Das Paradies kann warten (Im Labyrinth von Guido Rohm)

Ein Text von Guido Rohm

Zwei Terroristen unterhalten sich:

“Wir machen jetzt was?”
“Wir sprengen uns vor dem Regierungspalast in die Luft.”
“Jetzt? Ich meine, muss das sein? Ich habe mich noch nicht mal geduscht. Sollte man nicht wenigstens gut riechen, wenn man im Paradies ankommt? All die Jungfrauen …, du verstehst was ich meine, Bruder.”
“Hier ist dein Sprengstoffgürtel.”
“Ich trage nur Hosenträger. Hättet ihr nicht Sprengstoffhosenträger?”
“Schweig!”
“Ich kann mich heute nicht in die Luft sprengen. – Außerdem war Said viel früher im Ausbildungscamp.”
“Keine Ausreden mehr.”
“Ausreden? Das sind keine Ausreden, das sind Tatsachen. Said hat im Lager ständig davon geschwärmt, als Märtyrer zu sterben. Es wäre egoistisch, wenn ich jetzt vor ihm ins Paradies käme.”
“Wir brechen auf!”
“Habt ihr mal aus dem Fenster gesehen? Es regnet. Kein Mensch sprengt sich bei solch einem Wetter in die Luft.”

 

… und ein Blick in die neue Ausgabe von “Charlie Hebdo” – die eine Woche nach dem Attentat als achtseitige Sonderausgabe in 16 Sprachen und einer Auflage von drei Millionen Exemplaren erschienen ist:

islamist680
„Man sollte die Leute des Charlie Hebdo in Ruhe lassen“, meint einer dieser Islamisten, „sonst werden sie noch zu Märtyrern und dann schnappen uns die Idioten im Paradies alle Jungfrauen weg.“ (Bild: Charlie Hebdo)

 

 „Mehr Menschen bei Charlie als bei der Messe.”

 

charlie2-680

Auf dem Triumphbogen steht: „Paris ist Charlie“, und aus der Ewigen Flamme (Flamme du Souvenir) kommt eine Stimme: „Ich kriege einen Steifen“.  (Bild: Charlie Hebdo)

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere