Begriff contra Schaltung: Kritische Medientheorie heute – ein Plan

„Was mich anlangt, so empfinde ich als die Hauptschwierigkeit die unablässige Kommunikation …“
(Adorno an Horkheimer, 27.12.1949) [1]

„Verehrter Herr Dr. Kannapin, hätten Sie mir gesagt, dass Sie an einem Rezensionsexemplar Interesse hätten, hätte ich das gern an den Verlag weitergeleitet. Zum Inhalt einer solchen ist natürlich zu sagen, dass der Kulturkampf zwischen emanzipatorischer vs. technische Medientheorie keine neuen Ergebnisse erwarten lässt.“ [2]

„Ist das Fernsehen ein ‚Flow‘ von Bildern, wie es William Reynolds in seinem berühmten Buch ‚Television: Technology and Cultural Form‘ vermutet hat?“ [3]

Das Problem, einen angemessenen theoretischen Zugang zum Verhältnis von Medien und Gesellschaft zu finden, ist weiterhin ungelöst. Das liegt an zwei Dingen. Zum einen befindet sich die zeitgenössische Medienwissenschaft im Zustand akuter Begriffsverwirrung, was ihre logische Ordnungsfunktion notwendig untergraben muss und sie deshalb Zuflucht in einer freien Assoziation der Thesenbildung gefunden hat, die, wiederum notwendigerweise, für sie selbst ein hohes Legitimationsdefizit verursacht. Dieses allerdings könnte gesellschaftspolitisch gewollt sein, denn nichts ist für eine akademische Disziplin im korporatistischen System besser, als aus Gründen des blanken Daseins finanziert zu werden und zur Veränderung der herrschenden Verhältnisse nichts beizutragen zu haben. Zum anderen hat sich in dem, was heute noch unter Medientheorie firmiert, etwas eingeschliffen, das vom vernünftigen Standpunkt des Erkenntnisinteresses und des Erkenntnisgewinns schlicht irrational ist: Medienwissenschaft und Medientheorie glauben nämlich mehrheitlich, ohne Zielsetzung arbeiten zu dürfen, wenn sie behaupten, dass Medienforschung von den zu transportierenden Inhalten der Medien (den Informationen, Aussagen, Zeichen, Konventionen, Haltungen und Ideologien) wesentlich abstrahieren kann. Die Überschrift des Artikels aus dem denkwürdigen dritten Anfangszitat lügt hier übrigens. Von Inhalten war natürlich schon immer die Rede; nur gegenwärtig ist das kaum noch so, und ein Motiv für die vorliegende Planbesprechung muss darin gesehen werden, eine Wiederherstellung ernsthafter Medienanalyse aus der Kritik an Inhalten und damit an der Gesellschaft voranzutreiben. Nichts steht danach dem Medienbegriff ferner, als folgende Äußerung Friedrich A. Kittlers, der, darauf wird zurückzukommen sein, eigentlich kein Medientheoretiker ist, sondern aus medialen Konstellationen sich eine höchst subjektive phänomenologisch-philologische Wahrnehmungstheorie gezimmert hat, die fälschlich als Medienwissenschaft gilt. Kittler behauptet nun: „Nachrichten speichern und Nachrichten übertragen können, ohne auf so obskure Gegebenheiten wie Menschengeist oder Menschenseele zurückgreifen zu müssen -: Genau das macht Medien aus.“ [4] Seine Bemerkung absurd zu nennen (wie auch den Titel des Aufsatzes, der, wenn falsche Analogien wie diese überhaupt zulässig seien, genau umgekehrt zu lesen wäre), ist sicherlich eine Untertreibung. Den Beweis tritt jede Nachrichtensendung und jede Kochshow an. Hier genügt es zunächst, darauf zu verweisen, dass nicht der Prozess der elektronischen Übertragung, sondern Ursache und Wirkung der Vermittlung von Informationen im Mittelpunkt einer wirklichen analytischen Durchdringung der Medien stehen.

Begriffskonfusion und Inhaltsresistenz erfordern die Wiederbelebung einer kritischen Medientheorie (mit Hilfe strenger Begrifflichkeit gegen den Fetisch der Schaltung). Das Adjektiv kritisch ist hierbei nicht als Marke für die Exklusivität einer Konzentration auf die Thesen der älteren Frankfurter Schule zu verstehen, obwohl viele ihrer Einschätzungen und Urteile heute entweder noch Bestand haben oder wieder aktuell und jedenfalls paradigmatisch sind. Das Eingangszitat von Theodor W. Adorno über die unablässige Kommunikation als Grundproblem sozialer Konstitution führt in die richtige Richtung. Das Phänomen ist zwar schon seit Lichtenbergs Zeiten bekannt, bekommt aber erst in der Epoche der modernen Massenmedien seine klare herrschaftsstabilisierende Kontur, da der Widerspruch zwischen Meinung und Wissen nicht dialektisch aufgehoben, sondern als schlichte Favorisierung des Meinungspluralismus zur systematischen Wissensentwertung verwendet wird. Das schließt einmal bekanntes Wissen, auch und gerade in Medien und durch Medien, mit ein, was die Suche nach Alternativen nicht einfacher macht. Der kritische Anspruch hier ist zugleich kürzer und weiter gefasst als in der ursprünglichen kritischen Theorie. Kürzer insofern, um überhaupt wieder so etwas wie Kritik am Bestehenden in die Medientheorie zurückzuführen, und länger in dem Maße, wie er im Anschluss an den Befund von der umfassenden Dominanz der Kulturindustrie Kriterien des dialektischen Materialismus, vor allem hinsichtlich der Ideologiekritik und der produktiven Möglichkeit der Aufhebung, hinzufügt, um dem Bild der Unausweichlichkeit kulturindustrieller Abschöpfung entgegenzutreten. Die Blockade, wonach das Theorem der Kulturindustrie fatal dem Selbstbild des Kapitalismus entspricht, ist zu auffällig, um unwidersprochen zu bleiben, was allerdings der Triftigkeit des Theorems an sich nicht zuwiderläuft. Aus höchst logischen erkenntnistheoretischen Gründen muss jedoch dessen totaler, undurchdringlicher Charakter bestritten werden, der ähnlich dem technologischen Seinspostulat im Grunde nur die Denkfaulheit befördert.

