrat bekommt so eine wahrlich mörderische Dichte. Kameraführung, Ausstattung und Musik unterstützen das prächtig. Die sepia-getönten Tableaus in schönstem <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41314" title="bube_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>Breitwandformat werden vom üppigen Soundtrack geradezu umschmeichelt. Der Zeitgeist von vor etwa vierzig Jahren feiert auf geradezu unheimliche Art seine Wiederauferstehung.</p>
<p>Ost und West in Konkurrenz: Spione hier, Agenten da, von den eigenen Leuten jeweils als Helden gefeiert, von den anderen verteufelt. Der Kalte Krieg kannte keine Gnade. Aber er kannte Schlupflöcher für die Demokratie. Da passt die hier erzählte Geschichte von der verzweifelten Suche nach einem Doppelagenten wie die Faust aufs Auge. Tomas Alfredson folgt der Vorlage von John le Carré, wenn er sein Augenmerk auf den Ungeist richtet, der alles Tun der Protagonisten bestimmt. Moralische Wertungen bleiben dabei aus. Was den Gänsehauteffekt noch verstärkt. Je mehr die Handlung voranschreitet, umso mehr beschleicht einen das ungute Gefühl, auch heutigentags ist nichts sicher, was uns die politischen Hüter von Staatsräson und -ordnung als sicher anpreisen, nichts ist wirklich weiß, was uns weiß gemacht wird.</p>
<p>Die Erzählung begeistert neben aller Spannung, die aus der Suche nach dem „Bösewicht“ resultiert, insbesondere durch die vielen Szenen, in denen der Kampf der Anti-Helden wie ein Ballett der Blicke und ein Gemetzel der Gesten wirkt. Lautstarke Action haben die Männer an den unsichtbaren Fronten der rivalisierenden Geheimdienste immer vermieden, und der Film vermeidet sie also auch. Selten gab es einen Thriller, in dem das <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_320_2.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41315" title="bube_320_2" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/bube_320_2.jpg" alt="" width="320" height="212" /></a>lauernde Misstrauen von jedem gegen jeden derart intensiv zu spüren war, ohne dass es erklärender Worte oder ausufernder Materialschlachten bedarf. Auch das lässt einen Gruseln: Hört und sieht man das, fragt man sich sofort, ob die letzte Beurteilung, die man bekommen hat, nicht doch mit heimlichen, von einem selbst nicht zu entschlüsselnden Informationen Gespickt war.</p>
<p>Der jugendlich wirkende Benedict Cumberbatch als Peter Gilliam und der gestandene Gary Oldman in der Rolle des George Smiley führen das mit aufregender Gelassenheit agierende Schauspielensemble an. Populäre Akteure wie Colin Firth und Ciarán Hinds unterstützen sie mit nicht unbedingt großen, aber äußerst wirkungsvollen Auftritten. Sie lassen einen frösteln, wenn sie ganz locker und nebenbei beweisen, wie tödlich ein charmantes Lächeln sein kann. Und sie zeigen, dass der Kalte Krieg keine Angelegenheit war, die allein „die da oben“ betraf, sondern eine politische Katastrophe, die das Leben unzähliger so genannter kleiner Leute auf oft dramatische Weise geprägt hat.</p>
<p>Die Verfilmung des 1974 veröffentlichten Romans beginnt übrigens mit einem inszenatorischen Coup: John Hurt, zweifellos ein Weltstar, spielt den Chef von „Circus“, wie der geheimste innere Verbund der britischen Spionage heißt. Er setzt das Geschehen in Gang. Und schon tritt er ab. Die Figur stirbt. Damit ist im Handumdrehen die Spannung angeheizt. Denn keiner im Parkett mag so recht glauben, dass ein Schauspieler vom Format eines John Hurt wirklich nur einen derartig kurzen Auftritt absolviert. Jeder rechnet damit, dass hier die erste Finte gelegt wurde, und der populäre Akteur irgendwann noch einmal mit sardonischem Lächeln auf der Spielfläche erscheint. Ob diese Erwartung erfüllt wird, sei hier selbstverständlich nicht verraten. Aber deutlich gesagt sei, dass dies nicht die einzige trickreiche Überraschung der exzellenten Literaturverfilmung ist!</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>Dame, König, As, Spion</strong>, von Tomas Alfredson (Frankreich, England, Deutschland 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Studiocanal</em></p>
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		<title>Die Summe meiner einzelnen Teile (ab 02. Februar)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 17:13:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Claus</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Der Autor und Regisseur Hans Weingartner, der vor elf Jahren mit „Das weiße Rauschen“ bekannt wurde, der Physik und Neurowissenschaften studiert hat, erzählt in expressiven Bildern vom Mathematiker Martin (Peter Schneider), den ein Burn out umhaut. Nach einer Zeit in einer psychiatrischen Klinik will er wieder „normal“ leben. Doch die Umstände, die sind nicht so. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/summe_680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41307" title="summe_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/summe_680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p>Der Autor und Regisseur Hans Weingartner, der vor elf Jahren mit „Das weiße Rauschen“ bekannt wurde, der Physik und Neurowissenschaften studiert hat, erzählt in expressiven Bildern vom Mathematiker Martin (Peter Schneider), den ein Burn out umhaut. Nach einer Zeit in einer psychiatrischen Klinik will er wieder „normal“ leben. Doch die Umstände, die sind nicht so. Erst die Freundschaft mit einem kleinen Jungen <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/summe_320.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41308" title="summe_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/02/summe_320.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>(Timur Massold), der nur russisch spricht, bringt ihn wieder auf die Beine – aber nicht unbedingt in die normierte gutbürgerliche Gesellschaft zurück.</p>
<p>Der Zusammenhang und das Wechselspiel von Einzelschicksal und Gesellschaft wird höchst spannend beleuchtet. Der Film zeigt sehr genau, tatsächlich schmerzlich, wie schwer es der Einzelne heutzutage im Bannstrahl eiskalten globalen Profitstrebens hat. Die kluge Erzählung bietet einige Überraschungen, was die Spannung zusätzlich anheizt. Das Entscheidende: Weingartner fühlt sich der Wahrhaftigkeit verpflichtet. Da haben falsche Töne, hat pure Effekthascherei, keine Chance.</p>
<p>Hauptdarsteller Peter Schneider konnte während des Drehens viel improvisieren, ausprobieren, die Dialoge mit gestalten. Das trägt natürlich wesentlich zum Eindruck von großer Authentizität bei. Was aber auch verstörend wirkt. Man gewinnt manchmal fast den Eindruck, eine Dokumentation zu sehen.</p>
<p>Hans Weingartner schließt mit diesem Film an „Das weiße Rauschen“ an, stilistisch und inhaltlich. Mit dem Finale (das hier nicht verraten werden kann) provoziert der Film viele Fragen, die einen dazu bringen, über die eigene Konstitution nachzudenken. Was wiederum den Mut anheizt, sich gegen die allgemeine Uniformität des Lebens zur Wehr zu setzen. Bravo!</p>
<p><em>Peter Claus</em></p>
<p><em><strong>Die Summe meiner einzelnen Teile</strong>, von Hans Weingartner (Deutschland 2011)</em></p>
<p><em>Bilder: Wild Bunch</em></p>
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		<title>Kleinigkeiten aus dem Georg Seesslen Blog</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 18:37:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Jede Hoffnung auf Aufklärung basiert auf der Annahme, dass die Ordnung einer Gesellschaft nicht identisch ist mit der Ordnung des Denkens (in ihr). Man mag das umkehren: Um Aufklärung zu verhindern muss die Ordnung der Gesellschaft mit der Ordnung des Denkens gleichgesetzt werden. Wie man in der Science Fiction weiß: Das beste Mittel, eine solche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/costa300.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41296" title="costa300" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/costa300.jpg" alt="" width="300" height="402" /></a>Jede Hoffnung auf Aufklärung basiert auf der Annahme, dass die Ordnung einer Gesellschaft nicht identisch ist mit der Ordnung des Denkens (in ihr). Man mag das umkehren: Um Aufklärung zu verhindern muss die Ordnung der Gesellschaft mit der Ordnung des Denkens gleichgesetzt werden. Wie man in der Science Fiction weiß: Das beste Mittel, eine solche Übereinstimmung zu erzielen, ist die Virtualisierung der gesellschaftlichen Prozesse, bis zu jenem Grad, wo zwischen dem Symbol und der Handlung kein Unterschied gemacht wird. Die Praxis der sozialen Übereinstimmung ist nicht nur wichtiger, sondern vor allem „wirklicher“ als die Wirklichkeit, die man mit einem Akt des einfachen Denkens erkennen könnte. Die Maschinen zur Rechtfertigung sind mächtiger als das zu Rechtfertigende erscheint, und so kehrt sich um, was Bronislav Malinovski einst zum Mythos schrieb, nämlich dass er ins Spiel gebracht werden, „wenn Ritus, Zeremonie oder eine soziale oder moralische Regel Rechtfertigung verlangt“.</p>
<p>Nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffs vor der italienischen Küste beobachten wir vor allem eins: eine ungeheure Zunahme von Reklame für Kreuzfahrten. Das könnte man zunächst als hysterische, ökonomische Reaktion der Branche abtun, als propagandistische Übertünchung des Unglücks und der damit verbundenen Kritik an den Unternehmungen selber. Aber es handelt sich offenbar um mehr: Die symbolische Ordnung wird wieder hergestellt, die durch das Bild des umgekippten Schiffes gestörte Ornamentik einer Welt-Erfahrung buchstäblich wieder aufgerichtet. Natürlich verzichtet man auch nicht auf die „Traumschiff“-Phantasien des Fernsehens. Kurzum: die Traumschiffe sind wichtiger als reale Havarien. So wie die Jury des Dschungelcamps „entscheidender“ ist  als das Parlament.</p>
<p>Es wird also nicht mehr „gerechtfertigt“.  Vielmehr geht es um die Besetzung der Wahrnehmungsfelder. Sie macht, dass es zwischen der Ordnung des Denkens und der Ordnung der Gesellschaft einen Bereich gibt, der von Aufklärung nicht mehr zu durchqueren ist. Traumschiffe kentern nicht. Es gibt keine Klimakatastrophe und keinen Oil Peek, indes Lust und Zwang, den Traum zu „verwirklichen“. Hatte man einst den Mythos, die Wirklichkeit zu erklären, so nun eine Wirklichkeit, den Traum zu rechtfertigen. Die beiden Aspekte des Mythos, die in den unterschiedlichsten Theorien immer wieder aufeinander treffen, der Mythos als Wunscherfüllung (das Traumschiff) und der Mythos als (apokalyptisches) Abbild der Welt (der Untergang), vereinen sich („Titanic“ als globalen industriellen Mythos hatten wir ja schon); ist der reale Untergang eine Episode des „Traumschiff“-Mythos, oder ist das Traumschiff eine Episode des Mythos vom Untergang? Nichts jedenfalls deutet darauf hin, dass wir der Traumschiffhaftigkeit unserer Ordnung von Welt und Gesellschaft derzeit etwas entgegen zu setzen beabsichtigen.</p>
