ECHO ist das unkonventionelle Langspielfilmdebüt der Regisseurin Mareike Wegener. Der Film, der im diesjährigen Programm der BERLINALE in der Sektion NEUES DEUTSCHES KINO lief, wagt sich nicht nur an schwierige Themen, sondern geht auch stilistisch und dramaturgisch überraschende Wege.

In einzelnen, mehr oder weniger kunstvoll verwobenen Episoden geht es um die Verdrängung und Leugnung persönlicher Schuld und Traumata. Aber auch um deutsche Kriegs-und Nachkriegsgeschichte und deren Vertuschung und Ausblendung. Die Filmemacherin wählte hierfür symbolische Tatorte. So wie das Moor ein Ort des Verschwindens und gleichzeitigen Konservierens sein kann, so verdeckt und speichert der Wald vergangenes Grauen.

Dort beginnt die Recherche der Hauptfigur der Kommissarin Saskia Harder. Hochgradig traumatisiert ist sie. Bei einem vorangegangenen Einsatz in Afghanistan hatte sie eine für Kollegen tödliche Übung zu verantworten. Nun soll sie sich in Friedland an einem scheinbar einfachen Fall rehabilitieren und die „alte Sache“ möglichst vergessen. Eine weibliche Moorleiche wurde gefunden. Im Rahmen der Ermittlungen erfährt Saskia jedoch, dass seit vielen Jahren in der Gegend gleich mehrere Mädchen spurlos und bisher unaufgeklärt verschwunden sind. Und dann wird auch noch eine Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg entdeckt. Die Einwohner des ganzen scheinbar so friedlichen Städtchens müssen evakuiert werden. Die Kommissarin (Valery Tscheplanowa) hat also einiges zu tun.

Viel skurriles Personal wird aufgefahren, um die Story zu entwickeln. Als da wären ein verunsicherter Dorfpolizist (großartig gespielt von Andreas Döhler), eine undurchsichtige Moormeisterin (Ursula Werner), allen voran jedoch ein ziemlich verrückt wirkender adliger Großgrundbesitzer, Lorenz von Hüning (Felix Römer). In seinem düsteren Wasserschloss, in dem er mit einem Papagei und seiner schweigsamen Tochter lebt, beherbergt er eine gigantische Fossiliensammlung. Dass diese nun vor der Sprengung geschützt werden muss, bringt den Mann fast um seinen restlichen Verstand.

Wie die Regisseurin nüchterne Informationen, zum Beispiel die Entschärfung der Bombe – die fast dokumentarisch erzählt wird – mit märchenhaften Sequenzen verknüpft, ist toll. Auch dass und wie sie es wagt, das Thema „Schuld- und Vergangenheitsbewältigung“ mit komischen und grotesken Elementen/Dialogen zu verknüpfen, ist erfrischend direkt. Die Bilder sind schön, weil streng komponiert (Kamera: Sabine Panossian), die Dialoge präzise. Nur leider wird es irgendwann doch zu verschraubt: Ein sprechender, kommentierender Papagei, der immer weiter durchdrehende Adlige, verzweifelte Eltern auf der Suche nach ihrem verschwundenen Kind und eine Ermittlerin, die von ihren Erinnerungen heimgesucht wird und dabei in pinkfarbenen Wolken und Rauch versinkt.

© Grandfilm

So wie in geologischen Ablagerungen und Gesteinen Erdgeschichte verborgen ist, so tragen auch wir Sedimente unserer persönlichen und kulturellen Vergangenheit in und mit uns und erzeugen unkalkulierbare Echos. Das war sicherlich die grundlegende Idee. Sehr schade, dass der Film sich in der Vielzahl seiner Motive, Einfälle und Personen verliert und dabei mehr in die Breite als in die Tiefe geht. Trotzdem: ein aus dem Rahmen sonstiger Produktionen herausragendes Debüt, zu dessen Gelingen nicht zuletzt die Schauspieler beitragen. Auch die Musik von Thom Kubli hält das überkomplexe Spiel zusammen.

Daniele Kloock

Bilder:  © Grandfilm

Echo
Buch, Regie, Schnitt: Mareike Wegener, (Deutschland 2022)
Spielfilm, 98 Minuten
Mit: Valery Tscheplanowa  Ursula Werner | Andreas Döhler |
Felix Römer 

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