vom hals der gottheit kosten

 

eingeklemmt dem endlosen zugeneigt an die kinder denkend an den atem einer fremden gekettet die sich meinem mund ergibt die mir in den rachen starrt auf die zähne in die fäulnis die nacht die sich gesenkt hat über uns in der wir sitzen hoffnungslos und bar jeder barschaft die sie genommen haben diebe mörder halsabschneider einer flüstert es wird gut wir kommen doch nur in ein arbeitslager sie werden uns nichts tun nicht heute nicht morgen wir werden leben wir sind die kinder israels die kinder gottes sie nicht so schweig mann ruft eine kratzende stimme eine stimme wie ein reibeisen wie ein rauer wind wie ein tod ich kann nicht sehen woher die stimme kommt sie ist fort während ich auf einen hals starre die frau hat die position geändert nun sehe ich auf ihren hals der dreckig ebenmäßig ist der ein turm aus elfenbein ist der sitz gottes dort sitzt die stimme das wort gottes ich glaube nicht an dich würde ich gerne zu dem hals sagen zu der stimme die nun nicht mehr zu hören ist die ich nie wieder hören werde die sie duschen werden die sie vergasen werden die sie in einen ofen schieben werden weil wir die opfer sind die lämmer europas immer da wenn etwas geschieht im mittelalter verantwortlich für die pest ein husten als sollte es mich an die zeit die ich nie erlebte erinnern so sehe ich zum hals hin der nicht mein hals ist auch nicht leas hals wo ist sie wo ist lea möchte ich fragen vielleicht die untergetauchte stimme die abwesende stimme die stimme aus licht licht ist hier keins nur nacht und gestank und urin und kot und stöhnen und murren und knurren und ein großes wehklagen das ich ausblenden möchte kann es nicht mehr hören will ich sagen sag es nicht würde mich gern an den hals schmiegen der kein leahals ist keine lea weil lea woanders ist vielleicht im vielleicht sie steckt tief im vielleicht im osten im nichts sie hat vielleicht schon erlebt was mir noch bevorsteht ich werde sie nicht mehr sehen werde sie im tod sehen im paradies im oben im unten ich werde bei ihr liegen wie ich an diesem hals liegen möchte möchte das geschmeide an diesem hals sein der wärme strahlt der sinnlichkeit strahlt viel zu viel vielzuvielvielzuvielzuviel sinnlichkeit kann man in diesem waggon ernten in diesem wagen lauert der tod und die nacht und die gedanken die sie gebärt die nacht die endlose wird schon was dran sein an den gerüchten vom gas und den öfen und vom sterben und vom ende dieses volkes vom ende der liebe zu lea zum leahals der sich mir anbietet vom dem ich kosten soll jetzt und allezeit und immer soll ich kosten von diesem apfel also beuge ich mich also beiße ich hinein ein großes schreien ein wehklagen zu viel sinnlichkeit zu viel sinne allzuvielzuvielzuviel sinne ich schmecke haut ich schmecke vom elfenbeinturm ich schmecke den gott ich kaue auf einem göttlichen splitter haut faser erinnerungen an ein essen mit lea wir sitzen da sitzen auch die ungeborenen kinder kann sie alle sehen ein junge zwei mädchen die werden nicht kommen die wurden von leas haut geduscht die wurden aus ihrer gebärmutter geduscht sie wird keine gebärmutter sein sie wird eine tote sein so wie wir alle tote sein werden da hat nicht einmal das konvertieren geholfen nicht die angst und nicht das kosten vom hals der gottheit die noch schreit die meinen blutbeschmierten mund anschreit bestie ungeheuer schreit sie nein nicht doch will ich sagen will sagen die kommen noch zu denen oh seid beunruhigt zu den bestien fahren wir hin hört auf das rattern der zug fährt uns in die hölle ich schmecke die haut ich spüre das leben wer weiß vielleicht ein letztes mal

Guido Rohm

Bild: KZ Auschwitz, Einfahrt; Polen, KZ Auschwitz.- Eingang nach der Befreiung, im Vordergrund von den Wachmannschaften zurückgelassene Ausrüstungsgegenstände (Bundesarchiv, Bild 175-04413 / CC-BY-SA)

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