Seeßlens dreckige drei Minuten: Gedenk-Markt Krieg

Ein großes Fest in einem Dorf, irgendwo in Deutschland. Menschenmengen in landschaftlicher Idylle. Sie alle sind auf dem Weg zu einem Ereignis: Dem Gedenk-Markt Krieg, der anlässlich des 100jährigen Kriegsjubiläums stattfindet.

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An einem Stand wird ganz unverbindlich über die Vorzüge der Soldatenlaufbahn informiert, an einem anderen findet ein Schießwettbewerb statt. Es gibt die schönsten illustrierten, blutigsten Kriegsbücher und der Besucher lernt, wie rückschrittlich unsere Gesellschaft wäre, hätte es diesen Krieg nicht gegeben. Kinder fahren  im Karussell mit Alarmsirenen und Feuerwehrgebimmel und sind sich nicht so ganz sicher, ob ihnen diese Version des Krieges besser gefällt als die, die sie aus dem Fernsehen kennen. Drüben, in der Nähe der Ostfreund, erklärt ein Vater seinem Sohn, was „gefallen“ überhaupt bedeutet und wird dabei von einem Marktschreier übertönt, der echte (!) Blutflecken an den Mann bringen will. Es scheint, dieser Krieg wäre nicht hundert Jahre her, sondern erst ein paar Tage. Oder als könnte er jeden Moment erst beginnen.

Georg Seeßlen

Bild: Screenshot / Text und Ton: BR 2

 

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