<p><em>Georg Seeßlen</em></p>
<p><em>Bild: Costa Kreuzfahrten Mittelmeer Kundenmagazin Abenteuer und Reisen via <a href="http://www.horizont.net/kreation/magazine/pages/protected/show-380107.html" target="_blank">horizont.net</a></em></p>
<p><em>Weitere Kleinigkeiten im Georg Seeßlen Blog DAS SCHÖNSTE AN DEUTSCHLAND IST DIE AUTOBAHN <a href="http://www.seesslen-blog.de/2012/01/31/kleinigkeiten-15/" target="_blank">mehr lesen </a></em></p>
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		<title>31. Januar 2012</title>
		<link>http://www.getidan.de/kolumne/labyrinth/guido_rohm/41267/31-januar-2012</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 10:48:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Guido Rohm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Im Labyrinth des GR]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[
Die Kälte hält Einzug, die Kälte zieht um die Häuser, wirft Frost in die Ecken, auf die Scheiben. Und dann stehen sie vor ihren Autos, kratzen, tausend Lehrer wollen ihre Tafeln wischen. Die Motoren laufen, dampfen. Rasch rauchen sie ihre Zigaretten. Tippeln auf der Stelle, als müssten sie aufs Klo. Warten. Rauchen. Steigen ein. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Blick-auf-den-Fluß.680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41270" title="Blick auf den Fluß.680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Blick-auf-den-Fluß.680.jpg" alt="" width="680" height="510" /></a></p>
<p>Die Kälte hält Einzug, die Kälte zieht um die Häuser, wirft Frost in die Ecken, auf die Scheiben. Und dann stehen <em>sie</em> vor ihren Autos, kratzen, tausend Lehrer wollen ihre Tafeln wischen. Die Motoren laufen, dampfen. Rasch rauchen sie ihre Zigaretten. Tippeln auf der Stelle, als müssten sie aufs Klo. Warten. Rauchen. Steigen ein. Die Scheibenwischer hängen. Wieder raus, kratzen, tausend Lehrer wollen ihre Tafeln säubern.</p>
<p>Ich sitze und starre, bin krank, erkältet, greife nach einem Papiertaschentuch, schnäuze mich. Schon segelt das Tuch zu Boden. Viele weiße Vögel, die kümmerlich zu meinen Füßen liegen, ermordet am helllichten Tag von meiner Nase. Böse, böse Nase.<span id="more-41267"></span></p>
<p>Will schreiben, kann nicht schreiben, erbreche mich aufs virtuelle Papier, kotze einen Fleck nach dem anderen in den Schnee vor meinen Augen.</p>
<p>Der Papierschnee gleicht bald dem Schnee dort draußen, der &#8211; schwarz und rußig &#8211; Ekel auslöst.</p>
<p>Jetzt steigen die Männer in ihre Autos. Haben ganze drei Zigaretten geraucht. Die Welt ist Schall und Rauch. Sie fahren hin, wohin auch immer, folgen kann ihnen nur meine Fantasie, die nicht folgen will, die dem Vogel im Käfig lauscht und dem Tippen der Finger, dem Schnaufen der Nase, die sich bereits für ein weiteres Papiertaschentuch anmeldet. Schon tropft Kondenswasser auf meine Finger, ich habe ein Loch, mein Körperschiff säuft ab, und dies hier, mitten auf hoher See, mitten im offenen weiten Meer des Vormittags.</p>
<p>Ich blicke mich um, da ist nichts, nur ein Kaffeebecher. Ob der mich halten wird? Also greife ich zu. Trinke einen Schluck. Schreiben, um sich zu reiben, um warm zu werden, um Hitze zu spüren.</p>
<p>Ein Balken Sonne fällt ins Zimmer. Mitten hinein in meine Worte.</p>
<p>Ein Mail erreichte mich. Georg Klein las mein Buch, fand viele schöne Worte, warum es ihm nicht gefiel, Worte, die ich gelten lassen kann, weil sie sich mühten. Die Worte der Mail hallen in meinem Kopf nach, schlagen an die Decke, wollen bedacht sein.</p>
<p>Die Seraphe ist fort, sie ist zum Einkaufen. Einen Kuss packte sie mir auf die Lippen. Ich sitze hier und warte auf Erlösung. Die Nase tropft, die Finger tippen, suchen nach Worten, stets nach Worten, die die Welt verzaubern. Ein Spiel mit der Verkleidung.</p>
<p><em>&#8220;Nicht&#8221;, flüstert eine Stimme, &#8220;nicht pathetisch werden.&#8221;</em></p>
<p>Und weil ich nun nicht weiter weiß, rauche ich eine Zigarette, draußen auf dem Balkon, der über der Straße hängt, die ein Fluss sein könnte.</p>
<p>Hier wohne ich also, an einem Fluss fernab der Welt. Drüben auf der anderen Flussseite säumen Häuser das Ufer. Die Autos sind mir Boote, um den Fluss hinauf- und hinabzufahren. Man kann Schwimmer sehen, die für das allzu bewusste Auge Fußgänger sind. Eine Frau, die kalten Atem in die Luft schlägt, krault, bepackt mit Taschen, rasch zum anderen Ufer. Sie muss vorsichtig sein, will sie nicht ertrinken. Das Wasser ist kalt und tödlich in diesen Tagen.</p>
<p>Könnte ich darüber schreiben? Oder sollte ich weiter an dem Text arbeiten, der nur Fragment bleiben wird?</p>
<p>Ein Rauschen lässt mich zusammenzucken. Das hörte sich an, als hätte Geröll sich gelöst. War aber nur ein Rollladen, der rasch nach unten gelassen wurde.</p>
<p>Kalte Füße, kalte Gedanken, also müsste ich laufen, ich klicke mich durchs Internet. Lesen, lesen, als würde das Lesen die Füße wärmen.</p>
<p>Der Vogel, der im Käfig sitzt, quietscht. Er spricht. Immer wieder kann ich Worte hören: Spitzbub, und seit einigen Tagen: WICKED.</p>
<p>Wie kommt er nur auf dieses Wort? Ich weiß es nicht, und vielleicht spielt mir ja auch nur meine Fantasie einen weiteren Streich.</p>
<p>Flügelschläge des Vogels. Der Käfig ist eng und nicht für einen Himmelsstürmer gedacht. Sollte ich ihn in die Freiheit entlassen? Was würde ihn erwarten? Ein baldiges Sterben, wahrscheinlich, aber ich kann es nicht wissen.</p>
<p>Also rasch nach dem Kaffeebecher greifen, nach dem Balkon schielen, der nächsten Zigarette, weil ich mir damit einen Takt erschaffe.</p>
<p>Der Tag muss zu einem Musikstück werden, noch übe ich, noch suche ich nach der Melodie, auf der wir alle treiben können, die Seraphe, das Sternchen, meine Kinder aus erster Ehe, der Vogel, meine Wörter, das Schreiben.</p>
<p>Ich spitze die Lippen und übe fleißig weiter.</p>
<p><em>&#8220;Nicht&#8221;, flüstert eine Stimme, &#8220;nicht pathetisch werden.&#8221;</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Guido Rohm</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Stan Back – aus seinem Nachlass (III)</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2012 10:29:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Römer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[
Der Künstler und Musiker Stan Back ist vor drei Jahren in Costa Rica verschwunden.
&#160;
In der Hölle sonnen (Stan Back, Club der Höllen-Dichter, 2006)
(Episode aus: Schriften aus der Hölle)
Die Personen:
- Heiner Müller (der linke Theatermann des Fragments, der Montage und der Überschreibung von Klassikern)
- Christoph Maria Schlingensief (der christlich-messianische Bürgerschreck)
- Stanley Back (der ideale, weil tote [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><span style="font-size: small; color: #000000;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/StanBAck.making-faces680.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-40342" title="StanBAck.making faces680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/StanBAck.making-faces680.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></span></p>
<p>Der Künstler und Musiker Stan Back ist vor drei Jahren in Costa Rica verschwunden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">In der Hölle sonnen (Stan Back, Club der Höllen-Dichter, 2006)</span></p>
<p>(Episode aus: Schriften aus der Hölle)</p>
<p><em>Die Personen:</em></p>
<p><em>- Heiner Müller (der linke Theatermann des Fragments, der Montage und der Überschreibung von Klassikern)</em></p>
<p><em>- Christoph Maria Schlingensief (der christlich-messianische Bürgerschreck)</em></p>
<p><em>- Stanley Back (der ideale, weil tote Künstler)</em></p>
<p><em>- gelegentliche Einspielungen von Radiohack und Diktiergerät</em></p>
<p>Abstract:</p>
<p>Ein aktueller Witz über den Eintritt eines Gestorbenen in die Hölle dient als Einstiegsanekdote. Stanley Back und Heiner Müller erfahren über Radio Hellsound, dass Christoph Schlingensief gestorben ist; sofort setzen sie sich dafür ein, dass er in den atheistischen Teil der Hölle kommt.</p>
<p>Die Drei sitzen nun an einer Theke in der Hölle und sprechen über die falsche Kunst für das falsche Publikum in einer falschen Welt.</p>
<p><strong>1. Ankunft – der Witz</strong></p>
<p>Ziemlich guter Empfang hier unten. Gerade meldet Radio Hellsound den Tod des Film- und Theaterregisseurs Christoph Schlingensief. Elfriede Jelinek wird zitiert: »Er war der größte Künstler aller Zeiten.«</p>
<p>Den werden sie auf glühenden Kohlen schmoren, meint Heiner Müller mit einem tiefen Zug an seiner Zigarre, und bläst eine riesige Wolke aus, in die sich die Worte schmunzelnd einnisten.</p>
<p>Aber wir können was unternehmen, wirft Stanley Back schon zum Höllentor losgehend ein.</p>
<p>Gerade rechtzeitig am Höllenportal: Der Wächter liest Schlingensief seine Vergehen vor, und es gibt keine Hoffnung, dem christlichen Gericht zu entkommen: denn fortgesetzte Gotteslästerung – und das auch noch auf der Theaterbühne und mit Multimedia in alle Welt reproduziert – hat zweifellos ewige Höllenqualen zur Folge. Richtig, der arme Theatermann völlig geknickt, mit angeklatschten Haaren und von tiefen Kummerfalten entstellt, soll auf glühenden Kohlen schmoren.</p>
<p>Mit erstickter Stimme versucht Schlingensief sich gerade zu verteidigen, dass er schließlich mit den elend langen Leiden des Krebstodes schon genug bestraft sei. Noch bevor der Wächter ihn jedoch mit einem Tritt in das höllenheiße Portal befördern kann, intervenieren Müller und Back. Sie nehmen ihn zwischen sich mit in IHREN Teil der Hölle: Willkommen im Club der Höllen-Dichter.</p>
<p>Geblendet von gleißendem Licht, glaubt Schlingensief auf eine Bühne zu treten; doch er kann es nicht fassen: Ein weißer Strand liegt vor ihm, Menschen aus aller Herren Länder sonnen sich, spielen Beachvolleyball, tanzen johlend, schwimmen oder sitzen, Caipis schlürfend, in Strandbars und lesen sich gegenseitig vor. Überwältigt von diesem Kunstfreizeitidyll geht Schlingensief plötzlich völlig befreit von den Erdenqualen zum glasklaren Wasser, schwimmt einige Runden und schlendert den Strand auf und ab. Später trifft er – nun wieder mit hoch toupierten Haaren – auf Müller und Back in einer Strandbar.</p>
<p>CS: Das ist ja unbeschreiblich hier, wenn ich das früher gewusst hätte… wie eine grandiose Kombination von endloser Theateraufführung und Gelage. Ich war so erschrocken, als ich starb: nichts gab es mehr, nur Schwarz. Bis ihr mich geholt habt.</p>
<p>SB: Du bist hier in der Kultur-Hölle gelandet. Alles, was du siehst, ist reine Projektion. Nur Vorstellung. Jede/r erlebt etwas anders, und doch sind wir im gleichen Stadium des Nichts.</p>