Wie weit sich die herkömmliche Medienwissenschaft bereits vom kritischen Gewerke entfernt hat, mögen zwei neuere Veröffentlichungen belegen. Die „Zeitschrift für Medienwissenschaft“, gewissermaßen das repräsentative Querschnittsorgan der universitär abgesicherten Medienforschung, hatte für ihr zehntes Heft eine eigentlich gute Idee, indem sie es als offenes Heft gestaltete und die Autorinnen und Autoren zur Mitarbeit mit freier Themensetzung einlud. Vorgegeben war lediglich der Rahmen, bestehend aus den fünf Unterkategorien „Medienwissenschaft der Zukunft“, „Medientheorie auf einer Seite“, „Bild, Ton, Schrift oder Zahl?“, Anfänge der Medienwissenschaft und „Bildverkettung“.[5] Daraus hätte viel werden können: Zum Beispiel in allen Kategorien die Kritik der politischen Medientheorie, I: Produktion (Herstellung), II: Distribution (Verteilung), III: Konsumtion (Wirkung und Wahrnehmung) medientheoretischer Annahmen. Das Gleiche wäre möglich als Kritik der politischen Medienpraxis. Darüber hinaus natürlich auch die Arbeit mit Fallbeispielen aus entsprechenden Teilmedien, nicht zu vergessen der digitale Überbau über dem traditionellen Mediensektor und seine Hypertrophie als neue informationelle Infrastruktur usw. Richtig aufschlussreich hätte es werden können, wenn Mediengeschichte als inhaltsbestimmte Ideologiegeschichte wenigstens in einem Beitrag vorgekommen wäre. Stattdessen gibt es dann darin unter anderem dies: „Der Möglichkeitsraum einer Medienwissenschaft wäre der einer Wissenschaft, (…) die ihren Adorno genauso beherrscht wie ihren Fiske; (…) die so aktuell ist und am Puls der Zeit bleibt wie im Moment; (…) die Schieflagen in Kanonbildung und Filmhistoriographie nicht perpetuiert, sondern reflektiert; (…) bei der Rezeptionsforschung nicht in Essentialismus mündet; (…) die Performativität ebenso mitdenkt wie Repräsentationspolitiken…“ [6] Usf. Fünf Wünsche in freier Auswahl aus mindestens dreißig, deren Allgemeinplatzcharakter zum Teil etwas Rührendes hat, zum Teil aber, wie in den aufgeführten entweder auf Missverständnissen beruhen oder bewusste Täuschungen darstellen. Adorno als Tiefentheoretiker der Kulturindustrie hat mit jemandem wie John Fiske, der aus der Wirkungsforschung ein Kuriositätenkabinett der Populärkultur gemacht hat, natürlich gar nichts zu tun. Ähnlich wie bei Kittler ist zu bezweifeln, ob Fiske überhaupt Gegenstand oder Mitarbeiter der Medienwissenschaft ist. Am Puls der Zeit und Schieflagen der Filmhistoriographie werden hier aus welcher Perspektive betrachtet? Sicher nicht aus der einer kritischen Medientheorie, denn von dort aus müsste man sagen, dass Medienwissenschaft sich „im Moment“ außerhalb der Zeit, in der Autonomie der Kanäle, Signale und einer euphorischen digitalen Seinsgewissheit, befindet. Welcher Stand der Filmgeschichtsschreibung ist gemeint? Derjenige, der antifaschistische Filme als solche benennt oder derjenige, der sie inzwischen als „totalitär“ abqualifiziert? Führt Kanonbildung per se zur Schieflage, wenn sie in den eng gesteckten Grenzen eines ästhetisch-politischen Auswahlverfahrens wenigstens einige der historischen Filmdokumente dem schmählichen Vergessen und Verschütten entreißt? Man weiß es nicht, kann es aber reflektieren (sollen). Nichts ist selbstredend schlimmer als Essentialismus in der Rezeptionsforschung. Mit anderen Worten: Gutwillig bedeutet es, dass das Auftreffen der Medieninformation beim Publikum den Medienwissenschaftler nicht zur Voreingenommenheit aufgrund des (selbst unterstellten) Wesens der Medien verleiten darf. Böswillig hingegen ist anzunehmen, dass die Ansichten des Medienpublikums über die wahrgenommene Information als solche zu akzeptieren seien, ohne die „Essenz“ der eigenen Theorie (sofern eine vorhanden ist) zu berücksichtigen. Kurzum, was die Zuschauer sagen, erscheint als Gesetz (ohne Berücksichtigung des Kontextes ihrer Lebensumstände). Und schließlich wird mitgedacht: Performativität, das schlechthinnige Modewort der Ausredenphilosophie in den letzten dreißig Jahren (ist gleich: konkrete Ausführung einer Sprechhandlung bei Gleichzeitigkeit) sowie Repräsentationspolitiken (Mehrzahl). Der erste Logismus ist harmlos, der zweite allerdings offenbart ein gravierendes Unheil, nämlich das der unsäglichen Differenzpolitik, wonach zuerst die phänotypischen Unterschiede der Individuen in den Blick genommen werden und die gattungstypischen Hauptprobleme der Gesellschaft (ökonomische Ausbeutung, politische Fehlsteuerung, ökologischer Raubbau, soziale Desintegration und kulturelle Desinformation) als nachrangig zu betrachten seien. Repräsentationspolitiken sind im Gegenteil leidlich sekundär, solange die Grundbedürfnisse der Menschheit noch nicht einmal ansatzweise befriedigt werden. Insofern ist das „Mitdenken“ der Differenz in der Repräsentation eine faktische Kapitulation vor den gesellschaftlichen Anforderungen der Zeit.

Nicht viel anders sieht es aus, wenn sich im selben Heft unter der Rubrik „Ihre Medientheorie auf einer Seite?“ der Professor für Medienphilosophie der Bauhaus Universität Weimar, Lorenz Engell, mit dieser Aussage vernehmen lässt: „Natürlich weiß auch ich nicht, was ein Medium eigentlich sei, aber das macht nichts. Ich erkenne ein Medium, wenn ich ihm begegne. Heuristisch habe ich das Problem ohnehin nur selten, denn meist arbeite ich mit, zu und an den Medien Film und Fernsehen (das ja wunderbarerweise in seiner Eckigkeit ebenfalls rund ist). Alle Erosions- und Wandlungstendenzen des Medienbegriffs lassen sich an ihrer Praktik wunderbar studieren. Außerdem haben wir in den neunziger Jahren spätestens gelernt, einfach alles zum Medium zu erklären, um dann Probleme daran freizulegen, die nur wir als Medienwissenschaftlerinnen und Medienwissenschaftler bearbeiten können.“ [7] Also offenherziger geht es kaum. Die elitäre Vereinnahmung des Standes ist erquicklich verbunden mit der Exklusivität eines Erkennens, wobei zu vermuten ist, dass dieses Erkennen sich wie der Wald zu den Bäumen verhält. Wenn das Medium schließlich den Professor erkennt, fühlt man sich sarkastisch an den großartigen Ausspruch des Anarcho-Schriftstellers Michael Stein erinnert: „Ich bin Buddhist, und Sie sind eine Illusion.“[8] Und wenn ein Medienprofessor zugibt, nicht zu wissen, was ein Medium „eigentlich“ ist, dann muss ich auch nicht mehr fragen, ob es in diesen Kreisen eine wirksame Kritik daran überhaupt geben kann. Weigern sollte man sich indes gegenüber der Anmaßung, dass das medienwissenschaftliche Missverständnis, „alles“ zum Medium erklärt zu haben, um umso unbeschwerter darauf herum zu interpretieren, wie sich Performativität mit interkultureller Devianz auf dem PC-Tisch vereinigt, eine Lernleistung aller sei.

Das zweite Beispiel ist die Festschrift zum 60. Geburtstag von Hartmut Winkler, Professor für Medientheorie und Medienkultur der Universität Paderborn. Das ungewöhnliche ist hier nicht die Würdigung als solche und auch nicht das Thema als solches, das sich um Traummedien und mögliche Zukunftsverheißungen utopischen Zuschnitts dreht.[9] Es gibt zwar sicher gewichtigere medientheoretische Fragen in der Gegenwart, aber hier sollte zu Ehren des Jubilars eine Bitte erfüllt werden, die er selbst als nicht realisiertes Projekt aufschieben musste. Das Vorwort zitiert aus dem Anschreiben an Kollegen, sich zu den Träumen von Medien zu äußern: „Während sich die Medienwissenschaft (und die Wissenschaft allgemein) normalerweise darum kümmert, was der Fall ist, wollen wir einen Sammelband machen, in dem es gerade um solche Medien geht, die es nicht, noch nicht, oder aus prinzipiellen Gründen nicht gibt. Hierzu möchten wir all diejenigen ansprechen, die sich im Feld der Medienwissenschaft/Medientheorie einen Namen gemacht haben. (…) [10] An dieser Stelle können wir abbrechen. Wieder ist es die Selbstreferenz, die so unangenehm aufstößt. Was heißt das, sich einen Namen zu machen? Wie geht das „im Feld“ (eigentlich: auf dem Feld) der Medienwissenschaft/Medientheorie? Was benötigt der Einzelne dazu? Reicht ein universitärer Abschluss? Muss ein langer, privatökonomischer Rückhalt dazukommen? Bedarf es eines oder mehrerer akademischer Fürsprecher? Wieviel muss man über ein Medium (nicht) wissen, um in die Lage versetzt zu werden, mediale Traumdeutungen versuchen zu dürfen? Und was hat das alles mit Medientheorie zu tun, die zumindest halbwegs mit den Zeitläuften so verbunden ist, dass auch eine gesellschaftliche Relevanz erfahrbar wird? Solche Fragen beantworten sich bei rudimentärer Kenntnis des akademischen Betriebs im Prinzip von selbst.

