Die Temporäre Kunsthalle Berlin hat geschlossen
Verfaßt von Ingo Arend in Kultur, Kunst am 1. September 2010

John Bock, FischGrätenMelkStand, 2010 (Foto: Jan Windszus, © 2010 John Bock. Courtesy: Klosterfelde, Berlin; Anton Kern, New York)
Die Karawane zieht weiter
In Berlin schließt die Temporäre Kunsthalle. Sie braucht keinen dauerhaften Nachfolger
Von INGO Arend
Am Ende wieder der Anfang: 160 Werke von 63 Architekten, Designern, Komponisten und Künstlern. Schwer zu sagen, was der Aktionskünstler John Bock da auf dem Berliner Schlossplatz zusammengebaut hatte: Flohmarkt oder Wagenburg, Notunterkunft oder Netzwerk. Zum Abschluss eines zweijährigen Experiments verwandelte sich der 1965 geborene, ästhetische Tausendsassa in einen Kurator und schlug noch einmal das Rad des Gesamtkunstwerks. Martin Kippenberger hängte er da neben Kara Uzelmann, Paul McCarthy neben Heike Aumüller. Die Besucher verloren sich in einem vollgestopften Panoptikum der unerwarteten Begegnungen, der heitersten Anarchie, in einem Irrgarten von high and low.
Und siehe – die Massen kamen noch einmal. Am letzten Ausstellungstag hingen Bock hunderte, meist jugendliche Zuhörer an den Lippen, als er in einer großartigen Performance die Kunstwerke vor einer großen Leinwand „erklärte“, während ein Kameramann durch sein dreistöckiges Kunstnest schlich und sie auf die Leinwand übertrug. „Das hat mir einfach gefallen“ verteidigt er die Entscheidung, Sandra Meisels (weitgehend unbekannte) Fotografie „Schürzung der Handlung“ aufzuhängen, auf der – wie im Krimi – eine Hand aus dem Off nach einem Lattengerüst greift: „Das ist ja das Schöne an Kunst, dass man nicht immer alles erklären und verstehen muss“. Danach war Schluss. Einen Tag später verabschiedete sich die Temporäre Berliner Kunsthalle mit einem Feuerwerk aus der historischen Mitte der Stadt vom leergeräumten Schlossplatz, der Berliner tabula rasa. Zum Rest des Beitrags »
Share67. Filmfestspiele Venedig (02.09.2010)
Verfaßt von Peter Claus in Filmfestspiele Venedig am 1. September 2010
Am Mittwochabend eröffneten die 67. Filmfestspiele in Venedig

"Black Swan", der Psychothriller von Darren Aronofsky war der Eröffnungsfilm des Festivals. Der Film thematisiert den erbitterte Kampf um die begehrte Rolle in einer "Schwanensee"-Choreografie.
Robust – das ist bisher das entscheidende Stichwort für das Festivalprogramm. Der künstlerische Direktor Marco Müller hat „eigenwillige Handschriften“ versprochen. Nun ja. Mit freundlichem Blick könnte man das, was hier bisher so geboten wurde, unter diesem Schlagwort fassen.
Gewalt dominiert. Versteckt Darren Aronofsky sie im Eröffnungsfilm „Black Swan“ noch hinter schickem Psycho-Schnick-Schnack, gehen andere offener zur Sache. Zum Rest des Beitrags »
ShareSalt
Verfaßt von Henryk Goldberg in Film am 1. September 2010
Angelina Jolie – ein Kerl wie sie
„Haben Sie eigentlich“, fragt der CIA-Mann einen Mann der Spionageabwehr, „eine Ahnung wer diese Frau ist?“ Der eine Mann wird später erfahren, dass er sich sehr getäuscht hat, obgleich er alles zu wissen glaubte und der andere wird, noch später, glauben, er könnte eine Ahnung haben, obwohl er nichts weiß. Aber wirklich erfahren werden sie, und wir, das erst in der nächsten Fortsetzung. Oder der übernächsten.
Angelina Jolie ist eine schöne Frau, die dafür bekannt ist, eine schöne Frau zu sein. Aber, merkwürdig genug, ihren Weltruhm, ihren Status als Superstar gewann die Schauspielerin mit einer Rolle wie ein Mann Zum Rest des Beitrags »
ShareElfenbeinturm oder kulturelle Gesamtschule
Verfaßt von Ingo Arend in Kultur am 1. September 2010
Der Streit um die „Villa Tarabya“ gefährdet den deutsch-türkischen Kulturaustausch
Sieger nach Punkten. So nannte der Schriftsteller Thorsten Becker einen vor genau sechs Jahren erschienenen Roman. Darin schildert der Berliner Autor die Geschichte seines Helden Nasrettin Öztürk vom Sohn türkischer Einwanderer in Berlin zum Europameister im Superfedergewicht. Und in einer Parallelstrecke die Geschichte der Türkei von der Islamisierung Anatoliens bis zu der Republikgründung Mustafa Kemals, genannt Atatürk.
