Sei was du scheinen möchtest. Alice in Wunderländern
Verfaßt von Georg Seeßlen und Markus Metz in Kultur am 8. März 2010
Mit Tim Burtons Film “Alice im Wunderland” erscheint die jüngste Interpretation der Geschichte, die der britische Schriftsteller und Mathematiker Lewis Carroll 1865 veröffentlichte: prominent besetzt, mit phantastischen Computergrafik- und Ausstattungsphantasien.
“Es ist ein so großer Teil unserer Kultur”, sagt der Regisseur. “Was ich am Wunderland mag, ist die Tatsache, dass alles etwas schräg ist, selbst die Guten.” Anlass für einen Rückblick auf die vielen Variationen, Illustrationen und Interpretationen dieses Stoffes von Disney über Claude Chabrol und Christian Enzensberger bis Gilles Deleuze sowie auf die Spuren, die “Alice im Wunderland” durch die populäre Kultur zieht. Ein Stoff, der viel mehr ist als nur ein “Kinderbuch-Klassiker”. Der Generator betrachtet das Wunderland mit den Augen von Künstlern, Philosophen und Naturwissenschaftlern: nicht als bunten Kindertraum, sondern als frühen Blick in den Abgrund – “Malice N Wonderland” …
gesendet: Sonntag, 07.03.2010, 22:05 Uhr, auf Bayern 2
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SPARKS: The Seduction of Ingmar Bergman
Verfaßt von Georg Seeßlen in Empfehlung, Musik am 3. März 2010

This is the cover art for The Seduction of Ingmar Bergman by the artist Sparks (Label: Lil' Beethoven)
Die Sparks haben eine Radio-Oper geschrieben. Das ist schon mal gut, und die Erzähl-Idee dazu ist beinahe noch besser: Der schwedische Filmemacher Ingmar Bergman, Angst-ridden, existentiell auf der Suche nach Wahrheit und Ich wie je, gerät in die Glitzerwelt von Hollywood, ohne recht zu wissen wie und warum. Das Tiefe und die Oberfläche begegnen einander, stoßen sich ab, ergänzen sich, widern sich an, versuchen sich zu verbünden, wenigstens zu verstehen, es entsteht ein geniales Kuddelmuddel. Ein Alptraum aus Fröhlichkeit und Entsetzen.
Und das ist natürlich genau das, was die Musik der Sparks ausmacht. Die Brüder Ron und Russell Mael, die mit wechselnden musikalischen Mitarbeitern einerseits einen ganz eigenen musikalischen Kosmos geschaffen haben, andrerseits aber auch immer sehr intensiv und direkt auf die Geschichte von Pop und Politik reagiert haben, haben immer daran gearbeitet, Oberflächen zu durchstoßen.
Was ist so verdammt komisch an den Sparks? Erstens: Ihre Musik macht keine Witze (wie, sagen wir, Frank Zappa oder die Eels), sie ist ein Witz. Sie führt einen mit der temperamentvollen Fröhlichkeit von Ron Maels musikalischen Maschinen und der kindlichen Falsett-Stimme von Russel Mael immer wieder um’s Eck. Zweitens: Alles kann Sparks-Musik werden, unverwechselbar und überraschend. Glam-Rock, Techno, Pop, Intimität, das Großorchestrale, Selbstreferenz, Klassik, Surrealismus, Sophistication, alles das und noch viel mehr kann man den Sparks zuordnen, ohne ihre Konzept-Kunst zu fassen. Nur das ist, drittens, sicher: The Sparks sind high concept. Zum Rest des Beitrags »
Käutner-Preis 2010 für Christoph Schlingensief
Verfaßt von Georg Seeßlen in Film, Gesellschaft, Kultur, Regisseur am 2. März 2010
Laudatio von Georg Seeßlen
Wer einen Künstler preisen will, der muss wohl damit herausrücken, was er für die ideale Kunst zur Zeit und wen er für einen Künstler hält, der dem nahe kommt. Und genau darum soll es im folgenden gehen, nämlich um die Frage, was Kunst zur Zeit können, dürfen und wollen sollte, und was Christoph Schlingensief damit zu tun hat.
