Regisseur Régis Wargnier

Regisseur Régis Wargnier

Der französische Regisseur Régis Wargnier machte sich in den 1990er Jahren einen Namen mit monumentalen Historienepen. „Indochine“, der vor dem Hintergrund des französischen Imperialismus in Südostasien spielt, gewann 1993 den Oscar als bester fremdsprachiger Film sowie fünf Césars in seiner Heimat. Jetzt dreht Wargnier erneut in Asien. In diesen Wochen beginnen in Kambodscha die Dreharbeiten zum Drama „Le Portail“. Im Mittelpunkt steht der französische Ethnologe Francois Bizot, der als einziger Europäer die Inhaftierung durch die Roten Khmer überlebt hat.

Bizot, dessen Rolle von César-Gewinner Raphaël Personnaz gespielt wird, reiste 1965 erstmals nach Kambodscha. Er erforschte den Buddhismus in den ländlichen Gebieten, lernte die Landessprache, heiratete eine Kambodschanerin und bekam mit ihr eine Tochter. Im Oktober 1971 nahmen Soldaten der Roten Khmer Bizot und zwei kambodschanische Arbeitskollegen gefangen. Unter dem Vorwurf, CIA-Spione zu sein, wurden sie im Lager M-13 in Anlong Veng interniert. Dort begann eine von gegenseitigem Respekt geprägte Beziehung zu seinem Peiniger Kaing Guek Eav, Kampfname „Kamerad Duch“, der 1976 das berüchtigte Sicherheitsgefängnis Tuol Sleng (S-21) in Phnom Penh gründete und bis 1979 leitete. Weil ausgerechnet Duch ein mehrseitiges Gutachten verfasste, das Francois Bizot als unschuldig darstellte, wurde der Franzose nach drei Monaten aus der Haft entlassen. Dagegen wurden seine kambodschanischen Kollegen wenig später hingerichtet.

Die Lebensgeschichte des französischen Ethnologen Francois Bizot wird in Kambodscha verfilmt

Die Lebensgeschichte des französischen Ethnologen Francois Bizot wird in Kambodscha verfilmt

Francois Bizot blieb in Kambodscha und fand schließlich im April 1975 – wie die meisten westlichen Ausländer – Unterschlupf in der französischen Botschaft in Phnom Penh, als die Roten Khmer die Hauptstadt einnahmen. Aufgrund seiner guten Khmer-Kenntnisse wurde Bizot zum inoffiziellen Vermittler und Dolmetscher zwischen der Botschaft und den Roten Khmer. Kurz darauf verließ er das Land und arbeitete fortan als Professor für die „École francaise d’Extreme-Orient“. 2003 kehrte Francois Bizot nach Phnom Penh zurück und traf sich mit Kamerad Duch, der bereits verhaftet worden war und dem beim Internationalen Tribunal der Prozess gemacht werden sollte. Auch Bizot sagte dort als einer der ersten Zeugen aus. Duch, der allein im Foltergefängnis S-21 mindestens 14.000 Morde verantwortete, aber Bizot 1971 das Leben rettete, wurde 2010 zu einer Haftstrafe von 35 Jahren verurteilt, die nachträglich zu „lebenslänglich“ geändert wurde.

Kaing Guek Eav

Kaing Gurk Eva, genannt „Kamerad Duch“, während seines Prozesses vor dem Rote-Khmer-Tribunal

Duch ist 71 Jahre alt. Der ehemalige Mathematiklehrer floh 1979 nach dem Einmarsch vietnamesischer Truppen aus Phnom Penh. Diktator Pol Pot und der Führungskader der Roten Khmer degradierten ihn, weil er die Dokumente des Foltergefängnisses vor seiner Flucht nicht vernichtet hatte. Später lebte er in Thailand und China, kehrte aber 1991 unter dem falschen Namen Hang Pin nach Kambodscha zurück. Er lebte nahe der Grenze zu Thailand, konvertierte 1995 zum Christentum und war für die evangelisch-methodistische Kirche als Pastor tätig. Später arbeitete er unter seinem falschen Namen für die Hilfsorganisationen „American Refugee Committee“ und „World Vision International“. Erst die Recherchen eines Journalisten deckten seine wahre Identität auf, was 1999 zu seiner Verhaftung führte.

Nachdem das Internationale Rote-Khmer-Tribunal seine Arbeit aufgenommen hatte, sagte Duch am 31. Juli 2007 als erster Angeklagter aus und gestand zahlreiche Verbrechen. Nach Auffassung der Untersuchungsrichter leitete Duch als Khmer-Funktionär nicht nur das Gefängnis S-21, sondern folterte mehrere Insassen selbst und beging vielerlei Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Michael Scholten

F

Foltergefängnis Tuol Sleng (S-21) in Phnom Penh, das „Kamerad Duch“ von 1976 bis 1979 leitete 

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