Klassismus und Kulturkritik

Kulturkritik muss sein, oder? Sonst wäre ja sowieso alles egal. „Kulturkritik“, wenn man mal so die gängige Begrifflichkeit zusammenfasst, kritisiert (Definieren Sie mal Kritik!) jene Elemente einer Kultur (Was ist das, bitte schön?), die sie als disparat zu den Bedürfnissen (Und wer bestimmt das, hä?) und Möglichkeiten (Erzählen Sie mir nichts von meinen Möglichkeiten!) der Menschen erkennt. „Der weite Begriff umfasst alle Kommentare, Einsprüche und Anklagen gegen ‚verkehrte’ Wertsysteme, ‚schlechte’ Zustände und ‚falsches’ Verhalten seit der Antike.“ So heißt es in der Wikipedia, und natürlich geht es in einer Gesellschaft unserer Zeit nicht zuletzt um Kommentare zu Bildern, Tönen und Texten, die massenhaft verbreitet werden, elektronisch, digital, kommerziell, in denen jemand das „Verkehrte“, „Schlechte“ und „Falsche“ wittert. Das endlose Netz der Mythen, Bilder, Zeichen und Phantasien, in das sich die verschiedenen Menschen in verschiedenen Lebensbedingungen an verschiedenen Stellen einflechten (lassen), eine ziemlich totale Kultur, die nirgendwo anfängt und nirgendwo aufhört. Was wäre, wenn man hier nicht mehr das Verkehrte, das Schlechte und das Falsche erkennen und kritisieren dürfte oder könnte? (Kulturen wollen nicht gern kritisiert werden, weil sie zu einem großen Teil aus Gewohnheiten und zu einem beinahe noch größeren Teil aus Macht bestehen.)

Gesten der Dissidenz

Doch wer darf das, wer kann das, und wer soll das? Ist das eine Sache von „Intellektuellen“ und Einzelnen, oder kann man, wenn man sich mal von herkömmlichen Vorstellungen frei macht, auch die Bild-Zeitung, die Soap Opera und die Schmuddeltalkshow als „Kulturkritik“ verstehen? (Das scheinbare Paradox einer Mainstream-Kulturkritik zur Feststellung des Verkehrten, Schlechten und Falschen. Bei den „anderen“.)

Bleiben wir für den Augenblick bei der Kulturkritik als Geste der Dissidenz. Wer Kulturkritik betreibt, nimmt sich also viel heraus und riskiert einiges. Weil nämlich niemand, nach dem Verschwinden der Götter und der Parteien, die immer recht haben, zu sagen wüsste, wer einem eigentlich das Recht dazu gibt, in Dingen das Verkehrte, Schlechte und Falsche zu sehen, die anderen, und vielleicht auch vielen, sogar der Mehrheit, bitteschön, als das einzig Senkrechte, genau Richtige und Supertolle erscheint. Muss nicht Kulturkritik ihren Adressaten neben dem Verkehrten, Falschen und Schlechten auch die Möglichkeiten zu Trost, Kompensation, Hoffnung nehmen? Muss die Kritik an einem verlogenen Schlager nicht jenen verachten, der bei ihm heult? Versichert man sich in der Kritik an der schlechten Sprache seiner eigenen, die natürlich großartig ist? Kann das Falsche auf der einen Seite der Gesellschaft etwas anderes als das Richtige auf der anderen Seite sein? Es ist eben auch Kulturkritik eine Frage des Zusammenhangs.

