Mord am Frühstückstisch

Überraschend war das schon. Wir saßen gestern beim Frühstück in der Küche, vor uns einen langen Arbeitstag mit je eigenen Dienstreisen. Da diskutiert man natürlich engagiert, wie man es dem Leser mal so richtig schön machen kann.

Und dann passierte es. Sie unterbricht dieses interessante Gespräch, springt auf und spricht einen hochgradig irritierenden Satz: „Ich muss jetzt mal den Staubsauger holen!“

Dieses technische Gerät steht in diesem Haushalt, nun ja, sagen wir: nicht im Ruf einer lustfördernden Erfindung. Manchmal nutzen wir es, wenn es sich gar nicht mehr vermeiden lässt.
Und dann beim Frühstück!

Ich kaute nachdenklich auf meinem hart gerösteten Brot herum, bis sie zurückkam. Sie zog die Düse vorne ab und hielt das Rohr beinahe kämpferisch in den entschlossenen Händen. Wie eine Waffe.

Es war eine Waffe. Sie wurde gnadenlos eingesetzt gegen die Motten in der Küche. Sie saßen oder klebten an den Wänden und an der Decke. Die von uns erworbenen und ausgelegten sog. Mottenfallen hatten offenbar das Wohlbehagen der Gäste erheblich gesteigert. Manchmal dachte ich, wenn Motten sprechen könnten, dann hätten sie uns wohl gedankt für die sog. Fallen.
Und hätten jetzt die Dame beschimpft. Mörderin, Mörderin! Denn in aller Brutalität ermordete sie das Mitgeschöpf Motte, eins ums andere. Das Rohr sadistisch über das Lebewesen gehalten und hui!, ab ging’s in den Staubbeutel.

Aber vielleicht haben sie ja auch dort ein langes Leben. Von erstickendem Staub jedenfalls werden sie dort so schnell nicht belästigt werden.

 

Henryk Goldberg, Thüringer Allgemeine 10.07.2012

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screenshot: rabe-hygiene

 

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Tränendes Herz

Schau mal, bemerkte er neulich, die Nachbarn haben schon aufgerüstet. Ich beugte mich misstrauisch über das Geländer zum Nachbarbalkon. Von dort salutierte eine stramme Reihe frisch gepflanzter Stiefmütterchen triumphierend herüber. Saftig das Grün, satt die Farben, frisch aufgeharkt die Erde.

Nachdenklich betrachtete ich die trockenen Tannenzweige, mit denen ich im Herbst ziemlich halbherzig die Blöße unserer Blumenkästen bedeckt hatte. Die letzten bräunlichen Nadeln klammerten sich ängstlich an die Äste. Auf dem Boden reckten sich traurige Überbleibsel eines Sommerjasmins der Frühlingssonne entgegen. Meine Mutter hat ihn im vergangenen Sommer eigenhändig umgetopft, hingestellt und bei einem „Minimum an Pflege“ blühende Landschaften versprochen. Mütter glauben ja allen Erfahrungen zum Trotz unbeirrt an ihre Kinder. Väter auch. Er hat mir eine Tomatenpflanze aus eigener Zucht übereignet. So wie sich der Jasmin aus lauter Boshaftigkeit weigerte zu blühen, entschloss sich die Tomatenpflanze erst gegen Ende des Herbstes zur Produktion einer mikroskopisch kleinen Schrumpelknolle. Diese Reste meines botanischen Versagens also betrachtete ich.

Er lächelte fein still. Hatte ja auch allen Grund. Das ging ihn alles nichts an.

Pflanzen sind schließlich Frauensache. Weiß ja jeder. Nur eine zarte Frauenhand kann Männertreu am Leben halten, nicht wahr. Ein Mann dagegen ist nicht zum Umtopfen von Primeln geboren. So ein Mann schultert höchstens die Axt, streift einsam durch den Wald und fällt einen Baum. Na gut, das ist mehr theoretisch. Wir benötigen nur sehr selten einen frisch gefällten Stamm. Die Primeln bleiben trotzdem an mir hängen. Zum Rest des Beitrags »

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Jäger und Sammler

Zieh doch endlich irgendwas an, ist doch voll dein Kleiderschrank, nörgelte er und guckte streng auf die Uhr. Ich guckte traurig in den Schrank. Stimmt, er war ziemlich voll. Stellenweise mit leichter Tendenz zur Unübersichtlichkeit. Zum Anziehen fand ich trotzdem nichts. Ein voller Kleiderschrank bedeutet nicht zwangsläufig ein volles verfügbares Konfektionslager.

Ich kann nämlich nichts wegwerfen. Keine Blusen aus der vorvorletzten Saison, keine Röcke, die mir je nach aktuellem Diäterfolg entweder zu weit oder zu eng sind und wenn ich wirklich mal ein paar Schuhe mit gerissenen Riemchen zur Mülltonne trage, blutet mir das Herz. In meinen Beständen finden sich gestreifte Hosen mit weitem Schlag als der Marlene-Stil mal wieder in war, ein zehn Jahre altes langes Schlauchkleid in Hahnentrittmuster, ungefähr sieben ausgemusterte alte Handtaschen, ein bodenlanger schwerer grauer Mantel, in dem ich von Weitem Lenins Ehefrau Nadeshda Krupskaja ähnelte und sogar ein T-Shirt-Body mit Strass-Besatz aus den 90ern. Aus der Zeit, als keine progressive Frau ohne dynamisch um den Hals gewickeltes Tuch (im Palästinenser-Muster, gebatikt oder seidengemalt) zur wöchentlichen Yoga-Runde ging, hüte ich eine umfangreiche Sammlung. Haushalts-expertinnen raten ja zur radikalen jährlichen Ausmusterung. Ich bring das nicht fertig. Keine Ahnung warum. Zum Rest des Beitrags »

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Von Licht an

Ich mach dann mal das Licht hier aus, sagt er, knipst demonstrativ am Schalter und guckt streng. Dabei wäre ich sowieso gleich zurückgekommen. Die fünf Minuten. So geht das immer. Selbst in allergrößter Eile – das Kino wartet, das Taxi, die Sitzung im Büro – erst kommt der Stromcheck. Zimmer für Zimmer. PC, Leselampe, Radio – alles aus?

Es soll ja Männer geben, die drehen wenn sie nach Hause kommen erst mal eine Kontrollrunde durch die Wohnung und knipsen das Licht aus. Und wehe es glimmt ein vergessenes Lämpchen Der Herr der Finsternis ist eingetroffen.

Dabei mag ich abgedunkelte Wohnungen mit Notbeleuchtung nicht. Ich mag nicht in dunkle Korridore sehen und auch nicht den PC fünfmal am Abend ein- und ausschalten. Ich mag es hell und warm. Wozu wurde schließlich die Elektrifizierung erfunden. Für unser Wohlbefinden. Aber sowas versteht ein Mann nicht. Da ist man gleich ein gewissenloser Umweltfrevler, ein Regenwald-Mörder. Zum Rest des Beitrags »

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Warten ist ein komplexer Vorgang

Männer sagen, dass sie in ihrem Leben Jahre mit Warten auf Frauen vertrödeln. Völlig zu Unrecht
Männer haben es ja mit der Statistik. Immer müssen sie alles ausrechnen. Dann reiben sie uns irgendwelche Zahlen unter die Nase und gucken vorwurfsvoll.
Zeit ist das Feuer, in dem wir brennen, sagt Mister Spock von der „Enterprise“. Auch ein Mann, aber Halb-Vulkanier. Ein Erdenmann, glaubt man seinen Beschwerden, verbrennt im Warten auf die Frau.
In Großbritannien haben sie ausgerechnet, dass ein Mann in seinem Leben ein Jahr damit verbringt, auf Frauen zu warten. Davon angeblich allein 22 Wochen vor Umkleidekabinen.
Ich möchte wirklich mal wissen, was das soll. Beweisen, dass sie in Mathe besser sind? Uns ein schlechtes Gewissen machen, weil wir ihre wertvolle Zeit vertrödeln? Offensichtlich haben sie ja immer noch genug davon. Unsereiner jedenfalls hat für solche albernen Rechnereien keine Zeit.
Außerdem stimmen sie nicht. Jedenfalls nicht so. Aus ihren komplexen Zusammenhängen gerissen, ohne Berücksichtigung von Ursache und Wirkung führen solche Aussagen zu gefährlichen Verzerrungen.
Eine Frau würde nie auf die Idee kommen, kleinkrämerisch auszurechnen, wie viele Jahre ihres Lebens sie zum Beispiel darauf wartet, dass er mal das Klo putzt. Eine Frau versteht sehr gut, dass einem solchen Entschluss eine lange Phase des Zweifelns, des Abwägens und des inneren Kampfes mit Selbst- und Fremdbildern vorangeht. Außerdem ist es gefährlich, er könnte sich verletzen, hineinfallen oder giftige Chlordämpfe einatmen.
Eine Frau hat zum Warten eben ein ganzheitliches Verhältnis. Zum Rest des Beitrags »

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Steaks und Schuhe

Ich bin ein Fan von psychologischen Studien. Wenn ich beim Frisör sitze, verschlinge ich alles, was ich in den herumliegenden Zeitschriften darüber zu lesen bekomme. Man glaubt ja gar nicht, woran die in den Instituten so alles forschen. Vor allem, wenn es den sensiblen Gesamtkomplex „Mann“ erklärt. Dann brauche ich keinen Cappuccino, keine Fachsimpelei über Strähnchen, ich will Informationen.

Wissen ist Macht, hieß es mal. Frauen beziehen ihre Macht aus diesem Wissen. Das haben wir Männern voraus. Die blättern lieber im Sportteil. Deshalb werden sie nie erfahren, wenn wir etwas tun, warum wir es tun. Sie wundern sich nur. Wir hingegen begreifen mit jeder Studie ein bisschen mehr. Aha, der Mutterkomplex. Sieh da, die Krise der Selbstinszenierung! Oh, ein Fall von unterdrückter Beziehungsangst! Man lebt souveräner, wenn man die Hintergründe kennt. Manchmal frage ich mich, wie das unsere Großmütter aushielten ohne solcher Lebenshilfen. Zum Rest des Beitrags »

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Linke Straße rechts abbiegen

CC BY NC-SA  fscklog

Dass Männer aus Prinzip nie nach dem Weg fragen, ist bekannt. Aus diesem Grund haben sie ja auch das Navigationsgerät erfunden.

Aber es gibt Ereignisse im Leben einer Autofahrerin, da versagt diese fabelhafte Erfindung. Das passiert in der Regel in einsamen Gegenden, mit fast leerem Tank und wenn man es eilig hat. Solche Situationen beweisen dann, dass Männer und Frauen nicht zusammenpassen. Jedenfalls nicht, wenn es um Orientierung geht. Fragen Sie niemals, wirklich niemals einen Mann nach dem Weg!

Kürzlich war ich unterwegs nach Oberweißbach. Ein dienstlicher Termin, ich fuhr sehr entspannt los. Herr Tomtom sagte, wo’s lang geht. Bis ich an ein Schild kam, wo „Umleitung“ nach  irgendwo draufstand. Kein Problem, dachte ich. Hab ja Herrn Tomtom.

Der führte mich geradewegs auf einen Bagger zu. Dann war der Weg zu Ende. Zum Rest des Beitrags »

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Schöner Wohnen

Wenn es um die heimischen vier Wände geht, sind wir Frauen zuständig. Wir bestimmen, ob die Wand rot oder blau angestrichen wird, ob das Sofa links oder rechts steht. Das muss uns noch aus der Zeit anhängen, als wir tagelang in der Höhle hockten, das Feuer schürten und warteten, bis er von der Mammutjagd nach Hause kommt.  Deshalb sind bis heute wir es, die stundenlang in Einrichtungsmärkten herumlaufen, Kissenhüllen, Bilderrahmen und neue Lampenschirme anschleppen.

