El Pacto de Adriana (Regie: Lissette Orozco)

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Filme im PANORAMA der BERLINALE 2017

Die junge chilenische Filmemacherin Lisette Orozco ist mit einer sehr persönlichen Geschichte auf der Berlinale vertreten.

Adriana war ihre Lieblingstante, eine selbstbewusste, gut aussehende, polyglotte, jedwede bürgerliche Lebensform ablehnenden Frau, die nach Australien auswanderte. Bis sie bei einem Familienbesuch in Chile 2007 überraschend verhaftet wird, und ihre Vergangenheit ans Licht kommt. Ihr wird vorgeworfen während der Diktatur Pinochets eine hohe Position in der berüchtigten Geheimpolizei DINA gehabt zu haben. Die Tante bestreitet die Vorwürfe und Lissette beginnt mit der Recherche und ihrem Film. Ihre Nachforschungen ziehen immer größere Kreise, die Filmemacherin interviewt Zeitgenossen, Historiker, politische Journalisten, ihre eigene Mama und Großmama, und versucht sich, so ein Bild über diese – für sie selbst so weit zurückliegende, furchtbare – Zeit zu machen. Immer mehr Hinweise sammelt sie und alles deutet darauf hin, dass die Tante schuldig sein muß. Die Filmemacherin spürt Adriana in ihrem Versteck auf und hat über Skype Kontakt zu ihr. Doch Tante Adriana bestreitet beharrlich alle Vorwürfe. Es kommt zu dramatischen Szenen zwischen den beiden, und für die junge Filmemacherin wird es immer mehr zu einer emotionalen Herausforderung und Belastung. Am Ende bricht sie den Kontakt mit der Tante ab, auch weil sie deren Strategie nicht mehr erträgt, die Nichte in ihr Lügensystem einzubinden.

Wiewohl das Bildmaterial eigentlich nur aus Fotografien, Skype-Gesprächen, talking heads und einigen wenigen Straßenszenen besteht, schafft die junge Regisseurin mit beeindruckender Hartnäckigkeit den heiklen Spagat zwischen eigener traumatischer Familienaufarbeitung, Geschichtsdokument und politischer Positionierung. Ein beeindruckendes Langfilmdebüt!

Daniela Kloock

Bild oben: Salmon Producciones | Meikincine Entertainment

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