Wenn man die Kulturkritik historisch und moralisch übertreibt, nennt man es „Kulturpessimismus“, und Kulturpessimismus ist verboten oder wird zumindest mit dem Hipster-Tänzchen beantwortet: „Ja, ja, früher war alles besser, hahaha, früher war alles besser, gell?“ Erfolgreichen Kulturpessimismus von rechts aber verwandelt der Buchmarkt in Bestseller. Erfolgreichen Kulturpessimismus von links kann es eigentlich aus Prinzip nicht geben, aber was ist schon ein Prinzip. Wenn man es indes mit der Politik und der Ökonomie in der Kulturkritik übertreibt, und man spricht von „Entfremdung“ oder „Kulturindustrie“ oder gar „Bewusstseinsindustrie“, dann ist man ein „Altlinker“, leidet vielleicht unter Verschwörungsphantasien oder hat den Zeitgeist nicht verstanden. Der Spielraum für Kulturkritik (in der ursprünglichen, umfassenden Weise) in einer demokratisch-kapitalistischen Gesellschaft ist, wenn man es genau besieht, ziemlich gering. Man soll sie, ausgerechnet, moderat gebrauchen. Seit Kulturkritikerinnen und Kulturkritiker nicht mehr gleich verbrannt oder ins Irrenhaus gesteckt werden, wurden die Instrumente, mit denen Kulturen ihre Kritiker behandeln, immer feiner und vielfältiger. Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der es ein kulturkritisches Grundrauschen gibt: So viel Kulturkritik war nie!; und eine Gesellschaft, in der Kulturkritik perfekt abgefedert wird: So wenig hat Kulturkritik noch nie genutzt!

Klassen, so wissen wir von Pierre Bourdieu,

werden stets sowohl durch Ökonomie als auch durch Kultur erzeugt.

Andererseits gibt es ja die Kultur gar nicht. Vielmehr ein Miteinander und Ineinander von Kulturen, die sich manchmal überschneiden (und wenn sich viel überschneidet, nennt man es „Mainstream“), und die sind wieder in Subkulturen und temporäre kulturelle Phänomene gespalten, und viele davon bestehen zum größten Teil aus der Energie, mit der sie sich von anderen abgrenzen. Dass Kultur für eine Reinigungskraft und eine Lehrkraft etwas anderes sein muss, auch wenn beide vielleicht den selben Fernsehapparat zu hause stehen haben, ersteht aus Lebensbedingungen und nicht aus Natur. Und nicht selten ist selbst das noch Vorurteil und gesellschaftliche Zuschreibung. Die Reinigungskraft, die in den Arbeitspausen „Die Kritik der reinen Vernunft“ liest, ist so „unvorstellbar“, wie die Lehrkraft, die sich bei Fips Asmussen auf die Schenkel haut. Geben tut es beides natürlich schon. Klassen, so wissen wir es von Pierre Bourdieu, werden stets sowohl durch Ökonomie als auch durch Kultur erzeugt. So heißt linke Kulturkritik erst einmal eine Kritik der kulturellen Erzeugung der Klassen. (So wie rechte Kulturkritik ein Mittel dieser Erzeugung und ihrer Stabilisierung ist.)

Wer bin ich?

Deshalb muss eine Kulturkritik, die weder Ausdruck einer klassistischen Verachtung werden soll (die einen als die „besseren“ und die anderen als die, wahlweise, bedauernswerten Verführten oder als die geschmacklos-rohen Banausen), noch der einer politisch-moralischen Anmaßung (der Kulturkritiker als rechthaberischer Prediger) die Klassen (oder deren neueste Variationen) mitdenken, die eigene und die der kritisierten Kultur-Erscheinungen. Wer also bin ich, um Andrea Berg, den Komödienstadel, die Soap Opera, Dieter Bohlen, die Kochschau, den Karneval, das Fast Food-Restaurant, die Trachtenmode, den Amateurporno, die Pauschalreisen zum Erlebnispark, Jack Wolfskin-Anoraks, Promitalks, Würstchenreklame, Musicals, Fanshops und so vieles andere zu kritisieren, was für die einen großes Lebenskino und für die anderen wahrhaft fürchterlicher ästhetisch-moralischer Müll ist?

Ich weiß zunächst nur, was ich auf gar keinen Fall sein möchte: Ein Besserer, der etwas Schlechteres missbilligt und das auch noch in mehr oder weniger elegante oder sarkastische Worte kleidet. Teil einer „gehobenen“, wenn auch mehr oder weniger linken Mittelstandskultur, die eine „Unterschichtkultur“ verachtet. Mindestens so notwendig, wie die Objekte der Kulturkritik so präzis als möglich zu treffen, ist es, eine genaue politische Grammatik der Kritik zu entwickeln. Ich will auch keiner sein, der das Falsche, Verkehrte und Wertlose kritisiert, weil er so genau weiß, was das Richtige, Nützliche und Wertvolle (für andere Menschen) wäre. Jede Kulturkritik, die wirklich etwas zu sagen hat, bezieht auch den Kritiker und seine Kultur mit ein. Nicht: Ich bin besser, sagt diese Kritik, sondern: Es gibt etwas Besseres. Aber es liegt jenseits der Kultur, in der wir leben, du und ich, vielleicht an sehr unterschiedlichen Stellen.

Das Distinktionsgespenst

Die, wenn man so will: professionelle Kulturkritik ist, bedingt durch, nun eben, kulturelle wie durch ökonomische Faktoren, in der modernen Gesellschaft einem intellektuell teildissidenten Segment des Kleinbürgertums zugefallen. Schon daher ist es verständlich, wie sich die beiden schärfsten kulturkritischen Bezeichnungen bildeten, die „Dekadenz“ (der Oberschicht) und die „Verwahrlosung“ (der Unterschicht). Noch in den elegantesten, an kritischer Theorie oder Strukturalismus meinethalben geschulten, Denkfiguren der Kulturkritik spuken gern diese Ur-Unterstellung einer Mitte gegen das Oben und das Unten. Und umgekehrt haben sich die, die sich für eine Elite halten, und meistens doch nur Privilegierte sind, ihre Verachtung gegenüber den unteren Klassen gern kulturkritisch verbrämen lassen. Davon, wie sich Kulturkritik mit rassistischen und sexistischen Phantasmen aufladen ließ und immer noch lässt, ganz zu schweigen. Kulturkritik ist ein verdammt gefährliches Instrument. Für alle Beteiligten.

Nicht die Kultur, die eine Klasse hat, sondern die Kultur, die eine Klasse macht, ist der Gegenstand der Kritik, nicht ein Bohlen, der mit seinem Kotzsprech ein „Ventil“ wäre für angestauten Zorn, sondern im Gegenteil ein Bohlen, der seine Adressaten verdammt, indem er eine Kultur der Verachtung erzeugt, nicht die Verachtung der Kultur der anderen, sondern die Kritik einer Kultur der Verachtung und Selbstverachtung, nicht die Klasse, sondern ihre Produktion und ihre Ausbeutung, nicht die Belehrung der Konsumenten (die haben auch besseres zu tun, als auf herrenlose Kulturkritiker zu hören) sondern das Verständnis der kulturellen Produktion und ihrer Interessen – es kommt, wie gesagt, bei der Kulturkritik auf die Perspektive, auf die Grammatik an.

Kulturkritik ist eine der verschiedenen Möglichkeiten, zu sagen, dass man nicht einverstanden ist mit der politisch gemachten Welt, in der man lebt. Einer der verschiedenen Versuche, ihre Veränderbarkeit zu erkennen. Und eine Hoffnung darauf, Verbündete zu finden. Schiefgehen kann viel mit der Kulturkritik. Ohne sie noch mehr.

Georg Seeßlen, taz 22.01. 2014

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2 Gedanken zu „Klassismus und Kulturkritik

  1. Wider den Zynismus der digitalen Alternativlosigkeit – Es soll ein Recht auf ein analoges Leben geben!

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit dem folgenden Anliegen möchte ich mich als Privatperson an Sie wenden, und dabei zunächst für mich selbst sprechen, obwohl dies gewiß auch das Anliegen immer noch sehr vieler Menschen im Lande ist:
    Ich wünsche die Sicherung eines Rechtes auf ein analoges Leben, und die Unterbindung der fortschreitenden Diskriminierung von Offlinern und Analogikern
    1) im öffentlichen Raum; durch gezielte und politisch geförderte Medienkampagnen zur Bestimmung der Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche als einzig alternativlos mögliche Definition von Fortschritt// durch eine schleichende Aushungerung des Briefpostwesens// Verächtlichmachung und Kriminalisierung von Bargeldverkehr, z.T. Abschaffung von Barzahlungsmöglichkeit (Hinweis: der weitaus größte Schadensumfang bei Wirtschaftsverbrechen ist auf bargeldlose Geschäfte zurückzuführen, u.a. Bitcoin-Zahlung im sog. ‚Darknet’. Die größten Betrüger im Finanzsektor sind gewiß nicht die Bank-Privatkunden, noch nicht einmal dann, wenn sie alle zusammengenommen betrachtet würden, gegenüber den global-playern auf dem Börsenparkett, wo gleichfalls nicht in Kupfercentstücken verrechnet wird. Man richte hier die Aufmerksamkeit auf den virtuellen Handel von Zertifikaten und Spekulation mit Optionen auf Verluste und Pleiten, und Wetten um das Lebensglück des größten Teils der Menschheit)
    2) der öffentlichen Verwaltung; durch Umstellung auf Online-Formulardienst, Einschränkung von persönlichen Sprech- und Schalterzeiten, Abschaffung von analogen Kontaktmöglichkeiten, Hängen in Warteschleifen weil die Callcenter-Stellen gestrichen werden// Verlust von Intimität persönlicher Daten durch zunehmende digitale Verlagerung und Vernetzung jeder Lebensäußerung; Speicherung und Weitergabe an Dritte jedes Arztganges und Medizin-/Therapie-Rezeptes, mit dem verlogenen Argument ‚im Dienste der Wissenschaft’
    3) im Bildungswesen und Arbeitswelt; durch Verlagerung von Wissensquellen auf digitale Plattformen, die ohne Anmelde-Registrierung o. Smartphone-Applikation nicht mehr barrierefrei zugänglich sind; durch Zwang zum fortgesetzten Upgrading der persönlichen Computeranwendungen wegen zunehmender Inkompatibilität. Verlagerung der Kommunikationswege auf Instagram, Twitter, WhatsApp, Facebook, etc.; Zwang zur dauernden Erreichbarkeit über E-Post und Mobilphon; Bevorzugung von Onlinebewerbungen; Googelisierung und Wikipediatisierung des Informationswesens; Durchsetzung der Sprache mit Begriffen der Kybernetik und AI.
    Substitut des personalen Gegenübers durch androide Interface-Strukturen, wie ‚Alexa‘ und ‚Siri‘ = effektiv mögliche Raumabhörung, situative und soziale Umgebungsspionage
    4) Familie, Erziehung, und Persönlichkeitsbildung; Untergrabung des elterlichen Sorgerechts u. Pflicht durch nahezu schrankenlose Verfügbarkeit von freien WLAN-Netzen, die sämtliche digitalen Sicherungsmaßnahmen am Heimcomputer ad absurdum führen. Es ist kaum möglich selbst Kindern den Zugriff auf Smart-Gerätschaften zu unterbinden; jedwede Lebensäußerungen der Jugendlichen werden auf den virtuellen Raum projiziert (die perfide Strategie dabei: Kinder und Jugendliche sind ein immenses geschäftliches Potential für die Digital-Industrie)// kaum einzudämmender Zugang zu monströsen Gewaltdarstellungen und menschenverachtender Pornographie schon in Kinder- und Jugendzimmern über das omnipotente Dauer-Internet// Manipulation der Wahrnehmung und Gedächtnisleistung von jungen Menschen über Bildschirm-Unterhaltung// Mind-Control-Taktiken aufgrund suggestiver Bild- und Klangsequenzen in viralen Online-Werbebotschaften, politischen Kampagnen und tendenziöser Berichterstattung (gezielte Setzung von pos./neg. Gefühlen, Verkehrung von Werteschemata, Kanalisierung moralischer Affekte auf opportune Themen; Löschung u. Neusetzung von Erinnerungen durch Vermischung von künstlichen dramaturgischen Lektionen in Wiederholungsschleifen mit eigenen Erfahrungen, die ihrerseits durch das digitale Weltnetz kommentiert, verwertet und schließlich entwertet werden)
    Bem.: der berühmte ‚Familienausflug’ auf analogen Wanderwegen als „Alternativ-Unternehmung“ bei Teenagern so beliebt wie Tofu und Karotte für die Schulpause – solche Erziehungsratgeber sind eine zynische Verarsche über die realen Verhältnisse in den Durchschnitts-Familien (perfide Strategie: gewollte Heranzucht von digitalen Prekariat, über digitale Vorbilder leicht zu lenken, medial leicht zu manipulieren, für politisch opportune Initiativen bequem zu instrumentalisieren, unkritisch gegenüber dem Verlust von realen Freiheitswerten – die in der nächsten Generation schließlich schon noch nicht mal mehr vermißt werden).
    Während dem Meister seines Handwerks nicht das Zertifikat seiner Qualifikation gegönnt wird, würde er im digital automatisierten Industriebetrieb allenfalls öde Maschinenüberwachungsfunktionen zufallen. Die Entfremdung des Menschen von seinem Werk erfolgt in exponentieller Geschwindigkeit, die jede gesellschaftspolitische Reaktion überfordern und zuletzt unmöglich machen wird. Abqualifiziert und sinnentleert kann „Arbeit 4.0“ unmöglich ein würdiger Teil des menschlichen Daseins werden (darüber können auch nicht Weiterbildungsmaßnahmen in Programmiersprachen hinweg trösten). Die Forderung des Lebenslangen Lernens wird aus dem Munde der Digital-Lobby zum blanken Zynismus der entmenschsten Produktivität. Sofern nicht Produktion durch Menschen für Menschen Wertschätzung erährt, bedeutet digitalisierte Produktivität allein eine zirkelhafte Selbstbezüglichkeit der Mittel, die sich die Zweckhaftigkeit angeeignet haben. Im Strudel der technoiden Beschleunigungsspirale verschwindet jeder kulturelle Form- und Gestaltwille in einem veritablen Nichts. Wir fallen letztlich der Ideologie eines digitalen Nihilismus anheim.
    Die Auslöschung des Reellen durch das Virtuelle hinterläßt eine Leere des rein Potentiellen eines unendlichen Möglichkeitsraumes, der das Existenzielle durch die unendliche Null vollkommen ersetzt.
    Wir fordern, daß die Gelder, die in die Forschung zum Einsatz von Robotern in der Pflege von Menschen gesteckt werden, den lebendigen Pflegekräften ausgezahlt werden, die als Menschen, Menschen menschlich betreuen (würde mit Kranken und Alten wieder mehr kommuniziert werden, bräuchte man den internationalen Digital-Katalog der Demenzerkrankungen nicht jährlich um mehrere Erscheinungsformen zu erweitern).
    Der Digitalismus ist die epochale Seuche, die einst zu einer gesellschaftlich-kulturellen Kollektiv-Demenz sonder Grades führen wird!
    5) Konsequenzen der Einbindung des Menschen in das ‚Internet der Dinge’:
    Auslieferung der deutschen Wirtschaftsinteressen an die Konzernstrategien der G5-Technologie (zum Hauptanteil das chinesische Digitalimperium Huawei), und Verrat der informationellen Selbstbestimmung an die künftige effektive Verknüpfung von Personalcomputern, Mobilfunk, und Überwachungskameras im öffentlichen Raum, Datenerfassung und –verwertung aus Verifikationssystemen in Industrie und Handel; schrankenlose Möglichkeiten der Kombination des bargeldlosen Zahlungsverkehrs mit Meldebehörden und Datenregister der Sicherheitsbehörden; unnachvollziehbare Querverweise bei Identitätsregistrierungen in sozialen Medien; Kontrolle der Mobilität durch autonome Fahrzeuge und E-Mobile, sowie aus Verkehrswege-Mautsystemen.
    Insgesamt bereitet sich hier die nahezu allumfassende Infrastruktur einer sog. Industrie 4.0 vor, die nichts weniger als die Etablierung einer digitalen Diktatur beddeutet. Bedingt durch die Erhöhung des Drucks und der Beschleunigung, wird inerhalb einer vollvernetzten Gesellschaftsodnung ein ökonomisches und soziales ‚Wohlverhaltens’ erzwungen werden, dessen exekutives Vehikel auf Basis einer ‚künstlichen Intelligenz’ (KI) funktionieren wird, die uns im Wortsinne ‚auf das Fell rückt’ und ‚unter die Haut’. Als unverhohlenes Vorbild hat BK. Angela Merkel bereits China gerühmt, das auf diesem Gebiet Avantgarde ist. Dort werden in vielen Kommunen die Bürger bereits mit einem digitalen Punkte-Konto der ‚Vertrauenswürdigkeit’ beaufschlagt, das seine Bewertungen aus deren öffentlichen und privaten(!) Verhalten über den Abgleich der reichlich erfaßbaren Datenspuren ermittelt. Die Algorithmen hierfür, unterliegen ohne Zwang zur Legitimation einzig der Willkür der Konzerne, sie entziehen sich dabei letztlich neben dem Adressaten und Opfern, auch der Nachprüfbarkeit durch den politischen Auftraggeber. Deren Ziel ist trotz der offenkundigen Gefahren für ihren eigenen Fortbestand die Installierung eines digitalen Überwachungsstaates (unter der chin. Bezeichnung „Himmelsnetz“), indem jede Lebensäußerung bis hin zur Gesichtserkennung erfaßt und ausgewertet werden kann.

    Um meiner Bitte an Sie das kaum zu ignorierende Gewicht von hunderttausenden von Unterschriften nachzureichen (noch dazu vielleicht online), fehlt mir letztlich die Kraft. Einen Packen Zettel mit krakeligen Unterschriften, gestehen Sie es ein, würden Sie ohnedies kaum näher würdigen. Bisher erhalte ich jedoch die Bestätigung nahezu jeder Person meines Bekanntenkreises, und würde dies mit Sicherheit auch von jedem Menschen meiner Vorgängergeneration. Wer online gehen möchte, sollte dies uneingeschränkt dürfen, aber für welche okkulten Interessen welcher fremdbestimmenden Macht soll Alles und Jedes, von der Wiege bis zur Bahre digitalisiert werden? Was gestern freie Wahl schien, ist heute schon unausgesprochener Zwang, und ab morgen ist dann jeder analog-kultureller Widerspruch existenzgefährdend. Bitte helfen Sie, dem vorzubeugen, indem Sie das Recht auf ein analoges Leben ebenso festschreiben lassen, wie das auf religiöse Freizügigkeit und sexuell diverse Orientierung.
    Gestützt auf die moralische Autorität einer wahrhaftigen Menschlichkeit, die sich gegen die Einflußnahme durch die sog. ‚Künstliche Intelligenz’ verwahren möchte, würde ich Sie dringend bitten, mein Anliegen (und nicht nur meines) vor die zuständigen Ausschüsse zu tragen. Veranlassen oder bewirken Sie, soweit in Ihrer Befugnis stehend, einen Gesetzesentwurf zur Aufhebung der Diskriminierung analoger Menschen. Analog zur divers-sexuellen Orientierung, ist zu behaupten: Analogie ist keine Krankheit!
    Wir wollen nicht, daß jeder Huster von uns gespeichert und von Unternehmen in aller Welt vernetzt, und in den digitalen Adressenhandel eingespeist wird. Wir wollen keine Überwachung unserer Pulsfrequenz und Schlafzeiten, unseres ökologisch verantwortlich gesunden Lebenswandels. Wir wollen nicht daß die Daten vom Familienkummer beim Jugendamt mit den Krankheits-Fehlzeiten vom Arbeitsplatz multipliziert werden, damit anschließend das Finanzamt drüber die Quadratwurzel ziehen kann; und der Vermieter das Durchschnittalter meiner Lebensabschnittspartner vom Stromzähler ablesen kann, um das Ergebnis in die Lieferstatistik von Amazon einfließen zu lassen, weil er dafür ein paar Bitcoin-Provisionen verbucht kriegt.
    Wir wollen vor unsere Namen kein www. setzen müssen, um in der Welt bestehen zu können.
    Wir verweigern das Malzeichen des Tieres, ohne das man irgendwann weder was kaufen noch verkaufen können wird. Wir wollen am Ort noch reale Geschäfte vorfinden und betreiben können, wenn sie auch nicht den ‚Vorteil’ der Onlinebestellung bieten. Wir wollen nicht länger unser Leben dienstlich und privat vor Bildschirmen verdämmern müssen, um dasselbe überhaupt noch alltagskompetent bestreiten zu können. Wir wollen bei Beratung, Kauf und Umtausch von Waren, beim Bezahlen und Beschweren, bei Lob und Tadel, Bitte und Danke – auch weiterhin noch mit echten Menschen Umgang pflegen dürfen.
    Wir haben als analoge Lebensform ein Naturrecht auf ein selbstbestimmtes Leben in Echt, und unser Gegenüber soll es auch sein!
    Die Weichen zum Skynet-Szenario wie beim Terminator werden jetzt schon gestellt! Denn eines ist mal klar: In der Schönheit der volldigitalierten Welt wird es der Mensch selbst sein, der als das schädliche Virus im System elimimiert werden wird.