<p>Man plaudert über die letzten Jahre, resümiert die politischen Ereignisse, bis Schlingensief sich irgendwann traut zu fragen:</p>
<p>CS: Habt ihr das gesehen? Was ist denn da hinter dieser großen Düne? Da werden Menschen auf Rosten gegrillt und mit glühenden Eisenstangen gequält. Kommen wir da später auch hin?</p>
<p>(HM) Ach das, meint Müller, sich mit einem notorischen Zug an der Zigarre umwendend, nö, das ist nur für die Christen, die wollen das so – bis in alle Ewigkeit werden sie gequält. Wenn wir dich nicht abgefangen hätten, wärst du auch da gelandet. Das hast du deinen kläglichen Inszenierungen »Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir« und »Mea culpa« zu verdanken. Du musst nicht denken, dass die hier nicht deine Stücke kennen. Das war nichts als Gotteslästerung, weil du einen Gottesdienst für dich selbst gehalten hast.</p>
<p>CS: Dann habt ihr mich davor gerettet, in der Hölle zu schmoren?</p>
<p>HM: Ja, obwohl du dich selbst auf der Bühne als Jesus-Christus mit allem Brimborium inszeniert hast, haben wir dich rüber geholt.</p>
<p>CS: Ich habe es als Beleidigung empfunden, dass da plötzlich klammheimlich der Krebs versuchte, mich abzuschalten. Ich dachte immer, ich bin eigentlich eine liebenswürdige Person.</p>
<p>HM: Ja, aber in deine Ministrantenzeit zu regredieren, komm schon. Wenn das Ziel des Künstlers ist, von allen geliebt zu werden, dann hast du das ja geschafft. Aber was kam dann?</p>
<p>CS: Vielleicht war ich vom Humor des Größenwahns befallen? Ja, und ich wollte mein Scheitern vorführen. <a href="http://stan-back.tumblr.com/" target="_blank">weiterlesen</a></p>
<p><em>Stan Back, <strong>©</strong> Stefan Römer, Fotograf: Franz Wanner</em></p>
<p><em>Die Texte von Stan Back werden auf diesem Blog veröffentlicht:    <a href="http://stan-back.tumblr.com/" target="_blank">stan-back.tumblr.com</a></em></p>
<p><em>Freier download des pre-release des Stücks: “2nd Class Life” auf   <a href="http://soundcloud.com/stan-back%20%20" target="_blank">soundcloud.com</a></em></p>
<p><em>Stan Back auf <a href="http://www.facebook.com/pages/Stan-Back/270542366305324" target="_blank">facebook</a></em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Fiji (Reisewelten)</title>
		<link>http://www.getidan.de/gesellschaft/michael_scholten/41211/fiji-reisewelten</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 20:18:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Scholten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Samstag, 29. September 2007
Fiji
Wir landen auf dem internationalen Flughafen von Nadi. Obgleich „Nadi“ geschrieben, wird der Städtename „Nandi“ ausgesprochen. Am Ende der Gangway spielen bunt gekleidete Fijianer Ukulele und schmettern den Besuchern ein kräftiges „Bula“ entgegen. Bastian Pastewka hat vor Jahren mal in einem Interview erzählt, dass „Bula“ auf Fiji sowohl „Willkommen“ als auch „Hallo“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #888888;">Samstag, 29. September 2007</span></p>
<p><strong>Fiji</strong></p>
<p>Wir landen auf dem internationalen Flughafen von Nadi. Obgleich „Nadi“ geschrieben, wird der Städtename „Nandi“ ausgesprochen. Am Ende der Gangway spielen bunt gekleidete Fijianer Ukulele und schmettern den Besuchern ein kräftiges „Bula“ entgegen. Bastian Pastewka hat vor Jahren mal in einem Interview erzählt, dass „Bula“ auf Fiji sowohl „Willkommen“ als auch „Hallo“ als auch „Bitte fahren Sie Ihren Wagen in Parkbucht Nummer 17“ heißen kann. Und damit hat er vollkommen Recht. Denn in den kommenden fünf Tagen höre und sage ich jede Stunde mindestens fünfzig Mal „Bula“.</p>
<div id="attachment_41216" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji001_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41216" title="Fiji001_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji001_680.jpg" alt="Die rote Handelsflagge von Fiji zeigt den Union Jack, um die Zugehörigkeit zum Commonwealth zu unterstreichen, sowie das Wappen von Fiji mit einer Friedenstaube und den wichtigsten Anbauprodukten Bananen, Zuckerrohr und Kokospalmen. Die Nationalflagge sieht genauso aufgeteilt, hat aber einen blauen Untergrund, um das Meer zu symbolisieren." width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Die rote Handelsflagge von Fiji zeigt den Union Jack, um die Zugehörigkeit zum Commonwealth zu unterstreichen, sowie das Wappen von Fiji mit einer Friedenstaube und den wichtigsten Anbauprodukten Bananen, Zuckerrohr und Kokospalmen. Die Nationalflagge sieht genauso aufgeteilt, hat aber einen blauen Untergrund, um das Meer zu symbolisieren.</p></div>
<p style="text-align: left;">Zum Glück muss ich mich im Urlaubsparadies der 330 tropischen Inseln um gar nichts kümmern, weil ich schon in Neuseeland das „Awsome Adventure“-Paket mit allen Transfers, Hotels, Mahlzeiten und Fährverbindungen gebucht habe. Kostenpunkt: 832 Neuseeland Dollar für fünf Tage und vier Nächte. Das sind rund 430 Euro. Mein Shuttlebus bringt mich zum Aquarius Fiji Hotel.</p>
<div id="attachment_41217" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji002_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41217" title="Fiji002_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji002_680.jpg" alt="Ankunft mit Air New Zealand auf dem Flughafen von Nadi. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Ankunft mit Air New Zealand auf dem Flughafen von Nadi.</p></div>
<p style="text-align: left;">Von hier soll jede Stunde ein Bus Richtung Stadtzentrum fahren. Schon auf dem Fahrplan steht ausdrücklich, dass er mal zehn Minuten früher, aber auch durchaus zehn Minuten später eintreffen kann. Man soll sich entsprechend auf diese „Fiji Time“ einstellen. Mit acht Minuten Verspätung tuckert das alte fensterlose Gefährt um die Kurve. Ich lasse mich in die verschlissenen Polster fallen. Nach 15 Minuten Fahrt durch grüne Wiesen, vorbei an Zuckerrohrfeldern und einem McDonald’s-Drive-In, der an der Einfahrt mit „Bula“ grüßt, erreiche ich die halbwegs moderne Innenstadt. Hier reihen sich nicht nur die Shops und Supermärkte aneinander, hier müssen Touristen auch erdulden, alle fünf Sekunden mit Verkaufsabsichten angequatscht zu werden. Dieser Spießroutenlauf nervt mich schnell.</p>
<div id="attachment_41218" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji003_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41218" title="Fiji003_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji003_680.jpg" alt="Der indische Einfluss in Nadi ist unverkennbar und zeigt sich auch in kunterbunten hinduistischen Tempeln. " width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Der indische Einfluss in Nadi ist unverkennbar und zeigt sich auch in kunterbunten hinduistischen Tempeln.</p></div>
<p style="text-align: left;">Ich will mich am Ende der Hauptstraße in den kunterbunten Hindu-Tempel retten. Doch der begrüßt einen am Eingang mit dem handgeschriebenen Hinweis, dass man ihn nur mit Tourguide und zum Preis von 35 Dollar besuchen darf. Fotos vom Zaun aus seien außerdem verboten. Diese offenkundige Touristenabzocke veranlasst mich dazu, den Tempelbesuch zu streichen. Weil keiner guckt, mache ich schnell meine Fotos. Vom Zaun aus.<span id="more-41211"></span></p>
<div id="attachment_41219" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji004_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41219" title="Fiji004_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji004_680.jpg" alt="Hinduismus trifft auf Geschäftssinn: Nur wer den überteuerten Reiseleiter anheuert, darf den Tempel fotografieren." width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Hinduismus trifft auf Geschäftssinn: Nur wer den überteuerten Reiseleiter anheuert, darf den Tempel fotografieren.</p></div>
<p style="text-align: left;">Obwohl Nadi nach der Hauptstadt Suva die zweitgrößte Stadt auf der Insel Viti Levu ist, bietet sie nicht viel Sehenswertes. Ich laufe am Busbahnhof vorbei zum Prince Charles Park und werde neugierig, weil vor dem Sportstadion eine große Menschenmenge wartet. In diesem Moment fährt der Bus mit dem Rugby-Team von Nadi vor. Ich habe zwar keine Ahnung von Fijis Sportart Nummer eins, aber weil die Tickets für das Spiel nur zwei Dollar kosten, kaufe ich mir eines. Als einziger Europäer im Stadion wecke ich das Interesse vieler Zuschauer und Sportler. Selbst der Kapitän des Teams kommt vor dem Spiel auf mich zu und fragt höflich, ob ich ein Foto von ihm und seiner Mannschaft machen will. Ich will.</p>
<div id="attachment_41220" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji005_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41220" title="Fiji005_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji005_680.jpg" alt="Rugby gehört zu den beliebtesten Sportarten des Inselstaates. Im Stadion von Nadi sprechen sich die Mosi Steelers gegenseitig Mut zu. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Rugby gehört zu den beliebtesten Sportarten des Inselstaates. Im Stadion von Nadi sprechen sich die Mosi Steelers gegenseitig Mut zu.</p></div>
<div id="attachment_41221" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji006_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41221" title="Fiji006_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji006_680.jpg" alt="Einige Rugby-Spieler aus Nadi posieren kurz vor dem Anpfiff ihres Heimspiels vor der Kamera." width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Einige Rugby-Spieler aus Nadi posieren kurz vor dem Anpfiff ihres Heimspiels vor der Kamera.</p></div>
<p style="text-align: left;">Nachdem das Spiel Nadi gegen Mosi gerade mal 15 Minuten läuft, verlasse ich das Stadion, weil ich unbedingt noch ins Kino Galaxy möchte. Das ist fest in der Hand von Bollywood-Filmen. Zu meiner großen Überraschung sind nämlich 46 Prozent der 800.000 Fijianer indischer Herkunft, was nicht nur den Hindu-Tempel und die vielen indischen Shops erklärt, sondern eben auch die vielen indischen Filme im Kino. Für 3,50 Dollar, rund 1,60 Euro, kaufe ich ein Ticket für den Thriller „Darling“. Dessen Handlung ist genauso schlicht wie die Klappstühle in dem Filmpalast, dessen einstige Pracht etliche Jahrzehnte zurückliegt.</p>
<div id="attachment_41224" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji007_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41224" title="Fiji007_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji007_680.jpg" alt="Ein junger Rugby-Fan im Stadion von Nadi. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Ein junger Rugby-Fan im Stadion von Nadi.</p></div>
<div id="attachment_41222" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji008_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41222" title="Fiji008_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji008_680.jpg" alt="Sponsoren spielen auch in Fijis Sportwelt eine dominierende Rolle." width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Sponsoren spielen auch in Fijis Sportwelt eine dominierende Rolle.</p></div>