Jetzt ist es so, dass Winklers Computertheorie im Allgemeinen auch von kritischen Medienforschern wenigstens als „immanente Kritik“ der gesellschaftlichen Funktionsweise technischer Medien gewürdigt wird, während seine Abhandlung zur „Diskursökonomie“ einen weitschweifenden Umweg absolviert, um zu einer politischen Ökonomie der Zeichen und der Diskurse (nicht ihrer Kritik) zu gelangen und dabei unheimliche Angst davor hat, wieder auf der Inhaltsseite zu landen.[11] Genau da liegt aber das Grundproblem, dem sich Medienwissenschaft dem Wesen nach immer noch und erst recht hinwenden sollte. Es scheint im interfraktionellen Diskussionszusammenhang der universitären Medienwissenschaft eine unerkannte Mauer zu geben, die abschottet, damit ja nicht nach außen dringt, wie ideologiegesättigt die Medieninhalte sind und was da auf die Lehrstühle zukäme, wenn sich ihre professionell mit Medien Beschäftigten mit dem Eigentlichen der Medien auch beschäftigten. In Anbetracht der Mühe, die sich Winkler gibt, den Umweg als Hauptweg auszugeben, dürfte es auch kein Zufall sein, dass die Festschrift mehr Spielereien enthält als zum Beispiel Tipps für sozialtechnologische Erleichterungen des menschlichen Zusammenlebens, die nicht nur der Bequemlichkeit dienen. Eine wahrscheinlich vielen vertraute Phantasie ist das Mittel der Ausblendung unliebsamer Zeitgenossen durch technische Vorkehrungen. Auch mein altes Mobiltelefon, das sich hartnäckig weigert, „elegant“ und „schlau“ zu werden, sollte eine Sprengfunktion haben, mit der man sich den Weg freischießt durch den öffentlichen Irrgarten der Irrelevanz. Nur wird das natürlich leider Phantasie bleiben. Im Medium der Träume hat sich Heike Klippel dem Ausblenden verschrieben und essayistisch nachgezeichnet, was passieren würde, wenn sie mit einem Klick graue Häuserwände oder penetrante Nachbarn einfach verschwinden lassen könnte. Wie sich das für eine ordentliche Wissenschaftlerin gehört, meldet sie (im Sinne der Ausgewogenheit) auch die Nachteile ihrer Ausblende. Unter dem Witz, den das Ganze haben soll, wird nachstehende Passage nahezu überlesen. Dort heißt es, dass ihre Ausblende fast in allem der Definition von Medien nach Hartmut Winkler entspricht, die sechs Kategorien von der „Verbesserung der Kommunikation“ bis zur „Befreiung des Unbewussten“ umfasst. Kategorie 2 lautet: „Sie transferiert Konflikte gänzlich in das Reich des Symbolischen und entschärft sie damit außerordentlich.“ [12] Dadurch ist kurioserweise einer der wesentlichen herrschaftsstabilisierenden Aspekte von Medien benannt. Man kann das zwar auch genau andersherum sehen, nämlich wie Karl Kraus, der schon vor dem Ersten Weltkrieg 1908 notierte: Einer Welt, die ihren Untergang ertrüge, wenn ihr nur seine kinematographische Vorführung nicht versagt bleibt, kann man mit dem Unbegreiflichen nicht bange machen. Aber unsereins nimmt ein Erdbeben als Protest gegen die Sicherheit dieser Ordnung ohneweiters hin und zweifelt keinen Augenblick an der Möglichkeit, daß ein Übermaß menschlicher Dummheit die Elemente empören könnte.“[13] Aber es stimmt. Medien nehmen heute so viel Zeit, Kapazität und Aufmerksamkeit in Anspruch, dass sie allein durch ihr Kommunikationsdasein und den Zwang der Informiertheit soziale Konflikte in ein Breitbandphänomen pluralistischer Redundanz auflösen, das schließlich dazu führt, im Meinungsbarometer des gesellschaftlichen Stillstands die Orientierung zu verlieren. Anstatt das Symbolische wieder mit dem Realen rückzukoppeln und somit eine Verbindung zwischen Medien und Gesellschaft herzustellen, wird, nicht zuletzt von der Medienwissenschaft selbst, behauptet, das eine hätte mit dem anderen nichts zu tun. Dabei ist die Erkenntnis, dass Medien eine Entschärfung sozialer Widersprüche betreiben, immerhin für die gesellschaftspolitische Einstellung ihnen gegenüber von einiger Brisanz, denn sie bedeutet ja nicht weniger als das Zugeben, Medien verhinderten in ihrer Konstitution und Praxis die Beschäftigung mit Verfahren alternativer und kollektiver Kommunikation zur Abänderung der überkommenen Verhältnisse. So erstaunt es auch nicht, dass die These vom Transfer der Konflikte und ihrer außerordentlichen Entschärfung durch Medien von der Autorin überhaupt nicht weiter ausgearbeitet wird, obwohl doch genau sie den dialektischen Gegenpol zum Untergang der Welt durch Kinematographie bildet. (1908 war das Kino etwas mehr als zehn Jahre alt. Über ein Jahrhundert später ist die Apokalypse der cineastische Urgrund des spätimperialistischen Films schlechthin, dem natürlich ein Perspektivenwechsel nicht einfallen wird.) Konflikte hysterisieren und gleichzeitig entschärfen – das wäre sicher ein Muster für die dialektische Rolle der Medien und ein wirklich weites und zu beackerndes Feld der Analyse.

Auf der Suche nach kritischen Ansätzen in der Medientheorie war lange Zeit der niederländische Netzwerktheoretiker Geert Lovink eine feste Bank. Während seiner Mitarbeit in der netzkritischen „agentur bilwet“ ist 1997 ein kleines Buch entstanden, das damals mehr über das Internet lernen ließ, als alle Verheißungsliteratur gleichen oder gar späteren Datums zusammen.[14] In Lovinks 2008 auf Deutsch erschienener Abhandlung „Zero Comments. Elemente einer kritischen Internetkultur“ findet sich ein Abschnitt, der in seiner ganzen Anlage höchst merkwürdig ist. Zwar stellt er in „Der Verbleib der deutschen Medientheorie“ die richtige Frage, ob es sinnvoll ist, „bei den Stimmen der männlichen Großmeister Brecht, Kracauer, Benjamin, Adorno, Horkheimer und Habermas stehen (zu) bleiben“.[15] Die Antwort darauf lautet aber nicht etwa, eine Weiterentwicklung des kritischen Paradigmas der Zusammenführung von Medien- und Gesellschaftskritik einzufordern, sondern durch Auflistung von ihm bevorzugter neuerer Theoretiker die Verbindung einfach abzubrechen. Kronzeugin dafür ist zunächst einmal Mercedes Bunz, die erstaunlicherweise offenbar aufgrund ihrer Mitherausgeberschaft der Zeitschrift „De:Bug“ (1999-2001) und ihrer journalistischen Tätigkeit als Autorität in Sachen Medientheorie angesehen wird. Allerdings spricht ihre eigene Veröffentlichung über die wundersame Durchsetzung der Algorithmen eine etwas andere Sprache.[16] In dieser Arbeit steht nichts, was auf einen ernsthaften Versuch zur gesellschaftlichen Klassifikation und Einordnung von Digitalisierung und Internet hindeuten würde. Ganz im Gegenteil vermischen sich hier bekannte Fakten mit Behauptungen, in denen eine gewisse Angstsoziologie gegenüber der Mediendominanz durch naturwissenschaftliche Beweihräucherung ausgetrieben werden soll. Neu ist allenfalls, dass die Verteilung von Netzwerken auch zur Verteilung der Aufzeichnung von Ereignissen geführt hat, was immerhin Konsequenzen für die Vermittlung von Informationsleistungen nach sich zieht.[17] Wie Bunz aber schließlich dazu kommt, die digitale Öffentlichkeit (ob sie bereits realisiert, im Werden oder nur schlicht gesetzt ist, bleibt bei ihr offen) als Ursache für einen angeblich schon in Gang gekommenen fundamentalen Wandel von der repräsentativen zu einer eher partizipatorischen Demokratie zu bezeichnen, ist kaum nachvollziehbar.[18]

