Systemfehler: Spaltungsrhetorik als Entpolitisierung von Ungleichheit

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TV-Serie “New Girl”, © Fox

Tückische Emanzipation

Über Karrierefrauen und Krisenmänner, feministischen Populismus und eine Gesellschaft, die Emanzipation als Wert hochhält, sich aber scheut, die dafür notwendigen strukturellen Veränderungen in Angriff zu nehmen.

Ist der Mann krank, ist es die Gesellschaft auch

Der „Mann in der Krise“ oder besser die Figur des Mannes in der Krise ist heute fester Bestandteil des Infotainments. Doch der allseits beliebte Krisendiskurs hat seine Höhen und Tiefen. So routinemäßig die Behauptungen um ‚den‘ schwächelnden Mann und ‚die‘ starke Frau mittlerweile aufgestellt werden, so aufgeregt war die Diskussion um die Jahrtausendwende. Damals aber überboten sich Zeitungen und Magazine gegenseitig mit Artikeln über Männer als das eigentlich „gebrechliche Geschlecht“[1] und die Titelseiten schmückten Schlagzeilen wie „Eine Krankheit namens Mann“ (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 2003)[2], „Angeknackste Helden“ (Der Spiegel 2004)[3] oder „Problemzone Mann“ (Focus 2005)[4]. Es gab auch eine Flut von populären Sachbüchern in Sachen Männerdämmerung.[5]

Im Kino liefen zur Freude der ZuschauerInnen „Fight Club“ (David Fincher 1999), „American Beauty“ (Sam Mendes 1999) und sämtliche Verfilmungen der Romane von Michel Houellebecq, um nur einige prominente Beispiele zu nennen. Jeder dieser Filme oder Romane war deutlich komplexer als die genannten Titelgeschichten, aber auch sie – bei allen Unterschieden – nahmen den überforderten weißen Mann als Sigel einer kranken Gesellschaft ernst, sehr ernst. Man war sich einig: Der ganz normale Mann wisse nicht mehr, wo er hin gehöre, sei entweder unglücklich verheiratet oder zu hässlich und zu antriebslos, um jemals eine Frau abzukommen. Er leide. Und wenn eine Gesellschaft, den Durchschnittsmann nicht mehr glücklich zu machen vermöge, ja wenn sie ihn depressiv mache, dann sei etwas ganz und gar nicht Ordnung. Dann müsse etwas passieren.

Der Krisendiskurs mischte und mischt Alarm in die Opfererzählung, er mischte Systemkritik, ja Kapitalismuskritik in die konstatierte kollektive männliche Identitätskrise (Kappert 2008). Und das war bevor die Finanzkrise den Euro gefährdete und die Jugenderwerbslosigkeit in Italien, Spanien oder Griechenland in schwindelerregende Höhen schnellte. Also deutlich bevor tatsächlich die Grundfesten der marktförmigen Demokratien erschüttert wurden.

Um einen Eindruck von der Aufregung damals zu bekommen, reicht ein kursorischer Blick ins deutschsprachige Feuilleton. So wurden etwa die Romane von Michel Houellebecq in den Pantheon der hohen Literatur gejubelt. Die Welt etikettierte „Elementarteilchen“ als das „radikalste Stück Literatur, das sich zum Ende des Jahrhunderts denken lässt“ (Krause 2001, 72). In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verkündete der Literaturkritiker Joseph Hanimann, dieser Roman sei ein „Jahrhundertbuch“ (Hanimann 1998, 37) und Stefan Zweifel schrieb in der Neuen Zürcher Zeitung: „Klirr und kalt weht uns auf diesen Seiten die Verzweiflung und Verbitterung eines Zukurzgekommenen an, der unser Fin de siècle mit dem kalten Blick des Insektenforschers beschreibt, die gestählten Ich-Panzer aufknackt und hinter den aalglatten Erfolgsmasken und Fratzen von Fun und Fashion die abgetriebenen Gefühle hervorkratzt und die ganze Schäbigkeit des Mittelstandes mit seinen Sehnsüchten bloßstellt. Er seziert eine in wild zuckender Ekstase zwischen Pop und Porno erstarrte Welt, in der jeder als Totgeburt seine Träume von Nähe und Sanftheit durchs Leben wie durch eine Salzwüste ungeweinter Tränen schleppt.“ (Zweifel 2001, 74)

Zeichensatz für ein allgemeines Unbehagen

Nicht nur der Mann also, die westlichen Industriegesellschaften insgesamt seien aus der Balance geraten. Tatsächlich stellt die Rede von der „Krise des Mannes“ einen Zeichensatz bereit und fungiert als Kode für die Beunruhigung einer Gesellschaft über sich selbst. Die Schwäche des Krisenmannes reflektiert die gebeutelte Seele längst nicht aller Männer, wohl aber vieler Mitglieder der gestressten Mittelschicht. Lange bevor Banken pleitegingen und vom überraschten Steuerzahler gerettet wurden, verleiht diese Figur dem bürgerlichen Unbehagen am „Turbokapitalismus“ (so nannte man die Effekte der Deregulierung damals) ein Gesicht. Der trottelige Mann ist also Witzfigur und verdrängte Ratio in einem.

Ärger mit den Karrierefrauen

Der Krisendiskurs würdigt aber nicht nur den überforderten und allzu passiven Mann als verdrängte Stimme der Vernunft, er liefert auch die Schuldigen für die Misere: Nicht etwa das gehobene Management in Politik und Wirtschaft, nein die Karrierefrauen sind schuld. Die Frauen, die stereotype Erwartungen an Mütterlichkeit zurückweisen zugunsten ihrer Selbstverwirklichung, sie erscheinen als ein Problem, das noch den unerträglichsten Chef vergessen macht.[6] Die Frauen, die das männliche Subjekt nicht (mehr) unentgeltlich reproduzieren, werden als Verbündete einer entfesselten Ökonomie an den Pranger gestellt und zum Symbol unmenschlichen Wirtschaftens stilisiert. Sie nämlich holten das Verwertungsprinzip ins Privat- und Intimleben hinein. Das sei pervers.