<p style="text-align: left;">Als ich das Kino verlasse, ist der letzte öffentliche Bus zu meinem Hotel längst abgefahren. Der Taxifahrer verlangt überteuerte acht Dollar für den 15-minütigen Transfer zu meinem Nachtlager. Dort sorgt abends eine lokale Tanzgruppe für Bula und Stimmung, doch ich höre die Rhythmen nur vom Zimmer aus. Ich liege längst im Bett und bin reif für die Insel. Die heißt Kuata und ist mein morgiges Ziel.</p>
<div id="attachment_41223" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji009_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41223" title="Fiji009_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji009_680.jpg" alt="Das Kino des Inselstaates setzt vor allem auf Massenware aus Bollywood." width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Das Kino des Inselstaates setzt vor allem auf Massenware aus Bollywood.</p></div>
<p style="text-align: left;"><span class="Apple-style-span" style="color: #888888;">Sonntag, 30. September 2007</span></p>
<p><strong>Kuata Island</strong></p>
<p>Tourist für Tourist steigt in den großen Reisebus, der am frühen Morgen die einzelnen Hotels in Nadi abklappert und die Schar der Sonnenhungrigen zur Halbinsel Denarau bringt. Dort liegt der Hafen, von dem aus die vielen großen und kleinen Inseln der Region angesteuert werden. Auf unsere Gruppe wartet ein großer Katamaran, der täglich eine Strecke von 90 Kilometern fährt. Zuerst vorbei an den Mamanuca Islands, dann weiter zur Inselkette Yasawa. Jede Insel, jedes Resort, jeder Ferienclub entsendet jeweils ein kleines Boot und holt die Gäste vom Katamaran ab: „Bula everybody!“</p>
<div id="attachment_41225" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji010_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41225" title="Fiji010_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji010_680.jpg" alt="„Bula“ ist die Standardbegrüßung auf allen Inseln Fijis. Auch McDonald’s begrüßt seine Gäste in der Landessprache." width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">„Bula“ ist die Standardbegrüßung auf allen Inseln Fijis. Auch McDonald’s begrüßt seine Gäste in der Landessprache.</p></div>
<p style="text-align: left;">Nach gut anderthalb Stunden wird Kuata Island ausgerufen. Eine Südafrikanerin, ebenfalls auf Weltreise, und ich besteigen ein kleines Boot und werden zum nahe gelegenen Strand gebracht. Kuata ist winzig klein und bietet neben dem Resort nur ein paar Berge vulkanischen Ursprungs, einige Strände und viel Wald. Von Kuata aus werden zwar Halbtagestouren zu einem Dorf auf der Nachbarinsel durchgeführt, doch weil heute Sonntag ist, entfällt dieses Angebot.</p>
<div id="attachment_41226" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji011_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41226" title="Fiji011_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji011_680.jpg" alt="Die Katamaran-Fähre klappert täglich alle bewohnten Inseln ab und bringt die Touristen zu ihren Feriendomizilen. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Die Katamaran-Fähre klappert täglich alle bewohnten Inseln ab und bringt die Touristen zu ihren Feriendomizilen.</p></div>
<p style="text-align: left;">Ich starte meine Erkundung des kleinen Eilands und komme unterwegs mit einem australischen Touristen ins Gespräch. Chris ist Lehrer in Brisbane und hat mit seiner Freundin, die ebenfalls Lehrerin ist, ein paar Tage auf Kuata verbracht. Wir werden zum Mittagessen gerufen und ich lerne die anderen Gäste auf der Insel kennen. Zwei Schwedinnen, eine Kanadierin und eben die Südafrikanerin Lesley, mit der ich auf die Insel gebracht wurde. Außerdem ist hier noch die Italienerin Francesca. Sie hat vor zwei Monaten Urlaub auf Kuata gemacht und sich dabei in einen der wenigen Inselbewohner verliebt. Einen Monat will sie noch hier bleiben, dann werden beide gemeinsam nach Rom ziehen. Tja, ich drücke die Daumen.</p>
<div id="attachment_41227" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji012_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41227" title="Fiji012_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji012_680.jpg" alt="Der Inselstaat Fiji besteht aus einem Archipel von 332 Inseln unterschiedlicher Größe im Südpazifik. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Der Inselstaat Fiji besteht aus einem Archipel von 332 Inseln unterschiedlicher Größe im Südpazifik.</p></div>
<p style="text-align: left;">An Wochentagen wird für zehn Fiji Dollar eine geführte Tour auf den höchsten Felsen von Kuata angeboten, der eine prächtige Aussicht auf die Inselkette ermöglicht. Am heutigen Sonntag ruht leider auch diese Tour, doch das australische Paar erklärt mir, wie ich auf eigene Faust dorthin komme. Ich steige den gut erkennbaren Pfad hoch, teste eine vermeintliche Abkürzung und verlaufe mich im dichten Gehölz. Irgendwann bin ich dann doch ganz oben, genieße den Ausblick und verewige meinen geglückten Aufstieg, indem ich einen großen Steinhaufen um einen weiteren kleinen Stein erhöhe. Der Rückweg ist beschwerlich, weil es steil bergab geht. Die Zehen meines linken Fußes beißen sich dermaßen in den Schuh fest, dass hinterher zwei Pflaster fällig sind, um die Blasen und Schürfwunden zu kurieren.</p>
<div id="attachment_41228" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji013_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41228" title="Fiji013_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji013_680.jpg" alt="Ein „Chauffeur“ bringt die Gäste von der Fähre nach Kuata Island. " width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Ein „Chauffeur“ bringt die Gäste von der Fähre nach Kuata Island.</p></div>
<p style="text-align: left;">Unerwartete Verletzungsgefahr birgt auch die Hängematte, die verlockend vor meinem schlichten Ferienhaus schaukelt. Als ich mich in sie hineinwerfe, dauert es keine zwei Sekunden, bis ich nach einer kräftigen Umdrehung wie ein Stein zu Boden plumpse. Keine Ahnung, warum das Teil dermaßen straff zwischen zwei Bäumen gespannt sein muss. Ans sichere Hinlegen ist auf diesem geflochtenen Brett auf jeden Fall nicht zu denken.</p>
<div id="attachment_41229" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji014_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41229" title="Fiji014_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji014_680.jpg" alt="Typischer Wohnbungalow auf Kuata Island. Die Türen haben keine Schlösser, weil auf der nahezu unbewohnten Insel keine Kriminalität droht. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Typischer Wohnbungalow auf Kuata Island. Die Türen haben keine Schlösser, weil auf der nahezu unbewohnten Insel keine Kriminalität droht.</p></div>
<p style="text-align: left;">Das Abendessen ist fertig. Weil die Australier und Schwedinnen am Nachmittag die Insel verlassen haben, sind wir jetzt nur noch drei Gäste auf Kuata. Kelly, eine Kanadierin, die zurzeit als Lehrerin in Auckland unterrichtet, möchte morgen bei Sonnenaufgang ihren Gutschein für die Besteigung des Inselberges einlösen, doch leider findet sich kein Tourguide, der um fünf Uhr in der Frühe aufstehen will. Ich biete mich als Ersatzführer an und nehme gern in Kauf, dass dieser Frühsport meinen Zehen den Rest geben wird.</p>
<div id="attachment_41230" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji015_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41230" title="Fiji015_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji015_680.jpg" alt="Sonnenuntergang über dem Pazifik, betrachtet vom Strand von Kuata Island. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Sonnenuntergang über dem Pazifik, betrachtet vom Strand von Kuata Island.</p></div>
<p style="text-align: left;">Am Abend begegnet mir in meinem Haus die erste Kakerlake meiner Weltreise. Sie klettert mir aus meinem Rucksack entgegen, lässt sich aber nicht erwischen, sodass ich kurzerhand den Rucksack samt Inhalt vor die Tür werfe. Hier auf Kuata kommt eh nichts weg. Deshalb haben die Türen der Ferienhäuser auch kein Schloss.</p>
<div id="attachment_41231" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji016_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41231" title="Fiji016_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji016_680.jpg" alt="Sonnenaufgang über dem Pazifik, betrachtet vom höchsten Hügel auf Kuata Island." width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Sonnenaufgang über dem Pazifik, betrachtet vom höchsten Hügel auf Kuata Island.</p></div>
<p style="text-align: left;"><span class="Apple-style-span" style="color: #888888;">Montag, 1. Oktober 2007</span></p>
<p><strong>Kuata und Naviti Island</strong></p>
<p>Der Wecker klingelt um 4.45 Uhr. Der Stromgenerator auf der Insel läuft um diese Zeit leider noch nicht, sodass ich mich in meinem Haus in völliger Dunkelheit orientieren muss. Irgendwo im Koffer müsste die kleine Taschenlampe liegen, doch die ist ohne Taschenlampe schwer zu finden. Mit Hilfe des leuchtenden Handydisplays ist die Suche aber doch erfolgreich.</p>
<div id="attachment_41232" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji017_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41232" title="Fiji017_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji017_680.jpg" alt="Gleich geht’s ins Wasser zu den Riffhaien. Ein Mitarbeiter der Tauch- und Schnorchelfirma schaut erstmal nach, in welcher Stimmung die Tiere heute sind. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Gleich geht’s ins Wasser zu den Riffhaien. Ein Mitarbeiter der Tauch- und Schnorchelfirma schaut erstmal nach, in welcher Stimmung die Tiere heute sind.</p></div>
<p style="text-align: left;">Kelly kommt um fünf Uhr an meinem Haus vorbei. Wir gehen zunächst wieder über den gut erkennbaren Pfad. Diesmal will ich eine andere Abkürzung zum Gipfel des Berges nutzen, die sich aber als noch steiler erweist als die gestrige. Weil die Sonne schon am Horizont zu erkennen ist, kippen wir unseren Plan, den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen, und betrachten den Sonnenaufgang von einem baumfreien Berghang aus.</p>
<div id="attachment_41233" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji018_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41233" title="Fiji018_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji018_680.jpg" alt="Autor Michael Scholten trägt die Taucherbrille Probe, bevor er ins Boot und später zu den Riffhaien ins Wasser steigt. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Autor Michael Scholten trägt die Taucherbrille Probe, bevor er ins Boot und später zu den Riffhaien ins Wasser steigt.</p></div>
