Sunshine – Ein Hauch von Sonnenschein
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1999
Das vergessene Geheimnis
Szabos bunter Bilderbogen
Am Anfang explodiert der Schnaps. Die Destille des alten Aaron Sonnenschein fliegt sehr schön durch die Luft. Sein Sohn Emmanuel findet das schwarze Buch mit der geheimen Rezeptur des Schnapses »Sonnenschein« in den Trümmern, es wird seine Zukunft sichern. Später, drei Stunden und über einhundert Jahre später, werden wir das schwarze Buch sehen, wie es achtlos in ein Müllauto geworfen wird. Zum Rest des Beitrags »
Die Stille nach dem Schuss
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1999
Geschichte und Geschichten
Der letzte DEFA-Film
Der Volkspolizist bricht ein großes Stück der blaue Pappe heraus. »So kommen Sie bis zur Werkstatt« sagt er mitfühlend zu der Fahrerin. Zum Rest des Beitrags »
Meschugge
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik im März 1999
Ein ungeschriebener Film
Die junge Frau tastet sich, die Taschenlampe in der Hand, durch die Dunkelheit. Irgendwo in diesem verdammten Haus ist das Büro von diesem Kaminski und dort sind, vielleicht, die Papiere, die ihre Mutter belasten, vielleicht mit einem Mord, vielleicht mit einem Geheimnis und vielleicht mit allem. Zum Rest des Beitrags »
Being John Malkovich
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik im März 1999
Die liebe Seele
Ein Film für Leute, die »kafkaesk« nervig finden
Es ist kein guter Tag für Craig Schwartz. Der Marionettenspieler tingelt auf der Straße mit »Heloise und Abelard«, vielleicht, dass er träumt, seine Ehe wäre so, da bekommt er eins auf die Fresse. Zu Hause die Lotte liebt Eliza, die Schimpansin, doch die hat ein Magengeschwür und muss zum Psychiater, ein Kindheitstrauma. Und Tom-Tom, das Frettchen, hat eine Platzwunde. Da sucht Craig einen Job. Die Firma ist im Stockwerk 7,5. Die Menschen gehen hier gebückt, denn ein Ire hat es einst gebaut für die Seele seiner Frau und seine Frau war eine Zwergin. Maxine, die neue Kollegin, ist ziemlich groß, überall, und sie will nicht mit Craig schlafen. Da stürzt Craig durch einen Schacht ins Wunderland. Und blickt durch einen Sehschlitz auf das »Wall Street Journal«. Beinahe ist es, als schaue er aus einem anderen Menschen heraus. Er schaut aus einem anderen Menschen heraus.
»Being John Malkovich« ist das bemerkenswerteste Spielfilmdebüt der letzten Zeit, der Regisseur Spike Jonze (29) drehte bislang Video-Clips, der Autor Charlie Kaufman arbeitete für das Fernsehen. Und ihr Grundeinfall ist von solch einer unverfrorenen Absurdität, dass ihr Film, zunächst, die reine Freude ist. Nachdem der erfolglose Puppenspieler (John Cusack mit der Dynamik eines resignierten Boheme in Burgk bei Magdeburg) den Eingang in das Innere von John Malkovich (John Malkovich mit intelligenter Selbstironie) gefunden hat, macht er daraus mit seiner Kollegin Maxine eine Goldgrube: 200 Dollar für 15 Minuten als John Malkovich 15 Minuten Ruhm hat Andy Warhol jedem versprochen. Das bringt Kohle und Probleme.
Maxine schläft mit John, aber eigentlich schläft sie mit Lotte (Cameron Diaz als Psycho-Kuh), denn die ist in John. Manchmal schläft Maxine aber auch mit Craig, denn der ist auch in John, manchmal. Beide Frauen lieben einander, indessen nur unter Zwischenschaltung des Mediums John. Sind sie lesbisch? Wenn Maxine ein Kind von John bekommt, das er zeugte, als Lotte ihn bewohnte: Ist Lotte dann der Vater? Oder John die Mutter? Oder wie? Oder was? So viele Fragen. Und nie hat die liebe Seele Ruh.
