Wolfgang Fritz Haug: Hightech-Kapitalismus in der Großen Krise

Fortgesetzter Kommentar 

Wolfgang Fritz Haug hat bleibende Verdienste: als Herausgeber der Zeitschrift „Das Argument“ und der deutschen Übersetzung der Gefängnisbriefe von Antonio Gramsci sowie als Organisator des Historisch-Kritischen Wörterbuchs des Marxismus. Seine „Kritik der Warenästhetik“ und seine Einführungen ins „Kapital“ sind Standardwerke. Unvermeidlich sind andere Maßstäbe an die von ihm von Zeit zu Zeit in Buchform veröffentlichten Gegenwartsanalysen anzulegen. Hier sind wir alle sterblich. Haug selbst stellt sich (und verneint) in seinem neuesten Buch die Frage, ob derlei nicht besser ausschließlich als Blog anzubieten sei.

Die „Große Krise“, die er behandelt, ist eine des „Transnationalen Hightech-Kapitalismus“. Der Befund ist zumindest zu dem Zweck nützlich, um andere Definitionen kritisch abzuführen, etwa „Postfordismus“ (das tauge nicht für die Gegenwart, weil der „Fordismus“ nun auch schon seit einer Generation vorbei ist und man eine Bezeichnung für die Zeit nach den Jahren, als das Postwort vielleicht einen Sinn hatte, braucht), „Globalisierung“ oder eine Verengung auf den Terminus „finanzmarktgetriebener Kapitalismus“.

Zur Erkenntnis, dass es sich letztlich um eine lange dauernde, immer wieder verschleppte Überakkumulationskrise handelt, verhilft dem Autor seine gründliche „Kapital“-Kenntnis, aus der er immer wieder überraschende Zitate beizusteuern versteht.

„Hightech-Kapitalismus“ ist vielleicht nicht präzise genug. Dieser Begriff kann letztlich auf jede Phase seit der Ersten Industriellen Revolution angewandt werden. Gemeint ist die Digitalisierung.

Auf dem Feld der internationalen Politischen Ökonomie schließt Haug sich einer Denkschule an, welche Gramscis Überlegungen jenseits ihres Entstehungsgebiets – den inneren Klassenverhältnissen – anzuwenden versucht. Dies könnte von eher illustrierender als analytischer Bedeutung sein. Um die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen China – USA (anderen Autoren folgend) als „Chimerika“ zu bezeichnen, braucht man das wohl nicht. Haugs aufmerksame Lektüre von Grundsatzartikeln der F.A.Z. und in „El País“ ist von gleich hohem Wert.

Finanzmarkt- und Umweltkrise führen dem Autor zufolge an „Grenzen des Kapitalismus“, die zu überschreiten er keiner derzeit sichtbaren politischen Kraft zutraut.

Georg Fülberth, KONKRET 11/2012

 

 

 

 

Wolfgang Fritz Haug: Hightech-Kapitalismus in der Großen Krise.

Hamburg: Argument Verlag 2012. 366 S. 19,50 Euro

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