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© Behrouz Ramazan

Unter dem Motto „Je Suis Charlie“ („Ich bin Charlie“) bekunden Menschen in aller Welt ihre Trauer um die Opfer des Anschlags gegen das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Dass dessen Mohammed-Karikaturen solch ein Blutbad nach sich zogen, bestürzt nicht zuletzt die Berufskollegen der ermordeten Karikaturisten. Nur wenige Stunden nach dem Anschlag kommentierten die ersten Zeichner das Geschehene mit spitzer Feder und verbeugten sich so vor den Toten. Auch Behrouz Ramazan, Karikaturist aus Rees am Niederrhein, lud im sozialen Netzwerk Facebook noch am selben Tag zwei Bilder hoch. Eines zeigt Mohammed mit Kalaschnikow vor dem blutgetränkten Eingang der „Charlie Hebdo“-Redaktion. Das zweite Bild zeigt einen zerstörten Bleistift, der von einer Kalaschnikow getroffen wurde, aus dessen Blutlache aber acht neue Bleistifte erwachsen. „Für jeden Karikaturisten, der erschossen wurde, fordern viele andere Karikaturisten jetzt umso mehr ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ein“, sagt Behrouz Ramazan. Der 21-jährige Kurde stammt aus dem Iran und weiß selbst um die Nachhaltigkeit von Karikaturen. In einem iranischen Magazin veröffentlichte er ein Bild, auf dem Ali Khamenei, der politische und religiöse Führer des schiitischen Iran, einen explosiven Cocktail mischt. Die Regierung schickte die Polizei bei seiner Familie vorbei.

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Der Karikaturist Behrouz Ramazan

Nach der Flucht aus der Islamischen Republik lebte Behrouz Ramazan zunächst 19 Monate im Reeser Asylbewerberheim. Im Juli 2014 wurde er als politischer Flüchtling anerkannt. Neben dem deutschen Pass besitzt er weiterhin den iranischen Pass, aber in das Land seiner Eltern kann er nach eigenen Angaben nicht mehr zurück. Zu groß sei die Gefahr nach seiner wiederholten Regime-Kritik. Zu seinen Eltern in Kermanshah hält Behrouz Ramazan per Telefon und Internet Kontakt, parallel lernt er in Emmerich intensiv Deutsch und hofft auf feste Aufträge als Karikaturist und Graphiker. Seine Bilder lädt er unter dem Namen Behrouz Rkd bei Facebook hoch. Im Iran, in Deutschland, sogar in Mexiko, Japan und 15 weiteren Ländern warten die Menschen auf neueste Einträge und kommentieren sie in vielen Sprachen. „Einige warnen mich, ich soll vorsichtiger sein, zum Beispiel mit meiner gezeichneten Kritik gegen ISIS“, sagt der Reeser Karikaturist. Vor allem sein Bruder, der in Schweden lebt, ist besorgt und bittet ihn, mehr Rücksicht auf die Eltern und Geschwister im Iran zu nehmen. Das Thema Iran klammert er deshalb seit einiger Zeit bewusst aus seinen Bildern aus. Der junge Kurde stammt aus einer muslimischen Familie, bezeichnet sich aber als religionslos, seit er im Iran mit der dortigen „Religionspolizei“ aneinandergeriet. Er teilt die Meinung vieler muslimischer Karikaturisten, dass die Attentäter von Paris jedes Recht verspielt hätten, sich Muslime zu nennen. Sie seien einfach nur Verbrecher. Behrouz Ramazan teilt die Einstellung der französischen Karikaturisten, die am kommenden Mittwoch die nächste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ auf den Markt bringen wollen: „Der Zeichenstift wird der Barbarei immer überlegen sein.“ Entsprechend soll das nächste Heft unter dem Titel „Le Journal des Survivants“ („Das Journal der Überlebenden“) in einer Auflage von einer Million gedruckt werden. Behrouz Ramazan stimmt das optimistisch: „Jetzt kennt jeder dieses Magazin und beachtet die kritische Karikaturen. Die Terroristen haben „Charlie Hebdo“ also nicht mundtot gemacht, sondern, ganz im Gegenteil, berühmt.“ Michael Scholten

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