Hirnbruchstücke 37

Aphorismen für den Hausgebrauch (1)

Tanzen ist der Versuch, sich vor dem Gehen zu drücken.

 

Fashion-Week-Fulda 2013

Alljährlich treffen sich modeunbewusste Menschen aus der ganzen Welt in Fulda, um einmal mehr zu zeigen, was man auch zukünftig nicht tragen sollte, so etwa die Jacke D.D.R. des Designerduos Heubler&Stressberger.

Das schwer pflegbare Material aus gesammelten Flusen, die man aus den Bauchnabeln von 4000 Absolventen der Modeschule Fulda entfernte, ist nicht zum Tragen geeignet, wird aber in etwa drei Wochen zu einem Ladenpreis von 4,35 Euro käuflich erwerbbar sein.

Heubler&Stressberger raten allerdings davon ab.

“Ich würde für den Scheißdreck höchstens 2,25 Euro hinlegen”, erklärte Dario Stressberger in einem Interview, das er erst vor wenigen Tagen dem Szene-Magazin no, no, no gegeben hat.

 

Die Weihnachtstheorie

Wenn über Nacht Schnee gefallen ist, stürmen wir am nächsten Morgen aus dem Haus und wälzen uns darin. Wir wedeln mit unseren Körpern unzählige Engel in den Schnee, bis eine Armee aus Engeln entstanden ist, die später am Tag vom Bischof gesegnet und in einen heiligen Krieg geschickt wird.

Ist das Weiß erst über den Dächern, ist auch Weihnachten nicht mehr weit, auch wenn es Stimmungskiller gibt (die kennt ihr bestimmt auch, die gibt es ja überall), die behaupten, wir hätten schon längst Januar, und im Januar würde man kein Weihnachten mehr feiern. Wir müssten jetzt warten, bis es wieder Dezember ist.

Meine Familie und ich lassen uns von solchen Verleumdungen nicht beeindrucken. Bereits am Nachmittag werden wir im Wald eine Tanne schlagen, um sie in unserem Vorgarten aufzustellen. Das wird ein Fest geben, heisa, wenn wir den Baum schmücken. Glühwein und heiße Würstchen wird es geben, alles direkt in die Hand, sodass die Schreierei groß sein wird.

Ist erst Heiligabend, morgen oder übermorgen, wir haben uns da noch nicht entschieden, weil wir uns noch wegen des Geburtsdatums in den Haaren liegen, wird die Stimmung nicht mehr aufzuhalten sein. Die ganze Stadt wird vom Duft nach Lebkuchen durchdrungen sein. Lieder werden an allen Straßenecken ertönen.

Früher haben wir Weihnachten nur einmal im Jahr gefeiert, bis Streit darüber aufkam, wann das Jesuskindlein denn nun wirklich geboren wurde. Die einen meinen, er wäre an jedem Tag des Jahres einmal auf die Welt gekommen, weil es einem Gott keine Schwierigkeiten bereiten würde, wieder und wieder, einfach ohne Unterlass und Pause, der Welt zu erscheinen. Andere sagen, dass es seine Mama, die Maria, gar nicht ausgehalten hätte. Denn jeden Tag einen Gott entbinden, das ginge gar nicht.

Weil niemand eine befriedigende Antwort geben kann, gehen wir auf Nummer sicher und feiern Weihnachten, wie es uns gerade in den Kopf kommt.

Für das Weihnachtsfest im Sommer haben wir eine Beachparty geplant. Die Krippe wird unter Palmen stehen, und die drei Seefahrer aus dem Morgenland werden dem Kind drei Cocktails reichen.

Aber das ist noch lange hin. Jetzt genießen wir erst einmal den Schnee, der wie Mehl auf uns fällt. Es gibt bereits einige, die die Theorie aufgestellt haben, die Erde sei ein Gugelhupf, der durch eine Küche schwebe, die nur deshalb dunkel sei, weil ein Gott vergessen hat, Licht zu machen. Gewagt, sehr gewagt, aber wer weiß, überprüfen sollte man solche Überlegungen trotzdem.

