Leben und Tod einer Pornobande (Mladen Djordjevic)

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Du sollst töten

Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Eben jene Kinder, die der Tod übrig gelassen hat. Die der Tod aus dem Krieg entlassen hat, um sie an die Gestade des Kapitalismus zu spülen. Es gibt stets nur einen Sieger. Und der heißt: Geld. Geld regiert die Welt. Das Geld inszeniert das Leben, die Liebe, die Kunst. Geld inszeniert den Tod. Geld gebärt und vernichtet.

Du lebst in Serbien. Du bist jung. Du willst dem Leben die Hand reichen. Den Körpern. Die Körper sprechen ihre eigene Sprache. Die Liebe lebt sich in den Körpern aus. Die reinste Kunstform der Liebe ist der Pornofilm, die Inszenierung der Liebe, die scheinbare Urbarmachung des Kreatürlichen, diese Messe aus Schwänzen und Mösen, aus Mündern und Ärschen, die sich züchtigen lassen müssen, um der Gewalt der Inszenierung und der Inszenierung der Gewalt Genüge zu tun. Ganz so wie in den Jahren des Krieges. Der Kapitalismus verlagert die Schändungen des Krieges in die künstlichen Reizräume des Wohnzimmers, in die Fernseher hinein, die gefüttert werden wollen mit der Realität, die dem Geldmarkt abhanden gekommen ist.

Du bist ein Künstler. Filmemacher. Du lebst in einer Zeit, die den Krieg und das Grauen vor deine Füße gespült hat. Du willst Filme drehen. Raus da, woraus auch immer. Raus aus der Familie. Der Gesellschaft. Dem Staat. Etwas Radikales tun. Machen. Bewegen. Du hast kein Geld. Du filmst dein Leben. Ein Videotagebuch. Du hältst drauf. Tunkst die Kamera ins Leben hinein. Immer filmen. Dich und deine Freundin beim Sex. Die will das nicht. Nur raus da. Du willst die Kunst, die totale und wahre Kunst, die sich in die Körper schaufelt, immer rein da, also drehst du Pornos. Läuft alles schief und plötzlich schuldest du dem Produzenten Geld. Produzent? Pah! Eine schaurige Figur. Raus da. Weg! Alles anders machen. Die Kunst und das Leben versöhnen. Porno-Theater. Und schon bist du mit einer Truppe unterwegs. Immer weiter. Tiefer ins Land hinein. Ursprünglichkeit. Rein in die Natur. Eine Gang aus Freaks. Alles kann geschehen. Alles geschieht.

Und dann plötzlich steht er da. Bietet dir für viel Geld an, Leute vor der Kamera zu töten. Kein Verbrechen. Nur Menschen, die getötet werden wollen. Hoffnungslose. Die gibt es überall. In diesem Land gibt es sie im Überschuss. Das Land hat die Hoffnungslosigkeit gesät, nun kannst du ernten. Ziehst los, du und deine Pornobande. Kunst! Einer sein, der tatsächlich etwas völlig Eigenständiges erschafft, der den Tod vor die Linse zerrt, den echten Tod, keinen Kunsttod. Das kann nicht gut gehen. Schief geht, was bald fallen muss.

Leben und Tod einer Pornobande. Was für ein Film! Ein Sturz in die Körper, ein Fallen in den Tod. Kino der Unerträglichkeit, der Schwere, der Fallhöhe. Ein Film, um mit dem Kopf und dem Magen über ihn zu stolpern, der dich verfolgen wird, der deine Nächte mit dunklen Gedanken füllt. Ein Film über dich, genau dich, mich, ein Film über unsere Liaison mit dem Leben, mit dem Tod, den wir fressen, den wir uns in die Münder schieben, all die Filmtode, die uns nichts bedeuten, weil der Tod zum Film gehört und der Film zum Leben. Alles gut soweit. Aber nichts bleibt nach diesem Film wie es war.

Guido Rohm

Bilder: © Bildstörung

Leben und Tod einer Pornobande

Ein Film von Mladen Ɖorđević

Serbien 2009  – 107 Min. (uncut)



















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