Jener Pervertierung einer ehemals wenigstens als halbwegs intakt erlebten Ordnung setzt der ‚Krisenmann‘ die Sehnsucht nach einer Gemeinschaft entgegen, in der weibliche Liebe noch keinen Preis hatte. Der in der Unterhaltungsindustrie und im Infotainment reüssierende desorientierte und weitgehend als impotent verspottete White Collar vermisst die wahre Liebe und ein Heim, das ihn vor einem überbordenden Leistungsdruck schützt. Er hält den Traum vom leichten, vom unversehrten Leben hoch. Und wird darüber depressiv.

Setzt man die Popularität des weißen ‚Krisenmannes‘ in Beziehung zu Zeitanalysen aus der Soziologie, dann lässt sie sich als Sehnsucht nach der klassischen bürgerlichen Ordnung lesen, die strikt unterscheiden wollte zwischen den Sphären Arbeit und Liebe. Das Privat- und Familienleben hatten idealiter die Gegenwelt zur Arbeit zu repräsentieren, wo die Liebenden, wie Max Weber es formulierte, „den kalten Skeletthänden rationaler Ordnungen“ entrinnen konnten ebenso „wie der Stumpfheit des Alltags“ (Weber 1988 [1920], 560f.). Just dieses Leitbild von der scharfen Trennung wird in partnerschaftlichen Beziehungen und einem Verständnis von Arbeit unterlaufen, das Selbstverwirklichung zulässt, genauso übrigens wie die mit der Etablierung des Bürgertums einhergehende Idee der strikten Geschlechterdifferenz. Zweihundert Jahre nach der Aufklärung tritt an die Stelle von „Mann versus Frau“ das Ideal von differenten, aber gleichberechtigten Partnern, die sich beide sowohl in der Arbeit als auch in der Beziehung entfalten wollen (und können). Die Figur des ‚Krisenmannes‘ ist just das Anti-Modell zu diesem seit den 1990ern verstärkt propagierten partnerschaftlichen Beziehungskonzept, in dem Männer und Frauen sich in der Erwerbsarbeit und Familie gleichermaßen engagieren. Für ihn bedeutet der von Frauen geäußerte Wunsch nach Karriere und Partnerschaft kein Zugewinn an Emanzipation, sondern die Vergletscherung des Privatlebens.

Er überspitzt damit eine auch in der Soziologie thematisierte Gefahr, dass das mit dem partnerschaftlichen Ideal einhergehende Leitbild der Selbstoptimierung das Privat- und Intimleben in einem Maße Effizienzkriterien zu unterwerfen drohe, welche die Regenerationsmöglichkeiten massiv einschränke (Henninger/Wimbauer 2012, 106). In dieser Hinsicht funktioniert der „Mann in der Krise“ tatsächlich als Seismograph. Allerdings fehlt dieser Figur jedes Interesse, nach einer (anderen) Lösung für den Anspruch zu suchen, der Geliebten (oder Begehrten) die gleichen Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, die er für sich selbst ersehnt. Stattdessen wird das subjektiv erlebte Opfersein aggressiv gegen die Emanzipation der (begehrten) Frau(en) eingesetzt: Du bist verantwortlich für eine unmenschliche und nicht mehr zu rettende Welt. Sämtlichen Krisenszenarien haftet ein apokalyptischer Zug an.

Opferstatus für Männer

Interessant ist nun, dass im Krisendiskurs Männer für Männer einen universellen Opferstatus in Anspruch nehmen. So sehr der Opferbegriff im Zusammenhang mit Frauen zur Abwertung taugt – die Kritik an Feministinnen, weibliches Opferseins überzustrapazieren, ist Legion – so anders funktioniert diese Zuschreibung in Verbindung mit dem Mittelschichtsmann. Hier hilft die Opferreklamation, den weißen Mann als Maß aller Dinge nicht vollständig aber weitgehend zu rehabilitieren, denn seine Schwäche wird mit dem Glamour des Leidens versehen. Verlacht, wie sie werden, verkörpern die „Strichmännchen des Unglücks“ (Steinfeld 2001, 8) eine zu Unrecht bekämpfte Bedürftigkeit nach Wärme. Den Verlierern wird damit ein gewisses Märtyrertum attestiert. Differenzierte Betrachtungen von Machtdynamiken und Verteilungsprozessen finden nicht statt. Unter dem Sigel des Geschlechterkampfs werden Machtfragen und -analysen ausgeblendet.

Diese Privatisierung von kollektiven Entfremdungserfahrungen, die im Zusammenhang mit Jahrzehnten neoliberalen Denkens und Wirtschaftens zu analysieren wäre, verkaufte sich übrigens bestens. Der Krisendiskurs ‚Mann‘ war niemals Nischenprodukt, sondern fand bis zum Einbruch der Finanzkrise im Infotainment und im kulturellen Mainstream rasanten Absatz.

