Elmore Leonard, Ross Thomas, Robert B. Parker, Joe Gores


an.de/wp-content/uploads/2011/04/road_dogs.3001.jpg” alt=”" width=”300″ height=”472″ />Ein Treffen alter Meister

Das kommt davon, wenn ein Autor mehr als 50 Bücher lang auf Superlative verzichtet, keine gülden angestrichenen Worte dengelt, auf Metaphern à la „ihre Haut schimmerte wie ein rosiger Pfirsich, den der Obsthändler für sich selbst zurücklegt“ pfeift und gänzlich unromantisch, ja staubtrocken und lakonisch schreibt. Man nimmt ihn und seine Art als selbstverständlich, macht nicht viel Aufhebens, er tut es ja auch nicht. Selbst unter Freunden gerät man über ihn nur verhalten ins Schwärmen, die Urteile über ihn bleiben einfach, klar und einsilbig. „Der ist o.k., wirklich in Ordnung“, klingt da schon fast geschwätzig.

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Solch ein Typ ist der Krimi-Autor Elmore „Dutch“ Leonard. Er ist so cool, dass die Schafe IHN zählen, wenn er schläft. Sein erster Kriminalroman, „The Big Bounce“, erschien 1969 – seitdem hat er so gut wie jedes Jahr einen neuen Krimi vorgelegt, 44 sind es bisher, dazu noch Bücher anderer Genres. Reife Leistung für einen 86-Jährigen.

Gerade ist „Road Dogs“ in Deutschland erschienen, einige kriminelle Figuren früherer Bücher feiern darin ein Wiedersehen. Leonards jüngster Titel heißt „Djibouti“ und führt zu somalischen Piraten und den Bildern, die wir uns (mit Hilfe einer Filmregisseurin) von ihnen machen. 23 Leonard-Verfilmungen gibt es bislang, darunter „Schnappt Shorty“ mit John Travolta und Gene Hackman, zweimal schon „3:10 to Yuma“, Tarrantinos „Jackie Brown“, „Out of Sight“ mit George Clooney, dessen Figur Jack Foley in „Road Dogs“ aus dem Gefängnis kommt, oder „Cat Chaser“ – meine Lieblingsadaption. Zehn Drehbücher gehen offiziell auf ihn, mit dem Schreiben begann Leonard im Alter von zehn Jahren. Es war ein Theaterstück, das auf Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ basierte. Seine erste Erzählung, die Westerngeschichte „Die Spur des Apachen“, wurde 1951 gedruckt, sein erster Roman, ein Kopfjäger-Western, datiert auf 1953. Als er mit „Hombre“ 1961 den Preis der „Western Writers of America“ gewann, hängte er seinen Job als Werbetexter an den Nagel und wurde Schriftsteller auf eigenes Risiko. Der Durchbruch kam 1985, als der Krimi „Glitz“ zum Bestseller wurde. 58 war er, als er cheap viagra online 1984 für „La Brava“ den „Edgar“ erhielt.

Die Kritik nahm ihn nun wahr und seitdem gibt es den Streit, ob er überhaupt Kriminalromane schreibt. Seine Helden sind weder Privatdetektive noch Polizeiermittler, oft sind sie Gauner, Diebe, Durchs-Leben-Wurstler, schräge Vögel. Einen der wichtigsten Einwände gegen das Krimi-Etikett nennt Leonard selbst: Er haßt es geradezu, plots zu entwickeln. Er denkt sich keine Geschichte aus, er beginnt mit Personen und einem Ort. Die Charaktere, sobald sie einen Namen

tragen (und sie haben Namen wie Jack Foley, Cundo Rey, Joe La Brava, Dawn Navarro, Maximum Bob, Chili Palmer, Max Cherry), fangen wie von alleine an zu leben. Leonard schickt sie auf Kollisionskurs. Manchmal wird das tough wie beim Showdown im Western, manchmal bizarr und komisch wie bei den Marx-Brothers, und manchmal beides gleichzeitig.

Leonard ist damit ein Geistesverwandter Simenons in seinen „non-Maigret-Romanen“, der immer wieder Charaktere beschrieb. Beide haben sie die Abneigung gegen alles Sentimentale und die vorurteilslose Liebe für kleine Leute und Gauner gemeinsam. Mögen bei Simenon die menschlichen Abgründe tiefer sein, bei den Dialogen ist Elmore Leonard der Großmeister. Sein Ohr ist auf Bordsteinhöhe (früher hätte man das „die Gosse“ genannt). Weite Teile seiner Romane bestehen aus direkter Rede, der Dialog erzählt die Story. Wenn seine Leute den Mund öffnen, reden, quasseln, tönen, flüstern, flöten, schwatzen, plaudern, erzählen, erfinden, verraten oder fragen, schauen wir ihnen in Herz und Seele. Nur beschränkt geht es bei

Leonard um Gut gegen Böse. Alle sind mehr oder weniger Verlierer „on the take“. Jeder will aufs Trockene. Alles ist ein mehr oder weniger ernstes Spiel in einer Welt ohne Spielregeln, die Gedanken kreisen immer wieder um den einen Satz: „What is my next move?“ Was mache ich als nächstes? Wie komme ich da raus?

