Hoffnung und Sorge: Südsudan wird zum autonomen Staat

Diesen Tag haben die Südsudanesen herbeigesehnt wie ein Heilsversprechen

Nach 22 Jahren Bürgerkrieg mit seinen Millionen Toten, den Flüchtlingen, den Verhungerten, den Kindersoldaten soll die Unabhängigkeit einen Neuanfang bringen. Ein Leben in Würde, mit Zukunft. Und ein Leben ohne Krieg.

Eine Erwartung, die so gewaltig ist, wie die Schatten, die über ihr liegen. Es ist kein Jahr her, da hatten Beobachter noch an der Möglichkeit des friedlichen Referendums über die Unabhängigkeit gezweifelt. Dass es überhaupt stattfand, ist schon ein Riesenschritt. Doch seitdem gab es im Grenzgebiet zum Norden wieder Kämpfe. Es geht um Öl und um viel Geld. Wieder Tote, wieder Flüchtlinge.

Das zeigt, wie zerbrechlich der Frieden im Südsudan ist.

Vor allem ist dieser jüngste Staat der Welt auch einer der ärmsten. Kindersterblichkeit, fehlende Schulen und Hospitäler, entwurzelte Flüchtlinge…

Kein sozialer Parameter, mit dem der Südsudan nicht in den Weltstatistiken am Ende liegt. Entwicklungsminister Niebel warnte gestern davor, den Südsudan mit einem „Geber-Tsunami“ zu überfordern. Angesichts der Probleme der Menschen in diesem Land ein fast zynischer Satz.

Die Menschen im Südsudan werden die Hilfe der Welt dringend brauchen – und lange.

Wenn die Feiertagsreden verklungen, die Gäste abgereist sind, beginnt auch für den Westen die Stunde der Wahrheit. Nach dem Versagen in Ruanda vor 17 Jahren und dem Versagen inDarfur bis heute, hat er die Chance, in Afrika rechtzeitig etwas richtig zu machen.

© Elena Rauch

erschienen in Thüringer Allgemeine, 9.7.2011

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