    Liebe Grüße, Eure Anna

  2. Krieg ist … !!

    Hört Ihr was – mit eigenen Ohren? Ich hör’ nix!
    Nichts von den Luftangriffen auf jemenitische Bergnester und die Infrastruktur von Gaza, von Bomben- und Raketentests im Pazifik und der Sierra Nevada, von Drohneneinsätzen in Syrien und Irak, von Mörsergranaten gegen ‚Separatisten’ in der Ostukraine, keinen Laut von den Gequälten in den zahllosen Verliesen der Welt, den Exekutionsschüssen in düsteren Hinterhöfen. Wir beklagen das Schicksal von muslimischen Uiguren und Rohinjas, die Bedrohungssituation für Synagogen, während verfolgte Christen, die heute noch Steinigung und Kreuzigung erleiden müssen, keine Stimme haben, noch nicht einmal die ihrer eigenen Kirchenvertreter, die bei Staatsbesuchen das Kreuz verbergen. Mir ist furchtbare Kunde aus Südafrika von Erster Hand: Dort ereignet sich eine Serie von Farmmorden (sog. Plaasmorde). Einsam gelegene Höfe werden überfallen, die unter Drogen wütenden Gangs machen nicht Halt vor Säuglingen und Greisen. Es ist ein Rassenkrieg entbrannt – gegen Weiße! Die Nachrichten darüber werden zurückgehalten, weil die Faktenlage nicht ins Bild der politischen Korrektheit paßt.
    Kein O-Ton dringt an unser Ohr, auch nicht vom zähen Kampf gegen die Kindersterblichkeit, indem wir den unheimlich stillen Mord bereits an den Ungeborenen vollstrecken.
    Das einzige was wir vernehmen ist, das Gequake des Falschen Propheten in den Lügenmedien von einer alternativlosen Neuen Weltordnung (NWO), die sämtlich im Dienst und Sold der Alten Schlange, das ist der Satan, steht: „Und ich sah aus dem Rachen des Tieres und aus dem Mund des falschen Propheten drei unreine Geister kommen, gleich Fröschen(!)“ {Offenbarung d. Joh. 16:13}
    Der Protest gegen die Profiteure solcher Kriege geht im Flug- und Straßenlärm unter, dessen Ignoranz lauter schweigt als das Gewissen der Eliten. Die schweren Geschütze die gegen die Insekten und Bazillen aufgefahren werden, gegen den Krebs und die Masern, donnern im Flüsterton, und werden locker vom Triumphgeheul bei den Börsenindex-Zuwächsen der beteiligten Konzerne überboten (how dare They!). Könnten wir die Mobilfunk-Strahlung nach dem G5-Standard akustisch vernehmen, würden die Petitionen dagegen im Bundestag und Bundesrat schon bei der ersten Lesung eines Gesetzentwurfes zum Verbot durchgewunken werden – Aber Keiner hat was gehört.

