Como Nossos Pais – Just like our parents (Regie: Lais Bodanzky)

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Filme aus Brasilien im PANORAMA der BERLINALE 2017

So also hat man sich das Leben einer Mittelstands-Familie in Sao Paulo vorzustellen: eine überforderte, aber tendenziell immer die hübsche Form bewahrende Enddreißigerin „Rosa“ (verblüffend zum teil die Ähnlichkeit mit Penelope Cruz), deren kettenrauchende und angesichts ihres nahen Sterbens das Familiengeheimnis lüftende Mutter (Clarice), zwei süße kleine Töchter, deren größtes Problem zu sein scheint, ob sie mit dem Fahrrad zur Schule fahren dürfen, eine Stiefschwester, die cool ist und sich irgendwann als Lesbe outet, und Männer mehrerer Generationen, die sich vorzugsweise durch (Selbst-) Lügen, große Worte und ebenso große Hilflosigkeit auszeichnen. Wie ordnet die Hauptfigur dieses Chaos? Wird sie sich befreien aus ihrem Puppenhaus, wie die berühmte Nora in Henrik Ibsens gleichnamigem Drama? Rosa kennt Nora, denn sie ist eigentlich Theaterautorin und hat Henrik Ibsen auf dem Nachttisch liegen. Statt aber Stücke zu schreiben verdient sie das Geld für die Familie mit dem Verkauf von Bäderkeramik. Was sie muß, denn ihr Mann ist unterbezahlt ökoideologisch unterwegs und auch sonst kein Halt. Man schaut also über 100 Minuten dabei zu, wie Rosa ihre Töchter bemuttert und erzieht, wie sie von Clarice langsam Abschied nimmt (völlig überflüssig die lange Beerdigungsszene vor der Skyline von Sao Paulo), wie sie damit klar kommt, dass ihr Mann eine Geliebte hat, vor allem aber wie sie damit umgeht, dass sie nicht die leibliche Tochter des in einer Phantasiewelt lebenden Künstler-Vaters ist (fast lächerlich die Teddybären und Puppen, die dieser zu verkaufen versucht). Welch banale Auswege die international ausgezeichnete Regisseurin für ihre Hauptfigur bereit hält, und wie konventionell sie dies in die Geschichte einfügt ist einfach nur öd. Auch worin die grandiose Natürlichkeit liegen soll, von der das Pressematerial ausführlich schwärmt, ist mir leider verborgen geblieben. Das einzig Interessante an dem Ganzen sind die im Vorspann gezeigten Firmen, die den Film finanziert haben – allen voran und am prominentesten platziert „Petrobras“ – das größte und Skandal umwitterste halbstaatliche Öl-Unternehmen Brasiliens. Hier wird deutlich, wie schwierig Filmfinanzierung in solchen Ländern ist, und in welche Abhängigkeiten man da als Künstler geraten muss. Insgesamt ein Film, der sicher nicht schlecht fürs brasilianische Abendfernsehen ist, aber braucht ein Festival solch einen Film?

Daniela Kloock

Bild: © Priscila Prade

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