Alf Mayer

Zeitraffer

Alf Mayer
freier Journalist –  Letzte Ausflüge ins Eingezäunte: Textchef bei Manufactum und Direktor der Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW), zuvor dort Gutachter seit 1992 und Juryvorsitzender. Modernisierung der angestaubten Behörde gegen viel bürokratischen Widerstand. Die FBW-Hauptkosten aber müssen nach wie vor auch arme Filmemacher durch die Prüfgebühren selbst bestreiten. Von wegen Förderung.

Geboren am 26. Januar 1952 im bayerischen Allgäu/schwäbischer Barock, wo die Schwalben unterm Dach nisteten und es zwölf Kinos in Fahrrad-Distanz gab.

Erst Tageszeitung, dann Magazine, quer durch Print, Radio, Bücher, Fernsehen, Unternehmenskommunikation.

1978 bis 1985 (Film)Redakteur von MEDIUM, der ersten deutschen Medienzeitschrift.

Stolz darauf, Georg Seeßlen überredet zu haben, Filmkritiken zu schreiben.

1981 mit damals 29 das mit Abstand jüngste Mitglied der Bundesfilmpreiskommission. Dabei schätzen gelernt, was für Journalisten eigentlich des Teufels ist: Gremienarbeit und Jury-Urteile.

1984 Presseheft für die Münchner Kino-Premiere der 14,5stündigen Kino-Version der „Heimat“ von Edgar Reitz (Sponsor: Bernd Eichinger; immer noch schön: sein Interview mit Edgar im Presseheft).

Radio-Mitarbeit, viele Autoren-Porträts und Interviews. Fernsehen mit Alexander Kluge in den ersten 15 Monaten von „10 to Eleven“.

Lektorate für Buchverlage, Herausgeber, u.a. Werkausgabe Adam Hall (Autor von „Der Flug des Phönix“, „Quiller-Memorandum“).

Anteilsschein Nr. 1 der „Verleihgenossenschaft der Filmemacher“. Zusammen mit Michael Kötz (heute Festivaldirektor Mannheim) Gründer der Autorengesellschaft „Frankfurter Filmagentur“.

Krimi-Kolumne „Blutige Ernte“ im Frankfurter „strandgut“, natürlich auch Autor in Daniel Cohn-Bendits „Pflasterstrand“, aber auch im „Bayernkurier“, in „Media-Perspektiven“, der „Zeit“, der „Frankfurter Rundschau“, der „Süddeutschen“ oder im „Parlament heute“.

1990 bis 1993: Film-Sponsoring- und CI-Redakteur der Deutschen Lufthansa AG. Dabei einige schöne Bücher, Redakteur des Doku-Fünfteilers „Geschichte der deutschen Luftfahrt“ der DEFA-Dokumentarfilm und des Zweiteilers „Die Geschichte der Lufthansa“.

Viele Jahre Freiberufler, trouble shooting in Redaktionen, CvD und Chefredakteurs-Vertretungen, über hundert Titelgeschichten, Porträts.

Seit den Achtzigern auch PR, Seminare, Unternehmenskommunikation, CI-Consulting, Ghost-Writing, unbedeutende Reden und die Peinlichkeit, unter Pseudonym Preise zu gewinnen.

 

Besondere filmische Momente  (Das nun ist die Willkür pur)

Der Regen&Pfeil-Schauer in Kurosawas Die sieben Samurai, 1969, mit 17, in einem dampfend regennassen Studentenkino in Ulm.

Ebendort Brigitte Bardots und Jeanne Moreaus Unterröcke in Viva Maria! und der Showdown in Mercenario, der Gefürchtete.

Mit Freunden ins Arri nach München zu Wenders’ Im Lauf der Zeit – und dann bis zum Morgengrauen im Donisl diskutiert.

Taxi Driver auf Französisch in Cannes.

Ein beinahe abgesagtes Interview mit DeNiro nach Raging Bull in Berlin, weil mir klar geworden war, er würde sich ein Bein amputieren lassen als Käptn Ahab in Moby Dick.

Ein millionenschwerer Filmabend im Berliner Delphi neben den 70-mm-Rollen von Ciminos Heaven’s Gateund Klimovs Rasputin-Film Agonia, beide hintereinander.

Bela Tarrs Verdammnis zweimal am gleichen Tag, wunderschöne Musik, tonnenschwere Melancholie, echter Blues, und das auf Ungarisch.

Er starb früh, war ein Freund: Gabor Body, sein großer Film Narciss und Psyche, der mathematisch schöne American Postcard und viele schöne Momente…

Ein Nachmittag mit Wolfram Schütte, Brigitte Jeremias und Andrej Tarkowski im Frankfurter Strandcafé.

