Bild: Screenshot Youtube

Brandstifter von Pro Deutschland

Dummheit lässt sich nicht aus der Welt schaffen. Nicht durch gutes Zureden, nicht durch Argumente und erst recht nicht durch Verbote. Man muss sie ertragen wie schlechtes Wetter und dunklere Tage. Schwer auszuhalten ist das aber bei Menschen, die ihre Dummheit vor sich hertragen wie eine Monstranz, die sogar noch stolz darauf sind und damit Politik machen möchten: Politik als schlichte Provokation. So halten es die Vertreter der ausländerfeindlichen Gruppierung „Pro Deutschland“, die sich nicht entblödeten, Mohammed-Karikaturen vor Moscheen in die Luft zu halten. In konsequenter Fortsetzung ihrer verblödeten Auftritte wollen sie nun das unglaublich dumme, niveaulose Video öffentlich zeigen, das dieser Tage radikalen Islamisten weltweit als willkommener Anlass dient, mal wieder US-Flaggen zu verbrennen, Botschaften zu stürmen und Menschen totzuschlagen. Wenn Dummheit auf Dummheit trifft, wird es gefährlich. Nichts anderes wollen die Brandstifter von Pro Deutschland.

Für nicht religiös strukturierte Menschen ist das Video mit schlechten Schauspielern vor billigen Kulissen allenfalls eine Beleidigung ihrer ästhetischen Sinne. Es erschließt sich sofort, dass es beim Begehren, diese paranoide Dummheit zu zeigen, nicht um Freiheit und schon gar nicht um Meinungsfreiheit geht. Denn das Filmchen enthält keine Meinung jenseits der Provokation. Damit trifft es exakt die Geisteslage der Pro Deutschland-Aktivisten. Es zu verbieten würde der Meinungsfreiheit also keinen Schaden zufügen – mal abgesehen davon, dass im Internetzeitalter ein Verbot sowieso nur symbolisch wäre. Was im Netz steht, ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen, wie dumm und falsch und ärgerlich auch immer. Das Netz ist die Netzhaut der Welt, in der alles aufscheint, was der Fall ist.

Außerdem wäre ein Verbot, ja auch nur die Debatte um ein Verbot, so überflüssig wie schädlich, denn das würde den ausgestellten Willen zur Provokation ernster nehmen, als er genommen zu werden verdient. Die rechten Aktivisten würden sich dann vermutlich als Märtyrer der Meinungsfreiheit stilisieren. Sie spielen ja permanent mit dem Bilderverbot der Religion, indem sie aus dem Hochhalten von Bildern selbst eine quasi-religiöse Handlung machen. Wenn sie die Mohammed-Karikatur zeigen, verhüllen sie das Bild zunächst mit einer Decke, um es dann feierlich enthüllen zu können – als handle es sich tatsächlich um ein Heiligtum, wenn auch ein negatives, das nicht der Erlösung, sondern ganz im Gegenteil dem Aufstacheln dient. Bilderstürmerei bedeutet in diesem Fall nicht, Bilder zu zerstören, sondern sie öffentlich zu zelebrieren.

Das Internet ist ein säkulares, ganz und gar unheiliges Medium. Das ändert aber nichts daran, dass Fundamentalisten aller Couleur auch dort ihre Wahrheiten und heiligen Dogmen verteidigen. Vielleicht ist dieser Zusammenprall der Welten das eigentliche Problem – und gar nicht so sehr der „Clash“ der Zivilisationen, auf den die Provokateure beiderseits setzen.

Jörg Magenau, rbb kulturradio (18.09.2012)

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