Finanzkrise verdrängt „den Mann in der Krise“

Triftigere Gründe für die wahrgenommene, aber (noch) nicht begriffene Krise treten erst 2008 ins breitere Bewusstsein: Zum ersten Mal in der Nachkriegszeit gehen Banken bankrott und Kapitalismuskritik wird zu einem beliebten Schlagwort, diesmal unabhängig von männlichen Identitätsproblemen in der Mittelschicht. Angesichts der vielfältig kritisierten Managergehälter flaut die Aufregung um den „Mann in der Krise“ zumindest in den deutschen Medien ab. Denn die Männer, die nun ins Rampenlicht treten, sind alles andere als depressiv oder handlungsunfähig. Vielmehr zeigt sich, dass gerade im internationalen Bankensektor eine aggressive Männlichkeit reüssiert, die vom (gefühlten) Aufstieg ‘der‘ Frauen nie behelligt wurde. Im Finanzsektor finden sich weltweit so gut wie keine Frauen in den Chefetagen. In Reaktion darauf vernachlässigt etwa das FAZ-Feuilleton „den Mann in der Krise“ wieder weitgehend und entdeckt stattdessen die ausgewiesene Kapitalismuskritikerin Sarah Wagenknecht als Expertin für die Finanz- und Schuldenkrise (Wagenknecht 2011, 2012).

Generell lernen ZeitungsleserInnen seit rund fünf Jahren, was ein Derivat ist und wie viel ein Investmentbanker inzwischen verdient. Viele ahnen, dass das Victory-Zeichen von dem ehemaligen Chef der Deutschen Bank, Joseph Ackermann, im Mannesmann-Prozess (2004-2006) kein einmaliger Patzer aus Eitelkeit war, sondern bis heute Leitgedanke eines mächtigen und von der Mitte der Gesellschaft weitgehend losgelöst agierenden Berufsstandes ist: Wir stehen über dem bürgerlichen Gesetz und über dem Wertekodex ohnehin. Hans-Ulrich Wehler bezeichnet die gigantische Umverteilung nach oben, die „Durchsetzungen von Machtentscheidungen“ wie nie zuvor in der Bundesrepublik erlaubten, als einen der „dramatischsten Vorgänge der modernen Zeitgeschichte“ (Wehler 2013, 60). Zur Illustration: 1990 verdienten Vorstände von Dax-Unternehmen noch 570.000 DM, inzwischen verdienen sie im Durchschnitt 5 bis 6 Millionen Euro pro Jahr und damit mehr als das Hundertfache des durchschnittlichen Lohns ihrer MitarbeiterInnen. „Während VW-Vorstandschef Winterkorn 2011 auf ein Gehalt von 17,456 Millionen Euro kam, wächst im untersten Dezil das Einkommen seit 1985 nicht mehr, und die Löhne aller Arbeitnehmer stagnieren seit acht Jahren.“ Für den Historiker entscheidend ist aber nicht allein die Einkommensdifferenz, sondern auch wie die „politisch und rechtlich fundierte Machtausübung kleiner Eliten“ funktioniert. Schließlich ist der neue Reichtum nicht das Ergebnis von Marktkräften, die sich zugunsten der Topmanager ausgewirkt hätten, vielmehr geht es „um Machtentscheidungen, die sie in ihrer Herrschaftsarena offenbar fällen können.“ (Wehler 2013, 62f.)

Angesichts der inzwischen zumal im europäischen Vergleich robust erscheinenden Wirtschaft in der Bundesrepublik verliert die Mehrheit der Deutschen schon bald wieder das erst neu entdeckte Interesse an der Systemkritik; man beginnt die „faulen Südeuropäer“[7] zu beschimpfen, die Deutschen fürchten geschlechterübergreifend um ihr Geld. Die ehemalige Schlagzeile vom beschädigten Mann hat sich in eine Fußnote verwandelt. Das Infotainment aber erlaubt, sie bei Bedarf jederzeit zur gesellschaftlichen Großerzählung aufzublasen.

Feministischer Populismus

So geschehen etwa von einem internationalen Bestseller, die Autorin heisst Hanna Rosin, der Anfang 2013 auch ins Deutsche übersetzt wurde: „Das Ende der Männer: Und der Aufstieg der Frauen“ (Rosin 2013). Männer, so eine der zentralen Thesen der Journalistin aus Washington, würden vom Arbeitsmarkt zunehmend verschmäht und zeigten sich mangels Flexibilität außer Stande, sich der neuen ökonomischen Situation anzupassen. Für Rosin sind sie die Verlierer – und zwar ohne den Nimbus des unschuldigen Opfers, ohne visionäre Kraft, mithin ohne Märtyrerimplikationen – so wie es noch der Krisendiskurs „Mann“ propagierte. Stattdessen übernähmen aktuell die patenten Frauen den vakanten Platz des Familienernährers und machten ihre Sache gut oder in jedem Fall besser.

Hier nun ein kleiner Ausschnitt aus dem ersten Kapitel. Schauplatz ist ein nicht namentlich genannter Küstenort, an dem die Autorin seit Jahren Urlaub macht. Hatten die Leute hier früher vom Bau gelebt, fehlten heute die Männer im Stadtbild, stattdessen fielen die vielen Frauen auf, die mit ihren Kindern in Chevys und Toyotas das Städtchen durchkreuzten. Diese Beobachtung gibt den Ausschlag für Rosins weitere Überlegungen. „Meine Geschichte handelte jetzt nicht mehr davon, wie tief die Männer gesunken waren; diese Entwicklung war schon seit mehreren Jahrzehnten im Gange und mehr oder weniger abgeschlossen. Das neue Thema bestand darin, dass die Frauen die Männer zum ersten Mal in der Geschichte in vieler Hinsicht übertroffen hatten. Die Calvins und die Bethennys, wir alle, hatten das Ende einer zweihunderttausendjährigen Periode der Menschheitsgeschichte und den Beginn einer neuen Ära erreicht, und es gab kein Zurück. Sobald ich mich dieser Möglichkeit stellte, erkannte ich, dass es überall Hinweise auf sie gab und wir alle nur durch jahrhundertelange Gewohnheiten und Traditionen daran gehindert wurden, sie zu sehen.“ (Rosin 2013, 12f.) Was für ein Pathos: Wir stehen am Ende einer 200.000jährigen Geschichte! Wenn uns das nicht zu wichtigen ZeitgenossInnen macht, was dann?