Eine Pokernacht mit Brian DePalma in Hof.

Fassbinder bei Dreharbeiten mit Spengler, Schygulla, Raab, Caven in Zwerenz’ Wohnung in Offenbach und danach das Große Abhängen.

Die Einladung von Edgar Reitz, seine Tagebücher aus der langmonatigen Produktion der „Heimat“ zu lesen und für das „Heimat“-Presseheft auszuwerten.

Die Momente als Redakteur, wenn wunderbare Manuskripte auf den Tisch kommen, wenn sich Blicke öffnen und Gedanken funkeln als betrachte man geschliffene Diamanten.

Die Momente nach einem Film, mit „normalen“ Menschen über das eben Erlebte zu reden und zu diskutieren.

Die Momente bei der FBW oder auf Festivals, wenn Kundige in Filmen lesen wie in einer Schatzkammer. Diese schöne Erweiterung des eigenen Blicks…

 

Sehnsuchtsorte

Kino, Berggipfel, Wüsten, guteingerichtete große Küchen, die eigene Bibliothek, die von Otto Penzler und Umberto Eco, das Piemont südlich von Alba, die Alpen, die Rockies, Extremadura, Arizona, Kalifornien, Oregon, die Redwoods, Persien, schöne Buchhandlungen und Antiquariate, internationale Tafelrunden.

Vorlieben für:

Herausforderungen, Unkonventionelles, Herzblut-Menschen, Vollblut-Bücher, Mutterwitz, lakonisches Englisch, Subversion, Workaholics, Müßiggänger, Poesie, film noir, roman noir, Komik und Kabarett,  Robert Musil, Eigenschaften, Karl Kraus, Worteschmiede, die Vignetten von Ingrid Mylo, Piemont-Weine, Sonnenuntergänge, Aphorismen – und fachgerechte Kinoprojektion.

 

Bücher (Auswahl):

Himmlisches Kino – Filme vom Fliegen (auch englische Ausgabe)

Eine kleine Kulturgeschichte des Kranichs

Fliegen – Traum und Sehnsucht. Eine Kulturgeschichte

Fliegendes Spielzeug – Spielerisches Fliegen (auch englische Ausgabe)

50 Jahre FBW – 50 Jahre Filmgeschichte. Filmbewertung 1951-2001

Einige Themen (Vorträge/Artikel):

Ikonografie des Propagandafilms

Struktur des film noir

Humor als subversives Element im Kriminalroman

Romanautoren und ihr Verhältnis zur Drehbuch-Adaption

Warum richtige Filmhelden den Oberkörper entblößen müssen

Kinder brauchen Märchen, Erwachsene einen Mord: Fahndungshinweise zur Lust am Kriminalroman

Frankfurt hält den Atem an: Der Wind der Schritte, der Atem des Seils (Sonderzeitung zum historischen Hochseil-Lauf Philippe Petits von der Paulskirche zum Dom, 1994)

Grabsteine aus Kinderhand: Eine Recherche in Indien und Deutschland

Die Würde des Menschen ist antastbar: Die so genannte Erwerbsminderungsrente.

Buchbeiträge (Auswahl):

1983: Land des Schweigens und der Dunkelheit. Filmkritik in der Provinz; in:Bestandsaufnahme: Utopie Film (Herausgeber: Alexander Kluge)

1988: Die im Dunkeln: Zur Wirtschaftslage der Kinobranche; in: Der Kinokassen-Knüller (Arnoldshainer Filmgespräche)

1996: Im Banne des Z: Zorro; sowie:Willkommen im Club: Robinson darf nicht sterben, und Der billige Bill: Buffalo Bill Cody, in: Freunde fürs Leben. Von Asterix bis Zorro (Klartext Verlag)

1997: Das Mordsbuch. Alles über Krimis (Claassen Verlag). Darin u.a.: Lily im Gegenlicht: Kriminalromane und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in den 50er Jahren; sowie: Der Mann, der uns Chandler und Hammett brachte: Krimipionier Karl Anders und seine Krähenbücher

1999: Flimmerkiste. Ein nostalgischer Rückblick (Gerstenberg Verlag). Darin u.a.:Dass die Kraft von Wort und Bild das Gute wirke… – Zur Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik, sowie: Chronik der Fernsehzeit vor Beginn des Privatfernsehens

2007: „Vorsicht bei der Ausleihe!“ Karl Anders und sein Nest-Verlag. In Patrick Rössler: anders denken. Krähen-Krimis und Zeitprobleme: der Nest-Verlag von Karl Anders.

 

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