Heiß

Es gibt in diesem Film eine wirkliche Provokation, eine wirklich laszive Szene – und die überlebt seit 1992 als Legende

Sharon Stone in einem kahlen Keller, vor ihr die Polizisten. Nachdem sie die beiden erst intellektuell vorgeführt hat, führt sie sich vor und gibt ihnen den Rest. Die Blonde schlägt langsam die Beine übereinander, ganz langsam, ganz souverän. Die Herren erstarren, denn die Dame trägt keinen Slip. Das ist eine wirklich erotische Szene, eine Provokation auch für den Zuschauer.

Nicht weil ein Unterleib zum Vorschein kommt: Weil er zum Vorschein kommt in einer Situation, die dafür nicht vorgesehen ist. Da kommt das Knistern, wie im richtigen Leben, aus der Situation, nicht aus dem bloßen Anblick von Haut & Haar. Diese Szene bleibt, weil sie eine atemverschlagende Situation erzählt. Der Rest des Filmes von Paul Verhoeven ist immer noch gut gemachte Unterhaltung mit Erotik-Faktor.

Die schöne und kluge Schriftstellerin ist vielleicht eine kalte Mörderin, aber ganz gewiss die Frau, die den Polizisten (Michael Douglas als Rückenakt) heiß macht. Der lässt es darauf ankommen, Liebe ist heißer als der Tod. Und die eine Szene heißer als der Film.


Text: Henryk Goldberg