 

Kalte Rede (Zwischennotiz)

Die Kälte ist ein gefürchteter Feind in unseren vier Wänden. Hat sie erst die Wohnung gestürmt, müssen wir uns wehren. Wir treten ihr mit Decken und dicken Jacken entgegen. Kein Pardon. Jeder Zentimeter unserer Zimmer wird verteidigt. Die Wohnung ist ein Rückzugspunkt, den man nicht einfach aufgeben kann. Am Ende sitzt man auf der Straße und die Kälte gemütlich auf dem eigenen Sofa. So weit kommt es noch!

Mit der Kälte ist nicht zu spaßen, da muss man sich nur erkundigen, wo sie sich am liebsten aufhält. Eine Henkerin ist sie, die bereits von Stalin und anderen eingesetzt wurde, um sich unliebsamer Personenkreise zu entledigen. Was will man mit einer reden, die bereits mit Diktatoren paktierte. Kein Wort.

Angst macht sie einem, anders ist das Klappern der Zähne nicht zu erklären. Stürmt ins Dichterwohnheim, wo der Dichter gerade am Dichten ist, um ihm die Füße in einen Eisblock zu klemmen. Sitzen kann so keiner. Laufen noch weniger. Ständig muss man die Hände bewegen, sie reiben, als ob man ein Ränkeschmied wäre. Man vermittelt doch nur falsche Eindrücke, als würde man etwas im Schilde führen. Garstig wird der sein, muss der Besuch denken, beobachtet er dieses andauernde Reiben der Handinnenflächen aneinander.

Dabei liegt es nur an der Kälte, die, blickt man sich um, einen Generalangriff gegen die Stadt führt. Alles, was nicht Kind und Spaß dran hat, muss leiden, muss gefrorenes Wassergut von den Bürgersteigen kratzen. Kälteblut sozusagen entfernen. Wie nach einem Massaker sieht es hier aus. Jedes Auto vom Frostschimmel befallen. Matsch auf den Straßen, der sich dreckig gibt und – kostet man davon – auch schmeckt.

Nichts für uns, die wir jetzt bereits die dreizehnte Runde um den Wohnzimmertisch drehen, und alles nur, um uns irgendwie Wärme in die Glieder zu laufen.

Wenn nicht bald etwas passiert, wird es dicke Luft geben, spätestens, wenn das entzündete Feuer um sich greift.

 

Aphorismen für den Hausgebrauch (2)

Schnee fällt nie aus heiterem Himmel.

 

Eine alte Tradition, die niemand mehr kennt, die es aber geben soll (Abendnotiz)

Wir haben zu Abend gegessen, ganz nach alter Tradition, die niemand mehr kennt, die es aber geben soll. Gabel für Gabel schaufelten wir in unsere Münder, die nach mehr verlangten, wir kamen mit dem Füttern gar nicht mehr nach und überlegen bereits, wie wir unsere Münder loswerden könnten, ohne dass es auffällt. Fehlt der Mund, kann das schnell zu Problemen führen, zumal in den heutigen Zeiten, die jedem eine Meinung abverlangen. Und plötzlich äußert man sich nicht mehr, nicht mal zum Mundverbot. (Das Mundverbot soll in einigen Monaten in Kraft treten. Es verbietet den Erwerb und Einsatz von Mündern, die nicht innerhalb der EU hergestellt wurden.)

In den alten Zeiten, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, saßen wir beim Abendessen unter dem Tisch. Niemand hinterfragte es jemals. Es war eine Sitte, die sich vor Urzeiten in die Familie geschlichen hatte. Und so hockten wir morgens, mittags und abends unter dem Tisch. Die Erwachsenen stießen sich unentwegt die Köpfe, aber niemand änderte etwas an der Situation.

Heute ist es anders, weil wir uns gegen die Alten auflehnten, die noch immer unter ihren Tischen hocken. Sollen sie doch, es kann nicht unsere Aufgabe sein, die Fehler unserer Eltern weiter und weiter in die Zukunft zu tragen.

Das Abendessen bestand aus Dingen, die ich hier nicht erwähnen möchte, zumal sie den Nachbarn gehörten und mit einem Namen gerufen wurden.

Geschmeckt hat es, vor allem auch der alten Tradition wegen, die niemand mehr kennt, die es aber geben soll.

 

Wie man den Morgen in die Knie zwingt 

Aufstehen. (Die große alte Kunst der Morgenstunde.) Und nicht nur das, sondern gleich auch einen Text hämmern. Weltliteratur also. Und das um die Uhrzeit. Nicht leicht. Ihr könnt euch das schon denken.