Sozialer Hintergrund, Bildung, finanzielle Ressourcen, Interessen, regionale Unterschiede – mithin das soziologische Basisbesteck findet bei Hanna Rosin auch an anderer Stelle in dem 800-seitigen Buch indessen keine Berücksichtigung. Das erinnert sehr an die Rede vom „Mann in der Krise“. Die LeserInnen erfahren daher nicht, in welchem Verhältnis der ungelernte Arbeiter zum mittleren Angestellten oder gehobenen Manager steht. Auch die Selbstverständlichkeit, dass zur gleichen Zeit widersprüchliche gesellschaftliche Entwicklungen stattfinden können, wird ausgeblendet. Das aber ist der Fall: Während es vor allem bei den niedrig qualifizierten Arbeitnehmern zu einer Verunsicherung kommen kann, da sich die tradierte Normalbiographie vom Familienernährer nicht mehr aufrechterhalten lässt, „fordert [die Globalisierung, I.K.] eine aggressiv-autoritäre Männlichkeit neu heraus. Mit der neuen Marktideologie“, so die Soziologin Sylka Scholz, „geht eine Verflechtung von Kapitalismus und Androzentrismus einher, die möglicherweise das bekannte Maß übersteigt“ (Scholz 2012, 88). Insbesondere Profifußballer repräsentierten diesen in der gegenwärtigen Gesellschaft hoch angesehen leistungs- und konkurrenzbezogenen Männertypus (Böhnisch/Brandes 2006). Diese ‚Manager-Männlichkeit‘ hat sich „weitgehend von familialen Bindungen gelöst. Die Reproduktion der Arbeitskraft, aber auch sexuelle Bedürfnisse werden zum großen Teil im Rahmen bezahlter Dienstleistungen realisiert“ (Scholz 2012, 95, Connell/Wood 2005).

Tumbe Vorstellung von Macht

Und noch einen dritten gefeierten Männertypus, der mit dem bürgerlichen Ideal vom Mann bricht, gilt es zu berücksichtigen: Den aktiven Vater. Indessen die Kritik an der übertriebenen Freude an dem ja nicht besonders häufig vorkommenden fürsorgenden Mann berechtigt ist, und in der Mittelschicht Praxis und Anspruch einmal mehr weit auseinander driften, findet sich dieser Typus trotzdem vor allem im akademischen Milieu. Auch hier also gilt es Ambivalenzen in den Blick zu nehmen. Bestseller wie der von Hanna Rosin tun das Gegenteil. So setzt die Autorin auf die entpolitisierende Polarisierung zwischen Mann und Frau und konzipiert die Welt im Sinne einer Waage alten Stils: Verliere das Schälchen links an Gewicht, schnelle das Schälchen rechts in die Höhe, und umgekehrt. So einfach sei das mit der Mechanik der Macht. Das Leben als Mann werde härter, das männliche Kollektiv büße weltweit an Privilegien ein, und just dieser Verlust käme dem weiblichen Kollektiv gleichfalls global zugute (Kappert 2013a). Statt Analysen zu liefern, welche die Geschlechterdifferenzen in Verbindung mit Klasse und „Rasse“ (Stichwort Intersektionalität) bringen, wird hier der vom Krisendiskurs Mann gegeißelte „Aufstieg der Frauen“ gefeiert. Das Feuilleton sekundiert. Doch es fehlt die Begeisterung, die man einst den männlichen Kassandras entgegenbrachte, ja die Rezensionen fallen (und zwar zu Recht) mehrheitlich kritisch aus.[8] Gleichwohl wurde das schlicht als unseriös zu ignorierende Buch überall besprochen.[9] Der mediale Erfolg von Rosins Sachbuch ist typisch für eine extrem beliebte konservative Systemkritik. Diese deutet ökonomische Veränderungen und damit verbundene Identitätskrisen und Identitätsgewinne bruchlos in einen Geschlechterkampf um.

Übersprungene Empirie

Statistiken, vom Infotainment gemeinhin als allzu trocken gemieden, erzählen indessen eine andere Geschichte. Nicht nur für die Ökonomen Emmanuel Saez und Thomas Piketty ist der entscheidende Effekt der Finanzkrise bislang, dass sie die Reichen reicher und die Armen noch ärmer gemacht hat. Rosin kümmert das so wenig, wie die Differenzierung nach Ausbildung und „Race“. Dabei wird letztere in so gut wie jeder seriösen US-Statistik ausgewiesen. So waren 2008 laut dem United States Department of Labor 4,9 Prozent der weißen weiblichen Erwerbstätigen ohne Job gegenüber 5,5 Prozent der weißen Männer. Bei afroamerikanischen Erwerbstätigen betrug die Arbeitslosigkeit bei Frauen 8,9 Prozent und bei Männern 11,4 Prozent.[10] Die Daten zeigen, dass der Unterschied zwischen weißen Frauen und weißen Männern deutlich geringer ist als der zwischen Weißen und Schwarzen insgesamt, wobei schwarze Männer mit 11,4 Prozent am stärksten von der Erwerbslosigkeit betroffen waren (und bis heute sind). Die Einkommenssieger 2008 und 2012 sind indessen Männer. Männliche Asian-Americans verdienen dabei noch etwas besser als weiße Männer. Die Verlierer sind klar die Minderqualifizierten und die Jüngeren unter 25 Jahren, zumal wenn es sich um Afroamerikaner handelt.[11]