Ein Mann hat für sowas einfach keinen Sinn. Für ihn ist völlig unerheblich, ob da was Grünes oder was Gestreiftes vor dem Fenster hängt. Ob überhaupt was hängt. Er wird nie verstehen, warum eine Frau einmal im Jahr das Wohnzimmer umräumen muss. Kaum hat er sich gemerkt, wo er nach den Weingläsern suchen muss, stehen sie woanders. Zum Rest des Beitrags »

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Kein ehrliches Rührei


CC BY-SA 663highland

Na gut, ich habe es getan und es ist danebengegangen. Nein, ich habe nicht das Haushaltsgeld in Aktien von Bioethanol-Herstellern verzockt. Ich habe gekocht und zwar ein Eiersoufflé.

Die Tochter holte sich gleich den letzten Joghurt aus dem Kühlschrank und verkündete, sie habe sowieso keinen Hunger. Er hatte leider welchen, weshalb er schweigend die gelbe, flüssige Pampe löffelte. Den Rest schütte ich ins Klo.

Ich hätte es wissen müssen. Alle meine Soufflé-Anstrengungen endeten bis jetzt so. Ich kann trotzdem nicht anders. Ich muss es immer wieder tun.

Schuld ist der ANC. Genauer, seine Frauenliga. Auf einem studentischen Solidaritätsbasar erwarb ich einst eine Broschüre ihrer Herausgeberschaft: Internationale Gerichte. Die Herstellung der meisten Rezepte (z. B. Nasi Goreng) gab die sozialistische Versorgungslage nicht her. Aber immerhin wusste ich dank ihm schon vor der Wende, dass Sambal Olek kein russischer Samba-Tänzer war, Zum Rest des Beitrags »

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Feindgebiet Supermarkt

Eine erfahrene Frau macht so was nur im Notfall: ihn mit einem Einkaufszettel in den Supermarkt schicken. Man gewinnt nichts wirklich dabei. Keine Zeit, und Nerven schon gar nicht. Entweder er kommt ewig nicht wieder, oder er schleppt die falschen Sachen an. Steaks statt Salat (hatten sie nicht), Gurken statt Zucchini (ist das nicht das Gleiche?) und Geschirrspülmittel für 20 Euro (stand ganz oben, aus biologischem Anbau und fairem Handel). Dazwischen klingelt mindestens viermal das Telefon. Wo steht hier der Kaffee? Was ist Kurkuma? Willst du wirklich, dass ich hier noch drei Stunden die Eier suche? Warum gibt es so viele Sorten Waschpulver? Es soll Männer geben, die gelten als verschollen, seit sie zum Einkaufen geschickt wurden.

CC BY-SA LYZADANGER Zum Rest des Beitrags »

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Die Osterhäsin

Ich weiß schon, wie das heute wird. Schatz, machst du noch lange? wird er aus dem Wohnzimmer rufen und sich schon mal ein Glas Wein einschenken. Und ich werde vor Ärger platzen wie die Eier, die ich gerade aus dem Topf fische. Während im Fernsehen bei einer der regulären Bibelverfilmungen Moses vom Berge ruft, die Kerze sanft flackert und die Chips knistern, hocke ich allein in der Küche.
Dort pflege ich die Ostersamstagabende zu verbringen. Zwischen brodelnden Wassertöpfen, geplatzten Eiern, vollgekleckerten Küchenschränken, am Tisch festgebackenen Abziehbildern und alten Konservenbüchsen mit Farbtinkturen. In diesem Jahr übrigens Metallic. Silber oder goldfarben. Frauen sind ja anfällig für Modetrends. Als Bio modern wurde, habe ich Berge von Zwiebeln entblättert und Eier in Spinat grün gekocht. Ich habe geritzt, getupft, marmoriert, gespachtelt, bicoloriert was das Ei aushält. Und nie, nie war da eine starke Männerschulter an meiner Seite, an die ich mich lehnen konnte. Zum Rest des Beitrags »

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