Für Lovink liefert Bunz die Namen Friedrich A. Kittler, Bernhard Siegert, Vilém Flusser, Niklas Luhmann, Klaus Theweleit, Peter Sloterdijk und Hartmut Winkler.[19] Dieser nimmt sie auf und erweitert die Liste schließlich mit anderen Wissenschaftlern, um am Ende zu konstatieren, dass „eine leidenschaftliche Medienphilosophie“ (in welchem Sinne und mit welcher Stoßrichtung wird nicht gesagt) „Möglichkeitsräume“ (wofür, zu welchem Zweck und mit welchem Erkenntnisinteresse?) eröffnet.[20] Einzig die Wiederentdeckung von Max Bense, einem Universalgelehrten älterer Schule, der einen kritischen Technizismus vertreten hat, ist dabei tatsächlich produktiv. Lovink versucht aus den Werken der oben Genannten etwas herauszudestillieren, das sich möglicherweise als „deutsche“ Medientheorie klassifizieren ließe, indes kaum mit dem Etikett „kritisch“ belegt werden kann. Mit Kittler, Luhmann, Theweleit und vor allem Sloterdijk sind vier Personen aufgeführt, die im strengen Sinne gar keine Medientheorie, sondern entweder, wie schon bei Kittler erwähnt, subjektivistische Wahrnehmungstheorien oder wie bei Luhmann organisationssoziologische Verwaltungstheorie anbieten. Der Name Sloterdijk hat hier erst recht nichts zu suchen, da dessen Philosophie zwar stark technikgläubig, aber kaum auf die Vermittlung sozialer Prozesse durch Medien ausgerichtet ist. Kittler, Luhmann und Sloterdijk sind zudem überaus stark antikritisch agierende, letzten Endes schicksalshörige Daseinsphilosophen, deren Funktion in der Bestätigung und Bestärkung des Gegebenen besteht. Flusser wiederum artikuliert eine so abstrakt-neutralistische Kommunikationstheorie, das sie oft und gegen den eigenen Anspruch ahistorisch wird.[21] Siegert ist Technikphilosoph, und von Winkler war schon die Rede.

Aus diesem Text von Lovink ist nicht klar geworden, worauf seine Ablehnung einer dezidiert kritischen Medientheorie eigentlich zielt. Deutlicher wird dies jedoch in einem Nachfolgeband von 2012 mit dem Titel „Das halbwegs Soziale“, in welchem Lovink nachdrücklich dafür plädiert, endlich eine kritische Netzwerktheorie zu formulieren, ohne sie indes auch nur ansatzweise selbst präsentieren zu können.[22] An einer Stelle kommt er noch einmal zurück auf die Vertreter der historischen kritischen Theorie und erklärt nunmehr: „Statt einer produktiven Inspirationsquelle oder philosophischen Strömung, um Erläuterungen zu vergleichen, hat sich gezeigt, dass die Idee der Netzkritik als Fortsetzung der Frankfurter Schule eine Sackgasse ist. Allein die Erwähnung führt zum Gesprächsabbruch. Man kann kritisch sein, ohne kritisch zu sein – und das ist vielleicht der Hauptgrund, warum eine (öffentliche) Verbindung zur Frankfurter Schule möglichst vermieden werden sollte. Was bleibt, ist heimliche Lektüre, stille Bewunderung und eine informelle Interpretation ihrer Arbeit.“ [23] Das, da braucht man kein Prophet sein, wird definitiv nicht reichen. Zweifellos ist die Kulturindustriethese, wie schon gesagt, durch Momente des dialektischen Materialismus zu erweitern, aber solch eine Entwertung zu produzieren (in diesem Fall sogar ohne Not und wider besseres Wissen), nur weil niemand mehr darüber diskutieren möchte oder die Netzgemeinde die Wirkung der Kulturindustrie gar nicht mehr spürt, da der manipulative Effekt sich in ihr bereits, wie von Adorno und Horkheimer vorweggenommen, naturalisiert hat, ist ein echtes theoretisches Armutszeugnis. Es verwundert daher nicht, dass Lovink lieber „Möglichkeitsräume“ in unkritischer Manier ausloten will als sich über das vermeintlich Dogmatische der industriellen Verhärtung von Medien (traditionell oder digital) zu vergewissern. Inzwischen rächt sich gewaltig, auch bei sonst so aufmerksamen Beobachtern der Netzverblendung wie Lovink, dass gegen die Nichtbeachtung einer gewissen Form der Orthodoxie, die zur Erhellung der kapitalistischen Grundtendenzen viel mehr beiträgt als das angeblich so freie Umherschweifen in begrifflich nicht erfassten Theorieversatzstücken, nicht genügend unternommen wurde. Ein Blick in die ebenso lehr- wie aufschlussreiche Studie von Michael Kausch über Kulturindustrie und Populärkultur von 1988 hätte im Übrigen schon zeigen können, wie anschlussfähig das theoretische Modell der kritischen Theorie wirklich ist, denn es stellt nach wie vor „als Vermittlungstheorie (…) einen interdisziplinären Wissenschaftsverbund einer Reihe von Einzelwissenschaften her, die durch diesen Verbund erst zu richtiger Erkenntnis befähigt werden.“ [24] Damit zum Plan einer kritischen Medientheorie heute, der leider vorerst Plan bleiben muss, aber vielleicht schon andeutet, dass das Thema intensiv und dauerhaft einer Auseinandersetzung bedarf.

Die Konzeption sieht vor, in sechs Schritten bzw. Kapiteln den Gesamtrahmen einer kritischen Medientheorie, sowohl hinsichtlich ihres Vermächtnisses als auch ihrer heutigen Berechtigung und Notwendigkeit, abzustecken.

  1. Medien, Ideologie, Herrschaft – Eine Bestandsaufnahme.

Zunächst wird davon ausgegangen, dass die vier Grundelemente der Ideologiehaftigkeit von Medien, die ich in dem am Anfang stehenden Aufsatz von 1995 entwickelt und dann im vorstehenden Text zur vorläufigen Bilanz der Digitalisierung noch einmal aufgerufen habe, weiterhin Bestand haben. Freilich ist hier eine ausführliche Behandlung vonnöten. Ergänzend hinzugezogen werden die beiden wichtigsten zeitgenössischen Arbeiten von damals aus materialistischer Perspektive, Horst Holzers „Medienkommunikation“ von 1994 und das Buch von Thomas Schuster „Staat und Medien“ aus dem Jahre 1995, die seinerzeit keine Berücksichtigung fanden, aber vom heutigen Standpunkt aus gesehen wichtige Beiträge zum kritischen Verständnis von Medien darstellen.[25] Dass beide Werke in der aktuellen Mediendiskussion gar keine Rolle spielen, obwohl sie bereits vor zwanzig Jahren Tendenzen zu erkennen vermochten, die gegenwärtig keineswegs obsolet sind, verweist erneut auf die generelle Unterbelichtung entscheidender medialer Strukturmerkmale in den institutionalisierten Wissenschaften. In der zweiten Auflage von Schusters Buch 2004 heißt es im Vorwort dementsprechend: „Die Theorien von der Prädominanz des Mediensystems, von der Okkupierung und Unterwerfung der Macht in Politik und Wirtschaft durch die Medien oder der Verlagerung politischer und ökonomischer Entscheidungsprozesse in den Medienprozess kranken (…) an ihrer übermäßigen Fixierung auf ihr Untersuchungsobjekt, an der Überbetonung des Neuartigen, der Inszenierungs- und Vermittlungstechniken, der Simulations- und Virtualisierungsformen, zulasten einer adäquaten Strukturanalyse nur in historischer Perspektive zu erklärender sozialer, politischer und ökonomischer Tiefenstrukturen. Diese Tiefenstrukturen bleiben denjenigen Medientheoretikern verborgen, deren Blick sich im Zirkel von mediengerechter Präsentation und medialer Repräsentation verfängt, den sie letztlich noch reflexiv bestätigen.“ [26] Der vor zehn Jahren ausgesprochene Befund hat sich nicht etwa erübrigt, sondern potenziert.

