Manfred Krug (*08.02.1937)

ADN-ZB-Berlin: Manfred Krug gehört zu den profiliertesten Künstlern der DDR, die auf dem Gebiet der heiteren Muse wirken. Der vielseitige Künstler singt mit gleichem Erfolg Jazz, Folklore, Chansons und Schlager, meistert großartig die Partie des Sporting Life in Gershwins Oper „Porgy und Bess“ und ist zugleich ein sehr guter Schauspieler.

Das Interview

„Ich glaube, das müsste reichen“, sagte ich und Kristina schüttelte den Kopf und schnitt Grimassen. „Nein“, sagte sie, „das Licht war nicht so toll, ich würde gern noch paar machen.“, und ihr Ton war recht dringlich. Der Mann, von dem sie gern noch paar machen wollte grinste und war guter Dinge. Der Mann war Manne.

Eigentlich bekam man keine Interviews von Manfred Krug, es sei denn, gegen Raschelndes. Und vor wenigen Wochen hätte es mich nicht nur Geld gekostet, das ich nicht hatte, sondern obendrein noch den Job, den ich hatte, noch. Zum Rest des Beitrags »

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James Dean (*08.02.1931)

© Warner Bros.

Der Göttliche

Am 30. September 1955 jagt ein Porsche auf dem Highway zwischen Los Angeles und Salinas in einen Ford Sedan. Der Fahrer des Porsche ist sofort tot. Er heißt James Dean und wird nie einen Tag älter als 24. So gewinnt er die ewige Jugend, so stirbt er für uns. Das ist wahrhaft göttlich zu nennen.

Georg Büchner und Georg Heym waren, als sie starben beide 24, wie James Dean. Aber wenn diese frühen Tode der Dichter ein gerade beginnendes Werk weit vor der Zeit beschlossen, so kommt der Tod für den jungen Schauspieler als ein Vollender und womöglich sogar als ein willkommener. Zum Rest des Beitrags »

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Die Asche jener Jahre

Hans-Dieter Schütt erklärt 20 Jahre nach  dem Ende der DDR, wie und warum Ideologie funktioniert:

Vor zwanzig Jahren wurde aus dem Erfurter Organ “Das Volk” die Zeitung “Thüringer Allgemeine”. Aus Propagandisten des rechten linken Weges wurden Journalisten. Und jeder von ihnen, jeder von uns DDR-Journalisten, hat sein Erklärstück zu seiner Biografie, warum es so ging, wie es ging, und wie es kam, dass man doch ein Mensch blieb, irgendwie, trotz alledem. Aber niemand erzählt sich und seine Verstrickung so radikal, so unwehleidig wie Hans-Dieter Schütt. Er war Chefredakteur der “Jungen Welt”, der wohl handwerklich beste und politisch brutalste Journalist der späten DDR.

Niemand, der in der DDR Journalist war und blieb, hat diese Zeit wirklich unbeschadet überstanden. Zum Rest des Beitrags »

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Aliens, Brain-Washing, Cold War: Feindbildkonstruktionen im US-Lehrfilm

Tick, Trick & Track: "Mir kreist der Hut! Mein Gehirn käst! Meins ist völlig verdunstet!" (aus: Rat einmal!)

Im Herbst 1950 begann der Journalist und CIA-Mitarbeiter Edward Hunter mit der Planung und Durchführung einer antikommunistischen Pressekampagne, an der er sich selbst maßgeblich beteiligte. Am 24. September veröffentlichte er in der Miami Daily News einen richtungsweisenden Artikel mit dem Titel Brain-Washing’ Tactics Force Chinese into Ranks of Communist Party.[1] Erstmals tauchte in der US-amerikanischen Medienöffentlichkeit die Wortschöpfung „Brain-washing“ (dt. „Gehirnwäsche“) auf und stieg in der Feindbildpolitik des Kalten Kriegs zu einem Leitbegriff auf.

