Berlinale 2018 – When I am Dead and Pale (Regie: Zivojin Pavlovic | Serbokroatien 1967)

Dieser Film ist eine atemberaubende Wiederentdeckung. Er spielt in einem Land, welches heute nicht mehr existiert.

Jimmy ist die Hauptfigur, ein Herumtreiber, ein Kleinkrimineller, der mit miesen Tricks diejenigen bestiehlt, die ihr spärliches und hart verdientes Einkommen schlecht hüten. Auch läßt er keine Gelegenheit aus Frauen zu verführen, was ihm erstaunlich oft und leicht gelingt. Er ist eine Art „Accattone“ der sogenannt „schwarzen Welle“, jener Zeit zwischen 1963 und 1975 als freie Filmemacher die sozialistische Wirklichkeit Jugoslawiens in harten und oft parabelhaften Geschichten festhielten. Zivojin Pavlovic gilt als einer der bedeutendsten Regisseure der Black Wave Bewegung – und nach diesem Film bekommt man große Lust auf mehr!

In den tristen Vororten Belgrads versucht Jimmy sich als Schlagersänger, nachdem ihn eine schöne Frau, mit der er einige Nächte zusammen war, hierzu ermutigt hat. Anfänglich gelingen ihm kleine Erfolge. Doch eigentlich hat er weder eine gute Stimme, noch Ahnung von Musik. So scheitert er zuletzt bei einer Casting-Show in der Hauptstadt, wo andere mit ihren Talenten überzeugen. Der Film ist insgesamt voller Musik, nicht nur in diesen Szenen. Alles ist ständig in Bewegung, die Figuren, die Orte, die Töne. Parallel zu Jimmys manchmal echt skurillen Abenteuern – eine Affäre hat er mit einer liebeshungrigen Eisenbahnschaffnerin, eine andere mit einer durchgestylten Musikerin – entsteht ein genaues Portrait vom Leben und Überleben kleiner Leute quer durch die unterschiedlichsten Milieus. Volksfeste, Militärparaden, Baustellen, Schrotthalden, das sind die Schauplätze, die der Regisseur wählt um in hartem schwarz / weiß und in perfekt kadrierten Bildern eine Stimmung voller Lebensenergie zu erzeugen. Ein durch und durch tolles Filmerlebnis!

Daniela Kloock

Bild ganz oben: Kad budem mrtav i beo | When I Am Dead and Pale | Berlinale Forum | YUG 1967 | © Yugoslav Film Archive

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