So lustvoll wurde kaum je in dem Psycho-Quark gerührt, auf dessen Grund in Amerika die Ursachen noch jedes Hustenanfalles vermutet werden. Spike Jonze, für diesen Film mit einer Oscar-Nominierung geehrt, inszeniert, als sei dies die Summe aller Großstadtneurotiker, aller Männergruppen, aller Selbstfindungsseminare, aller Cyber-Visionen und aller Identitätskrisen, eine Lust für Leute, die das Huren-Wort »kafkaesk« mindestens einmal zuviel gehört haben. Ein schlichtes, realistisches Spiel, darin die Absurdität Realität gewinnt. Bis John Malkovich in John Malkovich stürzt und, bestürzt, lauter John Malkoviche sieht. Dann haben sie ihre Idee auserzählt, dann wird die Absurdität eine Albernheit und den Bildern kommt der Witz abhanden. So muss es offen bleiben, ob sich hier Bedeutendes ankündigte oder ob dies der Glücksfall einer Eingebung war.
Nach 15 Minuten stürzen die Malkovich-Touristen ins Leben zurück, an der Schnellstraße nach New Jersey. Angefüllt mit angenehmen Erinnerungen, klopfen sie sich das Gras von der Kleidung und hoffen, dass das noch nicht alles war. Ein wenig glaubt, wer aus dem Kino kommt, er stünde an der Schnellstraße nach New Jersey.
Autor: Henryk Goldberg
Text geschrieben 1999
Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine
Das Leben ist schön
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik am 2. Dezember 1998
Der Prinz von Auschwitz
Roberto Benigni gelingt ein Wunder
Guido, der virtuose Kellner und Dr. Lessing, der traurige Arzt, lieben es, in Rätseln zu sprechen. Für den Deutschen ist es eine Besessenheit, seine einzige womöglich. Der Italiener gönnt sich eine Freude, eine unter vielen. Ein Spaß. „Sowie du meinen Namen sprichst, bin ich nicht mehr da wer bin ich?” Nun, es ist das Schweigen, das ist einfach.
Es ist das Schwierigste. Es ist die Frage, die dieser Film stellt. Nicht an den Dr. Lessing, der später im Konzentrationslager die Selektion leiten wird. Es ist eine Frage an den Kellner und Buchhändler, an den weisen Narren Roberto Benigni, den Hauptdarsteller und Regisseur dieses Filmes: Zum Rest des Beitrags »
Little Voice
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1998
Schön und sehr weit droben
Ein wunderschönes Kunst-Stückchen
Dieses Lied beginnt immer gut. “The Minute you walked in the joint….” Eine Frau hämmert einem Mann erbarmungslos das Bewußtsein ihrer sexuellen Souveränität entgegen: “Hey Big Spender”. Und es ist, als würde der Rhythmus ihn an die Wand treiben. Ein Song für eine starke Frau, ein Song für Shirley Bassey. Er beginnt immer gut, aber so begann er noch nie. Zum Rest des Beitrags »
Tokio Pop
von Georg Seeßlen in Film, Kino, Kritik 1998
Japan hat eine besondere Stellung in der Kulturgeschichte des ausgehenden Jahrhunderts: es dient als Beweis für grenzenlose Assimilation an den technischen und ökonomischen Fortschritt und fast ebenso grenzenlose Selbstgleichheit. In Japan ist alles zu finden, was der Amerikaner oder Europäer gewohnt ist, und es ist doch alles so anders, dass man weiß, man wird nicht aufhören, das erregende und auf merkwürdige Art klärende Gefühl der Fremdheit zu verspüren. Zum Rest des Beitrags »
Der General
von Georg Seeßlen in DVD, Film, Kino, Kritik 1998
Immer wenn ich eine Kritik zu einem Film von John Boorman schreiben will, wird daraus eine Liebeserklärung an eine merkwürdige Art des Kinos. Boorman ist kein „Autorenfilmer”, aber genauso wenig ist er ein Genre-Handwerker. Immer wieder schafft er es, einen Spagat hinzukriegen über dem Abgrund zwischen der persönlichen Vision und dem, was man so Publikumserwartungen nennt, und in seiner Bilderwut schont er weder uns noch sich selbst, riskiert im Grandiosen das Abstruse wie in seinem SF-Film Zardoz oder in seinem Sequel zu The Exorcist, das ihm so ziemlich alle Preise eingebracht hat, die man in der Szene für misslungene Filme zu vergeben hat. Zum Rest des Beitrags »
Good Will Hunting
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1997
Der Geruch der Sixtinischen Kapelle
“Du weißt”, sagt Sean McGuire, der Therapeut, zu Will Hunting, dem Genie, “alles über Michelangelo und die Renaissance. Aber ich wette, du weiß nicht, wie die Sixtinische Kapelle riecht”. Damit hat der kluge Robin Williams etwas wesentliches über dieses junge störrische Genie gesagt. Zum Rest des Beitrags »
Funny Games
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1997
Die Pornographie der Gewalt
Das Scheitern des soziologischen Kinos
Gegen diesen Film ist nichts, wirklich nichts, vorzubringen. Eine makellose Regie, die die beharrende Intensität des Theater mit der räumlichen Extensität der Kinos verbindet. Außerordentliche Schauspieler, Susanne Lothar, Ulrich Mühe, mit außerordentlichen Leistungen. Nichts, wirklich nichts, spricht gegen diesen Film. Außer: Er funktioniert nicht. Zum Rest des Beitrags »
Mars Attacks!