  1. Der Abgesang „nach den Medien“.

Nämlich u.a. durch ein Gerede vom „Ende“ der Medien oder ihrer Nachgeschichte. Dieser Abschnitt beschäftigt sich so detailliert wie nötig mit Veröffentlichungen, die aufgrund der digitalen Wende den sog. traditionellen Medien, trotz ihrer weithin ungebrochenen Einflussfähigkeit auf gesellschaftliche Denk-, Verhaltens- und Vorstellungsprozesse und der damit verbundenen systemerhaltenden Bedeutung für die Kohäsion der kapitalistischen Gesellschaft, keinerlei Substanz mehr zubilligen möchten. Erneut stoßen wir auf das Terrain der akademischen Medienwissenschaft. Hier hinein gehören ein kleiner, aber repräsentativer Sammelband unter dem Titel „Was waren Medien?“ und die Untersuchung von Siegfried Zielinski „… nach den Medien.“ [27] Die Entwicklung Zielinskis ist besonders interessant, da er als kritischer Filmhistoriker zum NS-Film und dessen Nachwirkungen begonnen hatte und dann mehr und mehr über die Technikgeschichte zum Vertreter einer leidlich abstrakt argumentierenden medialen Kunstwissenschaft wurde. An ihm und seiner Studie zur „nachmedialen“ Geschäftsgrundlage einer unkritisch sich gebenden Empirie ohne Rückgrat lässt sich anschaulich die zunehmende gesellschaftliche Leere der institutionalisierten Medienforschung ablesen. Unvermeidlich ist dabei auch der Rückgriff auf die beiden Hauptarbeiten Kittlers „Grammophon – Film – Typewriter“ und die Berliner Vorlesung von 1999 „Optische Medien“, die vor allem daraufhin zu untersuchen sind, welche historischen Fehlschlüsse zu welchen medientheoretischen Fehlkonstruktionen geführt haben.[28] Vor allem aber wird es darauf ankommen müssen, die Folgen der Kittlerschen Wahrnehmungen anhand von Beispielen seiner Jünger zu skizzieren, um deren Systematisierungen der Fehlkonstruktionen zu entschlüsseln. Hierbei ist (vgl. das zweite Eingangszitat) Knut Ebelings erster Band seiner sog. „Wilden Archäologie“ heranzuziehen, weil dort in exorbitanter Ausuferung eine willkürliche Parallele zwischen Kant, Siegmund Freud, Michel Foucault und Kittler gezogen wird, die weder in der allgemeinen Zusammenführung noch im Hinblick auf den jüngsten der Protagonisten zutrifft.[29] Um außerdem zu zeigen, in welchen Dimensionen man sich angesichts der Verwerfungen des Medialen durch Kittler bewegt, wird ein philosophischer Exkurs erforderlich sein, der zwischen dem Hegelschen Begriff und Kittlers Schaltungsfetisch eine deduktive Entscheidung fällt. Begriff contra Schaltung ist das Zentrum des erkenntnistheoretischen Klassenkampfes um die Medien.

  1. Kritischer Technizismus „vor den Medien“.

Weiter oben wurde im Zusammenhang mit Lovink festgestellt, dass eine seiner produktiven Wiederentdeckungen die Schriften von Max Bense sind. Bense, Anfang der 1930er Jahre im vorfaschistischen Universitätsbetrieb sozialisiert und während der Nazizeit vorwiegend mit philosophischen Fragen beschäftigt, entwickelte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zuerst in Jena und dann in Stuttgart eine rege Lehr- und Publikationstätigkeit auf nahezu allen Gebieten der heute so genannten Humanwissenschaften mit einer expliziten Verbindung natur-, gesellschafts- und technikwissenschaftlicher Problemkreise. Gewissermaßen ist er als einer der letzten deutschen Universalgelehrten zu bezeichnen, der sich z.B. zur Ethik genauso profund äußern konnte wie zur Literaturwissenschaft oder zur Ästhetik. Im Mittelpunkt der Überlegungen Benses zum Verhältnis von Mensch, Gesellschaft und Wissenschaft steht der Begriff der Rationalität, der als Kernbegriff des theoretischen und methodischen Zugangs zur Welterfassung den ultimativen Grenzhorizont seiner Erkenntnistheorie darstellt. In diesem Blickwinkel sind besonders zwei Texte aus der unmittelbaren Nachkriegsperiode von Bedeutung, die zu den immer beibehaltenen Grundlagen von Benses Denken gehören und die durch ihre Kritik am Fetischbezug zur Technik bei gleichzeitiger Unausweichlichkeit des technologischen Fortschritts, der zur intellektuellen Bewältigung und Bearbeitung drängt, eine Art kritischen Technizismus begründen, der für spätere medientheoretische Aspekte eine wesentliche Voraussetzung bildet. Sowohl die 1949 erschienenen Großessays zur „Technischen Existenz“ als auch die knappe Zusammenfassung im „Manifest des existenziellen Rationalismus“ von 1951 schließen eindeutig romantische und irrationalistische Kategorien wie Stimmung, Intention, Subjektivität sowie verkappten und offenen Theismus aus dem Diskurs der gesellschaftlich relevanten Weltpositionen aus und verweisen damit jeden Anspruch einer auch medialen Vermittlung menschlicher Informationsleistung auf ihren gesellschaftlichen Hintergrund.[30] Schon allein deshalb sind reine Wahrnehmungstheorien nicht in der Lage, Medienstrukturen angemessen zu reflektieren. Eine ähnliche Tendenz zur Materialität weisen die lange unterschätzten philosophischen Betrachtungen über Rundfunk und Fernsehen von Günther Anders auf, die seit ihrem Entstehungsjahr 1956 als wichtige Bereicherung der Kulturindustriethese gelten können.[31]

Es ist sicher auch kein Zufall, dass mit Georg Klaus, dem marxistischen Kybernetiker und Steuerungstheoretiker, ein Schüler von Max Bense aus dessen Jenaer Zeit zum führenden Informationsanalytiker der 1960er Jahre avancierte. Nicht nur die Grundlegung „Kybernetik und Gesellschaft“ von 1964, sondern auch seine Reflexionen zur „Sprache der Politik“ (1971) und die späte lexikalische Abhandlung zum Verhältnis von Rationalität, Integration und Information (1974) umfassen wesentliche Kriterien mit medientheoretischer Reichweite, die vor der eigentlichen Etablierung einer eigenständigen Medienwissenschaft bereits den Anforderungen einer kritischen Medientheorie in der Zusammenführung des dialektischen Materialismus mit Erkenntnissen aus der Regel-, Steuerungs- und Systemtheorie entsprechen.[32] Ein Hauptsatz von Klaus lautet: „Es gibt keine Information, beispielsweise Signale, Signalgruppen usw., die nicht an einen materiellen Träger gebunden wäre.“ [33]Somit erscheint hier ein kritischer Technizismus deutlich bereichert und erweitert von der marxistischen Wissenschaftsauffassung, worauf die folgenden Arbeiten der DDR-Medientheorie aufbauen konnten.