Auch die Daten vom deutschen und österreichischen Arbeitsmarkt sind ungeeignet, die Prognose vom „Ende der Männer“ zu stützen. So hat die Beschäftigungsquote von Frauen zwar in beiden Ländern zugenommen, die Vollzeitbeschäftigung allerdings ist leicht rückläufig. Frauen sind vor allem dank Teilzeit- und Minijobs so präsent wie nie zuvor auf dem Arbeitsmarkt. Dass Minijobs wie Teilzeitarbeit sich fatal auf die Rente auswirken und selten zur eigenständigen Existenzsicherung ausreichen, hat nicht nur die Sozialwissenschaftlerin Jutta Allmendinger analysiert, aber sie hat den griffigen Satz geprägt: „Der Heiratsmarkt ist (…) für westdeutsche Frauen immer noch lohnender als der Arbeitsmarkt.“ (taz 01.02.2013)

Warum aber verkennt das Infotainment die Situation auf dem Arbeitsmarkt auf solch eklatante Weise? Haben Autorinnen wie Hanna Rosin einfach nur unrecht? Erzählen megaerfolgreiche Romane von Michel Houellebecq oder Filme wie „American Beauty“ oder „Fight Club“, die allesamt die Krise des Mittelschichtsmannes und die Stärke der Frauen zum wichtigsten Problem überhaupt erklären, einfach nur Märchen? Nein, tun sie nicht.

Verbale Besserstellung von Frauen

Es gibt ein breites weibliches Selbstbewusstsein und auch eine große sexuelle Freiheit, die in den letzten Jahrzehnten erkämpft wurde. Beides stört die tradierte Aufführung von „hegemonialer Männlichkeit“ (Connell 1995) – und das führt zu einer kulturellen Verunsicherung. Die Rede von der Krise annonciert ein weitgehend diffuses Bedürfnis nach Veränderung. Hegemoniale Männlichkeit ließ sich bislang verlässlich durch die Abwertung von Frauen, Schwulen, Nicht-Weißen performativ herstellen und absichern. Doch genau dieser selbstverständliche Abwertungsdiskurs ist prekär geworden. Im kulturellen Mainstream genießt die gute Schülerin, die fleißige Studentin und schließlich die starke leistungsfähige berufstätige Frau eine in der bürgerlichen Gesellschaft nie zuvor gehabte Popularität. Jungs gelten indessen häufig als Bildungsverweigerer, als „überwiegend Pornos glotzende Messerstecher, die nie ein Buch in die Hand nehmen.“ So pointiert der Schriftsteller Max Goldt den gegenwärtigen Trend zur überzogenen Geschlechterpolarisierung in seiner Kurzgeschichte: „Die Chefin verzichtet“. Und fährt fort: „Frauen sind nicht stark und Männer nicht schwach. Nur Individuen können stark oder schwach sein.“ (Goldt 2013, 35f.) Zu Recht geißelt Goldt diese so beliebte Hochrechnung vom Individuum auf die Gattung, genauso wie es richtig ist, die „gewohnheitsmäßige(n) verbale Besserstellung von Mädchen“ und Frauen, als ein absonderlich realitätsfernes „Meinungsschema“ (Goldt 2013, 35) zurückzuweisen.

Just diese „verbale Besserstellung“, die etwa von Angelika Wetterer (2003) als nur „rhetorische Modernisierung der Geschlechterverhältnisse“ bezeichnet wird, speist sich mindestens aus zwei Verkennungen. Zum einen wird der Bildungserfolg von Frauen überbewertet. Der Kurzschluss, dass bessere Noten zu einer besseren Position auf dem Arbeitsmarkt führten, zumal angesichts der Tatsache, dass die Mehrheit der Männer weiterhin reproduktive Arbeiten verweigert, ist empirisch haltlos. Gleichwohl hält sich diese Überzeugung hartnäckig. Das wiederum hat auch damit zu tun, dass die Berichterstattung genauso wie die Unterhaltungsindustrie sich auf die sprachmächtigen und erfolgreichen Frauen konzentrieren. Im deutschen Fernsehen ist ein Boom der extrem selbstbewussten, berufstätigen Frau nicht mehr zu übersehen, sei es im „Tatort“ – noch nie gab es so viele Ermittlerinnen[12] – oder in eingekauften dänischen qualitativ hochwertigen Serien wie „Kommissarin Lund“ (Dänemark 2007-2012) oder „Borgen“ (Dänemark seit 2010), die einen großen internationalen Erfolg verzeichnen und auch in Deutschland ihr Publikum finden.

Zusätzlich prägen die handverlesenen Topmanagerinnen das Bild von der zeitgenössischen rundum erfolgreichen Frau. Die zunehmende ökonomische Ausdifferenzierung unter Frauen bleibt bei der Berichterstattung und in der Unterhaltungsindustrie weitgehend unberücksichtigt oder wird, frei nach Angela McRobbie, „desartikuliert“ (McRobbie 2010, 27). Wie sehr die „doppelte Vergesellschaftung“ von berufstätigen Frauen und Müttern darauf basiert, für Familienarbeit in der Regel von Frauen angebotene bezahlte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, findet entsprechend kaum Beachtung. Und gut ausgebildete Frauen haben tatsächlich an Aufstiegschancen gewonnen. Nicht zuletzt in der Privatwirtschaft kümmern sich Betriebe verstärkt darum, auch Mitarbeiterinnen eine Karriere zu ermöglichen (Wetterer 2007). Ein Drittel der erwerbstätigen Frauen arbeitet jedoch im Niedriglohnsektor und kann von dem erwirtschafteten Lohn nicht leben. Sie bleiben Zuverdienerinnen. Die undifferenzierte Rede von „den Frauen“ übertüncht diese Differenzen willfährig.