Dabei muss erst noch der Körper ausgerichtet werden. Körper ist das Ding, in dem wir stecken. (Prima Satz. Gut für einen Aphorismus.) Die Beine verheddern sich, vermutlich weil es dunkel ist und die Augen nichts für die Beine sehen können. Die Beine müssen alleine zurechtkommen. Unmöglich, deshalb rennt man mit dem Körper (s.o.) gegen Wände. Bis man in der Küche ankommt, ist der Körper (s.o.) bereits von oben bis unten mit blauen Flecken übersät. Der Mensch als große Wunde, die schmerzt (Fast ein prima Satz. Drüber nachdenken, ob es für einen Aphorismus reicht.)

Man ist erst fünf Minuten im Tag und ist bereits am Ende. Nicht überfordert, wie es vorkommt, wenn man eine Passagiermaschine notlanden muss, sondern überfordert, weil man jetzt Kaffee machen will, obwohl man zugeschwollene Augen und ein gebrochenes Nasenbein hat. Jetzt wäre ein Zivildienstleistender hilfreich. Wurden abgeschafft. Dann eben ein junger Mann, der ein freiwilliges soziales Jahr ableistet. (Ehefrauen lachen über so etwas. Halbtot lachen die sich. Freiwillige soziale Jahre leisten sie ab, bis der Tod oder das Familiengericht sie scheidet.) Kein junger Mann greifbar. Selbst ist der junge Mann.

Kaffee soll man nicht trinken. Die Pflücker werden unterbezahlt. Wer Kaffee trinkt, der nicht aus fairem Handel stammt, den muss man mit einem Kinderschänder auf eine Stufe stellen. So einer frisst auch Fleisch und zerbricht sich nie den Kopf darüber, wo die Gummibärchen herkommen. Böse Menschen. Kennen Sie so einen, stellen Sie den Kontakt ein. Überhaupt sollten Sie ihre Freunde und Bekannte genau unter die Lupe nehmen. Da finden sich bestimmt zwielichtige Gestalten, die man aussortieren kann. Raus, raus, raus, bis man ein Klima geschaffen hat, in dem es sich zu leben lohnt. Vegetarismus ist Voraussetzung. Kleidung sollte nicht getragen werden, wenn sie nicht aus Blättern besteht. Wer Auto fährt, sollte von ihnen bespuckt und ihres Lebens verwiesen werden.

Jetzt habe ich den Faden verloren.

Wo waren wir? Küche! Kaffee.

Nehmen wir mal an, Sie konnten ihre Kinder durch laute Schreie in die Küche locken. Fordern Sie das Genmaterial auf, es möge Ihnen einen Kaffee zubereiten, schlussendlich könnten Sie sich ja nicht um alles kümmern.

Irgendwann sitzt man auf seinem Schreibtischstuhl und tippt. Weltliteratur produzieren (s.o.), und das am laufenden Band. Die morgendlichen Stunden sind eine Qual, ein Überlebensparkour, den es zu durchqueren gilt, wobei die Anzahl der Freund- und Kindesverluste so gering wie möglich zu halten ist.

Haben Sie den Morgen erst in die Knie gezwungen, könnte es tatsächlich sein, dass Sie Rest des Tages auch bewältigen.

 

Silvio, Chantal und Barbie Rohm on Tour        

Fast Food. Isst kein Mensch, weil es impotent und dumm macht. Führt direkt essenderweise ins Dschungelcamp, wo man sich Joey nennt und Angst davor hat, morgen früh tot aufzuwachen. Burger, der kommt uns nicht ins Maul, auch wenn wir eben in einem Burger-King-Restaurant saßen, verkleidet, wie es sich gehört.

Ich als Silvio Rohm, das Hemd bis zum Bauchnabel aufgeknöpft. Widerlich. Die Frau ganz Tussi. Verschluckte sich beim Kaugummikauen, sodass sie mir bereits vor dem ersten Bissen wegsterben wollte. Die Tochter haben wir auf totaldebil getrimmt, also mit offenem Mund, der erstaunt darüber ist, dass es ihn gibt. Derart kann man sich auch mal in die Halbwelt der Gastronomie begeben. Die Unterwelt ist es nicht, die frittiert sich in einem Anhänger vor OBI die Finger blutig.