<p style="text-align: left;">Nach dem Frühstück folgt das nächste Abenteuer: Schnorcheln mit den Riffhaien. Hätte mir 24 Stunden vorher einer gesagt, dass ich an dieser Unternehmung teilnehmen werde, hätte ich ihm vermutlich einen Vogel gezeigt. Aber jetzt sitze ich mit zwei Einheimischen und Kelly in einem Holzboot und lasse mich vom Benzinmotor eine halbe Stunde lang zum Riff rausfahren. Lesley ist lieber auf der Insel geblieben. Als Südafrikanerin hat sie von zu vielen Haiattacken auf Menschen gehört.</p>
<p>Maske auf, Schnorchel in den Mund, rein ins Wasser. Die Korallenwelt, die ich in dem 30 Meter tiefen Wasser erblicke, raubt mir den Atem. Es dauert keine zwei Minuten, bis die ersten Riffhaie auftauchen. In der Theorie hatte ich es so verstanden, dass ich die Haie aus sicherer Entfernung von der Wasseroberfläche aus beobachte, während ein mutiger Fijianer 20 Meter unter mir die Tiere mit frisch harpunierten Fischen füttert. In der Praxis erkenne ich jetzt aber, dass die Haie bis auf einen Meter Entfernung lustig auf mich zu schwimmen. Mir geht ein wenig die Muffe, aber letztlich bin ich von dieser Begegnung sehr fasziniert. Die Haie sind zwischen einem und anderthalb Metern lang. Aber vermutlich werden sie künftig immer größer, je öfter ich die Geschichte erzähle.</p>
<div id="attachment_41234" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji019_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41234" title="Fiji019_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji019_680.jpg" alt="Bootstransfer auf kristallklarem Wasser zum Korovou Eco Tour Resort auf Naviti Island." width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Bootstransfer auf kristallklarem Wasser zum Korovou Eco Tour Resort auf Naviti Island.</p></div>
<p style="text-align: left;">Nach 30 Minuten im Riff müssen wir zurück nach Kuata. Am Ufer steigt Kelly aus dem Boot und Lesley hinein. Auch mein Koffer wird in den kleinen Holzkahn getragen. In der Ferne ist schon der Katamaran zu sehen, der pünktlich um 10.30 Uhr vor Kuata hält und uns an Bord nimmt. Das nächste Ziel: Naviti Island, wo ich zwei Nächte im Korovou Eco Tour Resort verbringen werde. Gegen 12 Uhr sind wir dort. Lesley ist ebenfalls für das Resort gebucht, außerdem nimmt eine Lehrerin aus London in unserem kleinen Transferboot Platz. Sie ist seit acht Monaten auf Weltreise.</p>
<p>Das Personal des Resorts trägt farbenfrohe Hemden und singt zu Gitarrenklängen ein Begrüßungslied: „Bula everybody!“ Auch zwei süße Mädchen von zwei und drei Jahren begrüßen die neuen Gäste. Die zweijährige Polay ist dank ihrer von der Sonne blond gebleichten Haare der Star der Insel und posiert für jedes Foto. Selten habe ich ein so sonniges Gemüt und Energiebündel erlebt.</p>
<div id="attachment_41235" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji020_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41235" title="Fiji020_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji020_680.jpg" alt="Schon wieder Bula! " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Schon wieder Bula!</p></div>
<p style="text-align: left;">Beim Mittagessen lerne ich die anderen Gäste im Resort kennen. Darunter ein Schreiner aus Irland, der mit seiner Freundin ein Jahr Ozeanien und Asien bereist und unterwegs immer mal wieder Jobs annimmt, um die nächste Etappe zu finanzieren. Und eine Versicherungsmaklerin aus London, die sich für ihre Weltreise hat beurlauben lassen. Einmal mehr bin ich überrascht, wie viele Weltreisende es gibt, die – wie ich – freiwillig auf Zeit oder für immer ihre alte Existenz aufgeben und nun in anderen Ländern auf Gleichgesinnte treffen.</p>
<div id="attachment_41236" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji021_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41236" title="Fiji021_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji021_680.jpg" alt="Die zweijährige Polay ist dank ihrer von der Sonne gebleichten Haare der Star der Insel Naviti und posiert gern für Fotos. " width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Die zweijährige Polay ist dank ihrer von der Sonne gebleichten Haare der Star der Insel Naviti und posiert gern für Fotos.</p></div>
<p style="text-align: left;">Im Gegensatz zu Kuata ist Naviti eine große Insel. Zu groß, um sie komplett zu Fuß zu erkunden. Die Kanadierin Nora, die ebenfalls auf Weltreise ist und zwei Monate lang im Korovou Eco Ressort als Masseuse jobbt, gibt mir den Tipp, dass der Honeymoon Beach einen Besuch wert sei. Dafür muss ich über einen kleinen Hügel klettern und auf der anderen Seite zwei Dollar in eine Spendenbox werfen. Ich fische einen Geldschein aus meiner Tasche und amüsiere mich darüber, dass Königin Elisabeth II., die auf allen Geldscheinen abgebildet ist, stets lachend ihre Zähne zeigt. Auf britischem Geld wäre das undenkbar, aber die gute Laune der Fijianer macht offenbar auch vor königlichen Porträts nicht Halt. Bula!</p>
<div id="attachment_41237" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji022_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41237" title="Fiji022_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji022_680.jpg" alt="Gute Laune ist ansteckend. Auf den Fiji-Dollar-Banknoten zeigt sogar Queen Elizabeth II. Zähne. " width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Gute Laune ist ansteckend. Auf den Fiji-Dollar-Banknoten zeigt sogar Queen Elizabeth II. Zähne.</p></div>
<p style="text-align: left;">Der Honeymoon Beach ist malerisch und einsam, allerdings muss man vermutlich wirklich auf Honeymoon, also in den Flitterwochen sein, um die Vorzüge dieses Strandes schätzen zu lernen. Mein Plan, ein faules Sonnenbad am Strand zu nehmen, wird von einem kleinen Wetterumschwung durchkreuzt. Kaum liege ich zwei Minuten am Boden, ziehen Wolken vor die Sonne und schütten kräftigen, aber immerhin warmen Regen aus. Egal. Wenig später wird eh das Abendessen serviert. Nachdem ich vier Wochen lang in Neuseeland abends allein im Hotelzimmer gehockt habe, genieße ich den Austausch mit anderen Weltreisenden sehr. Ich bin zurück im Leben und lade meine Akkus für die nächsten Reiseetappen auf.</p>
<div id="attachment_41238" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji023_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41238" title="Fiji023_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji023_680.jpg" alt="Eine hiesige Inselschönheit trägt exotische Blüten im Haar. " width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Eine hiesige Inselschönheit trägt exotische Blüten im Haar.</p></div>
<p style="text-align: left;">Es folgt ein Bula-Begrüßungstanz, den die männlichen Resort-Angestellten für uns drei Neuankömmlinge aufführen. Wer will, kann mittanzen. Ich will nicht.</p>
<p><span style="color: #888888;">Dienstag, 2. Oktober 2007</span></p>
<p><strong>Naviti Island</strong></p>
<p>Um neun Uhr beginnt die Village Tour für 25 Dollar. Lesley aus Südafrika, drei Londonerinnen und ich besteigen das motorisierte Holzboot. Nach 15 Minuten erreichen wir Gaunavou. Die Frauen des Dorfes breiten schnell ihre selbst gemachten Schmuckstücke und andere Souvenirs für die Touristen aus, die Männer bereiten alles für die Kava-Zeremonie vor. Kava ist ein flüssiges Rauschmittel, das aus der Wurzel einer Pfefferpflanze gewonnen wird. Als einziger Mann und zugleich noch Ältester in unserer kleinen Reisegruppe gebührt mir die Ehre, als erstes Versuchskaninchen die braune Plörre aus einer halben Kokosschale zu trinken. Sie schmeckt zum Glück nicht so schrecklich wie erwartet, wird aber trotzdem nie mein Lieblingsgetränk werden. Erst später erfahre ich, dass der Gährungsprozess in Gang gesetzt wurde, indem die Männer alle mal in die Schüssel gespuckt haben.</p>
<div id="attachment_41239" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji024_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41239" title="Fiji024_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji024_680.jpg" alt="Der Chef der berauschenden Kava-Zeremonie ist zu allem entschlossen." width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Der Chef der berauschenden Kava-Zeremonie ist zu allem entschlossen.</p></div>
<p style="text-align: left;">Wir besuchen die Grundschule von Gaunavou. 130 Kinder in blau-weißen Uniformen reihen sich im Schatten der großen Bäume auf und singen für uns die Nationalhymne von Fiji. Es folgen weitere Lieder und Tänze. Die Kinder lernen an ihrer Schule Englisch, sprechen auf ihren nahe gelegenen Heimatinseln aber vorwiegend einen der vielen Fiji-Dialekte. Bei den Besuchen der ausländischen Touristen nutzen sie mit großer Freude die Gelegenheit, ihre neu gelernten Vokabeln anzuwenden. Mit noch größerer Freude lassen sie sich fotografieren. Wann immer ich die Kamera zücke, versammeln sich erst zehn, dann 20, dann 30 Kinder auf engstem Raum. Solche Begegnungen liebe ich.</p>
<div id="attachment_41240" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji025_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41240" title="Fiji025_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji025_680.jpg" alt="Ein Schüler der Grunavou Primary School führt lokale Tänze auf. " width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Ein Schüler der Grunavou Primary School führt lokale Tänze auf.</p></div>
<p style="text-align: left;">Nach dem Mittagessen lade ich die frischen Fotos auf mein Notebook. Das weckt sofort das Interesse der Fijianer. Wir unterhalten uns ausgiebig. Samson, ein 17-jähriger Angestellter im Resort, bietet mir eine Tour hinter den Kulissen der Anlage an. Erst besuchen wir seine Großeltern, die mich mit großer Gastfreundschaft in ihrem kleinen Haus empfangen, dann streifen wir durch Bananen- und Kokosplantagen bis ans Ende des Strandes, wo wir die Schweine füttern. Auf dem Heimweg legen wir einen Fotostopp bei drei Frauen ein, die aus Bananenblättern Körbe flechten, und in der kleinen Waschküche von Rachel, die heute für gerade mal zehn Fiji Dollar einen Großteil meiner Klamotten reinigt.</p>
<div id="attachment_41241" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji026_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41241" title="Fiji026_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji026_680.jpg" alt="Samson macht die Fütterung der Schweine zu einem Highlight der privaten Inselführung." width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Samson macht die Fütterung der Schweine zu einem Highlight der privaten Inselführung.</p></div>
