Deutsche Zustände

87 Prozent stünden weiterhin zu Guttenberg, meldet triumphierend die „Bild“-Zeitung. Dieser Triumph hat wie immer viel mit den Gegnern dieses Organs zu tun, also den vernünftigen Menschen, die angewidert sind von dem dummen Kerl und seinen dreisten Hochstapeleien. Anti-Intellektualismus spielt auch eine Rolle – gerade in den Feuilletons war die Reaktion (all derer, die zum Teil sicherlich Kinder der Bildungsreform sind und sich ihre akademischen Titel redlich erarbeiteten) einhellig und empört. Dennoch ist die Differenz zwischen rechtschaffenem Abscheu und akklamierter Zustimmung erklärungsbedürftig.

Zwei Erklärungsversuche dazu.

Der erste ist schlicht. Gerade wurde bekannt, dass das Verteidigungsministerium in der „Bild“-Zeitung eine große Werbeanzeige schalten will. Guttenberg zahlt seine gute Presse also nicht aus dem beträchtlichen Privat- und Familienvermögen, sondern aus Steuermitteln. Misstrauen gegenüber den 87 Prozent sind angebracht – es handelt sich um eine veröffentlichte Meinung, nicht um die öffentliche. Das nackte Interesse wirkt auch im Reich der Zahlen wahre Wunder.

Die zweite Erklärung steckt in einer Geschichte aus der deutschen Literatur, aus Heinrich Manns Roman „Der Untertan“. Diederich Heßling war nicht nur ein weiches Kind, er hatte auch eine Schwester. Die ließ sich mit einem deutschen Leutnant ein, den der Autor offensichtlich für einen dummen, aufgeblasenen Kerl hält. Im Kaiserreich sollte der Affäre die Hochzeit folgen – sonst wäre, nach dem Komment der Zeit, die Frau entehrt worden, denn sie kann ihre Unschuld nun nicht mehr als Pfand in eine Ehe einbringen. Nicht so hier. Der dumme deutsche Leutnant hatte seinen Spaß. Es kommt zum entscheidenden Gespräch mit Heßling. Der freut sich auf die gute Partie – ein Offizier in der Familie, diese Aussicht hebt ihm das Gemüt. Doch der Leutnant erklärt, zackig, schneidig, grob und dreist, dass er die Beziehung beende und die Folgen für das arme Fräulein ihn nicht weiter bekümmern. Die geschändete Schwester nebenan denkt sich unser Untertan nun: Diesen schneidigen deutschen Leutnant, den macht uns keiner nach‘ und kann sich vor Bewunderung gar nicht mehr einkriegen. Deutsche Zustände – selbst wenn es nicht 87, sondern vielleicht nur 30, 40 oder 50 Prozent sind, die diese Geschichte nachspielen.

Text: Mario Scalla

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Ein Gedanke zu „;Deutsche Zustände

  1. Guttenberg – überall nur dieses eine Thema. Was hat dieser Mensch nur getan, dass er dermaßen
    ungewollt die Medien dominiert? Eigentlich nur das, was viele andere auch machen, nur dafür gibt es kein mediales Interesse. Wie viele Doktorhüte müssten wohl abgegeben werden? Wie viele Titel sind geklaut? Hat nicht die Regierung selbst ein Interesse, dass sich alles um dieses Thema dreht? Kann sie so nicht still in ihrem Kämmerlein all die nächsten Angriffe auf unsere freie Gesellschaft planen? Kann sie so nicht selber betrügen, lügen und blenden? Niemand spricht mehr über die Probleme, die Deutschland wirklich hat und das ist doch auch gut so. Die Medien sind hier nur das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Sie schreiben das, was die Menschen hören wollen. Niemand hat in Deutschland Erfolg zu haben, es sollte niemanden geben, der Deutschland nach außen hin charismatisch vertreten kann. Weder ein Politiker, noch ein Künstler oder ein Sportler. Die Personen, die diese Politikermarionetten führen, sind auch die Strippenzieher dieser Affäre. Sie zerstören, um das Chaos in der Gesellschaft zu erhalten. Sie nennen es Demokratie und betreiben eine spitzfindige Art der Anarchie. Die Muppet Show kann weiter gehen. Frau Merkel und Co. dürfen im Auftrag ihrer heimlichen Vorgesetzten das Land weiter ruinieren und der blöde Pöbel merkt nicht, dass er hier an der Nase herum geführt wird. Wie mit jeder anderen Affäre auch, die durch die Presse getrieben wird. Der Anschein könnte erweckt werden, dass Deutschland LINKS ausgerichtet ist. So mancher äußert sich diesbezüglich. Wird doch die nächste Wahl wohl von dem angeblich linken Flügel in Deutschland gewonnen. Doch sind die Grünen keine Linken, sondern Anwälte, Steuerberater und Bürger der Mittelschicht. Ist die SPD und die CDU eigentlich dieselbe Suppe. Die einen sind Erbsen und die anderen Linsen, aber sie sind alle Hülsenfrüchte. Und so bleiben eigentlich nur die paar Linken übrig, die man gewähren lässt. Nein, das Land ist nicht Links und nicht Rechts, es ist eine einzige Katastrophe. Die Fahne wird immer nach dem Wind gerichtet, das kann Frau Merkel für wahr am besten und das Land wird in diesen abwechselnden Phasen immer weiter zu Grunde gerichtet. Es werden die angeblich Linken, Rechten und die in der Mitte einfach gegen einander aufgehetzt. Die Behörden sollen die kleinen Firmen und Bürger ausquetschen, denn bei den großen Firmen werden Millionen, ja Milliarden versenkt. Es werden immer neue Gebühren und Abgaben erfunden. Die auf der einen Seite sitzen, holen sich das Geld von denen die auf der anderen Seite sind und eigentlich sind sie alle Nachbarn. Sie sollen sich einfach gegenseitig das Leben schwer machen. Denn Gewinner sind nur die paar, die im Hintergrund das Geld beiseiteschaffen, es sind die, die Gaddafi und Co jetzt das Geld wegnehmen. Die, die Konten sperren, wo sie doch vorher die Gelder noch als Entwicklungshilfe genehmigt haben. Nein, niemand hat vorher gewusst, dass dies böse Onkels sind.
    Nun sind sie einfach überfällig und der Pöbel wird dafür bezahlt, dass er auf die Straße geht. Die Macht wird von ein paar unscheinbaren Herren neu verteilt und der Rest geht leer aus. So wie es eben immer ist. Wie es schon seit vielen Tausenden Jahren auf der Erde ist. Und so wird es auch bleiben. Doch was hat das alles mit Guttenberg zu tun? Eben alles. Es ist die Ablenkung, die Aufhetzung, die Verunglimpfung. Es ist der Umgang zwischen den Menschen, ein Umgang, der mit einer demokratischen Gesellschaft so gar nichts zu tun hat. Und dieser Trend verschärft sich von Affäre zu Affäre. Auch das römische Reich ist an seiner Dekadenz und Ignoranz untergegangen und auch diese Gesellschaft wird eines Tages daran zerbrechen, doch was drauf folgt wird nicht besser sein.

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