Paranza – der Clan der Kinder (Regie: Claudio Giovannesi)

Eigentlich nette Jungs mit den üblichen Träumen und Wünschen: hübsche Mädels, schicke Klamotten und schnelle Motorroller. Wenn da nur nicht der Biotop wäre, in dem sie aufwachsen. In dem Fall handelt es sich um Neapel, wo bereits Kinder mit schweren Waffen unterwegs sind. Für sie scheint es kein Morgen, keine Zukunft, keine Perspektive zu geben. Claudio Giovannesi drehte den Film mit Laiendarstellern. Über 4000 Jugendliche hatten sich gemeldet um die Geschichte einer Gang zu erzählen, die in den Gassen von Palermo vor nichts zurückschreckt.

Hauptfigur des Films ist der 15-jährige Nicola, der sich vorgenommen hat das Regiment in seinem Viertel zu übernehmen. Er und seine Freunde lassen sich von der Mafia anheuern. Zunächst verkaufen sie Drogen vor der Schule, vertreiben andere Dealer, wenig später schießen sie schon scharf, um ihre Ziele durchzusetzen. Dann sind sie auf einmal die Chefs im Viertel, aber daß das nicht lange so bleiben wird ist deutlich spürbar.

Der Bestseller-Autor und Journalist Roberto Saviano, der 2006 durch seinen Roman „Gomorrha“ weltberühmt wurde und seitdem unter Polizeischutz lebt, hat die Vorlage zum Film geschrieben. Wieder geht es ihm um das organisierte Verbrechen, aber vor allem um den Verlust der Unschuld einer jungen Generation. Während die Mafia-Bosse in Saus und Braus leben, machen die Kinder die „Drecksarbeit“. Das erzählt auch der Film. Jedoch ohne jeglichen psychologischen Tiefgang, ohne nennenswerte Dramaturgie oder Montage. Es gibt eine fade eingebaute Liebesgeschichte (Nicola freit um Laetizia), ein paar Disco-Szenen, Kokainsessions, einen Mord (den Nicola als Frau verkleidet ausführt und worüber er auch eine Träne verliert), eine üppig inszenierte Hochzeit, die auffliegt, und den Tod des kleinen Bruders. Eine innere Entwicklung der Figuren, tiefergehende Konflikte, irgendetwas, was interessant sein könnte? Fehlanzeige!

Über die Teenager, die skrupellos dealen, rauben und töten, sagte der Regisseur bei der BERLINALE: es habe schon immer Kinder in Gangs gegeben, aber nie als Clan-Führer. Dies sei neu und einzigartig. „Sie sterben mit 20 Jahren im Glauben, alles erlebt zu haben.“ Nur schade, dass der Film aus dem Stoff nicht mehr gemacht hat. Zweifelsohne eher eine Fernsehproduktion, als ein Film für die große Leinwand.

 

Daniela Kloock

Ganz oben: Foto © Palomar

 

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