Die neuen TV-Serien: Stets verliebt und trotzdem männlich

Desgleichen haben die vielfach in Fernsehserien Einzug gehaltenen populären (Jung)Männer[13], die nicht erwachsen werden wollen, wenig bis nichts gemeinsam mit den erfolgreichen und einer aggressiven Männlichkeit frönenden Unternehmern und Managern – genauso wenig wie mit Aufführungen von Männlichkeiten, die helfen, Interessen in so genannten bildungsfernen Milieus durchzusetzen. Die vorgeführte „Krise der Männer“ annonciert also keineswegs einen generellen Machtverlust einer patriarchal dominierten Ordnung. Vielmehr verweist sie vor allem auf eine Pluralisierung von Männerbildern. Und sie verweist auf ein kommerziell verwertbares Interesse an ungewohnten Männer- und Frauentypen. In der Unterhaltungsbranche verkauft sich Devianz gut. Serien sind kulturelle Massenprodukte und nur erfolgreich, wenn sie ein interessantes Verhältnis zwischen dem Zeigen des Bekannten, des Selbstverständlichen und seiner Irritation herstellen, mithin ZuschauerInnen nicht verwirren, aber auch nicht langweilen. TV-Serien zeigen damit, welcher Bruch mit Normen zu diesem Zeitpunkt noch goutierbar ist. Genau das macht sie implizit politisch, selbst wenn sie keine direkten politischen Botschaften transportieren. Dabei sollte immer mitgedacht werden, dass die klassischen Männerhelden und Frauentypen gleichfalls weiterhin und weit größere kommerzielle Erfolge feiern. Und zwar vor allem im Kino. Man denke nur an Batman, Spiderman oder Harry Potter.

Eine Serie, deren Protagonisten eine große Souveränität mit ihren Unsicherheiten in Identitäts- und Liebesfragen an den Tag legen, ist „New Girl“ (USA seit 2011). Preise hat sie noch keine gewonnen, aber der Publikumserfolg ist dieser Geschichte von vier lustigen Thirtysomethings bislang sicher. Der Titel adressiert zwar nur die weibliche Hauptfigur namens Jess (Zooey Deschanel), trotzdem finden sich an dem zentralen Ort des Geschehens, eine Wohngemeinschaft, drei auf interessante Weise deviante Männerfiguren: Schmidt, Winston und Nick.

Kurz zum Plot: Die drei Freunde leben in einer WG, obwohl sie dafür eigentlich schon zu alt sind und daher leicht retardiert wirken. Jess ist der Neuankömmling und bringt die Gesetze der Männer-WG durcheinander. Während die junge Frau mit den gigantischen blauen Mädchenaugen als Grundschullehrerin arbeitet, hat nur einer der männlichen Mitbewohner einen auskömmlichen Job – in einem von Frauen geleiteten und bevölkerten und ansonsten nicht weiter charakterisierten Unternehmen. Schmidt arbeitet dort als „Assistent“, Aufstiegschancen werden nicht thematisiert. Auch wenn er dank dieser Anstellung der einzige ist, der legitimerweise einen Anzug trägt und nicht nur als Verkleidung wie seine Freunde, auch Schmidt wird eher keine Karriere machen und konterkariert also die stereotype Erwartung an Männer, eine Familie ernähren zu wollen und zu können.

Die anderen beiden Freunde tun sich mit dem Erwachsenenleben allgemein und mit der Erwerbsarbeit besonders schwer und haben entsprechend massive Geldprobleme. Nick ist nicht mal in der Lage, einen Vertrag mit einem Mobiltelefonhersteller abzuschließen. Dieses ökonomische Versagen ist den Männern zwar lästig, gelegentlich auch peinlich, da sich aber keiner über seine Arbeit definiert, ist auch keiner depressiv, wohl aber verletzlich. Die üblichen Abwehrmechanismen gegen Angriffe von außen – Geld, Autorität, Chauvinismus – stehen ihnen ja auch nicht zur Verfügung. Diese Männerfiguren – und auch das ist bemerkenswert – sind nicht nur auf der Suche nach dem ‚Supersex‘ und auch der richtigen Frau, sondern sie sind während ihrer Odyssee ständig emotional involviert und schämen sich nicht dafür, sondern sprechen darüber. Es ist Teil der Männerfreundschaft, sich gegenseitig im Liebeskummer zu unterstützen – natürlich nicht ohne entlastende, gelegentlich auch grobe Witze. Das Diktat vom rationalen, ewig stark zu sein habenden Mann haben sie hinter sich gelassen.

Das hat zur Folge, dass sie ihre männliche Identität(en) nicht mehr vor der Folie der bürgerlichen Geschlechterpolarität verhandeln und Frauen auch nicht per se abwerten, obwohl sie bislang mit den ihnen bekannten nicht glücklich geworden sind. Ihre Kritik aber gilt der individuellen Frau, nicht – wie noch im Krisendiskurs à la Houellebecq – den emanzipierten Frauen schlechthin. Anders als die populären Anti-Helden um die Jahrtausendwende eignen sich diese Anti-Helden zehn Jahre später als weiblich qualifizierte Eigenschaften an: sie weinen, sie zögern, sie suchen, sie scheitern, sie tanzen für sich und in der Öffentlichkeit, sie haben nicht nur Sex (wenn auch ihrer Ansicht nach zu wenig), sie genießen ihn auch – kurz sie stehen in einem komplexen Kontakt zu ihrer nicht unkomplizierten Psyche und ihren Körpern, die sich nicht auf Fitness und die Herstellung sowie Pflege des „Hartbodys“ (Ellis 1991)[14] reduzieren lassen. Trotzdem lieben sie Porno und Football, sind hinsichtlich ihrer Witzkompetenz absolut verlässlich und streiten und konkurrieren offen mit ihrer Umwelt. Letztere sind allesamt klassisch männliche Eigenschaften, auf die diese „neuen Männer“ eben auch nicht verzichten. Wir finden diese androgyne Mischung bei den männlichen Identifikationsfiguren übrigens nicht nur in „New Girl“, sondern auch in der Erfolgsserie „Girls“ von Lena Dunham (USA seit 2012). Das international von einem Massenpublikum akzeptierte Spektrum männlicher Gefühlslagen und Handlungsmöglichkeiten hat sich also deutlich erweitert. So sehr die Geschlechterdifferenz auf der visuellen Ebene unterstrichen wird (die Frauen sehen extrem weiblich aus, die Männer eindeutig heterosexuell männlich), so wenig kommt sie auf der charakterlichen und verbalen Ebene zum Zug.

