Tschüss, Harry: Der letzte Harry-Potter-Film startet in den Kinos

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Teil 2)“ setzt den Schlusspunkt hinter eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Das wunderschöne Kinder- und Erwachsenenglück endet als düsterer Kriegsfilm, dem Figuren fehlen und Pathos.

Der Kampf ist zu Ende. Harry Potter hält den Elderstab in der Hand, den mächtigsten Zauberstab, die Weltherrschaft. Dann zerbricht er ihn und wirft ihn in den Abgrund. So, als wäre das ein Zweig, den er achtlos hinab wirft.

Und so ist der Film: Er erzählt den großen Kampf, aber nichts, beinahe nichts über die vielen kleinen Details, die einen solchen Kampf erst wirklich spannend machen. Es ist, als zeigten sie einen großen Wald und hätten vergessen, dass das, was diesen ausmacht, seine Bäume sind.

Irgendwann musste Schluss sein. Im Grunde war es schon 2007 soweit, als J. K. Rowling das Ende der Geschichte erzählt hatte. Nun ging es nur noch um die Vervollständigung der bewegten Illustrationen, denn viel mehr konnten die Filme nicht sein. Und David Yates, der Regisseur, ist ein dienender Handwerker am Werk.

Der Film beginnt mit einem Grabstein, es ist der für den Hauself Dobby, und das scheint wie die Introduktion fürs Ganze. Natürlich weiß Yates, welcher Erwartungshaltung ein solcher Film weltweit begegnen muss. Weiß, dass es kein Finale geben kann, dass dieser Spannung, die über ein Jahrzehnt in Harrys Kosmos aufgebaut wurde, gerecht zu werden vermag. Mag sein, dass er deshalb einen düsteren Kriegsfilm inszenierte, in dem wir alles über die blutigen Schlachten erfahren, aber wenig über die Krieger, die sie schlagen. Ein Showdown über 130 Minuten, in dem die Akteure gleichsam verschattet werden von der Düsternis.

Dabei, das fängt gut an, leise und scharf, im Gespräch mit Herrn Kobold Griphook, der ein Geschäft machen will. Dann machen sie die Bank Gringott platt, weil Hermine gut mit Drachen kann und dann kommt der Film nicht mehr zur Ruhe.

Und die Figuren auch nicht.

David Yates und sein Autor Steve Kloves nehmen sich in ihrer Schlachten-Hast wenig, zu wenig Zeit für die Figuren. Nicht einmal für eine sinnvolle Verwendung der 3D-Technologie haben sie sich die Zeit genommen, diesen Film kann man ebenso gut zweidimensional sehen, die Möglichkeiten der dritten Dimension sind hier weitgehend verschenkt. Und die der Figuren auch. Snape etwa, die interessanteste Figur, der einer toten Frau und dem Kind eines anderen Mannes die Treue hält bis zur Selbstverleugnung.

Diese Geschichte kennt natürlich so gut wie jeder, der diesen Film sieht, aber die doch tragische Größe dieser Figur hätte man gern erleben und dafür auf etwas Pyrotechnik verzichten wollen. Aber Yates hat kein Gefühl für das Pathos des Kampfes, das er jedem guten Western hätte abschauen können. Snape, das ist die große Nummer, die der Film verschenkt.

Und viele kleine auch. Etwa wenn die böse Hexe Bellatrix der guten Ginny ans Leben will und deren Mutter sich aufbäumt – „Nicht meine Tochter, du Schlampe!“ – das kann man ganz anders erzählen. Oder Minerva McGonagall, eine kühle Klassehexe, auf die Verlass ist, wenn sie einmal zu kämpfen beginnt. Oder Neville Longbottom, der eine wackere Rede im Angesicht des Feindes hält. Ihnen allen werden nur kurze Momente im Schlachtengetümmel gegönnt dabei wären es diese kleinen Momente und ihre Helden, die der großen Schlacht ihren Sinn verleihen.

Und das Finale zwischen Harry und dem dunklen Lord, das hätte jeder mittlere Western-Regisseur besser gekonnt. Der für tot geltende Harry steht auf, einfach so. Wenn Voldemort besiegt ist, dann regnet er als verbranntes Papier herab – so tötet eine Schriftstellerin. Natürlich, auch bei Rowling ist das Finale keine Ulknummer – aber anders als der Film erzählt sie auch, was zwischen ihren Helden passiert. Hier erscheinen sie beinahe als Statisten.

„Es findet in deinem Kopf statt“, sagt Dumbledore, „warum muss das bedeuten, dass es nicht wirklich ist?“. So erklärt er, wie Millionen Menschen mit Harry Potter lebten.

„Alles war gut“ endet diese Geschichte im Buch.

Und nun ist gut.

Henryk Goldberg

Text erschienen in Thüringer Allgemeine (14.07.)

Die Erfolgsgeschichte von Harry Potter, Hermine & Co.

Bilder: 2011 Warner Bros. Entertainment Inc. Harry Potter Publishing Rights

 

 

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