Besser geht’s nicht (James L. Brooks)

Das Lächeln des Müllschluckers

„Besser geht’s nicht“: Das gilt nur für Jack Nicholson, nicht für den Film

Besser gehts nicht (Screen)

Das ist New York“, sagt Melvin Udall aufmunternd, „wenn du es hier schaffst, schaffst du es überall“. Dann wirft er den niedlichen kleinen Hund in den Müllschlucker. Neben Hunden mag der Schriftsteller auch Neger, Juden und Schwule nicht so sehr, aber lediglich seine Hunde-Phobie therapiert er so konsequent. Das zeigt, wie sehr er sich von der öffentliche Meinung emanzipiert hat, denn das mit dem Hund ist nicht mehrheitsfähig. Jack Nicholson aber ist unter allen Umständen mehrheitsfähig, und wenn er der Müllschlucker selber wäre. Das ist wunderbar für diesen wunderbaren Schauspieler – und es ist der Grund dafür, daß der Film mit dem großen Schauspieler klein bleibt.

Diese reichlichen zwei Stunden sind hoch sehenswert und wer Schauspieler liebt, sollte sie sehen, denn Nicholson spielt in jener Klasse extraordinärer Schauspieler, die sich gegebenenfalls in einer Telefonzelle treffen könnten. Daß diese Arbeit nächstens die Juroren der Academy Awards beschäftigen wird, ist entschieden und in der Ordnung. Aber vielleicht beschäftigt sie auch, wie vor einigen Jahren gelegentlich Jodie Fosters „Nell“, die Frage, wie berührend, wie an den Menschen und die Kunst rührend, eine artifiziell hochstehende Leistung geraten kann, die so ganz für einen Schauspieler und seinen dritten „Oscar“ programmiert ist. Die in sich so keinen anderen Grund trägt als den, ein Umfeld zu schaffen für einen großen Schauspieler. Denn dieser Film hat keinen Grund außer Jack Nicholson.

James L. Brooks („Zeit der Zärtlichkeit“) erzählt die Geschichte eines bösen Mannes. Er stopft kleine Hunde in den Müllschlucker, er beschimpft den Schwulen in der Nachbarwohung und die Juden an seinem Stammtisch. Nur die Kellnerin, die mag er, irgendwie. Und als die ihn nicht mehr das Frühstück serviert, weil ihr Sohn sterbenskrank ist, da engagiert er einen Arzt für das Kind. Außerdem verliebt er sich in den kleinen Köter, der den Müllschlucker überlebte, und er wird ein guter Mensch. Und wenn die Kellnerin durch Nacht und Regen läuft, um ihn wissen zu lassen, daß sie nie, nie, nie mit ihm schlafen wird, dann ahnen wir schon, daß dies nicht so ernsthaft ist. Wir ahnen es immer und überall, und das ist das Problem: Nicht einen Augenblick lang glauben wir, daß dieser Mann ein wirklich schlechter Mann wäre. Alles, was uns das einreden will, hat nichts mit dem Mann zu tun, nur mit Regie und Requisiten, mit weggeworfenen Seifen und fünfachen Schlössern. Beinahe ist es rührend, wie dieser Mann sich immer wieder müht, uns ein Exempel seiner Bosheit, seines Traumas dann zu geben. Als ob er eine Geschichte zu erzählen hätte. Er ist nur ein exzellenter Schauspieler, der erzählt, was für ein exzellenter Schauspieler er ist. Er tänzelt grandios hoch oben auf dem Seil – und da nicht abzustürzen, offenbart die große Kunst des Mannes -, er spielt einen anderen Film.

Die eigentliche Geschichte aber findet unten statt. Die vorzügliche Helen Hunt, der überzeugende Greg Kinnear, sie spielen, bei aller Würdigung der Komödie, Szenen einer gewissen Wahrhaftigkeit, einer Glaubwürdigkeit jenseits des Artifiziellen.

„Wenn du jemandem lange genug ansiehst“, sagt der schwule Nachbar, „entdeckst du seine Menschlichkeit“. Wenn wir Jack Nicholson einen Augenblick ansehen, haben wir sie bereits entdeckt.

Der Rest ist Kunst.

Autor: Henryk Goldberg

Text: veröffentlicht in filmspiegel

Bild: Sony Pictures Home Entertainment

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