Resümee

Die Rede vom Mann in der Krise ist hochambivalent. Sie ist Ausdruck einer breiten gesellschaftlichen Haltung und geht gleichzeitig an realen Machtverhältnissen vorbei. So hat die Kritik am klassischen Männlichkeitsideal, das Aggressivität feiert und Emotionalität abwertet, in der Populärkultur, aber auch im „wirklichen Leben“ zu einer Vervielfältigung von Männerbildern und Männerrollen geführt. Gleichzeitig ist das ökonomische Primat fest in männlicher Hand, die Karrierefrau bleibt außerhalb der fiktionalen Welt die Ausnahme. Die rhetorische Abwertung von Männern geht also Hand in Hand mit einem massiven Widerstand, auch Kolleginnen in Führungspositionen aufsteigen zu lassen und Arbeitsverhältnisse so umzubauen, dass die Verbindung von Beruf und Familie nicht mehr allein ein Frauenproblem ist. Insofern die vielen Chefinnen und emanzipierten Männer in der Populärkultur, etwa im Fernsehen, vor allem von einer Sehnsucht erzählen. Sie erzählen von einer Gesellschaft, die Emanzipation als Wert hochhält, sich aber scheut, die dafür notwendigen strukturellen Veränderungen tatsächlich in Angriff zu nehmen. Diese Bigotterie ist grundlegend für die aktuelle Verhandlung von Geschlechterverhältnissen, also von Gerechtigkeit, und zwar in allen westlichen Industriegesellschaften.

 Ines Kappert, Juli 2013

Eine Langfassung des Textes erscheint in: Alexandra Weiss (Hg.): „Systemfehler: Spaltungsrhetorik als Entpolitisierung von Ungleichheit“. Wien, ÖGB-Verlag, Frühjahr 2014.

 

 

Literaturliste

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Wagenknecht, Sarah (2012). Nicht der Euro wird gerettet, sondern eine Ideologie. Sarah Wagenknecht und Michael Hudson im Gespräch. FAZ-Feuilleton, 30.07.2012.

Weber, Max (1988, [1920]). Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: „Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Tübingen.

Wetterer, Angelika (2003). Rhetorische Modernisierung: Das Verschwinden der Ungleichheit aus dem zeitgenössischen Differenzwissen. In: Gudrun-Axeli Knapp/Angelika Wetterer: Achsen der Differenz. Gesellschaftstheorie und feministische Kritik, 286-319.

Wetterer, Angelika (2007). Erosion oder Reproduktion geschlechtlicher Differenzierungen? Zentrale Ergebnisse des Forschungsschwerpunkts „Professionalisierung, Organisation, Geschlecht im Überblick. In: Regine Gildemeister/ Angelika Wetterer (Hg.): Erosion oder Reproduktion geschlechtlicher Differenzierungen? Widersprüchliche Entwicklungen in professionalisierten Berufsfeldern und Organisationen. Münster, 189-214.

Wehler, Ulrich (2013). Die neue Umverteilung. Soziale Ungleichheit in Deutschland. München.

Filmographie

Fight Club (USA 1999), Fox Pictures. Regie: David Fincher: Darsteller, u.a.: Brad Pitt, Edward Norton, Helena Bonham Carter. Drehbuch: Jim Uhls. Nach dem gleichnamigen Roman von Chuck Palahniuk.

American Beauty (USA 1999). DreamWorks. Regie: Sam Mendes. Darsteller, u.a.: Kevin Spacey, Annette Bening, Thora Birch. Drehbuch: Alan Ball.

TV-Serien

Big Bang Theory (USA seit 2007). Produzent: Warner Brothers. Erstausstrahlung: Columbia Broadcasting System (CBS). Idee: Chuck Lorre, Bill Prady. Autoren: Chuck Lorre, Bill Prady, Lee Aronsohn, Robert Cohen, Eric Kaplan, Eddie Gorodetsky, Stephen Engel.

Borgen (Dänemark seit 2010). Produzent: DR (Danish Broadcasting). Erstausstrahlung: DR 1. Idee: Adam Price. Autoren: Adam Price, Tobias Lindholm, Jeppe Gjervig.

Girls (USA seit 2012). Produzent: Peter Philip. Idee: Lena Durnham, Erstausstrahlung: HBO. Darsteller, u.a.: Lena Durnham, Jemima Kirke, Zosia Mamet, Adam Driver.

Friends (USA 1994-2004). Produzent: David Crane, Kevin Bright, Marta Kauffman. Idee: Cavid Crane, Marta Kauffman, Erstausstrahlung: NBS. Darsteller, u.a.: Jennifer Aniston, Courteney Cox, Lisa Kudrow, Matt LeBlanc, Matthew Perry, David Schwimmer.

How I Met Your Mother (USA seit 2005). Produzent: CBS. Erstausstrahlung: CBS. Idee: Carter Bays, Craig Thomas. Autoren: Carter Bays, Craig Thomas, Joe Kelly, Sam Johnson.

Kommissarin Lund (Dänemark 2007-2012). Produzent: DR (Danish Broadcasting). Erstausstrahlung: DR1. Idee: Sören Sveistrup. Autoren: Sören Sveistrup. Darsteller u.a.: Sofie Grabol, Sören Malling, Mikael Birkkjaer. Originaltitel: Forbrydelsen.