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik im März 1997
Die grünen Ungeheuer
Burtons verfilmte Sammelkarten
Nicht, dass wir keine grünen Männchen mögen. Nicht, daß wir schwarzen Humor nicht liebten. Nicht, daß wir einen Zweifel an der zivilisationskritischen Relevanz des destruktiven Chaos hegten. Es ist nur so, daß Comic-Sammelkarten kein geeignetes Szenario für einen Film sind. Denn Tim Burton (Ed Wood, Edward mit den Scherenhänden) unternahm es, die Karten, die 1962 eine verkaufsfördernde Maßnahme für Kaugummi waren, vom Blatt weg zu verfilmen. Zum Rest des Beitrags »
Crash
von Georg Seeßlen in DVD, Kino im November 1996
Kaum etwas gibt das destruktive Verhältnis von Beschleunigung, Globalisierung und populärer Mythologie so genau wieder wie unsere verrückte Liebe zum Automobil, die, wie jede Liebe, ihre weißen und ihre schwarzen Seiten hat. Irgendwann musste David Cronenberg, der Meister der Obsessionen zwischen Technologie und Körper, sich diesem Thema widmen. CRASH erzählt eine Liebesgeschichte zwischen menschlichem Fleisch und metallischen Maschinen, so wie vor 30 Jahren Jean-Luc Godard in WEEKEND die tödlichen Liebesgeschichten zwischen dem Kleinbürger und seinem mechanischen Statussymbol erzählte. Und während bei Godard, auch im Tod, der geschlechtliche Status sich über die Maschine stabilisierte, so zerfließen, auch im Tod, die Grenzen der Geschlechter in David Cronenbergs Film. Zum Rest des Beitrags »
Neben der Zeit
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik im Oktober 1996
Das Kino als ein Ort der Stille
Andreas Kleinerts schöner, leiser Film neben dem Zeit-Geist
Einmal klingelt das neue Telefon, Entschuldigung, ein Versehen. Einmal brennt das Kleid von Sophie und Georg übergießt sie mit Wasser, schade, so hätten wir doch die Feuerwehr anrufen können. Einmal ruft einer an, es ist Georg, aus der Zelle. Einmal könnte doch jemand anrufen, einmal könnte etwas geschehen. Einmal geschieht etwas in diesem Biotop. Zum Rest des Beitrags »
Knockin’ on heavens door
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1996
Taxi Driver und die STVO
Schweiger und Liefers are “Knockin’ on heavens door”
Der Martin hat einen Gehirntumor und der Rudi einen Knochenkrebs, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Der Til und der Thomas lieben amerikanische Filme. Und darum haben sich der Til und der Thomas so lang amerikanische Filme erzählt, bis daraus ein neuer Film wurde. Zum Rest des Beitrags »
Independence Day
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1996
Die Bilder mit dem grünen Punkt
Die neue Hemmungslosigkeit
Die Menschen haben ein Problem, sie sollen ein wenig vernichtet werden, und der gütige Jude ermuntert sie zum kollektiven Gebet. “Ich bin aber kein Jude” macht einer der Umstehenden geltend. “Nobody is perfect” entgegnet der alte Mann. Zum Rest des Beitrags »
Die Jury
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1996
Ein Stammtisch für Millionen
John Grisham verkauft “Die Jury” – und das Thema