So ausufernd, geschichtsmächtig und türkeibegeistert wie der 1958 bei Köln geborene Becker beschäftigen sich deutsche Künstler selten mit dem Land am Bosporus. Auch wenn sie gelegentlich zum Urlaub nach Antalya oder ins idyllische Kas fahren. Zum Rest des Beitrags »
ShareThilo auf Klingonisch
Verfaßt von Florian Schwebel in Gesellschaft, Kultur am 1. September 2010
Bedankt Euch bei Marc Okrand. Dieser Sprachwissenschaftler begann Mitte der 80er für das expandierende „Star Trek“ – Universum Klingonisch zu entwickeln. Anfang der 90er lag dann sein „Wörterbuch für Klingonisch“ in trendigen Läden. Falls es tatsächlich eines Tages doch gelingen sollte, den „Krieg der Kulturen“ herbeizureden, und irgendwann die Hirne aller kritischen Menschen durch Selbstzweifel verleimt sind, ob sie zu stark oder zu wenig an politische Korrektheit glauben, ob sie abgekartete Medienhypes zu ernst oder zu leicht nehmen, wissen wir wenigstens, wie alles angefangen hat: Mit Spock, Pille und Scotty. Zum Rest des Beitrags »
Share67. Filmfestspiele Venedig (01.09.2010)
Verfaßt von Peter Claus in Filmfestspiele Venedig am 1. September 2010
Sonne über Venedig. Die gern mürrische Filmkritiker-Gemeinde aus aller Welt ist zu guter Laune gezwungen. Das fällt so mancher und manchem schwer. Aber das Festival macht es den Griesgramen noch schwerer, nicht fröhlich in die 67. Ausgabe der Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica, des Internationalen Filmfestival von Venedig, zu starten. Ein schicker Empfang in einem Luxushotel für die Journaille aus aller Welt zum Auftakt – Häppchen, Schampus und Gondel-Romantik inklusive wurde ausgerichtet – wer will da noch die Mundwinkel runterhängen lassen?
Das Festival selbst steht unter ziemlichem Erwartungsdruck. Berlin und Cannes, die großen Konkurrenten, boten wenig Eindrucksvolles. Am Lido von Venedig soll nun also geklotzt werden.
22 Filme aus aller Welt konkurrieren im Hauptwettbewerb „Venezia 67“ bis zum 11. September um den Goldenen Löwen. Deutschland schickt „Drei“ ins Rennen, ein Kammerspiel von Regisseur Tom Tykwer. Zum Rest des Beitrags »
ShareHeil Hynkel!
Verfaßt von Georg Seeßlen in Gesellschaft, Politik am 31. August 2010
„Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln“, schreibt Necla Kelek in der F.A.Z. Na, Bravo! Vielleicht sollte man auch noch mal die Ansprachen eines gewissen Hynkel, alias Charles Chaplin aus „The Great Dictator“ (Sie erinnern sich: „Sauerkraut mit de Wiener Schnitzel. Und de Jüden! Ah, de Jüden!“) dahingehend befragen, ob man sie nicht diskutieren müsse, statt darüber zu lachen. weiter lesen
ShareSchweigen ist keine Lösung
Verfaßt von Henryk Goldberg in Gesellschaft, Politik am 31. August 2010
Zur Debatte um die Thesen von Thilo Sarrazin
Vielleicht sollte man einfach von ihm absehen. Absehen von den medialen Wellen, die er schlägt. Absehen von dem missverstehbaren und zum Teil provozierenden Ton. Absehen sogar von dem Umstand, dass der NPD-Vorsitzende gestern verkündete, Sarrazins Thesen würden seine Partei “salonfähig” machen.
Es gibt viele Gründe, den Staat Israel zu kritisieren, ohne dass der, der es tut, ein Antisemit sein muss. Aber er hilft Antisemiten. Soll man deshalb Israel nicht kritisieren dürfen? Zum Rest des Beitrags »
ShareThe Expendables
Verfaßt von Henryk Goldberg in Film am 31. August 2010
Mut, Schweiß und Gähnen
“Was hat er für ein Problem?” fragt einer, er meint Arnold Schwarzenegger. Dabei, Schwarzenegger hat wenigstens nicht das Stallone-Problem: Er hat sich bei Zeiten aus dem Staub gemacht.
Als Rocky Balboa (2007) seinen letzten Kampf kämpfte, da hatte sein Schöpfer die Figur mit Würde an ein Ende gebracht. Es war der würdige Abschied eines alternden Mannes, der es noch einmal brachte. Da fielen beide zusammen, der Boxer und der Schauspieler, das war der überzeugende Grund des Filmes. Als John Rambo (2008) nach Birma ging, da hatte er keinen anderen Grund als das Bedürfnis von Sylvester Stallone. Und jetzt, da wollte er alle Figuren, alle diese Hartschläger und Totschießer beenden, ganz allgemein. Und das geht, ganz allgemein gesagt, ziemlich schief. Zum Rest des Beitrags »
ShareDas Schlossgespenst
Verfaßt von Matthias Dell in Architektur, Kultur am 31. August 2010
Braucht Berlin ein Schloss? Ist Stuttgart 21 innovativ? Wer macht Stadtplanung heute? Was heißt Energieeffizienz? Eine Raumvermessung in Berlins Mitte
Die Bundesregierung hat im Juni mit Blick auf die Haushaltslage den Wiederaufbau des Berliner Schlosses von 2011 auf 2014 verschoben, das Land Berlin daraufhin seinen Anteil zurückgestellt. Momentan steht neben der Wiese auf dem Schlossplatz eine Infobox, eine weitere für das Humboldt-Forum wird errichtet; sie soll im Dezember öffnen. Zum Gespräch über die Zukunft nehmen Platz: drei Architekten, die für kostengünstiges und nutzungsneutrales Bauen stehen – Francis Keré, Arno Brandlhuber und Benjamin Foerster-Baldenius. Zum Rest des Beitrags »
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