  1. Das Erbe der DDR-Medientheorie „zwischen den Medien“.

„Zwischen den Medien“ heißt hier, dass die fortschreitende technologische Medienpräsenz aufgrund der politisch-ideologischen Systemkonkurrenz auch zwei gegenläufige Medienmodelle (ein kapitalistisches und ein sozialistisches) hervorbrachte, die medientheoretisch analysiert und eingeordnet werden mussten. Eine Stärke der sich Mitte der 1970er Jahre herausbildenden DDR-Medientheorie bestand darin, hinter sich ein Staatswesen zu wissen, das die privatwirtschaftlichen Auswüchse der Informationsvermittlung aus Spekulation und Verkäuflichkeit in seinen gesellschaftlichen Grundlagen eliminiert hatte und damit nicht darauf angewiesen war, ökonomische, politische oder ideologische Rücksichten auf Produzentenwünsche oder Marktanforderungen nehmen zu müssen. Das eigene, zentral gesteuerte Mediensystem reglementierte zwar politisch die Meinungsbildung, offerierte aber vielerorts Informationen und Beiträge aus der Perspektive des Sozialismus in seiner zeitgenössischen und erwünschten zukünftigen Entwicklung, die unter kapitalistischen Bedingungen schon strukturell, aber auch bewusstseinsmäßig nie hätten entstehen können. Der Blick auf die kapitalistischen Medien (die ja in ihren audiovisuellen Formen aus der BRD massiv in die DDR einstrahlten) war faktisch ein privilegierter von außen, der gerade aus dieser Tatsache heraus zu auch langfristig validen Forschungsergebnissen führte, weil die innerkapitalistische Sichtweise oftmals zu sehr von wissenschaftsbetriebsinternen (aber außerwissenschaftlichen) oder methodologischen (aber erkenntnisfremden) Dynamiken beherrscht wurde (und wird). Dies erzeugt die heute einigermaßen paradoxe Situation, dass einzelne Schlussfolgerungen der medientheoretischen Überlegungen aus der DDR hinsichtlich ihrer kritischen Tendenz weiterhin Gültigkeit beanspruchen, obwohl sich die medialen Bedingungen im Spätimperialismus deutlich verändert haben. Die Arbeiten von Lothar Bisky, besonders seine 1976 veröffentlichte Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Massenkommunikationsforschung und die praxisbezogenen Analysen kapitalistischer Medienprodukte aus der ersten Hälfte der 1980er Jahre, sind hier hervorzuheben.[34] Sie bestechen selbst aus heutiger Sicht nicht nur durch ihre Klarheit gegenüber theoretischen Unberechenbarkeiten und mehr oder weniger haltlosen Behauptungen einer potentiell „egalitären“ Kommunikation innerhalb der repräsentativen Demokratie, sondern nehmen in Teilen schon politökonomische und technische Prozesse der Nivellierung der kapitalistischen Medianapparate vorweg, die sich erst gegenwärtig voll entfaltet haben.[35] Als ähnlich innovativ stellen sich die Studien von Peter Hoff zum Fernsehen und zur Unterhaltung heraus, wobei seine heute nur noch schwer greifbare Dissertation „Fernsehen als Kunst“ von 1980 ein verkannter Meilenstein der Kontextualisierung des ursprünglich kulturell agierenden Mediums ist, weshalb es einfach als falsch bezeichnet werden muss, dass es nie um Inhalte gegangen wäre und als ebenso falsch, dass Fernsehen überhaupt keinen ästhetischen Anspruch haben könnte.[36] Leider hat Hoff seine eigentliche originäre These, wonach der zentrale Ort der stattfindenden Medienrevolution derjenige des Bildschirms ist (von der Telearbeit bis zur mobilen Wahrnehmung der Information) nicht mehr schriftlich fixiert, so dass hier ein Forschungsdesiderat ersten Ranges vorliegt. Eine Darlegung des Erbes der DDR-Medientheorie wäre natürlich unvollständig ohne den Text von Peter Hacks „Unter den Medien schweigen die Musen“, der als „Begründung einer Wissenschaft“ zum einen das Verhältnis zwischen Ästhetik und ihrer medialen Abwertung beschreibt, zum anderen aber (und in diesem Zusammenhang wichtiger) die Strukturprobleme benennt, die sich durch die Abhängigkeit des Geistes von der Medienpräformation sowie durch die schleichende Aushebelung sozialistischer Grundsätze in der Informationsvermittlung schon in den Zeiten vor dem formellen Ende der DDR ergeben haben.[37] Der paradigmatische „Übergangscharakter“ dieser Schrift ist durchaus ein prophetischer insoweit, wie er veranschaulicht, dass die politische Wende anhand der Mediensituation ein grundlegend kritisches Medienverhalten in genau dem Moment anzeigt, wo sich die Verhältnisse in die gegenteilige Richtung bewegen.

  1. Emergenz – Konvergenz – Kontingenz: Das Netz „in den Medien“.

Es ist interessant festzuhalten, dass sich die Selbstabschaffung des Sozialismus nach sowjetischem Vorbild und der Selbstaufstieg der Computerisierung (Digitalisierung, Internet) analog verhalten. Zum gleichen Zeitpunkt verschwindet das, was eigentlich mit Rationalität und Fortschritt verbunden wird, während das System mit der Fessel der Produktivkräfte auf virtueller Basis plötzlich neue Informationsflächen schafft. Das Vordenkerwerk dieser Konstellation stammt vom US-amerikanischen Politikberater Zbigniew Brzezinski und ist heute nahezu vergessen. Aber Brzezinski konnte schon 1970 mit der Idee auftrumpfen, dass der effizientere Durchsatz ökonomischer Parameter mittels Computertechnik wirkungsvoller ist als der Kampf der Weltanschauungen, wenn dadurch der Sozialismus gezwungen wird, auf demselben Feld der Effektivität zu agieren (wo er nur verlieren kann) und nicht Lebensweise gegen Lebensweise setzt.[38]

Seitdem der Sozialismus wirklich weg ist, blüht in der Medienpublizistik bezüglich der digitalen Medien die Ambivalenz aus euphorischem Überschwang und untergehender Kultursonne. Das ist an sich nichts Neues, da jedes neue Medium (selbst als Infrastruktur) diesen Extrempolen der Beweihräucherung und Verachtung ausgeliefert war und es sich trotzdem schnell erwiesen hat, dass alle vorhandenen Medien auch weiterexistieren. Neu ist gewissermaßen nur der Grad der Verwirrung, der die Netzdiskussion beherrscht. Von der überbordenden Literatur (fachspezifisch, publizistisch, innerhalb und außerhalb des Internet) ist kaum etwas von dauerhafter Robustheit. Wenn man zum Beispiel bedenkt, dass oft und bedenkenlos mit Begriffen hantiert wird wie Emergenz (=Selbstherausbildung, in der Computertechnik Störungsbeseitigung durch Operationalisierbarkeit), Konvergenz (=Annäherung, in den Medien von Transport- und Inhaltseigenschaften der Information bzw. ganzer Mediensektoren) oder Kontingenz (=zeitlich unvorhergesehener Zusammenfall, in der Philosophie die irrationale Seite der Dialektik aus Notwendigkeit und Zufall), so lässt sich sehr einfach ermessen, dass Digitalisierung und Internet in höchst geraffter Zeit Anwendungs- und Einordnungsprobleme geschaffen haben, deren gesellschaftliche Lösbarkeit weder terminologisch noch praktisch als erfolgversprechend erachtet wird. Insoweit ist die Debatte nur dahingehend nachzuzeichnen, sofern sie einen kritischen gesellschaftspolitischen Ertrag in Aussicht stellt. Und dieser kann lediglich dann entschlüsselt werden, wenn sichtbar wird, dass traditionelle und digitale Medien aus herrschaftspolitischer Perspektive strukturell auf einer Linie liegen. Ausgangspunkt ist dabei das schon erwähnte Büchlein zur elektronischen Einsamkeit der agentur bilwet aus der Anfangsphase der Netzetablierung, weil sich darin schon die Grundzüge der totalen Falsifikation einer erwarteten Egalisierung sozialer Hierarchien erkenntnistheoretisch abbilden.[39] Den gleichen Aspekt apologetisch ins Schicksalhafte gewendet, illustriert die neuere „medienphilosophische“ Technikdiskussion, die ihren wesentlichen Ausdruck in der positiven Rezeption der reaktionären Existenzialontologie Martin Heideggers findet und von der aus nahezu alles Technische als konstitutiv für das gesellschaftliche Gruppenverhalten interpretiert wird.[40] Dieser Diskurs, selbst wenn auch er keineswegs neu ist, erscheint deshalb als bedeutsam, weil sich in ihm inzwischen die ganze Ratlosigkeit der Epoche versinnbildlicht, die zudem von verkehrten Annahmen in der Relation von Technik und Gesellschaft ausgeht.[41] Um dann wieder auf die kritische Seite zurückzukehren, wird anschließend versucht, die Kampfschrift des anarchistischen Kollektivs Tiqqun zu Kybernetik und Revolte sowie Lovinks bereits angesprochenes Unternehmen der kritischen Netzwerktheorie genauer unter die Lupe zu nehmen, flankiert von Überlegungen des Computerwelt-Schriftstellers Daniel Suarez, wie und in welcher Form das Trauma der Kombination aus technologischer Ausbeutung und flächendeckender Überwachung beseitigt werden könnte.[42] Prinzipiell muss diesem Ziel, gerade in der Gesamtschau des Netzes „in den Medien“, der theoretische Zugang entsprechen. An dieser Stelle wird deshalb zusammenfassend geprüft, wie systematisch die kapitalistische Gesellschaft und die aktuellen Ausformungen des Internet miteinander in Beziehung stehen.[43]

