Gangster Squad (Ruben Fleischer)

Grobschlächtiges aus Hollywood

Gangster Squad“, ein period piece vom Ende der 1940er in Los Angeles, ist Ruben Fleischers zweite Regiearbeit nach der Untoten-Komödie „Zombieland“. Wie ein Schnittrest aus diesem Splatterfilm wirkt die erste Szene: Ein mit Ketten gefesselter Mann liegt zwischen zwei Autos am Boden, ein anderer muss zusehen, ein fieser Typ in Mantel und Hut hält eine kurze Rede, gibt ein Kommando, die Autos fahren an, reißen den Delinquenten in zwei Stücke.

Blutiger Strohsack. Wäre ich Sean Penn, hätte ich Regisseur, Drehbuchautor und Produzenten zwischen Autos platziert. Wer solch eine „Einführung“ meiner Schauspielkunst vorzieht, hat entweder keine Ahnung von Film oder ist ein Effekte-Spekulant, jedenfalls ein Ignorant dessen, was an Meyer Harris „Mickey“ Cohen das Besondere war …

Lassen wir es bei der Klassifizierung „grobschlächtig“, das bezieht sich im Fortgang dann nicht nur auf die Gewaltszenen, sondern auch auf das filmische Konstrukt insgesamt. Sean Penn mit irgendwie Botox-Gesicht gibt den Gangsterboss Mickey Cohen, der sich L.A. unter den Nagel reißt, ähnlich zugeschwemmte Gesichtszüge hat Nick Nolte als Chief Parker, der seinen Musterpolizisten Sergeant John O‘Mara  (Josh Brolin mit vorangegangenem Kinn-Ausdruckstraining) eine gesetzlose Truppe zusammenstellen lässt, mit der ohne Uniform und Gnade das Verbrechergesindel aus der Stadt gejagt werden soll.

Auch in der Systemgastronomie kommt es auf die Qualität der Bauteile an, dieser Zutatenfilm genügt sich mit den gröberen. Alles schon gesehen – und viel besser. Aber eben nicht so neu. Brian DePalmas „Untouchables“ (1987)  lassen grüßen, samt imitierter Kamerafahrten, ein wenig Polanskis „Chinatown“, Warren Beattys „Bugsy“ (1991) mit einem großartigen Harvey Keitel als Cohen und einer ebenso großartigen Annette Bening, James Ellroys „L.A. Confidential“ (1997), Lee Tamahoris „Mulholland Falls – Nach eigenen Regeln“ (1996), der auch schon eine eher kannibalistische Angelegenheit war.

Wie eben vom Pferd gestiegen

Und, liebe Leserinnen, auch Ihre Sahneschnitte Ryan Gosling wird hier als eher fade Suppe serviert, als Wiederaufguss besserer Zeiten und besserer Filme. Seine Affäre, Cohens „ gangster moll“ Grace (Emma Stone) hat mehr von überschminktem au pair-Mädel als femme fatale. Der Showdown dann mit all der Schnellfeuerballerei ist schlicht lächerlich und peinlich. So pompös, aufgemotzt, pseudo und teuer in der Ausstattung diese filmisch halbgare Ware daherkommt, so billig ist sie zusammengerührt. Dabei war noch Extrazeit gewesen, nach dem Massaker bei der „Batman“-Premiere in Denver  wurden Szenen neu gedreht, der Film umgeschnitten, weil just solch eine Hinrichtung in einem Kino im Film vorgekommen war.

Zwei Darsteller fand ich gut, Lichtblicke im Stereotypengulasch. Das war Mireille Enos als Connie O’Mara, die Ehefrau von Josh Brolin, und der wirklich kernige, cowboyhafte Robert Patrick als Officer Max Kennard, der wie eben vom Pferd gestiegen auftritt. Robert Patrick ist einer jener großen Nebendarsteller, die manchem Film den richtigen Resonanzboden  geben, weil da ein Professional auftritt und das dann auch den Hauptdarsteller legitimiert, so etwa Denzel Washington in „Safe House“.

Aus den credits erfuhr ich auch, was Will Beall, der Autor eines der dunkelsten Polizeiromane der jüngeren Zeit, der leider ein Einzelwerk gebliebene „L.A. Rex“ von 2006, in jüngster Zeit getrieben hat: nämlich das Drehbuch für diesen Film zu schreiben. Meine Empfehlung: lieber den Roman besorgen, und sich zuhause ein paar intensive Lektürestunden gönnen.

Alf Mayer, crimemag 26.01.2013

Gangster Squad, von Ruben Fleischer (USA 2013)

Bild: © Warner

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