Man will ja Teil Gesamtdeutschlands sein, tendiert aber auch dazu, sich von der Masse abzusetzen.

Das ist ja das Problem am Leben, das man an ihm teilnimmt, aber das meiste davon abstreiten muss. Bild-Zeitung? Nein, nie, ich doch nicht. RTL? Nie gehört. Was soll das sein?

Da ist man ständig auf der Flucht, der Schweiß rinnt den Rücken hinunter, dass man sich wie eine Dusche vorkommt.

So kommt es eben, dass man als Silvio Rohm seinen fettigen Triefburger schlürft, Blatt für Blatt, Brocken für Brocken, bis der Magen schmerzt, und man wirklich keinen verstehen kann, der sich diesen Fraß antut. Nur raus hier. Gut, dass wir nicht mit uns in Verbindung gebracht werden können.

Arme Schweine, die sich das jeden Tag antun, denkt man, schleift die Füße zum Wagen, um sich kurz vor dem linken Reifen zu übergeben.

Man wird es hassen, solange, bis einen der Heißhunger auf Burgerbröselfraß wieder überfällt, was einen raschen Kleidungswechsel zur Folge haben wird.

Dann ist die Zeit gekommen für Silvio, Chantal und Barbie Rohm.

 

Vom Sex mit einem leeren Blatt Papier oder: klököäkzgsdfabcjcn, shdhdbcfsvvskkn dbn

Wo anfangen, denke ich.

Mit einem ersten Buchstaben ist noch nichts gesagt, gar nichts, es gibt nur diesen ersten Buchstaben, der nicht allein bleiben will, der also eventuell eine Aussage treffen möchte. (Er trifft aber keine, nicht mal einen zweiten Buchstaben trifft er, der einsame Bursche.)

Viele Buchstaben müssen auch keine Aussage treffen. Es könnte sein, dass sie nur viele Buchstaben bleiben wollen, in etwa so: klököäkzgsdfabcjcn, shdhdbcfsvvskkn dbn. (Diese bringen uns hier nicht weiter.)

Als Kleinkind kam ich mit einem Ohhh recht weit, weil Ohhh alles war, zum Beispiel die Oma, die mich nicht ausstehen konnte. Da ich das Produkt einer Verbindung war, die sie nie gutgeheißen hatte, betrachtete sie mich stets mit einem gewissen Ekel in ihrem Gesichtsausdruck. Sie tippte mir mit ihrem Finger auf die Brust, als sollte ich etwas zugeben. Vielleicht hoffte sie auch, ich würde platzen, wenn man nur lange genug eine Stelle bearbeitete. Ballons lösen sich in Fetzen auf, warum also nicht ein Mensch, der klein und auch hauptsächlich mit Gas gefüllt ist? Das könnte sie sich ausgesponnen haben, ich will es nicht behaupten, nicht als Anklage in den virtuellen Gerichtsraum führen, auch weil sie längst tot ist und sich nicht wehren kann. (Sie liegt nicht weit von meinem Vater, und man müsste sich einmal in der Nacht auf den Friedhof schleichen, um den Seufzern und Schimpftiraden der Toten zu lauschen. Mein Vater und meine Großmutter werden sich nichts zu sagen haben, sie werden schmollen, die längst zerfallenen Köpfe zur Seite gedreht, damit sie nicht zufällig in die Richtung des jeweils anderen blicken. – Selbst im Tod können wir uns nicht entkommen, hier in der Provinz schon mal gar nicht, wo es geschehen kann, dass man in der Nähe seines Erzfeindes beerdigt wird, der es sich nicht nehmen lassen wird, üble Gerüch(t)e in der Geisterwelt zu verbreiten, einzig damit die ewige Ruhe nicht zu friedlich verläuft. – Auf der anderen Seite, das kann ja was haben, so ein Jenseitsnachbarschaftsstreit, denn wenn es so sein sollte, dass da nicht viel bzw. gar nichts kommt, wird man froh um jede Ablenkung vom Trist des Friedhofsalltags sein.)

Ist ja täglich ein Wunder, einen Text zu beginnen, von dem man nie weiß, wo er einen hinbringt. Eine Ansammlung von Buchstaben, die irgendwann Zellen und Haut und Augen und Gebiss einer Notiz sind, die einen spazieren führt, obwohl es anders geplant war. Dabei soll doch der Autor Herr über seine Schöpfung sein, und nicht umgekehrt.