<p style="text-align: left;">Am Ende des Tages weiß ich: Naviti Island gefällt mir sehr, sehr gut. Hier regiert nicht der Kommerz wie auf vielen anderen Inseln oder in Nadi. Hier haben die Besucher und die wunderbaren Einheimischen gemeinsam eine angenehme Zeit, lernen voneinander und respektieren sich. Hinzu kommt, dass sich hier nicht die Partymeute versammelt, wie sie zum Beispiel auf Beachcomber Island zu finden ist. Auch die heutigen Neuankömmlinge aus Neuseeland und Kanada erweisen sich beim Abendessen als interessante Gesprächspartner. Hier könnte ich es länger aushalten, doch leider werde ich Fiji morgen verlassen.</p>
<p><span style="color: #888888;">Mittwoch, 3. Oktober 2007</span></p>
<p><strong>Naviti Island und Nadi</strong></p>
<div id="attachment_41242" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji027_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41242" title="Fiji027_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji027_680.jpg" alt="Autor Michael Scholten erforscht das südpazifische Schönheitsideal. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Autor Michael Scholten erforscht das südpazifische Schönheitsideal.</p></div>
<p style="text-align: left;">Eigentlich will ich hier gar nicht mehr weg. Den großen Familienbetrieb vom Korovou Eco Tour Resort auf Naviti habe ich innerhalb nur eines Tages regelrecht ins Herz geschlossen. Was offenbar auf Gegenseitigkeit beruht. Den ganzen Vormittag über werde ich freundlich mit Namen gegrüßt und ständig kommen Besucher auf meine kleine Veranda, um sich die gestern gemachten Fotos auf meinem Notebook anzuschauen. Ich brenne die Fotos auf CD und schenke sie Samson. Stellvertretend für alle Bewohner der Insel, sodass sie sich die Bilder auf den durchaus modernen Computern im kleinen Internetcafé des Resorts anschauen können.</p>
<div id="attachment_41243" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji028_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41243" title="Fiji028_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji028_680.jpg" alt="Im Schatten der Kokospalmen flechten die Frauen Körbe aus Bananenblättern. " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Im Schatten der Kokospalmen flechten die Frauen Körbe aus Bananenblättern.</p></div>
<p style="text-align: left;">Um 14.20 Uhr erscheint der große Katamaran wieder am Horizont. Ein kleines Holzboot fährt uns rüber. Es beginnt die dreistündige Heimfahrt nach Nadi. Von dort aus nehme ich den kostenlosen Shuttle zum Internationalen Flughafen. Vor mir liegt die längste Flugreise meines Lebens: Mit drei Mal Umsteigen werde ich insgesamt 40 Stunden unterwegs sein, um via Los Angeles, Guatamala City und Panama City schließlich in Santiago de Chile zu landen.</p>
<div id="attachment_41244" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji029_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41244" title="Fiji029_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji029_680.jpg" alt="Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?!" width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?!</p></div>
<div id="attachment_41245" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji030_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41245" title="Fiji030_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji030_680.jpg" alt="Im Hafen der Halbinsel Denarau starten und enden die täglichen Fährfahrten zu den Touristeninseln. " width="680" height="907" /></a><p class="wp-caption-text">Im Hafen der Halbinsel Denarau starten und enden die täglichen Fährfahrten zu den Touristeninseln.</p></div>
<p style="text-align: left;">Der Flughafen von Nadi erweist sich als sehr modern, sodass ich dort gut die dreistündige Wartezeit rumkriege. Eigentlich will ich meine letzten 69 Fiji Dollar gegen US Dollar umtauschen, doch dann entdecke ich im Duty-Free-Shop Nike-Sportschuhe, die auf exakt 69 Fiji Dollar runtergesetzt worden sind. Weil meine in Tokyo gekauften Schuhe bald auseinanderfallen werden, lege ich mir die neuen Treter zu.</p>
<div id="attachment_41246" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji031_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41246" title="Fiji031_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Fiji031_680.jpg" alt="Die erste von zwei Bordmahlzeiten auf dem zehneinhalbstündigen Flug von Nadi nach Los Angeles, der über die Datumsgrenze führt.    " width="680" height="510" /></a><p class="wp-caption-text">Die erste von zwei Bordmahlzeiten auf dem zehneinhalbstündigen Flug von Nadi nach Los Angeles, der über die Datumsgrenze führt.</p></div>
<p style="text-align: left;">Das Flugzeug von Air New Zealand startet pünktlich um 22.30 Uhr. Zum Glück ist es nur zu einem Drittel besetzt. Deshalb zieht der alte, muffelige Mann, den mir die Airline auch diesmal wieder an die Seite gesetzt hat, schon nach wenigen Minuten in eine der hinteren Sitzreihen um. Dort kann er sich komplett hinlegen. Ich mache es mir auf meinem Doppelsitz bequem und schlafe auch direkt nach dem Abendessen ein. Als ich wieder wach werde, läuft bereits der dritte Bordfilm. Der zehneinhalbstündige Flug nach Los Angeles ist weitgehend geschafft.</p>
<p><span style="color: #888888;">Noch einmal: Mittwoch, 3. Oktober 2007</span></p>
<p><strong>Los Angeles</strong></p>
<p>Dieser 3. Oktober wird mir in ewiger Erinnerung bleiben: als längster Tag in meinem Leben. Weil der Flug von Fiji nach Los Angeles über die Datumsgrenze geht, profitiere ich von einem kuriosen Phänomen. Obwohl ich am 3. Oktober erst um 22.30 Uhr in Nadi abgeflogen bin, komme ich ebenfalls am 3. Oktober schon um 14 Uhr in Los Angeles an. So gesehen, habe ich im Flug einen Reisetag geschenkt bekommen.</p>
<p><em>Michael Scholten</em></p>
<p><span style="color: #888888;"><a href="http://www.michaelscholten.com/reisebuch.htm" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41213" title="013_Buchtitel1" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/013_Buchtitel11.jpg" alt="" width="220" height="312" /></a>Der in Kambodscha lebende Reise- und Filmjournalist <strong>Michael Scholten</strong> (TV Spielfilm, TV Today, ADAC Reisemagazin, Spiegel Online) hat bisher 123 Länder bereist. Über seine längste Reise, die ihn innerhalb von 413 Tagen in 40 Länder führte, ist das 560 Seiten starke Buch “Weltreise – Ein Tagebuch” erschienen. Es umfasst 68 Farbfotos, viele Berichte über Filmlocations in Kambodscha, Sri Lanka, Neuseeland, Panama etc. und ist für 15 Euro unter <a href="http://www.michaelscholten.com/" target="_blank"><span style="color: #888888;">www.michaelscholten.com</span></a> zu haben.</span></p>
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		<title>The Artist (Michel Hazanavicius)</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 16:43:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmspiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen & Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>

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		<description><![CDATA[
Das Schweigen hören
„The Artist“ rekonstruiert die Ästhetik des Stummfilms mit Raffinesse und Sensibilität. Dafür wird es Oscars geben. Wer diesen perfekten Film genießen will, sollte allerdings ein Cineast sein
„Ich sage nichts. Ich sage kein Wort“, sagt der Mann, den sie foltern, aber wir hören es nicht. Wir sehen, was er sagt, es steht auf dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_6801.jpg" target="_blank"><img class="aligncenter size-full wp-image-41193" title="artist_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_6801.jpg" alt="" width="680" height="453" /></a></p>
<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Das Schweigen hören</span></p>
<p><span style="color: #808080;">„The Artist“ rekonstruiert die Ästhetik des Stummfilms mit Raffinesse und Sensibilität. Dafür wird es Oscars geben. Wer diesen perfekten Film genießen will, sollte allerdings ein Cineast sein</span></p>
<p>„Ich sage nichts. Ich sage kein Wort“, sagt der Mann, den sie foltern, aber wir hören es nicht. Wir sehen, was er sagt, es steht auf dem Zwischentitel. Wir sehen einem Stummfilm zu, die Leinwand, das Orchester, das premierengeschmückte Publikum, die Stars hinter der Leinwand. Der Film heißt „The Russian Affair“, der nächste wird „The German Affair“ heißen. Dann der Applaus, doch auch den sehen wir nur, und das ist einen Augenblick lang fremd und irritierend. Denn jetzt sehen wir nicht einem Stummfilm zu, jetzt sehen wir einen Stummfilm. „The Artist“, der Künstler, ist ganz gewiss einer der merkwürdigsten Filme der letzten Jahre. Diese französische Produktion des Regisseurs Michel Hazanavicius, die nach den Golden Globes einer der beiden großen Favoriten für den Oscar ist, rekonstruiert mit handwerklicher Perfektion und künstlerischer Sensibilität die Ästhetik des Stummfilms. Und damit das einen Grund in sich findet, erzählt er in den Formen dieser versunkenen Ästhetik davon, wie sie versank. George Valentin (Jean Dujardin), der Stummfilmstar, ist mit seinem Produzenten bei einem Soundtest, 1929. The Artist, der Künstler, lacht und geht. Er lacht, weil er dieses neue Mittel, den sprechenden Film, für etwas Unkünstlerisches hält. Er lacht über seinen Untergang.<span id="more-41188"></span> Denn der schweigende Star ist der untergehende Star. Und einem Kino, in dem die Erde ein schweigender Stern ist, konnte nie die Zukunft gehören. Die Zukunft des Kinos wird immer in jener Technik liegen, die dem Leben am nächsten kommt. Und die Haltung dieses Stars ist genau jene künstlerische Ignoranz, von der noch jede technische Innovation begleitet wurde. Die Erfindung des Films selbst galt mehr als eine Errungenschaft des Jahrmarktes als der Kunst. Misstrauen galt der Erfindung des Tones und der Farbe, wie es <a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_3201.