Akademie-Gespräch an der Berliner AdK zur Situation des Kinos in Deutschland

Es lebe das Kino!

Es lebe das Kino, ein Aufruf, der kurz vor der BERLINALE auf offene Ohren stößt. Im letzten Jahr verzeichnete das Festival knapp 500 000 Kinobesuche. Eine Stadt im Filmfieber läßt vergessen, dass Kinos verschwinden – nicht nur in der Provinz oder in kleinen Städten. Auch mitten in Berlin, am Kurfürstendamm sind von den einstmals 22 Kinos nur zwei übriggeblieben. So verkauft die Firma Apple seine hochpreisigen Produkte seit einiger Zeit im ehemaligen „Burgtheater“ der Kudamm- Kinos, der Filmbühne Wien. Horrend gestiegene Miet- und Immobilienpreise lassen es kaum mehr zu, dass Kinos in attraktiven Lagen überleben. Schon gar nicht, wenn sie nur eine Leinwand bereitstellen können.

Um über „die Lust am Kino und die Angst vor seinem Verschwinden“ zu sprechen (so der Einladungstext) trafen sich jüngst wichtige Branchenvertreter in der Akademie der Künste am Pariser Platz. Gleich zu Beginn überraschte Peter Dinges (FFA/Filmförderanstalt) mit einer positiven Bilanz. Demnach ist die Anzahl der Leinwände, der Kinos und der Besucher gestiegen. Wie diese Zahlen jedoch genau zu interpretieren sind blieb vage, wie auch das Thema der längst anstehenden FFA Reform. Immerhin wurde erwähnt, dass 5 Prozent FFA Kinoförderung bei einer Gesamtsumme von 420 Millionen ein viel zu geringer Anteil sei, um die Lichtspielhäuser als kulturelle Räume wirklich zu stärken. Denn die Kinos haben es schwer. Sie sind nicht nur konfrontiert mit steigenden Immobilien- und Mietpreisen, mit hohen Personalkosten und zunehmenden baulichen Auflagen, sondern auch mit Neuinvestitionen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Im Unterschied zur alten Vorführtechnik, wo ein Projektor viele Jahrzehnte lief, muß die Technik jetzt alle fünf Jahre auf den neusten Stand gebracht werden. Ausgaben im fünfstelligen Bereich pro Gerät zieht dies nach sich. Christian Bräuer (York Kinogruppe) und Joachim Kühn (Filmpalette Köln) sprachen diese Probleme ebenso an, wie das grundsätzliche Überangebot an Filmen, welches für Kinobetreiber kaum zu bewältigen ist. Jährlich konkurrieren 600 Erstaufführungsfilme, davon 240 neue deutsche Filme, um einen Kinostart. Dies erzeugt Unübersichtlichkeit und viel zu kurze Auswertungszeiten. Kinos, so Bräuer und Kühn, bräuchten dringend Managementspezialisten, um mit der völlig veränderten Situation im Filmbusiness umzugehen. Dem stimmte auch Alfred Holighaus (SPIO / Spitzenorganisation der Filmwirtschaft) zu. Eine grundsätzliche Neuausrichtung hin zu mehr Individualisierung und Spezifizierung forderte abschließend Peter Dinges.

So wurden zwar im Laufe des Abends viele Aspekte rund um das Thema „Zukunft Kino“ angeschnitten, ohne aber zu konkreteren Perspektiven zu kommen. Vor allem jedoch wurde viel zu wenig darüber gesprochen, wie das Kino im Konkurrenzreigen der anderen Bildmedien grundsätzlich zu positionieren sei. Wo liegt der Mehrwert eines Kinobesuchs z.B. auch und besonders für ein junges, netzaffines Publikum? Downloads und Streaming Dienste beweisen wie groß das Interesse an Filmen gerade bei dieser Altersgruppe ist! „kinox.to” hat angeblich mehr als 4 bis 5 Millionen Nutzer TÄGLICH. Die gehen dem Kino verloren.

Komplex und vielschichtig ist also die derzeitige Situation. So wäre es wünschenswert eine Folge-Veranstaltung im größeren Rahmen stattfinden zu lassen. Ob das Kino zukünftig überhaupt noch der wichtigste (Wahrnehmungs)Raum für Film sein wird könnte dabei die übergeordnete Frage sein.

Daniela Kloock

Bild ganz oben: Bremens größte Leinwand | Own work | Cinespace Bremen CC BY-SA 3.0

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