69 Tage Hoffnung (Regie: Patrizia Riggen)

Wer im Kino gern zum Taschentuch greift, sitzt hier wohl richtig. Allerdings: Die kleinen grauen Zellen muss man fast vollständig ausschalten.

Tatsachen werden zur Schmonzette ausgewalzt. Die Tatschen: 2010 waren 33 Bergarbeiter bei einem Grubenunglück in Chile 69 Tage verschüttet. Die Welt sah dem verzweifelten Rettungsversuch zu. Der hatte ein für den Moment gutes Ende. Was danach geschah? Dafür hat sich die Welt dann nicht mehr interessiert. Dieser Spielfilm tut es leider auch nicht.

Das geneigte Publikum soll gerührt werden, also wird das Unglück als Show vorgeführt. Einige erfundene und einige auf Wahrheit beruhende Momentaufnahmen vom Alltag der Arbeiter sollen uns die Herzen öffnen: da ist etwa der Bergmann, der Vater wird, da ist der, dessen Ruhestand ansteht, da ist der Gute, der schon lange vor Missständen warnt, und da ist der Böse, der nur an den Profit denkt. Kurz: Vor dem Krach-Bumm-Zisch mit Heul-Effekt gibt’s viel Sentimentalität.

Immerhin: Einige Schauspieler schaffen es, recht glaubwürdige Charakterstudien abzuliefern. Zu nennen sind Gabriel Byrne als Chef des Rettungsstabs, Antonio Banderas als einer der Eingeschlossenen und Juliette Binoche als Schwester eines der Verunglückten. Die Drei setzen jeweils für sich darstellerische Glanzpunkte. Treten sie auf, sieht und hört man über all das Hölzerne der Handlungsführung und die oft arg platten Dialoge gern hinweg. Doch die Stars schaffen es natürlich nicht, das Grundmanko des Films wett zu machen: dessen Desinteresse an politischen Fragestellungen.

Peter Claus

© Warner Bros. Pictures Germany

69 Tage Hoffnung, von Patricia Riggen   (USA / Chile 2015)

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