Etwas vom Roten Stier, gedruckt

„The Red Bulletin“ liegt ab 30. Januar der „FAZ“ bei
„The Red Bulletin“ liegt ab 30. Januar der „FAZ“ bei

Die Leserinnen und Leser des Frankfurter Qualitätsblatts dürfen sich ab 30. Januar 2010 an jedem letzten Samstag des Monats auf exklusive Reportagen, spannende Porträts und Interviews aus der vielfältigen Welt von Red Bull freuen.“ (Originalton www.redbull.de)

Heiko Hager, Gesamtanzeigenleiter G+J Direct Sales, ist begeistert: „Über die Wochenend-Präsenz in der FAZ erreicht das Magazin einkommensstarke Männer mit hohem Bildungsstand und Spaß an Lifestyle- Themen – perfekte Voraussetzungen für einen starken Werbträger.”

Georg seesslen meint:
Wer das „Red Bulletin“ liest, muss sich um die Zukunft keine Sorgen mehr machen. Sie findet nicht statt.

Wenn man wissen will, wie sich der Konsumgüter-Markt eine gaanz, gaanz tolle Zukunft vorstellt, muss man ab und an einen Blick in das „Red Bulletin“ werfen, das so intelligenten Zeitungen wie der F.A.Z. beigelegt ist, damit die dicker aussieht, wenigstens am Wochenende. Es nennt sich ein „fast unabhängiges Monatsmagazin“, wird von, logisch, dem Getränkehersteller Red Bull herausgegeben und handelt, ja, verflixt, wovon handelt das Ding eigentlich? Ich glaube, es handelt irgendwie von Extrem- und Trendsportarten, von Leuten, die echt nichts anderes zu tun haben als möglichst teuren Blödsinn möglichst überall in der Welt zu treiben, oder „Sport, Kunst…Abenteuer. Der lebhafte Mix über alle thematischen Grenzen hinweg“, so heißt das im Impressum; man könnte aber auch sagen es handele sich um ein Magazin, dem es gelingt, sehr elegant, sehr teuer und einigermaßen aufgedreht unterhalb dessen zu bleiben, was man ein Thema nennen könnte.

Die Kunst ist hier natürlich ein Event, und offenbar sind jene Sportarten die besten, die man gerade erst erfunden hat: „Der 18-jährige Hawaiianer Kai Lenny wird als Premierensieger der 2010 erstmals ausgetragenen Stand Up Paddle World Tour in die Geschichtsbücher eingehen“. Jedenfalls darf er zur Belohnung neben sich selbst ein „Red Bull“-Paddel vor die Kamera halten. Womit sich die jungen Herren und einige wenige Damen sich ihr Geld verdienen, wenn sie es nicht als Red Bull-Models tun, bleibt eher schleierhaft; sie sind aber jedenfalls erfolgreich, trendig und fit. Es ist offensichtlich eine Welt, der jede produktive Arbeit und jeder sinnvolle Diskurs ausgegangen ist. Hinter jedem der aufgedrehten „Ereignisse“, bei denen man sich so toll präsentieren kann, ahnt man den Abgrund von Leere und Langeweile. In einem „Hero-Blog“ betitelten Segment von „The Red Bulletin“ kann man zum Beispiel einen sehr, sehr interessanten Eintrag des BMX-Sportlers Drew Bezanson lesen: „Ich bike den ganzen Tag und kann am Abend nicht schlafen, weil ich nur an BMX denke. Ist das schlecht?“. Keine Ahnung, ob so etwas schlecht ist, ich bin ja kein Psychiater, es ist nur definitiv weniger interessant als der Zuckerkrümel auf meinem Schreibtisch. weiterlesen

via Georg-Seeßlen-Blog

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