Wenn Bürger sich wehren

– Was issen? Haste auch ne Waffe?
– Ich werd ihnen den Baseballschläger über die Rübe ziehen.
– Nö, iss nix. Son Baseballschläger kann doch nichts ausrichten. Du musst ihnen schon eine Kugel verpassen können.
– Meinste?
– Mein ich nicht nur. Iss so. Ich hab schon n paar von den Jungs umgelegt.
– Gab doch noch gar keinen Grund.
– Gibt immer n Grund. Die klauen wie die Raben.
– Vielleicht weil se nix haben.
– Und? Hab auch nix. Deshalb zieh ich auch nicht los und plünder mir meinen Lebensunterhalt zusammen.
– Du hasten Geschäft.
– Da hab ich auch einiges für getan. Und zimperlich darfste nich sein. Dann haste verloren. Schwäche können die riechen.
– Da kommen welche.
– Iss ne Gruppe. Muss man mal abwarten.
– Hey, ihr da!
– Was willsten?
– Wollt euch nur mal meine Waffe zeigen.
– Sieht ziemlich alt aus.
– Kann aber noch richtig große Löcher in irgendwelche Typen machen.
– Was willsten damit sagen?
– Plünderer haben keine Chance.
– Sind keine Plünderer. Sind Spaziergänger. Nich wahr, Jungs?
– Ja, ja, sind nur aufem Abendspaziergang. Wird man doch noch machen dürfen, so n Abendspaziergang.
– Iss nix dagegen zu sagen, so lange ihr nicht auf dumme Ideen kommt.
– Hör mal, Alter …
– Junge, nenn mich lieber nicht Alter!
– Hören se ma, wir sind friedliebende Bürger.
– Das sagen se alle über sich. Die ganze Welt scheint aus friedliebenden Bürgern zu bestehen.
– Bei uns stimmts aber.
– Dann könnt ihr ja jetzt auch weiter.
– Haste gesehen?
– Was soll ich denn gesehen haben?
– Die haben die Hosen voll.
– Hab ich nett gesehen. Die waren vielleicht wirklich nur aufem Abendspaziergang.
– Quatsch. Die laufen hier doch nicht mit zwanzig Mann rum und genießen den Sonnenuntergang. Die kommen wieder.
– Und dann?
– Kriegen se ne Kugel in ihre Scheißbirnen.
– Kannste doch nich machen.
– Mit deiner Keule kommste nich weit. Die werden dich abstechen. Einfach so. Das sind Verbrecher. Glaubs mir.
– Sind einfach arme Jungs.
– Unsinn. Red dir die Welt nich besser, als se ist.
– Ich glaub, ich geh jetzt heim …
– Biste bekloppt.
– Das kann hier doch nur in die Hose gehen. Dann sollen sie sich eben holen, was se sich holen wollen.
– Lass ich nich zu. Dein Laden liegt neben meinem. Ich knall die für dich ab.
– Lasses und geh heim. Ich will das nett.
– Nö. Niemals. Wollt schon immer ma so ne Kugel in so nem Gangsterkopp versenken.
– Denke, du hast schon ma auf Leute geschossen.
– Waren keine Leute. War im Krieg.
– Und wen bringt man im Krieg um?
– Den Feind, Idiot. Das hier iss auch Krieg. Sind auch Feinde. Die darf man töten.
– Und wenn da einer drunter ist, den de kennst.
– Kenn doch keine Verbrecher.
– Ich geh jetzt.
– Geh nur, du Schwächling. So n Bürger muss auch bereit sein, etwas für seinen Besitz zu tun.
– Ich geh heim und schlaf mich aus.
– Das ist ja nun wirklich ne Frechheit. Geht heim und schläft.
– Du da!
– Was willsten, Alter!
– Mach dich heim. Haste nix von der Ausgangssperre gehört?
– Und du, Alter, was machst du hier?
– Pass auf, wie de mit mir redest. Ich gehör zur Bürgerwehr.
– Quatsch. Bisten alter Pisser mit einem Revolver in der Hand.

– So, das hatte er jetzt von seinen Beleidigungen. Blutet mir die ganze Straße voll. Idiot. Hätte auf mich hören sollen. Immerhin gehör ich zur Bürgerwehr. Ich bin nich irgendwer. Nö. Nich irgendwer!

Guido Rohm

aktuell: Bürgerwehren rüsten sich gegen Plünderer

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