So ein Rottweilertext zerrt an der Leine, schnüffelt bald hier, bald dort. Man verdreht die Augen und hofft, dass einen niemand beobachtet. Sonst kommt der Leser aus dem Kichern nicht mehr raus. “Hihihi”, wird er lachen. “Haste den gesehen? Der hat einen Text, der mit ihm Gassi geht. Und, Mann, guck mal jetzt, was der für einen Haufen hinterlässt. EKELERREGEND!”

Jetzt ist es mehr als ein Buchstabe geworden, auch mehr als die Ansammlung dieser Buchstaben, die keinen Sinn ergeben hätten: klököäkzgsdfabcjcn, shdhdbcfsvvskkn dbn, aber weniger, als ich hatte schreiben wollen. Geplant war etwas Politisches, etwas, das die Leute zum Nachdenken bringt.

Das kommt davon, wenn man den Worten die lange Leine gibt und sie schnüffeln lässt, wo sie wollen.

Wenn man einen Text loswerden will, kein Problem. Schnappen Sie ihn sich, streicheln Sie ihn, beruhigen Sie ihn, sagen Sie ihm, was für ein Prachtkerl er ist und binden Sie ihn an der Leitplanke ihres Blogs fest. Soll sich doch jemand anders um ihn kümmern.

Man dreht sich um und blickt nicht zurück, pfeift sich ein Lied, und sollte man auf den Text angesprochen werden, kann man immer noch behaupten: “Nein, das ist nicht meiner. Der sieht ihm nur ähnlich. Nie würde ich meinen Liebling einfach so aussetzen. – Wo er momentan ist? Äh, ich weiß nicht. Es könnte sein, dass er abgehauen ist. Dämliches Ding, das macht er zu gern.”

Und weil der alte Text fort ist, setzt man sich an die Zeugung eines neuen. Den Zeigefinger auf die Tastatur, und dann vor-zurück, vor-zurück, vor-zurück. Zwischendurch ein bisschen heftig atmen, schneller, heftiger. Schreien. Man zeugt einen Text, das kann ruhig mit Lust geschehen.

Beginnen Sie mit einem ersten Buchstaben, lassen sie andere folgen, stecken Sie ihr Ding (Hirn) tief rein, lassen Sie das Ding nicht wühlen, ziehen Sie es mit Gefühl hinaus, nicht ganz, wieder rein. Das wird schon. Sie werden es dem leeren Blatt schon besorgen. (Keuchen Sie: “Du geile Sau!”)

Erschreiben Sie sich ein Kind der Liebe. Und wenn es mit ihnen nicht funktionieren sollte, können Sie das Kind-Hund-Text-Ding aussetzen, ganz so wie oben beschrieben.

 

Zwischennotiz

Weil die Kinder in den letzten Wochen einige Reisende überfallen haben, die sich bereitwillig in ihre Messer fallen ließen, deren Bäuche die Klingen geradezu dankbar an- und aufnahmen, sind wir an diesem Nachmittag auf die KAISERWIESE geritten, die gleich neben Fulda liegt, unschuldig wie ein junges Mädchen, das sich zum Sonnen auf einem braunen steinigen Acker niedergelassen hat.

Auf der KAISERWIESE bieten fliegende Händler und Holländer ihre Waren feil, von Butter bis Sonnenmilch bekommt man beinahe alles, auch gebrauchte Kühe.

Aber wie Kinder nun einmal so sind, sie konnten und wollten sich nicht entscheiden, ob sie ihr Geld lieber in eine Seejungfrau oder einen sprechenden Cowboy investieren sollten, sodass wir nach Stunden mit leeren Beuteln von dannen zogen, mit der Erinnerung im Gepäck, dass es auf der KAISERWIESE die merkwürdigsten Felsformationen zu erstehen gibt, ist man nur bereit, sie käuflich zu erwerben. (Platz sollte man dafür natürlich Zuhause auch haben.)

Ein wunderbarer Nachmittag, den wir nun lachend bei Keks und Pfeife ausklingen lassen.

 

Aphorismen für den Hausgebrauch (3)

Abendessen ist der Versuch, miteinander auszukommen, obwohl die Salami sich dem Ende zuneigt.

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