Two and a Half Man (USA seit 2003). Produzent: Warner Brothers. Erstausstrahlung: CBS. Idee und Autoren: Chuck Lorre, Lee Aronsohn. Darsteller, u.a.: Charlie Sheen, Jon Cryer, Angus T. Jones.

New Girl (USA seit 2011). Fox Broadcasting Company. Erstausstrahlung: Fox. Idee: Elizabeth Meriwether. Autoren: Elizabeth Meriwether, Kay Cannon, Brett Baer. Darsteller, u.a.: Zooey Deschanel, Jake Johnson, Max Greenfield, Lamorne Morris, Hannah Simone.



[1]           Der Spiegel. Titelgeschichte, 03.09.2001.

[2]          Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS), 03.08.2003.

[3]          Titelgeschichte. Der Spiegel, 17.05.2004

[4]           Das ist nur eine kleine Auswahl. Das Thema war allgegenwärtig – und zwar unabhängig von der politischen Ausrichtung der Medien. Vgl. Kappert 2008, 18f.

[5]           Vgl. Kappert 2008.

[6]           Prominent meldete sich an dieser Stelle auch Frank Schirrmacher mit Minimum (2006) zu Wort und forderte die mütterliche Frau, denn sie sei der Kitt der Gesellschaft. Die kinderlose Akademikerin indessen bedrohe die Grundwerte der menschlichen Gemeinschaft. (Vgl. Kappert 2013b).

[7]      Für Aufmerksamkeit sorgte die Aussage Angela Merkels auf einer CDU-Veranstaltung: „Es geht auch darum, dass man in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal nicht früher in Rente gehen kann als in Deutschland, sondern dass alle sich auch ein wenig gleich anstrengen – das ist wichtig.“ FTD 19.05.2011. Die Zeitung machte sich die Mühe eines Faktenchecks und kam zu folgendem Ergebnis: „Bei Rentenbeginn wird zwischen dem gesetzlichen und dem tatsächlichen Eintrittsalter unterschieden. In Deutschland sollen Arbeitnehmer künftig  arbeiten, bis sie 67 Jahre alt sind. Momentan liegt die gesetzliche Grenze noch bei 65 Jahren. Allerdings arbeiten die wenigsten, bis sie dieses Alter erreicht haben. Im Durchschnitt verabschieden sich die Deutschen mit 62,2 Jahren in den Ruhestand. Dieser Wert wurde 2009 vom Statistischen Amt der EU ermittelt. Die Griechen sind von dem deutschen Wert nicht weit entfernt: 61,5 Jahre betrug 2009 das durchschnittliche Rentenmindestalter. “ (FTD, 19.05.2011)

[8]           „Man hat diese Debatte ein wenig satt. Zu oft gehört, die Story vom Ende der Männer. (…) Aber im 21. Jahrhundert gibt es trotzdem kein Parlament der Welt, in dem Frauen wie Männer zu gleichen Teilen vertreten wären. Das Ende der Männer ist eine träumerische Redewendung, bei der man sich von solchen Fakten erholt. Oder ablenkt. Schnell mal den Siegeszug der Frauen verkünden, und bei aller Überraschung fällt keinem ein, zu fragen, ob es stimmt.“ (Mayer 2013)

[9]           Claudius Seidl: Mädchen an die Macht!, FAZ 16.01.2013, Michaela Haas: Die Er-Zession ist da, SZ-Magazin, 22.01.2013,  Bayerischer Rundfunk TV:Hanna Rosin: Das Ende der Männer. 21.03.2013, Susanne Mayer: Zicken-Attacke! Die Zeit, 10.01.2013, Catherine Newmark: Gesellschaftlicher Rollentausch – Hanna Rosin, Deutschlandradio, 18.02.2013, Jenny Hoch: Hanna Rosin: Das Matriarchat ist kein Paradies, aber es kommt. Die Welt, 18.01.2013, Hanna Rosin: Das Ende der Männer. Eine Leseprobe. Brigitte 22.01.2013, Brigitte Kleine: Hanna Rosin: Das Ende der Männer. Und der Aufstieg der Frauen. TV-Beitrag im Rahmen von Titel Thesen Temperamente, ARD 20.01.2013.

[10]         http://www.dol.gov/wb/factsheets/Qf-ESWM08.htm. Wie bei jeder Erwerbslosenstatistik weltweit geben die Zahlen aufgrund der Erhebungsmethoden nur bedingt den tatsächlichen Stand der Erwerbslosigkeit wider.

[12]         Wobei es noch immer kein weibliches Ermittlerduo im „Tatort“ gibt. Die weibliche Individualisierung ist für den Diskurs von der „starken Frau“ grundlegend – was unter dem Aspekt der Emanzipation bzw. Gleichberechtigung problematisch ist.

[13]         Zum Beispiel Two And a Half Men (USA seit 2003), Big Bang Theory (USA seit 2005), Friends (USA 1994-2004), How I met your Mother (USA seit 2005), um nur die derzeit erfolgreichsten amerikanischen Serien zu nennen.

[14]         In dem Roman von Breat Easton Ellis „American Psycho“ der seinerzeit für Furore sorgte und die deutschen Zensurbehörden herausforderte –  er stand 1995-2001 auf dem Index –, wird das Streben der Managerkaste nach dem harten Körper, „hardbody“, als Fetisch einer westlichen Marktökonomie ohne Gegengewichte vorgeführt. Attraktive Frauen werden generell nur als „hardbody“ bezeichnet. Die Hauptfigur Patrick Bateman betätigt sich in seiner Freizeit vor allem als Frauenmörder.

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