    Dieser Tage blätterte ich in den sog. ‚Kriegsfackeln’ von Karl Kraus. Im Sept. 1917 findet sich das Folgende:
    „Meldung: Im Mittelmeer konnte ein vollbesetzter Dampfer für feindliche Truppentransporte (von einem Torpedo) getroffen werden, er sank innerhalb von 43 Sekunden – Wenn der Menschengeist so weit kommt, Mörser zu bauen, um vor deren Wirkung wieder unter die Erde kriechen zu müssen, wenn er Riesen konstruiert, um mit der Uhr in der Hand zuzuschauen, wie diese der Zwerg überwältigt – dann zeigt die Uhr Dreizehn, und es ist Zeit zur Ruhe zu gehen. Überschlafen wir’s. Sonst sitzt uns eines Tages ein kriegsuntauglicher Ingenieur am Bureautisch und gibt zur Verbesserung des Agios, oder wie der unselige Vorteil sonst heißt, durch einen Druck auf den Taster zu verstehen, daß jetzt eine Festung in die Luft fliegen wird.
    Ihr geht an der schieren Möglichkeit zugrunde, und umso mehr, wenn der Apparat vom Zinsfuß bedient wird.“ {Karl Kraus}

    Der Dritte Weltkrieg ereignet sich gerade in einer geradezu unheimlichen Stille, dafür an allen Fronten sämtlicher Lebensbereiche – aber in meine Stube dringt davon kein Laut; über allen Gipfeln ist Ruh’, in allen Wipfeln spürest Du …, Warte nur, balde …!
    Er wird erbittert geführt, gegen die Souveränität der Völker und gegen die Intimität des Einzelnen. Es werden Event-Offensiven geführt gegen die Kunst, und auf den Theaterbühnen die kulturelle Ödnis exerziert.
    Das Maas-Männchen trumpft so schneidig auf wie weiland der Tilly. Kramp-Karrenbauer tändelt so kokett vor der Merkel, wie Wallenstein vor dem Kaiser – der Krieg ernährt halt den Krieg, und die Kipper und Wipper dazu.

    Diejenigen unter Euch, die nicht-kv geschrieben sind, brauchen sich von diesem Einberufungsbescheid nicht weiter alterieren zu lassen, und können sich jetzt wieder ihren Romanentwürfen über desperate Hausfrauen mit deren emotions-steriler Bizarr-Erotik zuwenden, und den Börsenverein des Buchhandels von der Notwendigkeit einer weiteren Episode von ‚Bridget Jones sucht Mister Right’ zu überzeugen = Erfolgsgarantie.

    Versucht dennoch bei Gelegenheit einmal diese grauenvoll unheimliche tosende Stille um Euch zu vernehmen – es ist Krieg allenthalben!

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