Der Künstler, meiner bescheidenen Meinung nach, ist ein Mensch, der ICH sagen kann, nicht so sehr zu sich selbst, als vielmehr zur Gesellschaft. Das scheint nun vielleicht ein wenig verwirrend angesichts einer Gesellschaft von Egomanen, Egozentrikern und vor allem Egoisten. Einer Gesellschaft, in der man eine Me-Generation diagnostiziert hat, die man im Zeitalter des Narzissmus verortet hat, in der jeder als radikaler Ich-Darsteller für fünf Minuten Ruhm im Fernsehen seine Würde aufs Spiel setzt, eine Gesellschaft in der Geiz geil ist und Entlassungen den Finanzwert einer Firma erhöhen und der ich-süchtige Aktionär an der Vernichtung von Arbeit verdient, eine Gesellschaft, in der man sich um nichts so sehr Sorgen macht wie um mein Haus, mein Auto, mein Pool, Zum Rest des Beitrags »
Alice’s Abenteuer im Wunderland
Verfaßt von @getidan in Empfehlung, Kino am 2. März 2010
Es war bald gesagt, „Trinke mich“, aber die altkluge kleine Alice wollte sich damit nicht übereilen. „Nein, ich werde erst nachsehen,“ sprach sie, „ob ein Todtenkopf darauf ist oder nicht.“ Denn sie hatte mehre hübsche Geschichten gelesen von Kindern, die sich verbrannt hatten oder sich von wilden Thieren hatten fressen lassen, und in andere unangenehme Lagen gerathen waren, nur weil sie nicht an die Warnungen dachten, die ihre Freunde ihnen gegeben hatten; zum Beispiel, daß ein rothglühendes Eisen brennt, wenn man es anfaßt; und dass wenn man sich mit einem Messer tief in den Finger schneidet, es gewöhnlich blutet. Und sie hatte nicht vergessen, daß wenn man viel aus einer Flasche mit einem Todtenkopf darauf trinkt, es einem unfehlbar schlecht bekommt.
Diese Flasche jedoch hatte keinen Todtenkopf. Daher wagte Alice zu kosten; und da es ihr gut schmeckte (es war eigentlich wie ein Gemisch von Kirschkuchen, Sahnensauce, Ananas, Putenbraten, Naute und Armen Rittern), so trank sie die Flasche aus. Zum Rest des Beitrags »
John Wayne – “The Shootist”
Verfaßt von Dr. Marcus Stiglegger in Film, Filmgeschichte, Schauspieler im März 2010

Die Abbildung zeigt das Cover des im Frühjahr 2010 erscheinenden Buches „John Wayne – Hollywood Collection“ aus dem Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf
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Das Ende einer reaktionären Ikone
Don Siegel war bereits fortgeschrittenen Alters, als er in der Blüte des New Hollywood-Kinos der frühen 1970er Jahre einige moderne Klassiker schuf. Dazu gehören Dirty Harry (1971), Der große Coup (1973) und – Der Shootist (1976), der letzte Film der Western-Ikone John Wayne, und zugleich das Resümée von dessen gesamter Karriere. Dabei ist Der Shootist, der nun bei Koch Media auf einer hervorragenden DVD neu vorliegt, ein Film der alten Männer (und Frauen): John Wayne, James Stewart und Lauren Bacall stehen allesamt für Hollywoods große Ära der 1940er und 1950er Jahre und blicken gemeinsam auf jahrzehntelange Karrieren zurück. All das denkt Siegels Inszenierung mit, und schafft mit Der Shootist einen Meta-Spät-Western, der Clint Eastwoods Erbarmungslos (1992) elegant und leicht vorwegnimmt. Erzählt wird die Geschichte von John Bernhard Books (Wayne), einer Legende unter den Revolverhelden des Wilden Westens. Doch der Westen hat an Wildheit verloren – man schreibt das Jahr 1900, und auch Books ist inzwischen alt und grau geworden. Als er von seinem Arzt (James Stewart) erfährt, dass er an Krebs im fortgeschrittenen Stadium leidet, mietet sich Brooks bei der Witwe Rogers (Lauren Bacall) und deren Sohn (Ron Howard) ein. In panischer Angst vor einem schmerzhaften Tod im Bett will Books es noch einmal wissen und legt sich mit den Gangstern und Falschspielern der Gegend an, um sich mit einem großen Abgang zu verabschieden. Am Ende steht er alleine in einem Saloon seinen drei Killern gegenüber und liefert sich ein beispielloses Schlachtfest. Zum Rest des Beitrags »
George A. Romero und seine Filme
Verfaßt von Georg Seeßlen in Buch, Film, Literatur im Februar 2010
„Night of the living dead/Die Nacht der lebenden Toten“ hat George A. Romero 1968 bekannt gemacht. In der vergangenen Woche ist er 70 geworden. Über den Exzentriker des Horrors hat Georg Seeßlen eine gewohnt akribisch geschriebene Monographie veröffentlicht.
