“Zwischen Himmel und Hölle” oder: Die Welt in einer Nussschale

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Über Akira Kurosawas große Verfilmung von Ed McBains „Kings Lösegeld“

Die eigene Geldverdien-Karriere ruinieren oder seine Menschlichkeit? Vor diese moralische Wahl und vor die Frage, ob alle Leben gleich viel wert sind, stellt Kurosawas Verfilmung von Ed McBains moralischem hardboiled-Kriminalroman „Kings Lösegeld“ (King’s Ransom, 1959) seine Hauptfigur, einen Schuhfabrikanten. Statt seines eigenen wird versehentlich „nur“ der Sohn seines Chauffeurs entführt, die Entführer aber beharren auf dem gleichen Lösegeld.

In der richtigen Hand – der von Akira Kurosawa – taugt dies zum Stoff einer griechischen Tragödie, nebenbei auch zu einem grandiosen Polizeifilm.
 Der brasilianische Autor Edney Silvestre („Der letzte Tag der Unschuld“) greift diesen Plot in seinem am 15. Juli 2016 bei Limes erschienenen Kriminalroman „Der stumme Zeuge“ wieder auf. Anlass für CrimeMag, einen Text aus Frank Göhres und Alf Mayers „Cops in the City. Ed McBain und das 87. Polizeirevier“ (Culturbooks, eBook, und unplugged als Klappenbroschur) in ungekürzter Fassung und bebildert vorzustellen.

Der große Toshiro Mifune verkörpert bei Kurosawa den Schuhfabrikanten Kingo Gondo, kraftvoll und minimalistisch, zurückgenommen. Er liefert eine seinen großen Samuara-Filmen ebenbürtige Glanzleistung. „Zwischen Himmel und Hölle“ (Tengoku to jigoku) nannte Akira Kurosawa den Film, es ist eine die Vorlage beachtlich erweiternde Adaption des Romans von Ed McBain. Es war der zehnte Roman vom 87. Polizeirevier und der dritte, der als Hardcover erschien. Anthony Boucher schrieb dazu am 6. Dezember 1959 in der „The New York Times“: „Es mag monoton klingen, einen beständig bewundernswerten Autor zu loben, aber dieses Buch ist so kraftvoll und überzeugend, dass man sich auf eine dramatisierte Umsetzung freuen würde.“

Der aus einer Samurai-Familie stammende Akira Kurosawa, von Kindesbeinen an mit westlicher Literatur, Schubert und Beethoven vertraut, las den Roman, seine noch junge Produktionsgesellschaft kaufte die Filmrechte für 5.000 Dollar. Die Geschichte, an deren Drehbuchfassung er dann mit drei Autoren arbeitete – in der gleichen Zeit, in der am anderen Ufer des Pazifiks Evan Hunter/ Ed McBain mit Hitchock an den „Vögeln“ saß –  sagte Kurosawa zu. Dies nicht nur, weil es in seinem Freundeskreis eine Entführung gegeben hatte. Kurosawa sah etwas Größeres, etwas Universelles in dem Stoff. Und er fand die Idee brillant, dass eine Lösegelderpressung unabhängig davon funktioniert, wer da entführt worden ist … (weiterlesen auf culturmag.de)

Alf Mayer

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