Volkstrauer mit Maschinenpistolen!?

Am Kriegerdenkmal vor der Münchner Staatskanzlei, das 1924 mit vielen Hakenkreuzfahnen „eingeweiht“ wurde, fand heute ein militärisches Spektakel besonderer Art statt, das mit Trauer nichts zu tun hat.

Die Künstler Wolfram P. Kastner und Wolfgang Sellinger erschienen im „Pfaffen- und im Waffenrock“ mit einem Schild, auf dessen Vorderseite „antreten zum wegtreten“ und auf der Kehrseite „Hier endet die Meinungsfreiheit“ zu lesen ist. Sie unterstrichen damit ihre Forderung, solche Militärspektakel zu unterlassen, und bezogen sich auf die polizeiliche Einschränkung der Kunst- und Meinungsfreiheit, die angeblich „ an der oberen westlichen Hecke“ endet.

Die Polizei und ein privater Sicherheitsdienst hinderten die beiden daran, den weiten Platz um das Kriegerdenkmal zu betreten, damit der militärische Aufmarsch mit Bundeswehr nicht durch die verfassungsmäßig garantierte Freiheit der Meinungsäußerung und der Freiheit der Kunst gestört werde.

Diese polizeiliche Anordnung hält einer rechtlichen Überprüfung sicher nicht stand.

Die beiden Künstler fragen in einem Schreiben den Bundeskriegsminister Thomas de Maizière (siehe unten) sowie den Bundespräsidenten Joachim Gauck, welche Funktion Maschinenpistolen hinsichtlich einer sinnvollen Trauer um die Ermordeten verbrecherischer Angriffskriege erfüllen, und fordern beide auf, das Tragen von Tötungswaffen bei künftigen derartigen Veranstaltungen zu unterbinden.

Bilder: Andreas Kaiser

 

Schreiben an den Bundesminister der Verteidigung:

 

Wolfram P. Kastner                                                                       Wolfgang Sellinger

Institut für Kunst und Forschung                                                     Fuchsbräugasse 1

Trivastr. 7, D-80637 München                                                          85072 Eichstätt

 

Institut für Kunst und Forschung

Trivastr. 7, D-80637 München

Herrn Bundesminister der Verteidigung

Thomas de Maizière
Stauffenbergstr. 18
10785 Berlin

 

18.11.2012

 

„Volkstrauer“ mit Maschinenpistolen !?

 

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

am Kriegerdenkmal vor der Münchner Staatskanzlei, das 1924 mit vielen Hakenkreuzfahnen „eingeweiht“ wurde, fand heute ein militärisches Spektakel besonderer Art statt, das mit Trauer nichts zu tun hat.

Eine Formation von Burschenschaften in vollem Wichs mit Säbeln marschierte zu Jagdmusik vor einer Kompanie der Bundeswehr mit präsentierten Maschinenpistolen und Veteranen aus dem 1870/71er Krieg um den unbekannten Soldaten des Nazi-Künstlers Bernhard Bleeker herum.

Welche Funktion präsentierte Maschinenpistolen bei einer „Trauer“-Veranstaltung haben, ist nicht nur uns völlig unverständlich. Es geht offenbar eher um militärisches Gepränge.

Wir haben heute unsere Forderung, solche Militärspektakel zu unterlassen, mit einer Kunstaktion unterstrichen.

Es gibt wohl keine plausible Erklärung dafür, welche Funktion Maschinenpistolen hinsichtlich einer sinnvollen Trauer um die Ermordeten verbrecherischer Angriffskriege erfüllen.

Deshalb bitten wir Sie dringend, das Tragen von Tötungswaffen bei künftigen derartigen Veranstaltungen zu unterbinden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Wolfram P. Kastner                                                                                                                Wolfgang Sellinger

 

 

 

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