Machtergreifung der Roten Khmer unter Pol Pot vor 40 Jahren –The Killing Fields – Schreiendes Land (Roland Joffé)

Am 17. April 1975 marschierten die Roten Khmer in die Hauptstadt Phnom Penh ein. Die Bevölkerung wurde gezwungen die Zwei-Millionen-Stadt vollständig zu räumen. Sie sollten auf dem Lande als Bauern und Landarbeiter eingesetzt werden. Bereits bei dem Gewaltmarsch aus der Stadt starben viele Menschen.  Nach dem Fall der Hauptstadt verwandelte Diktator Pol Pot das Land in ein riesiges Arbeitslager. Intellektuelle galten als überflüssig und unerwünscht. In den folgenden vier Jahren wurden vor allem der gebildete Teil der Bevölkerung und Regimekritiker von den Roten Khmer ermordet. Dieses dunkle Kapitel der kambodschanischen Geschichte überlebten landesweit nur 50 Ärzte und 5.000 von vormals 20.000 Lehrern. Zwei Millionen Menschen starben an den Folgen der Zwangsarbeit und Folter, an Hunger, Krankheit und Erschöpfung.

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The Killing Fields – Schreiendes Land

Der New York Times-Reporter Sydney Schanberg erlebte den Einmarsch der Roten Khmer in Phnom Penh hautnah mit. Er verbrachte ungewisse Tage in der französischen Botschaft, bis er mit allen anderen Ausländern das Land verlassen musste. Schanbergs kambodschanischer Dolmetscher Dith Pran wurde verhaftet, kam ins Umerziehungs- und Arbeitslager, doch er konnte fliehen und begann in New York ein neues Leben als Fotograf.
Die wahre Geschichte inspirierte Produzent David Puttnam („Die Stunde des Siegers – Chariots of Fire“) und den Dokumentarfilmer Roland Joffé zum bislang besten und eindringlichsten Film über Kambodscha – auch wenn dort keine einzige Szene gedreht wurde. Thailand musste das Nachbarland doubeln, weil in Kambodscha noch immer ein blutiger Bürgerkrieg tobte. Die Thai-Regierung hatte großes Interesse daran, die Dreharbeiten zu unterstützen. Denn im thai-kambodschanischen Grenzgebiet wurden die Füchtlingslager mit hunderttausenden von Kambodschanern ein stetig wachsendes Problem, auf das Thailand die Weltöffentlichkeit aufmerksam machen wollte.

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New-York-Times-Reporter Sydney Shanberg (Sam Waterston) und Übersetzer Dith Pran (Haing S. Ngor)

Gedreht wurde vor allem auf der Insel Phuket, aber auch 200 Kilometer südlich von Bangkok. Im Badeort Hua Hin wurde das 1923 erbaute Railway Hotel, das heute Centara Grand Beach Resort heißt, zum Hotel Le Phnom umgebaut. Denkmalgeschützte Anwesen in der historischen Altstadt von Phuket kamen ebenfalls zum Einsatz: Die Governor’s Residence an der Dibuk Road diente als US-Botschaft, die Szenen in der französischen Botschaft entstanden in der Phuket Provincial Hall an der Narisam Road. Mehr als 3000 Statisten wirkten mit, als Roland Joffé in Phuket die Evakuierung Phnom Penhs in Szene setzte. Die einzigen Kambodscha-Szenen, die nicht in Thailand entstanden, sind jene mit großen Militär-Transporthubschraubern, in denen der US-Botschafter und Dith Prans Familie ausgeflogen werden. Sie wurden sieben Monate später in San Diego, Kalifornien, nachgeholt.
Schauspieler Spalding Gray, der einen Mitarbeiter der US-Botschaft spielte, schrieb über seine Dreherlebnisse in Thailand das Buch „Swimming to Cambodia“. Es wurde 1987 unter der Regie von Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) als Bühnenlesung vor Publikum verfilmt.

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Haing S. Ngor als Dith Pran

Weit mehr als Hauptdarsteller Sam Waterston oder der spätere Hollywoodstar John Malkovich (in der Rolle des Kriegsfotografen Al Rockoff) beeindruckte der Arzt und Schauspieldebütant Haing S. Ngor in der Nebenrolle als kambodschanischer Dolmetscher Dith Pran. Als erster Kambodschaner und Buddhist überhaupt gewann er einen Oscar, doch Jahre später holte ihn das Schicksal ein: Räuber erschossen Haing S. Ngor 1996 in Los Angeles, weil er ein Amulett nicht herausgeben wollte. Es enthielt das Foto seiner Frau, die während des Pol-Pot-Regimes an den Folgen einer Fehlgeburt starb.

 

Auszug aus

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„on location. Reiseführer zu den Orten des Kinos:

Thailand – Kambodscha – Vietnam“

 

von Michael Scholten und Wolf Jahnke,

Schüren Verlag, 2014

9,90 Euro

 

 

 

 

 

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Originaltitel: The Killing Fields.

GB 1984

136 Min.

Regie: Roland Joffé

Kamera: Chis Menges

mit Sam Waterston, Haing S. Ngor, John Malkovich

DVD/Blu-ray: Studiocanal

 

 

 

 

Bild oben: 

Skulls of the victims of the Khmer Rouge occupation of Cambodia in the memorial stupa at the Choeung Ek Killing Field, Phnom Penh, Cambodia.

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weitere Bilder: © Studiocanal

 

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