  1. Residualkritik „abseits der Medien“.

Das letzte Kapitel beginnt mit dem Grundsatz, dass Medientheorie gleichzeitig allgemeine Gesellschaftstheorie sein muss. Wenn die gesellschaftskritische Haltung medientheoretischen Denkens auf dem dialektischen Anspruch beharrt, dass Analyse und Transformation des Medienprozesses gleichzeitig innerhalb und außerhalb von diesem vonstattengehen müssen, dass also ohne Berücksichtigung einer „außermedialen“ gesellschaftlichen und individuellen Sozialisation nicht ein einziges der Medienprodukte, geschweige denn das institutionelle Programmensemble oder die Apparatehaftigkeit der Medien, verstanden werden kann, dann bedeutet das nicht, eine sinnlose Stoffanhäufung zu betreiben, sondern es bedeutet, das Prinzip des kapitalistischen Mediensystems zielgenau strukturell zu reflektieren. In diesem Zusammenhang bleibt das Kulturindustrieparadigma maßgebend, denn seine Wirkung erschließt sich im Gesamtkontext der Gesellschaft und nicht in den einzelnen Erzeugnissen, die für sich genommen sehr wohl höchst herrschaftskritisch sein können, im Rekurs auf die Totalität des Kapitalismus allerdings in die Verkäuflichkeit eingebunden sind.[44] Man kann nun einerseits darangehen, innerhalb der Resultate der kulturindustriellen Produktion und Distribution dem widersprüchlichen Verhältnis von kulturellem Sinn und Tauschwertabstraktion auf die Spur zu kommen, woran sich Dieter Prokop seit Jahren unermüdlich abarbeitet.[45] Es ist andererseits auch möglich und notwendig, den Zustand der Medien aus einem vernunftgemäßen Unbehagen und vom Standpunkt des aufklärerischen Citoyens einer schonungslosen Kritik zu unterziehen, wie das ebenfalls seit Jahren Georg Seeßlen und sein Co-Autor Markus Metz betreiben.[46] Beide Wege erhellen auf ihre Weise tragische wie skandalöse empirische Befunde eines im geistigen Untergang begriffenen Mediensektors, dessen ursprüngliches Anliegen, wenigstens das Selbstbewusstsein der herrschenden bürgerlichen Klasse zu bewahren oder gar mit der Gesamtgesellschaft zu heben, komplett aufgegeben worden ist. Stattdessen genügt der Medienbereich allein als herrschaftsstabilisierender Faktor – einer Herrschaft jedoch, deren Regellosigkeit durch Ziellosigkeit gespeist wird. Als nächste Anforderung an kritische Medientheorie ist nun das, was als Kulturindustrie festgestellt und festgezurrt ist, in einen Modus der Aufhebung im Hegelschen Sinne zu überführen. Denn was als vorläufiges Ergebnis nach dem Stand der Dinge meist konstatiert wird, ist reine Ohnmacht angesichts der strukturellen und praktischen Fehlermeldungen eines zunehmend auf Selbstreferenz geeichten Mediensystems. Erhofft wird implizit eine Umkehr anhand möglicher Potenzen der Produkte selbst (Prokop) oder ein moralisches Aufwachen aus der doch eigentlich allen ersichtlichen Benommenheit medialen Existierens (Metz/Seeßlen). So wertvoll diese Appellationen sind, sie stellen die Systemfrage nur unzureichend.

Interessant ist hingegen, dass weder Gesellschaft und Öffentlichkeit noch der medienwissenschaftliche Betrieb hinreichende Notiz von wenigstens der einen oder anderen Information aus dem Arbeitskasten der verschiedenen Kritiken an der Kulturindustrie nehmen. Bei Lovink sucht man die Namen Prokop und Seeßlen zum „Verbleib der deutschen Medientheorie“ vergeblich, obwohl man die Vielzahl und Regelmäßigkeit ihrer Publikationen einfach nicht übersehen kann. Wenn dann noch jemand kommt und behauptet, zur Kritik der Kulturindustrie muss sich zwingend der dialektische Materialismus gesellen, der mit paradoxen Kategorien, Umschlägen von Quantität in Qualität sowie bestimmten Negationen arbeitet, und das alles ohne Gott und unter Zuhilfenahme objektiver logischer Kausalitäten, dann kann daran aus Sicht spätimperialistischer Gesinnung etwas nicht stimmen und muss zwingend in das Reich der Residuen aus längst vergangenen Zeiten abgeschoben werden. Was aber ist, wenn diese Form der Residualkritik „abseits der Medien“ die einzige Chance bietet, als Voraussetzung zur Überwindung der realen und medialen Zumutungen unserer Tage die Forderung wieder praktisch werden zu lassen, eine kritische Haltung zur Welt und eine Zukunftsperspektive für die Verbesserung menschlichen Zusammenlebens einzunehmen? Alternativen sind immer möglich, und inzwischen werden sie unausweichlich. Das gilt sowohl für den Umgang mit herkömmlichen audiovisuellen Medien wie für deren digitale Ausläufer.[47]

Es ist, wie gesagt, ein Plan leider erst.

Detlef Kannapin

(14. Oktober – 17. November 2014)

___________________

[1] Zitiert nach Christoph Hesse: Besichtigung eines Baukastens. Zur unglücklichen Geschichte linker Medientheorie, in: Phase 2. Zeitschrift gegen die Realität 40/2011, S.6-10, hier S.6.

[2] E-Mail-Mitteilung von Knut Ebeling, Professor für Medientheorie/Semiotik und Ästhetik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, an den Autor vom 1. Juni 2012.

[3] Vgl. Hannah Lühmann: Von Inhalten war noch nie die Rede. Und Ereignisse machen noch keine Welt: Der Medienwissenschaftler Lorenz Engell zappt sich elegant und anregend durch Theorien des Fernsehens, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 4. August 2012. Gemeint ist der marxistische Kulturtheoretiker Raymond Williams (1921-1988).

[4] Vgl. Friedrich A. Kittler: Rock-Musik – ein Mißbrauch von Heeresgerät (1988), in: Ders.: Die Wahrheit der technischen Welt. Essays zur Genealogie der Gegenwart, Berlin 2013, S.198-213, hier S.199.

[5] Vgl. Zehn. Zeitschrift für Medienwissenschaft 1/2014, S.9-88.

[6] Vgl. Dagmar Brunow: Wie ist die Medienwissenschaft der Zukunft und der Utopie? (3. Beitrag), in: Zeitschrift für Medienwissenschaft 1/2014, S.14/15.

[7] Vgl. Lorenz Engell: Ihre Medientheorie auf einer Seite? (5. Beitrag), in: Zeitschrift für Medienwissenschaft 1/2014, S.36/37.

[8] Vgl. Michael Stein: „Ich bin Buddhist, und Sie sind eine Illusion.“, Berlin 2008.

[9] Vgl. Ralf Adelmann/Ulrike Bergermann (Hg.): Das Medium meiner Träume. Hartmut Winkler zum 60. Geburtstag, Berlin 2013.

[10] Vgl. Ralf Adelmann/Ulrike Bergermann: Träumen von Medien?, in: Dies. (Hg.): Das Medium meiner Träume…, a.a.O., S.9-14, hier S.12.

[11] Vgl. Hartmut Winkler: Docuverse. Zur Medientheorie der Computer, München 1997. Das Buch ist lange vergriffen und wird inzwischen antiquarisch zu Phantasiepreisen gehandelt. Vgl. auch Hesse: Besichtigung eines Baukastens…, a.a.O., S.9. Außerdem Hartmut Winkler: Diskursökonomie. Versuch über die innere Ökonomie der Medien, Frankfurt/M. 2004, S.250-252.

[12] Vgl. Heike Klippel: Die Ausblende, in: Adelmann/Bergermann (Hg.): Das Medium meiner Träume…, a.a.O., S.19-29, hier S.25.

[13] Vgl. Karl Kraus: Apokalypse (Offener Brief an das Publikum) (1908), in: Ders.: Untergang der Welt durch schwarze Magie (1922). Schriften, Band 4, Frankfurt/M. 1989, S.9-20, hier S.10.