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41194" title="artist_320" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/artist_3201.jpg" alt="" width="320" height="213" /></a>den neuen Formaten galt. So galt und gilt es der Einführung der Dreidimensionalität. Und jetzt ist „Pina“ von Wim Wenders, ein hochkünstlerischer Dokumentarfilm über eine Künstlerin, für einen Oscar nominiert. Manchmal erscheint uns ein ästhetischer Rückgriff auf eine zurückliegende Technologiestufe des Kinos als reizvoll. Das macht etwa die Besonderheit von Schwarz-Weiß-Filmen aus, das kleine Format, die karge Ästhetik lässt uns solche Filme als kostbar empfinden, weil sie weniger schreiend sind als das, was wir gewohnt sind im Kino. Dieser Film aber ist nicht einfach weniger schreiend, er ist stumm. Und das ist ein Rückgriff auf eine Entwicklungsstufe des Kinos, die für die Mehrheit der Kinobesucher nur noch schwer nachzuvollziehen sein dürfte. Zu erwarten, dass diese Ästhetik eine Renaissance erleben könnte, das wäre, als erwartete man eine Renaissance des Lateinischen als Lingua franca der Gegenwart. Dabei, dieser Film ist wunderbar, er ist einfach großartig gemacht – aber man muss wohl ein Cineast sein, um sich an den Zitaten der verschiedensten Art erfreuen zu können. Der Vorspann in dem alten, kleinen Format ist im Design der frühen Filme gehalten, die Schrifttitel werden durchgeblendet, wir erleben die gute alte Kreisblende am Wirken. Die Schauspieler, begleitet von klassischer Filmmusik, unterbrochen von den Zwischentiteln, rekonstruieren perfekt den Stil, mit dem gespielt wurde im stummen Film. Die großen, ausgestellten Gesten, die, sozusagen, überdeutlichen Gesichter. Jean Dujardin mit dem markanten Männergesicht der Stummfilmzeit, Berenice Bejo mit dem flirrenden Charme der Zeit, beide auch nominiert für die Darsteller-Oscars, sie für die beste Nebendarstellerin. Und sie vermitteln das Gefühl, als seien sie, alle, mit einer überbordenden Lust am Arbeiten. Und Michel Hazanavicius kann das inszenieren mit einer wunderbaren Balance. Sie spielen das mit einer wunderbaren sanften Ironie und erlauben es uns doch, sie jederzeit ernst zu nehmen als künstlerische Äußerung. Wie fremd uns diese Ästhetik ist, wie geprägt wir von unseren Gewohnheiten sind, das kann jeder Besucher selbst an sich kontrollieren: Wenn wir das applaudierende Publikum sehen, den rotierenden Plattenteller, hören wir gleichsam das Geräusch – bis wir das Schweigen hören. Michel Hazanavicius hat eine wunderbare Szene. George hört plötzlich den Hund bellen, er hört das Glas, das er absetzt, den Stuhl, den er rückt. Und wir begreifen, wie fremd ihm das, im Kino, erscheinen muss, weil auch wir diese Geräusche jetzt hören, wo wir uns doch daran gewöhnt hatten, das Schweigen zu hören. Wenn dieser Film 80, 85 Jahre alt wäre, dann läge er unberühmt im Archiv. Wenn er, und so wird es sein, einige Oscars bekommt, dann werden die also einer exorbitanten handwerklichen Leistung und der Nostalgie von Cineasten gelten. So ziemlich am Ende gibt es ein geschriebenes „Peng“, und dieses „Peng“ ist der vielleicht witzigste Moment, den das Kino in den letzten Jahren hatte, und es erklärt zugleich, was der Schnitt bedeutet für das Kino. Und machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie diesem „Peng!“ begegnen: Alles wird gut.</p>
<p><em>Henryk Goldberg</em></p>
<p><em>erschienen in Thüringer Allgemeine Zeitung</em></p>
<p><em>Bilder: Delphi</em></p>
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		<item>
		<title>Crazy Clown Time – David Lynchs Soloalbum</title>
		<link>http://www.getidan.de/kritik/musik/georg_seesslen/41166/david-lynchs-solo-album</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 14:34:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie man der Zeit beim Verrücktwerden zuhört
David Lynch macht Filme, okay, und für seine Filme ist er berühmt geworden. Aber eigentlich ist er einfach ein Künstler, der optisches, akustisches und haptisches Material verwendet. Pop und Avantgarde. Räumlichkeit, Zeitlichkeit, Subjekthaftigkeit und vor allem: Auflösungen von alledem. Kindliche Naivität, Surrealismus, Americana, Rock’n’Roll, Industriedesign, Mode &#38; Meditation. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: medium; color: #800000;">Wie man der Zeit beim Verrücktwerden zuhört</span></p>
<p>David Lynch macht Filme, okay, und für seine Filme ist er berühmt geworden. Aber eigentlich ist er einfach ein Künstler, der optisches, akustisches und haptisches Material verwendet. Pop und Avantgarde. Räumlichkeit, Zeitlichkeit, Subjekthaftigkeit und vor allem: Auflösungen von alledem. Kindliche Naivität, Surrealismus, Americana, Rock’n’Roll, Industriedesign, Mode &amp; Meditation. Die ersten Arbeiten von David Lynch, damals noch auf der Kunsthochschule, waren Klang- und Raumskulpturen, seine ersten Filme benutzten Musik und Geräusche und gerade das, was zwischen beidem liegt, dieses „kosmische“ Atmen und Rauschen, die extrem verlangsamten und repetitiven Songs wie „In Heaven“ etc. nicht bloß als Illustration, sondern, ziemlich direkt, als Herz der Bilder. Als arbeitendes Herz, um genau zu sein.</p>
<p><strong><br /><img src="http://www.getidan.de/images/lynch.jpg" alt="media" /><br />
</strong></p>
<p><strong></strong><em><span style="font-size: x-small;">Trailer</span></em></p>
<p>Denn eigentlich funktioniert die Kunst des David Lynch stets nach einem einfachen Prinzip, nämlich der Erzeugung der Energie eines Kurzschlusses zwischen der Innenwelt und der Außenwelt, dem Mikrokosmos in einem Menschenhirn und dem Makrokosmos von, äh, allem anderen. Etwas will hinaus, und kann es nur als Wahn, etwas will hinein und kann es nur als verzweifeltes Entleeren. So ein Kurzschluss tut weh, auch wenn er gleichzeitig so schön ist; im richtigen Leben würden wir Paranoia dazu sagen, wenn der Begriff nicht so elend vernutzt worden wäre. Auch David Lynchs Musik, mit oder ohne Bilder, kann man mit einem Begriff beschreiben: Schöne Paranoia.</p>
<p><span id="more-41166"></span></p>
<p>Hier kann man zwischen einem Körper und der Welt, in der er sich bewegt, nicht genau unterscheiden. David Lynch behandelt die Welt wie einen Körper, und den Körper wie eine Welt. Musik ist das, was durch beide fließt. Das Blut in einer Nabelschnur. Die wird durchschnitten, die muss durchschnitten werden. Immer und immer wieder. Dieser Schnitt ist der Beginn der Paranoia. Oder ein Beginn von vielen Beginnen.</p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #800000;">_________________________________________________________________________</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #800000; font-size: medium;">Auch David Lynchs Musik, mit oder ohne Bilder,</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #800000; font-size: medium;">kann man mit einem Begriff beschreiben: Schöne Paranoia</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #800000;">_________________________________________________________________________</span></p>
<p>Es steckt in den Maßen und den Ordnungen. Was ist groß, und was ist klein? David Lynch macht winzig kleine Bilder (in Streichholzbriefen zum Beispiel) und riesengroße (Deckengemälde). In seinen Filmen darf man nichts auf Entfernungen und Zeiträume geben</p>
<p>Die Verzögerungen in seiner Musik entsprechen Beschleunigungen der Vibrationen. Der Schluchz-Rock’n’Roll, den er gerne zitiert, macht durch nochmalige Verlangsamung aus einem hysterischen Anfall einen Zustand vollkommener Weltverneinung; der Delta-Blues geht in ein wiegendes Auf-der-Stelle-Treten über. Wenn Zombies Musik hören könnten, dann würden sie vermutlich David Lynch-Musik bevorzugen.</p>
<p>David Lynch hat das Kino immer nur als einen seiner medialen Exkursionen angesehen; im wesentlichen ist er ein Bildender Künstler, der mit Klängen umgeht wie ein Bildhauer mit dem Raum oder ein Maler mit Farben. Für die Bibliothek der Mysterien in der Ausstellung „Mathématiquese – un dépaysement soudain“ in Paris hat er gerade einen Klangraum entworfen, in dem sich die großen mathematischen Modelle bis zu Alan Turings „Computing Machinery and Intelligence“ mit einem „Himmel“ aus Zeichen und deren Auflösungen und den sphärischen Klängen verknüpft. Und Patti Smith singspricht dazu. Aber auch hier ist der Zusammenhang zwischen Raum und Musik wesentlich. Wo diese Musik ist, noch so eine Transformation, werden Zeichen zu Körpern und Körper zu Zeichen. Einfacher gesagt: Wenn „normale“ Musik die Menschen zum Tanzen bringt, und die Welt um sie herum zum Verschwinden, dann bringt David Lynchs Musik die Menschen zum Verschwinden und die Welt um sie herum zum Tanzen. Trance ist nicht das richtige Wort dafür, es handelt sich eher um so etwas wie einen akustischen Klartraum. Denn Lynchs Musik verschwindet selbst keineswegs, wie gewisse Ambient- oder Industrial-Klänge, sie bleibt, das ist auf der CD „Crazy Clown Time“ besonders zu hören, durch ihre Unangemessenheit, die Benutzung gleichsam antiquierter Synthesizer- und Vocoder, durch ihr deklamatorisches Drängen, eine ständige Gereiztheit und Unerlöstheit (und dazu Texte, die von Gereiztheit und Unerlöstheit handeln) extrem präsent. Das Schöne und Schreckliche dieser Musik ist, dass man sie nicht zum Schweigen bringen kann.</p>
<div id="attachment_41172" class="wp-caption aligncenter" style="width: 690px"><a href="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/800px-David_Lynch_2008_680.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41172" title="800px-David_Lynch_2008_680" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/800px-David_Lynch_2008_680.jpg" alt="David Lynch, fotografiert von Michael Parzanka bei seiner ersten Fotoausstellung in Deutschland. Das Foto entstand in der Galerie Epson-Kunstbetrieb am Abend der Vernissage. 26. September 2008 CC by Michael Parzanka " width="680" height="456" /></a><p class="wp-caption-text">David Lynch, fotografiert von Michael Parzanka bei seiner ersten Fotoausstellung in Deutschland. Das Foto entstand in der Galerie Epson-Kunstbetrieb am Abend der Vernissage. 26. September 2008 CC by Michael Parzanka</p></div>
<p style="text-align: left;">Noch einmal zurück zum Deckengemälde in Paris. Hier sieht man, wie Lynchs eigene Ausdruckswelt sich zusammen setzt. Da sind die sehr einfachen, manchmal fast kindlich-naiven Elemente (hier sind es Bäume, Fische, Elefanten, Vögel, Menschen, Berge, Kontinente Sterne, Milchstraßen, und im Inneren Moleküle, Zellen, Amöben&#8230; Dann ist da die Wiederholung, das insistierende Serialisieren, und es sind die Ränder, ein endloses Innen und ein endloses Außen. Vom unendlichen Mikro zum unendlichen Makro, von einer Form der Unsichtbarkeit zur anderen, und von einer Form der Unhörbarkeit zur anderen, die kreisförmige Anordnung der Elemente macht, dass sie nicht linear funktionieren, ist ja logisch: Keine Geschichte. Kein Song. Daher ist auch David Lynchs Musik, auch wenn sie ohne Bilder immer irgendwie unvollkommen, über-einfach oder im Gebrauch der alten Instrumente wie Vocoder und Synthesizer zwanzig Jahre mindestens in der Vergangenheit reicht, in diesem Kreisen zwischen dem mikroskopischen Innen und dem makroskopischen Außen schwer beschäftigt. Lynchs Musik ist das, was zwischen zwei verschiedenen und doch verwandten Formen des Unhörbaren passiert. Man könnte auch sagen, wie in den Filmen wiederum, das Vertraute und das Fremde umkreisen sich. Darauf kann man nicht bauen: „Strange and unproductive thinking“, so der siebente Track. Man kann das als Ironie oder als tragischen Widerspruch ansehen. Und wenn es sich nun um seltsame und unproduktive Musik handelt? Zumindest um Musik, die sich weigert, das zu produzieren, was Musik sonst zu produzieren hat: Identifikatorische Rückkopplung. Ich ist was ich höre ist ich. Was (m)ich „aufbaut“. Aber nicht in einer verrückten Clownzeit!</p>