Dazu ein Gespräch mit Georg Seeßlen: (gesendet: Montag, 08. Februar 2010, auf SWR)
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Zum 70. Geburtstag des Regisseurs am 4. Februar 2010 analysiert Georg Seeßlen seine Filme und präsentiert faszinierende Einblicke in die Welt des eigenwilligen Film-Genies, das fernab von Hollywoods Zwängen einen Geniestreich nach dem anderen präsentiert.
Als 1968 Night of the Living Dead in die Kinos kam, ein an expressionistischen Stummfilmen geschulter Horror-Schocker, ahnte niemand, dass dieser Film das Genre für immer verändern würde. Vierzig Jahre später sind George A. Romeros gesellschaftskritische Zombie-Filme längst fester Bestandteil sowohl der Pop-Kultur wie auch des kulturellen Mainstream.
GEORGE A. ROMERO UND SEINE FILME
Georg Seeßlen
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-937897-37-0
320 Seiten, 23,00 EUR
erscheint im Februar 2010 in der Edition Phantasia
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Jonathan Demme (*22.02.1944)
Verfaßt von Henryk Goldberg in Regisseur am 21. Februar 2010

Insanely fantastic behind the scenes picture of director Jonathan Demme literally helping Anthony Hopkins get into character as Dr. Hannibal Lecter in The Silence of the Lambs. Quelle: www.cinemaisdope.com
Ein Meisterwerk
Blood, Sweat and Fears brachte „Das Schweigen der Lämmer“ auf den Punkt, und präziser ist es nicht zu sagen: Blut, Schweiß und Angst. Ein Begriff allerdings fehlt, der sich nicht in das Wortspiel integrieren ließ: Kunst. Ein Film, den anzuschauen es einiger Nervenkraft sowie im Detail auch einer gewissen Ekelresistenz bedarf: und der zugleich ein großes Kunstwerk ist, einer der besten Thriller seit der Erfindung des Kinos. Fünf Oscars, ein Kunstwerk, das selbst im brutalsten Detail von filmischer Intelligenz ist und nie primitiv. Ein Trendsetter auch, denn Jonathan Demme definierte damit für die neunziger Jahre die Verbindung von Horror und Kunst.
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Das ist nicht, natürlich nicht, der einzige Film von Jonathan Demme, der am morgigen Sonntag 60 Jahre alt wird, aber es ist sein einziges Meisterwerk. Andere Arbeiten sind handwerklich hoch achtbare Arbeiten, doch so wie das Buch, wie die exzellenten Jodie Foster und Anthony Hopkins zusammenpassten, so passte es nie wieder. Mit dem Aids-Drama „Philadelphia“ zeigte Demme, wie es Hollywood immer wieder gelingt, große Themen publikumsnah zu verbreiten mit dem Schweigen der Lämmer bewies er, dass exzellentes Handwerk in glücklichen Fällen ein Meisterwerk schaffen kann.
Autor: Henryk Goldberg
Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine, 21.02.2004 (anlässlich Jonathan Demmes 60. Geburtstag am 22.02.1944)
Eugène Francois Vidocq
Verfaßt von Alf Mayer in Buch, Krimi-Kolumne: Blutige Ernte, Literatur, Schriftsteller am 20. Februar 2010
Das Gesicht des Verbrechens
Memoiren von Vidocq
Er wurde zu einer Inspiration für Balzac, Victor Hugo, Alexandre Dumas und Edgar Allan Poe. Er war Gauner und Ausbrecher, Polizeispitzel und Geheimagent, er gilt als der erste Privatdetektiv und als ein Begründer der modernen Kriminalistik. Seine Lebenserinnerungen von 1828 sind nun wieder zugänglich, in einer erschwinglichen Taschenbuchausgabe: „Memoiren von Vidocq. Chef der Sicherheitspolizei“.
