„Der Liebe Gott sieht alles, ausser Dallas!“
Die gute alte Zeit

Wissen Sie noch? Das wurde damals, wenigstens in den gebildeten Ständen, gehandelt wie Pornografie: Jeder kennt es, jeder hat eine Meinung dazu. Aber keiner hats gesehn. Es galt als unziemlich, Kenntnisse über derlei Vorkommnisse zu anderen als Studienzwecken erworben zu haben. Der intelligente Mensch neigt dazu, die wiederholte und gezielte Wahrnehmung von Erscheinungen, die primitiv zu nennen allgemeiner Konsens ist, ein wenig genierlich zu finden.

Unglaublich viele Leute pflegten sich damals im Geiste tiefer & herzlicher Übereinstimmung zu versichern, was für ein Schwachsinn das sei. Wer mag es ihnen erzählt haben?

„Dallas“ war ein schönes Beispiel für die Weise, die es intelligenten Leuten ermöglicht, mit kulturellen Vorkommnissen umzugehen, die sie einerseits mögen und von denen sie andererseits befürchten, sie möchten nicht recht zu der Vision passen, die sie von sich selbst haben. Oder lassen Sie sich gern im Pornokino erwischen?

Das war vor 30 Jahren. Aber was ist die Erfindung von J. R. Ewing gegen die Erfindung vonDirk Bach? Was die Errichtung der Southfolk Ranch gegen die Errichtung des Dschungelcamps? Was sind die Opfer des Ölbarons gegen die des Inquisitors Dieter Bohlen?

Und in 10 Jahren werden wir übereinstimmend finden, dass Dirk Bach und das Dschungelcamp, dass Dieter Bohlen und die Superstars noch Teil der guten alten Zeit waren.

Henryk Goldberg

erschienen in Thüringer Allgemeine, 30.06.2011

Bild: Downtown Dallas seen from Reunion Tower

Urheber: fcn80

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