Bernd Eichinger tot

Dieser Mann wird dem deutschen Film fehlen
Es geschah beim Abendessen mit Familie und Freunden: Der deutsche Filmproduzent Bernd Eichinger erlag am Montag in Los Angeles einem Herzinfarkt. Er wurde 61 Jahre.
Bernd Eichinger war, und das machte ihn besonders, etwas, das in Deutschland eigentlich gar nicht vorkommt: ein erfolgreicher Produzent ein Produzent auch von internationalen Großproduktionen. Das tat den Filmen nicht immer gut, wohl aber dem deutschen Filmwesen. Er hantierte mit Budgets, die im deutschen Film sonst ebenso kaum vorkommen. Eichinger war eine Botschaft und die ging so: Auch deutsche Filme können kommerziell erfolgreich sein.

Dabei, angefangen hatte es ganz anders. Nach der Münchener Filmhochschule gründete er 1974 seine eigene Produktionsgesellschaft und deren Name war Programm: Solaris. Wer eine Filmproduktion so nennt, dessen Ambitionen sind hochfliegend und anspruchsvoll. Und tatsächlich, so waren die Autorenfilme, etwa Syberbergs „Hitler, ein Film aus Deutschland“. 2004 produzierte er, auch als Drehbuchautor, einen weiteren Film über Hitler, „Der Untergang“, und der beschrieb wohl, was den späteren, den erfolgreichen Produzenten ausmachte: die große Geste im Kino, der absolute Wille zum Erfolg. Dem gleichen Muster, das historisch korrekte, ästhetisch opulente aber inhaltlich leere Format, folgte dann auch „Der Baader Meinhof Komplex“.

Bereits 1979 hatte Eichinger 25 Prozent der Constantin Film gekauft, und sein erster Film dort machte Geschichte: „Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Es folgten Großproduktionen wie „Der Name der Rose“, „Die unendliche Geschichte“, „Das Geisterhaus“, „Manta, Manta“ oder „Das Parfüm“. Man musste diese Filme nicht alle mögen – der Autor mochte sie in dem Maße nicht, indem Eichinger in den kreativen Prozess eingriff – aber sie besetzten doch alle eine solitäre Position im deutschen Filmwesen.
Ein Mann mit dem Mut zum Risiko und dem Gefühl für Stoffe, wie Eichinger es besaß, wird dem deutschen Film fehlen.

Text: Henryk Goldberg

Text erschienen in Thüringer Allgemeine, 26.01.2011

Bild: Constantin Film

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