„Brain-washing“ ist ein Lehnbegriff der chinesischen Wortschöpfung xǐ năo (xǐ, „waschen“, năo, „Gehirn“) und wurde von der US-Administration zur drastischen Metapher für die in den kommunistischen Staaten ausgeübte Praxis der psychologischen Manipulation zur Zeit des Korea-Kriegs aufgebaut. Vor dem Hintergrund dieser politisch motivierten Popularisierungskampagne wurden wissenschaftlich-technische Repräsentationen von Hirnfunktionen und -strukturen zu einem bedeutenden Austragungsort gesellschaftlicher Diskurse und politischer Machtverhältnisse. In der Folgezeit wurde die Abwehrmetapher des Gehirns zur Ikone und durchlief dabei eine vielschichtige Bildkarriere. Zum Rest des Beitrags »

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Dunkle Pastorale, oder Nicht die schwarzen Schafe, sondern die bösen Hirten sind das Problem

Good Shephard, Bernhard Plockhorst

Neoliberalismus, das ist nicht nur eine fundamentalistische Steigerung der freien Marktwirtschaft, sondern auch eine Form des Regierens. Genauer gesagt: Im Neoliberalismus fragen sich die Regierten, die Verlierer wie die Gewinner, wozu man eigentlich noch eine Regierung braucht. Gehört das Land nicht sowieso schon Lidl, Deutsche Bank, RWE und Remax? Und gibt diese Regierung im Neoliberalismus nicht noch jedem Arbeitslosen einen Tritt, während eine Landtagsabgeordnete sich zweimaliges Erscheinen bei einem aus Steuermitteln finanzierten „Regionalrat der Ruhrkohle“ mit 30 000 Euro vergüten lässt? Je überflüssiger die Regierung wird, so scheint es, desto gewalttätiger und gieriger wird sie. Aber wie könnte, anders gefragt, gute Regierung im Neoliberalismus oder trotz Neoliberalismus denn aussehen?

Es steckt dieses Bild tief in uns, dass die Herrschaft, wie sonst sie vernünftig oder göttlich auch legitimiert sein mag, ob Monarchie, Oligarchie oder Demokratie, dem Wesen eines Hirten gleicht, der seine Herde führt, schützt, nährt und zusammen hält. Und im Gegenzug erhält er Fleisch, Milch, Kleidung. Wärme auch, und große Augen. Zum Rest des Beitrags »

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Erik S. Klein (*06.02.1926)

Ein Gesicht

Das war ein ziemlich rotziger Mann, ein Gangster mit weichem Gesicht. Ein Mann, der einem anderen bedauernd mitteilt, er müsse ihn jetzt erschießen und es wäre nicht persönlich. Dann drückt ein Jeep diesen Mann langsam, ganz langsam gegen eine Mauer. Und das Gesicht, das nun das eines Kindes ist, erzählt, lautlos, wie persönlich so ein Sterben ist und wie hoffnungslos. Nun ist er wirklich gestorben, 76 Jahre alt.

Dieser Schauspieler, vorwiegend im Heiteren reüssierend, bleibt für mich immer mit dem Gesicht des sterbenden Mannes verbunden, es war „Das grüne Ungeheuer“. Klein war ein Charakterdarsteller, vierzehn Jahre am BE und dem Deutschen Theater engagiert. Doch wollte er wohl lieber ein Großer des populären Fernsehens sein als ein Mittlerer des Theaters. „Aber Vati“, das war wohl ein Höhepunkt, für ihn und für die Heile-Welt-Dramaturgie des DDR-Fernsehens. Klein konnte diese Grund-Fröhlichkeit vermitteln und er hatte ein Gesicht mit hinreichend viel Charakter, um dabei nicht albern zu wirken. Zum Rest des Beitrags »

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Sherlock Holmes

Der dunkle Lord

Robert Downey Jr. als Sherlock Holmes (Quelle: Latino Review)

Irgendwann wird Miss Marple so aussehen wie Lara Croft. So wie Sherlock Holmes jetzt aussieht wie Robert Downey Jr. Geschadet hat es ihm nicht.

