Boris sans Béatrice (Regie: Denis Côté)

Boris sans Béatrice | Boris without Béatrice Wettbewerb CAN 2016 REGIE- Denis Côté James Hyndman, Dounia Sichov © Julie Landreville
© Metafilms

Lost in Money …

Denis Côté erhielt bei der Berlinale 2013 für seinen Film „Vic & Flo haben den Bären gesehen“ das zum Filmtitel passende Tier in Silber. Er ist somit kein Unbekannter, weder im Rahmen des Festivals, noch für ein am Gegenwartskino interessiertes Publikum. Der franko-kanadische Regisseur gilt als schwer einzuordnen. Er akzeptiert keine Konventionen, spielt mit Klischees ebenso wie mit Formen der Narration und der Genres. Thematisch geht es fast immer um die sogenannten Außenseiter der Gesellschaft, Menschen mit merkwürdigen Schrullen und Spleens. „Curling“ (2010) oder „Carcasse“ (2009) sind Beispiele seiner wunderbar verschrobenen, ungewöhnlichen Filme, die häufig am Rande großer Städte oder in einsamen Landschaften spielen. Geheimnisse, Unwägbarkeiten, plötzliche Wechsel und Brüche der Geschichten gehören bei ihm immer dazu. Und jetzt im Rahmen des Wettbewerbs sein neustes Werk „Boris sans Béatrice“.

Hier nun plötzlich keine Underdogs mehr, sondern das Milieu der Superreichen. Luxus soweit das Auge reicht. Die Hauptfigur, ein Geschäftsmann mit Namen Boris Malinovsky (gespielt von James Hyndman), trägt edelste Klamotten, fährt eine schwarze Luxuslimousine und wohnt am Wochenende in einem eleganten Ferienhaus. Sein Umfeld schön schwarz-weiß, grau-blau durchgestylt, einzige Farbe, einzige Bewegung in den statischen Bildern, das üppig wogende und rauschende Grün der sommerlichen Landschaft.

In diesem durchkomponierten Ambiente wirkt und webt der ebenso durchkomponierte und durchtrainierte Boris, arrogant, kaltschnäuzig machtgeil, mit gepflegtem Drei-Tage Bart, großäugig glotzend und mit immer leicht geöffneten Lippen (ja, das macht man so im Mode-shooting). Zu hause liegt seine Ehefrau Beatrice, Ministerin war sie, bevor sie in den katatonen Dämmerzustand verfiel. Auch sie wird vorzugsweise auf teures Linnen drapiert oder blickt versonnen und schön kadriert auf den gepflegten Garten. Was macht nun so ein Mann? Er sitzt und grübelt in seinem Designerbüro, hat eine Mitarbeitersitzung und natürlich eine Geliebte, und kauft, gleich zu Anfang teure Hemden. Rasend spannend alles und es ist klar, diesen Typen soll man nicht mögen. Wie also kommt die Story in Gang?

Das Schicksal bricht nächtens herein, Boris wird zu einem geheimnisvollen Rendezvous gerufen, eine Stimme dröhnt aus dem tiefen dunklen Wald und konfrontiert ihn mit seiner Hybris, mit seinem Stolz, mit seiner Machtgier. Die Drohung lautet: nur wenn er sich selbst ändere, könne auch sein Frau gesunden. Die Stimme gehört einem „mystery man“ (Denis Levant), der in Folge immer wieder ins Spiel kommt, David Lynch läßt grüßen. Dieser „mystery man“ hat sich zum Ziel gemacht aus dem erkalteten Monster-Mann einen Menschen mit Gefühlen zu machen. Er versinnbildlicht wohl so etwas wie das schlechte Gewissen von Boris, sein Unbewußtes, seine Zweifel. Was also macht er? Zunächst macht er weiter wie gehabt und lenkt sich mit seiner Geliebten ab. Doch als seine Frau dann blutend zusammenbricht beginnt endlich langsam die Katharsis. Er fährt zu seiner Mama, die er so gut wie nie besucht, um sie zu fragen, ob sie ihn liebe, kümmert sich auf einmal um seine Tocher, beendet seine Affäre, beginnt dafür jedoch ein Verhältnis mit dem Au-Pair Mädchen. Auch dieser Mann scheint eben nichts ohne Frauen zu sein. Doch dann taucht der mahnende Fremde wieder auf und erzählt vom Tantalos-Mythos, so dass es auch dem Letzten dämmert, hier geht es um Läuterung, um ein (Um)erziehungsprogramm, um die Frage „am I a good person?“. Boris also findet dann doch tatsächlich den Weg zurück zum rechten Leben, zur ehelichen Liebe und zu den eigenen Gefühlen. Folgerichtig beginnt die Gattin wieder aufzutauen. Sie fragt ihn am Ende: „es war sehr hart für dich?“, er nickt, beide haben Tränen in den Augen und gehen langsam Arm in Arm einen Waldweg entlang. Boahhh … Gedacht war das Ganze sicher als spielerische Anordnung, als Identifikationstest, als pseudo-antikes Drama in einer upper-class Kulisse, als Groteske, nur leider ist daraus ein langatmiger, langweiliger, überdeterminierter Film geworden, garantiert geist- und humorloses Kino.

Daniela Kloock

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