It’s Showtime. Die Gegner drücken sich die Hand und wechseln einen fairen Spruch. Dann gehen sie in den Ring. Das Kampfgericht, das diesen Fight zu punkten hat, ist bereits anwesend. Es wird ein ordentlicher Kampf werden, bei dem das Publikum auf seine Kosten kommt – und der Veranstalter auch. Doch die Regeln sind so beschaffen, daß die Alternative die zwischen zwei Fehlurteilen ist. Aber das weiß der Veranstalter nicht, oder vielmehr: Er will es nicht wissen. Der Veranstalter ist John Grisham. John Grisham, der, mit viel Sensorik für den Zeitgeist-Markt, eine gutgehende Thriller-Manufaktur betreibt, hat eine solche Dominanz in seiner Branche, daß die Produkt-Plazierung gänzlich seiner Kontrolle unterworfen ist: Er bestimmte das Team für Die Jury, den Regisseur Joel Schumacher und die Schauspieler. Das Resultat ist ein Film, in dem man sich ordentlich unterhalten fühlen wird. Zum Rest des Beitrags »
Die Brücken am Fluss
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik im Oktober 1995
Vom Glück des Traurigseins
Clint Eastwood geht mit Meryl Streep über Die Brücken am Fluss
Der Mann hat einen langen Weg hinter sich gebracht. Er hat den Kopf riskiert für eine Handvoll Dollar, und wenn er westwärts zog mit dem Wind, so blieb er der Mann ohne Namen. Er machte die schmutzige Arbeit auf den Straßen von San Francisco, er begriff, wie erbarmungslos leer seine Jobs waren, so wurde er müde. So gewöhnte er sich, wo immer er war, in der Einsamkeit zu sein. So kommt er nach Madison County, Iowa.
Es ist ein seltener Glücksfall für das Kino, wie Clint Eastwood, als Regisseur und Schauspieler, seine Filme und Figuren in der Konsequenz einer fiktiven Biografie zu entwickeln scheint. Von Sergio Leones kaltem Revolvermann und Don Siegels schmutzigen Polizisten führte er seine fiktive Figur, den einsamen Wolf, in die Krise: Erbarmungslos ist das Ende, trügerisch Die zweite Chance. Wenn er jetzt Die Brücken am Fluss fotografiert ist es, als vollende er die kollektive Biographie seiner Helden. Und alle Helden sind ein einsamer Mann. Doch weil es Meryl Streep ist, die er fotografiert, begegnet diesem einsamen Mann das Glück des Weinens.
Francesca, die seit 20 Jahren diesen Traum vom Leben träumt, hat vier Tage frei, Richard ist weg und die Kinder auch. Da bittet sie den Fremden zum Abendessen und kauft sich das neue Kleid mit dem Ausschnitt, damit kommt sie jetzt in die Küche. Und geniert sich ein bißchen. Nicht weil sie einen Auschnitt hat, es ist, weil der Mann jetzt weiß, daß es wegen ihm ist. Da klingelt das Telefon, irgendeine Freundin, irgendein Tratsch. Francesca spricht und gedankenverloren streicht sie dem Fremden den Kragen glatt, die Hand bleibt auf der Schulter. Vielleicht ist sie aber gar nicht abwesend, vielleicht ist ihre Hand, die seit 20 Jahren Richards Hemden bügelt, hochkonzentriert. Wer weiß das schon wirklich. Wer vermag schon mit Sicherheit in einem Gesicht zu lesen, das so nahe scheint und sich so im Endlosen verzweigt.
Clint Eastwood und Meryl Streep sind hier auf der Höhe dessen, was zwei Schauspieler vor einer Kamera vermögen, unspektakulär und wahrhaftig. Ein Blick, der begehrt, eine Hand, die über ein Kleid fährt, Gesichter, die Geschichten erzählen. Eine tiefe Wahrhaftigkeit, jenseits des Kinos, jenseits der Geschichte. Sanfte, einfache Bilder, eine Küche, Landschaften, so einfach, so schön, so ins Unbestimmte laufend, wie diese Gesichter. Sie sind wunderbar, wenn sie alleine sind. Doch sie bleiben nicht allein.
