Die Wolke überm Dom
Erfurt und Weimar leben in traditioneller Konkurrenz. Doch mitunter gibt es
eine stille Kooperation, wenn sie auch keiner, so zu sagen, an die
Gloriosa hängt: Frank Strobel dirigiert die Filmkonzerte der Staatskapelle
Weimar wie nun auch das der Philharmonie Erfurt zu den Domstufenfestspielen.
City Lights heißt dieser Film von Charlie Chaplin, doch ab 22 Uhr gibt es
nur noch Moonlight über Erfurt. Ein Mond, der das schönste Kinos
Deutschland illuminiert. Und einen Film, der gleichsam an seinen
Ursprungsort zurückkehrt. Denn auf dem Markt, dem Rummel hatte das Kino
ursprünglich Heimatrecht, in dieser Bude der Mann mit den zwei Köpfen, in
jener der Kinematograph mit dem boxenden Känguruh. Eigentlich müssten die
Figuren dieses 1931 inszenierten Filmes bereits sprechen, doch der große
Chaplin verweigerte seinem kleinen Tramp das Reden, das hätte ihn
umgebracht. So schrieb Chaplin statt der Dialoge eine Musik. Frank Strobel
dirigierte die von Timothy Brock nach Chaplins Orininalkomposition
arrangierte Musik. Womöglich ist das für Musiker auch ein handwerkliches
Training, denn anders als bei reagierenden Sängern ist hier die Synchronität
von Musik und Mensch eine einseitige Aufgabe.
Wenn die Erbauer des Domes im Glauben nicht fehlten, dann sollte Charlie,
der ein Menschenalter später 2000 Menschen fröhlich machte, wohl heiter auf
jener Wolke gesesssen haben, die sich sanft des nächtlichen Himmels
bemächtigte. Ein gelungener Auftakt des Sommers, der an diesem Abend
vielleicht begonnen hat.
Autor: Henryk Goldberg
Text geschrieben 2005
Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine
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