Elmore Leonard beschreibt das mit milder Nachsicht, von keiner höheren moralischen Warte aus. Als den „Dickens von Detroit“ hat ihn einmal ein Kritiker tituliert, andere als den „amerikanischen Balzac“. Ihn interessiert das heruntergekommene Amerika, der schal gewordene Traum, daß dort jeder sein Glück machen könne. Das erzählt er immer wieder, unromantisch, unheroisiert. Mal sind es Gewinner-, mal Verliererstories. „Gesessen zu haben“, das ist bei ihm das Äquivalent einer Oxford-Erziehung – insofern also hier noch einmal der Hinweis auf „Road Dogs“, wo der Held, ein vielfacher Bankräuber aus dem Gefängnis und gleich ins Schlamassel kommt.

Dass „Road Dogs“ bei Eichborn als Hardcover und in solider Übersetzung erscheint, ist Zeichen für eine – jenseits alles Un- und Blödsinns – stabilisierte Kultur der Kriminalliteratur in diesem unseren Land. Meist freilich sind es kleine Verlage, die bei höchstem Risiko das Richtige, Mutige und Markante tun. Der Berliner Alexander-Verlag zum Beispiel arbeitet unermüdlich an einer Werkausgabe des 1995 verstorbenen Thrillerautors Ross Thomas. 2010 gab es so in Deutschland erstmals ungekürzt den „Yellow-Dog-Kontrakt“ zu lesen, einen bösen Gewerkschafts-Krimi, 1978 verstümmelt als „Geheimoperation Gelber Hund“ verhunzt. Im März erscheint als neunter Band der verdienstvollen, kommentierten Werkausgabe „Kälter als der Kalte Krieg“ (The Cold War Swap), für den Ross Thomas 1966 den „Edgar“ erhielt. Die, sagen wir, CIA-Mitarbeiter McCorkle und Padillo führen darin eine Kneipe in Bonn – eine mehr als schräge Sache. Ich warte auf die Neuauflage von „Der achte Zwerg“, hauptsächlich in Frankfurt angesiedelt, in dem ein paar toughe jüdische KZ-Überlebende im Ruinen-Deutschland Nazis jagen & töten und damit auch den USA in die Quere kommen.

Vor einem Jahr, am 18. Januar 2010, starb Robert B. Parker – seinen letzten Roman mit dem lakonischen Privatdetektiv Spenser, „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies), hat keiner der Großverlage im Programm, für die ist Parker seit Jahren totes Holz. Es ist der Bielefelder Pendragon Verlag, der sich vorbildlich um diesen Altmeister kümmert, und nun schon das sechste Parker-Buch vorlegt. Bravo.

Was halten Sie vom Zufall? Wie kein anderer Autor beschäftigte Joe Gores sich mit Dashiell Hammett, dem Begründer des modernen Kriminalromans. Sein „Hammett“ von 1975 wurde zur Vorlage für Wim Wenders’ filmische, hierzulande untergegangene Hommage von 1982, von Coppola produziert, beinahe eingestampft und von Ross Thomas als Drehbuchautor des Nachdrehs aufpoliert. “Hammett” ist ein Buch über einen Autor, der ein Buch schreibt, Joe Gores zeigt dem Leser den Entstehungsprozeß von Hammetts Hauptwerk „Rote Ernte”. Joe Gores, zwölf Jahre selbst aktiver Privatdetektiv, schrieb auch viel fürs Fernsehen, für „Kojak“ „Magnum“, „Columbo“, „Remington Steele“. Sein 17. und letztes Buch war 2009 „Spade & Archer“, die erfundene Vorgeschichte des „Malteser Falken“ (in Deutschland noch ohne Verlag). Joe Gores, der drei Mal den „Edgar“ für den besten Kriminalroman des Jahres erhielt, starb am 10. Januar 2011 – auf den Tag genau 50 Jahre nach Dashiell Hammett. Ein Zufall?

Text: Alf Mayer

Bilder-Quelle:

Robert B. Parker (Manchester (N.H.) Library)

Joe Gores (via thrillingdetective)

Elmore Leonard (MDCarchives)

Ross Thomas (via alligatorpapiere)

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