<p style="text-align: center;">___<span style="color: #800000;">______________________________________________________________________</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: medium; color: #800000;">Trance ist nicht das richtige Wort dafür, </span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: medium; color: #800000;">es handelt sich eher um so etwas wie einen akustischen Klartraum. </span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #800000;">_________________________________________________________________________</span></p>
<p>David Lynch ist weder ein Komponist noch ein Musiker, so macht er eine Art von Antimusik. Interessant dabei ist die Fähigkeit Lynchs zugleich dienlich und autonom zu sein, ein vollkommen eigensinniger Teamplayer. Daher ist er einer dieser wunderbaren Brückenbauer, man muss gar nicht jedes Ding mögen, was er macht (obwohl, wenn man mal im Lynch-Kosmos unterwegs ist&#8230;) um zu bewundern, wie sich bei ihm Elemente der Pop Kultur und der Kunst, Avantgarde und Naivität begegnen. Wie in seinen Bildern und in seinen Filmen zersetzt er die inneren Konstruktionen einer Sinn-Maschine. Die Musik führt zu nichts, und die Texte haben die unangenehme Eigenschaft, genau das zu sagen, was sie sagen: „Don’t have to tell me, baby/So you go on down the road now/You gonna leave my sight/But I remember you, baby/Each and every night“, und das kippt ins schlichte „I know/You got to go“. (Der Track heißt „I know“.) Das ist genau so wenig schwer zu verstehen wie das „Send me an angel/Save me“ von „Good Day Today“.  Nur dass die Ordnung von Story und Gefühl nicht mehr stimmt. Und natürlich auch keine von Refrain, Strophe und Bridge.</p>
<p>Interessant sind bislang die Zusammenarbeiten von Lynch mit Angelo Badalamenti, Marek Zebrowski (bei „Inland Empire“) und natürlich, schon ein Klassiker, mit Danger Mouse und Sparklehors auf „Dark Night of the Soul“. „Crazy Clown Time“ ist sozusagen das erste „Solo-Album“ von David Lynch, das er in seinem eigenen Studio zusammen mit dem Toningenieur und Musiker Dean Hurley (Guitarre, Drums) aufnahm. Da kommt das Lynchistische der Musik gleichsam nackt daher.</p>
<p>„Good Day Today“ wiederum ist ein Track, der schon ebenso wie „I Know“ in den verschiedensten Remixes vorliegt. „So tired of Fire/So tired of smoke“ „Save me“ und „I want to have a good day today“ sind die drei Text-Eckpfeiler, die aus jedem Lynch-Film stammen könnten. Wenn Lynch die Zusammenarbeit mit Karen O. von den Yeah Yeah Yeahs beschreibt als „the horror and sadness of losing someone to other dimensions“ so kann man das direkt übersetzen in eine Musik, die verzweifelt versucht, sich an sich selbst festzuhalten und das nicht einmal in ewigen Wiederholungen und der extremsten Verlangsamung schaffen kann.</p>
<p>Warum ist eigentlich etwas und nicht vielmehr nichts? Diese unangenehme und überflüssige Frage (was soll’s, wir müssen arbeiten, wir wollen uns amüsieren) wird in der Regel durch Götter und ihre Geschichten beantwortet. Aber vor allen Göttern und vor aller Geschichte war immer Nichts, und jenseits von ihnen auch. Die Kunst, diese anmaßende Pseudo-Schöpfung, stellt die Frage neu. Sie stellt etwas her ohne die Hilfe der Götter und ohne die Hilfe der Geschichte. Natürlich ist es zuerst einmal nichts anderes als ein unbestimmtes Gefühl, dass alles, was in David Lynchs Kunst ist (und auch wieder nicht ist), direkt an das Nichts angrenzt. David Lynch erforscht das nicht und erklärt das nicht, sondern lässt es nur spüren. Wenn nämlich Sein gleichbedeutend ist mit Einen-Sinn-Haben, dann lockt uns Lynch auch mit seiner Musik in die aus seinen Filmen bekannte Interpretationsfalle: Wenn die Dinge einen Sinn haben, dann liegt er immer woanders. Und David Lynchs Musik ist der Schatten einer anderen Musik, die es gar nicht gibt. Wir hören sie aber trotzdem. Mehr oder weniger.</p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #800000;"> _________________________________________________________________________</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: medium; color: #800000;">Zwischen dem Sein und dem Nichts gibt es eine Zone, </span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="font-size: medium; color: #800000;">eine seltsame und fremde Zone.</span></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #800000;">_________________________________________________________________________ </span></p>
<p>„Strange and Unproductive Thinking“ ist dann wieder so eine dieser Lynch-Behauptungen, wie ein Mantra, das im Kreis herum führt, wie aus „Blue  Velvet“ oder „Twin Peaks“, und alles in allem geht es darum, wie in den Filmen, das Schöne und das Schreckliche in einer besonderen Weise miteinander zu verbinden, so wie es mittelalterliche Totentänze konnten, Symbolisten, wenn sie gerade einmal von den Salons unbeaufsichtigt waren, manche Surrealisten oder die Exponenten der neuen Unschärfe. Zwischen dem Sein und dem Nichts gibt es eine Zone, eine seltsame und fremde Zone.</p>
<p>Natürlich, dass einem ein Lynch-Film ohne Bilder dazu einfällt, teils Erinnerungen an den verschleppten, fast schon zum Stillstand kommenden Rock’n’Roll oder Delta Blues. Merkwürdigerweise, oder auch gar nicht merkwürdigerweise, kommen David Lynchs Musik und seine Schattenmusik immer am nächsten zueinander, wenn eine Frauenstimme damit verbunden ist. Natürlich: ICH sagen kann diese Musik auf gar keinen Fall. Nicht männlich oder historisch oder diskursiv werden. Am ehesten ist es eine Art Rezitativ der verlorenen Seelen, in wechselnden aber immer unmissverständlich „lynchistischen“ Idiomen. Es ist immer, als wäre es nicht Musik, sondern der Schatten von Musik. Nicht Text, sondern der Schatten von Texten.</p>
<p>Vor dem Nichts haben die Menschen noch mehr Angst als vor Tod und Verdammnis. Wahrscheinlich zu Unrecht. Dass aber alles, das etwas ist (und etwas bedeuten soll) so „müde“ ist, wie David Lynch erklärt, dass es sich zurück zum Nichts sehnt, das kann man sehen und hören bei ihm. „Crazy Clown Time“ kann man als Anleitung zum negativen Denken benutzen. Als Begleitmusik zur Dekonstruktion der Ordnung der Diskurse. Oder dazu, sich und seine Mitbewohner sanft an den Rand der Paranoia zu führen.</p>
<p><em>Georg Seeßlen</em></p>
<p><em>erschienen in SPEX</em></p>
<p><a href="http:/http://www.amazon.de/gp/product/B005OYBX3A/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=wwwvideotakde-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B005OYBX3A/www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/51c9cqRbneL._SL500_AA300_1.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-full wp-image-41177" title="Crazy Clown Time" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/51c9cqRbneL._SL500_AA300_1.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a>David Lynch<br />
<strong>Crazy Clown Time</strong><br />
Audio CD<br />
Label: Pias UK/Sunday Best (rough trade)</p>
<p><em>bei <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B005OYBX3A/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=wwwvideotakde-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B005OYBX3A" target="_blank">amazon</a> kaufen</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Hitler im Vogelkäfig sorgt für Debatte</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 08:15:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Henryk Goldberg</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[MELDUNG Ein kleiner Adolf Hitler in Uniform, der grüßend in einem Vogelkäfig eingesperrt ist. Die provokante Plastik des Weimarer Bauhaus-Studenten Sebastian Hertrich werden die Gäste der Ausstellungseröffnung am Donnerstag auf dem Fraktionsflur der Grünen im Landtag nicht gleich sehen. Das Kunstwerk steht in einem Beratungsraum. (Kai Mudra, Thüringer Allgemeine,  26.01.12)
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KOMMENTAR von Henryk Goldberg: Braune  Vögel
Natürlich, streiten kann man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_41121" class="wp-caption aligncenter" style="width: 523px"><a href="http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Hitler-im-Vogelkaefig-sorgt-fuer-Debatte-1554495768" target="_blank"><img class="size-full wp-image-41121  " title="Hitlerkäfig513" src="http://www.getidan.de/wp-content/uploads/2012/01/Hitlerkäfig513.jpg" alt="" width="513" height="192" /></a><p class="wp-caption-text">Nur in einem Zimmer darf Sebastian Hertrich sein Kunstprojekt &quot;Your Brown Cage&quot; - einen Käfig mit Hitlerfigur - im Landtag zeigen. Foto: Sascha Fromm </p></div>
<p><span style="color: #ff0000;">MELDUNG</span> Ein kleiner Adolf Hitler in Uniform, der grüßend in einem Vogelkäfig eingesperrt ist. Die provokante Plastik des Weimarer Bauhaus-Studenten Sebastian Hertrich werden die Gäste der Ausstellungseröffnung am Donnerstag auf dem Fraktionsflur der Grünen im Landtag nicht gleich sehen. Das Kunstwerk steht in einem Beratungsraum. (<a href="http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/kultur/detail/-/specific/Hitler-im-Vogelkaefig-sorgt-fuer-Debatte-1554495768" target="_blank">Kai Mudra, Thüringer Allgemeine,  26.01.12</a>)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #ff0000;">KOMMENTAR </span>von Henryk Goldberg: <span style="font-size: medium; color: #800000;">Braune  Vögel</span></p>
<p>Natürlich, streiten kann man immer. Ob das Kunst ist? Der kleine Hitler im Vogelkäfig, wir stellten ihn gestern vor. Aber im Grunde ist das die falsche Frage, denn was Kunst ist, das kann niemand dekretieren. Die Frage heißt allenfalls, wie überzeugend diese Kunst ist.<br />
Aber darum geht es nicht. Es geht darum, ob man so etwas in einem sensiblen politischen Raum zeigen darf. Die Präsidentin des Thüringer Landtages entschied: nein. Und so darf das Objekt nicht in einem Korridor des Parlamentes gezeigt werden, sondern nur hinter einer verschlosssenen Tür, hinter der die grüne Fraktion einen Raum hat.<br />
Wieso?<br />
Die grundlegende Haltung hinter diesem Kunstobjekt ist vollkommen unmissverständlich. Und wenn der Betrachter assoziiert, es liege an ihm, an jedem Betrachter, „Your Brown Cage“ geschlossen zu halten, es liege an ihm, wie er das braune Gezwitscher empfindet, dann ist das nicht falsch.<br />
Diese Entscheidung steht für die große Unsicherheit der regierenden Politik, gerade im atmosphärischen Umfeld der Nazi-Terror-Szene. Nur nicht provozieren. Indessen, ich mindestens sehe in einem Hitler-Käfig keine Provokation. Was ist daran falsch?<br />
Eine Provokation ist jetzt die Beobachtung der Linkspolitiker. Exakt durch jenen Dienst, dem es nicht gelang, die kleinen Hitlers einzusperren.</p>
<p><em>Henryk Goldberg, Thüringer Allgemeine 27.01.2012</em></p>
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