Auf solche Ausgrabungen ist eigentlich die „Andere Bibliothek“ abonniert. Aber es ist ein kleiner Frankfurter/Neu-Isenburger Verlag, der dieses literarisch-kriminalistische Juwel herausgebracht hat, in der „Edition Flaschenpost im Wunderkammer Verlag“. Dort werden übrigens auch, kenntnisreich kommentiert und sorgfältig editiert, die Abenteuerromane Emilio Salgaris wieder aufgelegt, die alles übertreffen, was Karl May für Literaten wie Arno Schmidt und Hans Wollschläger so interessant gemacht hat.
Die aktuelle Vidocq-Ausgabe erschien auf Deutsch erstmals 1920 unter dem Titel „Landstreicherleben“, übersetzt vom linken Literaten Ludwig Rubiner. 1968 (!) erlebte das Buch eine Neuauflage, beim Verlag Rogner&Bernhard als „Vidocq, der Mann mit den hundert Namen“. Der damalige Klappentext wäre auch heute noch markttauglich: „Seltsame Karriere eines Gauners in den Nachwirren der Französischen Revolution: 1809 wird er Agent der Polizei, schon 1811 Chef der Securite, gründet eine Papierfabrik, geht bankrott, wird schließlich einer der Hauptfiguren in Balzacs ‚Die Menschliche Komödie’.“ Zum Rest des Beitrags »
Kino ohne Kanon
Verfaßt von Florian Schwebel in Film, Kino am 20. Februar 2010
Kleine Polemik gegen Denkmalpflege im Film
Vor gut dreißig Jahren brachte Loriot im FAZ – Fragebogen die Autorentheorie in etwa so (kluge Köpfe mögen mich korrigieren) auf den Punkt: Ihr Lieblingsschriftsteller? Wagner. Ihr Lieblingskomponist? Wagner. Ihr Lieblingslyriker? Wagner. Ihr Lieblingsmaler? Wagner hat nicht gemalt. Eben. Zur Leitkultur in Großbritannien scheint immer noch die unhinterfragbare These zu gehören, dass die Bibel und Shakespeare (oder in kritischeren Kreisen Shakespeare alleine) mehr oder weniger die gesamte menschliche Existenz adäquat abbilden würden, und wer da nichts über Schweigen am Telefon findet, hat eben nicht lange genug in „Was Ihr wollt“ gesucht oder ist zu dumm für den Transfer. Man kann Brecht in der Badewanne lesen oder Ingmar Bergmann Filme wegen der Witze gucken. Das alles ist möglich. Zum Rest des Beitrags »
Vom Cowboy zum Künstler (Clint Eastwood)
Verfaßt von Georg Seeßlen in Film, Kino, Regisseur, Schauspieler am 19. Februar 2010
New Clint Eastwood set won’t entirely make your day (The Washington Post) mehr lesen…
Warner Bros has released an ultimate 35-film Clint Eastwood retrospective touted as the largest ever DVD box set featuring a single artist. Clint Eastwood: 35 Films, 35 Years at Warner Bros. contains 19-discs (16 of which are double-sided) containing 34 Warner Bros films that Eastwood either headlined and/or directed. The 35th “film” included is Eastwood Factor, a feature documentary film by critic/historian Richard Schickel. The box set also includes a 24-page extract of Schickel’s upcoming book Clint: A Retrospective.
Clint Eastwood ist der letzte große Klassiker des amerikanischen Films (von Georg Seeßlen)
Der Kerl hat eine Karriere hingelegt, die ihm niemand in der Traumfabrik nachmachen wird: Clint Eastwood begann als Cowboy-Darsteller aus der zweiten Reihe, in der Serie „Rawhide“, Typ schlaksiger Heißsporn, der von den erfahrenen Männern des großen Viehtriebs noch zurechtgebogen werden musste. (Damals pflegten Cowboyserien immer sehr erzieherisch zu sein.) Er hatte ein offenes, freundliches Gesicht, war sportlich und zuvorkommend und sah aus, wie man sich einen netten jungen Nachbarn vorstellt, der einem schon mal hilft, den Rasen zu mähen. Zum Rest des Beitrags »