Francesca hat sich entschieden, gegen den Traum, für die Pflicht. Da fährt sie mit Richard, ihrem Mann, in die Stadt und sieht Robert, ihren Geliebten. Er fährt das Auto vor ihnen, er stoppt an der Kreuzung, das Kreuz, das sie ihm schenkte, baumelt lockend am Spiegel. Follow me. Robert läßt den linken Blinker die Sekunden messen und wartet an der Kreuzung. “Warum fährt der nicht?” flucht Richard. Follow me, und die Frau krallt die Hände zusammen, ihr Mann blickt mürrisch überm Lenker, Scheiß Kreuzung. Follow me. Dann fährt der Truck vor ihnen langsam nach links. So long. Wenn Francesca aus dem Wagenfenster schaut, sieht sie den Regen von Iowa. Hier ist der Film zu Ende, doch er hört nicht auf.
Unglücklicherweise gibt es eine Rahmenhandlung, Francescas Kinder lesen, nach ihrem Tod, das Geständnis der Affäre, deren Rückblende ihnen zur Nutzanwendung dient: Beide, in scheiternden Beziehungen lebend, sprechen daraufhin mit ihren Partnern über das Leben. Dieser andere Film hat mit dem eigentlichen nichts zu tun, nur, daß er ihn verdirbt. Denn er besteht aus langweiligen Fernsehbildern, Bilder und Szenen, wie sie jeden Tag jede Fernsehstation im Vorabendprogramm verramscht. Das nimmt dem Film seine stille Intensität, da verliert er, in jeder Rückblende, an Höhe. So erhält die Geschichte eine Begründung – und trägt doch ihren Grund in sich.
“Für die Besessenheit”, sagt Robert, “gibt es keine Gründe.”
Autor: Henryk Goldberg
Text geschrieben Oktober 1995
Text: veröffentlicht in Thüringer Allgemeine
Schlafes Bruder
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik am 2. Oktober 1995
Laute Bilder denken nicht
Ein deutscher Film, kitschig und sehenswert
Die Kirche zu Feldberg, die Menschen frohgestimmt und die Orgel auch, ein Wettbewerb. Auf der Empore die braven jungen Musici im Sonntagsstaat und Johannes Elias Alder, das Naturwunder von oben aus den Bergen, keine Schuhe und auch das übrige nicht der Erwähnung wert; die jungen Herren Musikanten kichern und selbst die dummen Balgtreter tun wie die großen Leute vor dem Bauernlümmel. Unten im Schiff bilden flackernde Kerzen den Kreuzweg, wie die Befeuerung einer Startbahn, wie um den gleich stattfindenden Himmelsflug des Johannes Elias Alder angemessene Illumination zu erweisen. Zum Rest des Beitrags »
Leaving Las Vegas
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1995
Der Himmel über der Wüste
Nicolas Cage trifft Pretty Woman – zu spät
“Bist du einsam?” fragt Juri, während er, ein Betriebsvergnügen, auf seinem Kapital liegt. Sicher, Sera, die 300 Dollar kostet die halbe Stunde, ist einsam. “Das bin ich auch”, sagt der Zuhälter, der ihr bei Gelegenheit die Haut zerschnitt, “das sind sie alle hier. Deswegen sind sie in Las Vegas.” Zum Rest des Beitrags »
Goldeneye
von Henryk Goldberg in DVD, Film, Kino, Kritik 1995
Some like it light
James Bond is back – und ein ziemlich netter Kerl
Wir sind auf dem Friedhof der Dinosaurier, Erinnerung im Dunkel von Petersburg, ein Totentanz. Und wie ein scheuer Vogel der Nacht umkreist die Kamera all die Toten, die Büsten und Statuen, die Devotionalien einer verfallenen Religion, der ihr Grund abhanden kam. Lauter Lenins, lauter wirklich kalte Krieger. Und da steht ein wirklicher Mann, zögernd, als wüßte er nicht recht, ob diese kalte Müllhalde des Krieges der Ort seiner finalen Entsorgung wird. Und er wird sich, wie wir, vor den zerbrochenen Altaren fragen, wofür er noch lohnte, der Krieg. Für England? Zum Rest des Beitrags »