Die Kutschen rasseln und das Pflaster glänzt. So weit ist in diesem Film von Guy Ritchie alles wie es immer war. Auch die Nebenfiguren, der Inspektor, der Schurke, das ganze Personal, sind, wie sie immer waren: schlicht und geradeaus. Nur Sherlock Holmes ist anders und Dr. Watson auch. Die haben nichts mehr von Conan Doyles Grundmuster des bis zur Albernheit logisch denkenden Detektives. Guy Ritchie hat die biederen Privat-Bullen aufgeputzt, so wie etwa Batman und James Bond dem Zeitgeist anverwandelt wurden. Und Robert Downey Jr. bildet mit Jude Law ein Team, dem man das reichliche Jahrhundert seiner Weltkarriere nicht ansieht. Die Herren prügeln sich auf eine Weise, die so gar nicht gentlemanlike ist, Mr. Holmes ist Teilnehmer eines üblen Schläger-Turniers und er berechnet seinen knochen- und organschädigenden Einsatz wie ein Schachspiel. Zum Rest des Beitrags »

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Uwe Kockisch (*31.01.1944)

Die zweite Karriere

Auf der Bühne war er, was man gediegene Mittelklasse zu nennen pflegt, was in einer Theaterstadt wie Berlin nicht wenig ist. Er muss das gewusst haben, sonst geht man nicht weg von einem Haus, dem Maxim Gorki Theater, nach zwanzig Jahren. Und gleich gar nicht in einer Situation, 1990, da ein unkündbares Engagement ein Glücksfall ist. Niemand, der ein Ensemble zu führen vermag, verlässt das Theater auf Dauer. Doch er verlässt es, wenn er glaubt, er könne den Status, ein guter Mann in einem guten Ensemble zu sein, vertauschen mit dem Status dessen, der einen Film trägt, um den herum eine Story geschrieben wird. Zum Rest des Beitrags »

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Deconstructing Tocotronic

Deutsche Pop-Musik von Qualität und Charakter

TOCOTRONIC, CD Album Schall und Wahn, Label: Vertigo Berlin

Pop-Musik von Qualität und Charakter gerät in Gefahr, ins Feuilleton zu kommen. Und dann geht das los: Kaum ist das Label „Diskursrock“ entstanden, sprechen die Authentizisten bereits von „Feuilleton-Rock“, und, wenn sie schlecht geschlafen haben und mit den Texten hadern, gar von „Feuilletonisten-Rock“. Zur gleichen Zeit geraten die Produzenten der Pop-Musik von Qualität und Charakter in Verkettungen von Selbstreferenz und Befreiung aus der Selbstreferenz. Platten und Konzerte lassen sich ohne eine dritte Kunstform, das Interview, gar nicht mehr als kompaktes Statement auffassen, was natürlich konsequenterweise zu neuerlichem feuilletonistischen Gerede etwa um Meta-Ebenen oder Sloganismus bzw. Anti-Sloganismus führt. Der Rock’n’Roll ist beim Teufel (bzw. eben genau da nicht mehr) und muss daher, was wiederum ausgesprochen kreativ sein kann, beständig neu er- und gefunden werden. Eine Band wie Tocotronic muss daher mit jedem neuen Album „eine Wende vollziehen“ und sich (darin) eben genau „selber treu bleiben“. Donaldistisch sozialisierte Menschen nennen so etwas einen „Schwurbel“. Tocotronic machen perfekte Schwurbel-Musik. Zum Rest des Beitrags »

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Gene Hackman (*31.01.1930)

Gene Hackman als Jimmy Popeye Doyle in "The French Connection", 1971

Der Mann, der das Leben kennt

Der Mann trägt einen ziemlich schäbigen Hut, und er macht einen ziemlich schäbigen Job. Sein Gesicht ist so auffällig wie das eines Straßenköters, seine Instinkte sind die eines Bluthundes, und das Einzige, was er wirklich liebt, ist die Jagd: Gene Hackman als brutaler Bulle, der die „French Connection“ jagt – im gleichen Jahr, 1971, da auch „Dirty Harry“ Clint Eastwood den schmutzigen Polizisten kreiert. Es war Hackmans erster Oscar. Zwanzig Jahre später treffen die beiden aufeinander, „Erbarmungslos“, Oscars für beide. Und wieder später sind sie Gegner in einem Film, dessen Titel auch jeden von ihnen beschreibt: „Absolute Power.“ Zum Rest des Beitrags »

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