[14] Vgl. agentur bilwet: elektronische einsamkeit. was kommt, wenn der spaß aufhört?, Köln 1997.

[15] Vgl. Geert Lovink: Zero Comments. Elemente einer kritischen Internetkultur (2007), Bielefeld 2008, S.129-145, hier S.129.

[16] Vgl. Mercedes Bunz: Die stille Revolution. Wie Algorithmen Wissen, Arbeit, Öffentlichkeit und Politik verändern, ohne dabei viel Lärm zu machen, Berlin 2012.

[17] Vgl. Bunz: Die stille Revolution…, a.a.O., S.96.

[18] Vgl. Bunz: Die stille Revolution…, a.a.O., S.153.

[19] Vgl. Lovink: Zero Comments…, a.a.O., S.130.

[20] Vgl. Lovink: Zero Comments…, a.a.O., S.145.

[21] Vgl. dazu z.B. Vilém Flusser: Kommunikologie (1973/74), Frankfurt/M. 2007.

[22] Vgl. Geert Lovink: Das halbwegs Soziale. Eine Kritik der Vernetzungskultur, Bielefeld 2012, S.199-219.

[23] Vgl. Lovink: Das halbwegs Soziale…, a.a.O., S.92.

[24] Vgl. Michael Kausch: Kulturindustrie und Populärkultur. Kritische Theorie der Massenmedien, Frankfurt/M. 1988, S.7.

[25] Vgl. Horst Holzer: Medienkommunikation. Einführung in handlungs- und gesellschaftstheoretische Konzeptionen, Opladen 1994 und Thomas Schuster: Staat und Medien. Über die elektronische Konditionierung der Wirklichkeit, Frankfurt/M. 1995.

[26] Vgl. Thomas Schuster: Staat und Medien. Über die elektronische Konditionierung der Wirklichkeit, Wiesbaden 2004, S.20.

[27] Vgl. Claus Pias (Hg.): Was waren Medien?, Zürich 2011 und Siegfried Zielinski: (… nach den Medien). Nachrichten vom ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert, Berlin 2011.

[28] Vgl. Friedrich A. Kittler: Grammophon – Film – Typewriter, Berlin 1986 und Ders.: Optische Medien. Berliner Vorlesung 1999, Berlin 2011.

[29] Vgl. Knut Ebeling: Wilde Archäologien I. Theorien materieller Kultur von Kant bis Kittler, Berlin 2012.

[30] Vgl. Max Bense: Technische Existenz. Essays (1949), in: Ders.: Ausgewählte Schriften. Band 3: Ästhetik und Texttheorie, Stuttgart-Weimar 1998, S.1-158 und Max Bense: Manifest des existentiellen Rationalismus 1951, in: Ders.: Ausgewählte Schriften. Band 1: Philosophie, Stuttgart-Weimar 1997, S.1-4.

[31] Vgl. Günther Anders: Die Welt als Phantom und Matrize. Philosophische Betrachtungen über Rundfunk und Fernsehen, in: Ders.: Die Antiquiertheit des Menschen. Band 1: Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution (1956), München 1994, S.97-211.

[32] Vgl. Georg Klaus: Kybernetik und Gesellschaft, Berlin 1964; Ders.: Sprache der Politik, Berlin 1971 und Ders.: Rationalität – Integration – Information. Entwicklungsgesetze der Wissenschaft in unserer Zeit, Berlin 1974. Vgl. dazu auch Michael Eckhardt: Medientheorie vor der Medientheorie. Überlegungen im Anschluß an Georg Klaus, Berlin 2005.

[33] Vgl. Klaus: Rationalität – Integration – Information…, a.a.O., S.129. Die Gegenbehauptung findet sich exemplarisch bei Claus Pias: Zeit der Kybernetik – Eine Einstimmung, in: Ders. (Hg.): Cybernetics – Kybernetik. The Macy-Conferences 1946-1953. Band II: Essays und Dokumente, Zürich 2004, S.9-41.

[34] Vgl. Lothar Bisky: Zur Kritik der bürgerlichen Massenkommunikationsforschung, Berlin 1976; Ders.: Geheime Verführer. Geschäft mit Shows, Stars, Reklame, Horror, Sex (1980), Berlin 1982 und Ders.: The show must go on. Unterhaltung am Konzernkabel. Rock, Film, Fernsehen, neue Medien, Berlin 1984.

[35] Vgl. dazu das Schlusskapitel über die neuen Medien in Bisky: The show must go on…, a.a.O., S.124-141.

[36] Vgl. Peter Hoff: Fernsehen als Kunst. Grundprobleme der Gattungsspezifik sozialistischer Fernsehkunst (1980), Berlin 1984 (Typoskript, Diss. HU-Berlin) und Ders.: Unterhaltung oder Die Befreiung der gesellschaftlichen Produktivkraft Vergnügen. Aspekte einer „aufklärerischen“ Gesellschafts- und Unterhaltungskonzeption bei Brecht, Eisler, Adorno und Gramsci sowie ihre Anwendung an einem Beispiel des DDR-Fernsehens. Ein Essay, Leipzig 2005.

[37] Vgl. Peter Hacks: Unter den Medien schweigen die Musen. Begründung einer Wissenschaft (1989/90), in: Ders.: Die Maßgaben der Kunst I. Hacks Werke Band 13, Berlin 2003, S.425-461.

[38] Vgl. Zbigniew Brzezinski: Between Two Ages. America´s Role in the Technetronic Era, New York 1970.

[39] Vgl. agentur bilwet: elektronische einsamkeit…, a.a.O., z.B. S.27/28.

[40] Vgl. Erich Hörl (Hg.): Die technologische Bedingung. Beiträge zur Beschreibung der technischen Welt, Berlin 2011.

[41] Vgl. dazu Rainer Fischbach: Schöne neue Technikwelt. Ermächtigung oder Überwältigung?, in: Humanitas. Beiträge der Geisteswissenschaften 1/2012, S.1-32.

[42] Vgl. Tiqqun: Kybernetik und Revolte (2001), Zürich 2007; Lovink: Das halbwegs Soziale…, a.a.O., S.199-219 und Frank Rieger im Gespräch mit Daniel Suarez: Wir werden mit System erobert, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. Mai 2011.

[43] Vgl. dazu Robert W. McChesney: Digital Disconnect. How Capitalism Is Turning the Internet Against Democracy, New York 2013.

[44] Vgl. dazu Simon Duckheim: Reklame für die Welt, wie sie ist. Kulturindustrie und identifizierendes Denken, in: Dirk Braunstein/Sebastian Dittmann/Isabelle Klasen (Hg.): Alles falsch. Auf verlorenem Posten gegen die Kulturindustrie, Berlin 2012, S.65-110, hier S.83/84.

[45] Vgl. dazu neben vielem anderen Dieter Prokop: Dialektik der Kulturindustrie. Ein Beitrag der neuen kritischen Medienforschung, in: Zeitschrift für kritische Theorie 14/2002, S.121-141 und Ders.: Ästhetik der Kulturindustrie, Marburg 2009.

[46] Vgl. Markus Metz/Georg Seeßlen: Blödmaschinen. Die Fabrikation der Stupidität, Berlin 2011; Dies.: Kapitalismus als Spektakel. Oder Blödmaschinen und Econotainment, Berlin 2012 und Dies.: Wir Untote! Über Posthumane, Zombies, Botox-Monster und andere Über- und Unterlebensformen in Life Science & Pulp Fiction, Berlin 2012. Nicht zu vergessen sind auch Seeßlens Studien zum Faschismus in der populären Kultur und zum Fernsehen aus der Mitte der 1990er Jahre.

[47] Vgl. dazu Marisol Sandoval: Grundlagen dialektischer Gesellschafts- und Medienkritik, in: Doris Zeilinger (Hg.): VorSchein. Jahrbuch der Ernst-Bloch-Assoziation Nr. 30/2008: Polyphone Dialektik, Nürnberg 2008, S.120-144 und W. Paul Cockshott/Allin Cottrell: Alternativen aus der Rechner. Für sozialistische Planung und direkte Demokratie (1993), Köln 2012.

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.