Ich bin nicht Rappaport – Rassismusvorwürfe an Hallervorden

Meldung Am vergangenen Wochenende hatte am Berliner Schlosspark-Theater das Stück Ich bin nicht Rappaport Premiere. Seitdem geht es hoch her. Der Theater-Intendant Dieter Hallervorden sieht sich vor allem im Internet scharfen Anfeindungen ausgesetzt, weil in der Inszenierung der Schauspieler Joachim Bliese als Schwarzer geschminkt auftritt. Hallervorden hat sich inzwischen in einer Stellungnahme gegen die Rassismus-Vorwürfe verwahrt. (siehe auch Focus online)

Schwarz und Weiß – ein Kommentar von Jör Magenau

Dem Plakat ist die ästhetische Hilflosigkeit ebenso deutlich anzusehen wie die humoreske Harmlosigkeit des Unterfangens.
Dem Plakat ist die ästhetische Hilflosigkeit ebenso deutlich anzusehen wie die humoreske Harmlosigkeit des Unterfangens.

In der Comic-Serie „Die Simpsons“ gibt es eine Folge, in der ein Film in ländlicher Kulisse gedreht wird. Die Ausstatter am Set sind damit beschäftigt, Pferden schwarz-weiße Kuhfell-Muster aufzumalen. Auf die Frage: „Entschuldigung, aber warum nehmen Sie nicht echte Kühe?“ sagt der Requisiteur: „Kühe sehen in Filmen nicht wie Kühe aus, da muss man Pferde nehmen.“ – Am Berliner Schlosspark-Theater scheint die Lage ähnlich zu sein: Um einen Schwarzen darzustellen, hat man dort einen Weißen genommen und ihn schwarz angemalt. Dass das echter aussehen würde als ein echter Schwarzer, wird zwar niemand behaupten, der dort den schwarz eingefärbten Joachim Bliese neben Dieter Hallervorden gesehen hat. Aber offenbar, so das Theater, gab es eben keinen schwarzen Schauspieler in höherem Alter, der diese Rolle hätte übernehmen können. Und offenbar fällt es leichter, einen Weißen auf schwarz, als einen jüngeren Schwarzen auf alt zu schminken.

Ein bisschen seltsam wirkt das schon. Zur Erklärung teilt das Theater mit, das Stück „Ich bin nicht Rappaport“ sei seit der Uraufführung vor 25 Jahre an 40 deutschen Bühnen gespielt und dabei nur zweimal tatsächlich mit einem Schwarzen besetzt worden. „Wo ist 2012 das Problem, das es bis 2010 nicht war?“, fragt ein spürbar genervter Dieter Hallervorden in seiner schriftlichen Reaktion auf Kritiker im Internet, die massive Rassismusvorwürfe erheben. Sie beziehen sich allerdings nicht auf das Stück und die Inszenierung, sondern auf das zugehörige Plakat, das neben dem lustigen Grinse-Didi ein Gesicht zeigt, das eher zu einem schmutzigen Kohlenträger als zu einem schwarzen Amerikaner passt. Dem Plakat ist die ästhetische Hilflosigkeit ebenso deutlich anzusehen wie die humoreske Harmlosigkeit des Unterfangens. Es wirkt allenfalls lächerlich und unfreiwillig komisch. Aber rassistisch? Braucht es dafür nicht etwas mehr als einen Topf schwarzer Schminke?

Wieder einmal zeigt sich an diesem Beispiel, wie schnell anonyme Erregungszustände übers Internet öffentlich und damit politisch werden. Die Reflektion folgt zögerlich dem raschen Reflex, setzt also erst im Nachhinein, verspätet ein. Das ist es, was sich seit 2010 verändert hat, und das ist nicht unbedingt ein Fortschritt. Wer über Rassismus diskutieren möchte, sollte sich weniger über schlechte Theatermasken echauffieren, als der Frage nachgehen, warum es in diesem Land, in dem permanent von Migrationshintergründen und Überfremdungsängsten die Rede ist, nicht gelingt, einen schwarzen Schauspieler zu finden. Mit Deutschlands Status als Einwanderungsland kann es also nicht allzu weit her sein. Rassismus besteht ja nicht darin, einem Schwarzen das Merkmal „dunkle Haut“ zuzuschreiben, sondern in der Praxis sozialer Auslese und in  mangelhaften Ausbildungsmöglichkeiten für Migranten. Wäre es anders, besser, gäbe es auch mehr schwarze Schauspieler und man müsste nicht die weißen schwarz einfärben.

Jörg Magenau, rbb kulturradio, 11.01.2012

Foto: Plakat – DERDEHMEL via Schloßpark Theater

 

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