Eine etwas verklemmte Komödie über Nazis und Juden mit Moritz Bleibtreu

Irgendwann muss Wolfgang Murnberger Angst bekommen haben. Angst vielleicht, eine ähnliche Klamotte zu inszenieren wie Dani Levy mit „Mein Führer“. Angst vielleicht auch, das sensible Thema zu verjuxen. Angst vor der Aura des Wortes „Jude“. Aber dann hätte er diesen Film nicht machen dürfen.

So hat der Österreicher eine Komödie inszeniert, die in den zentralen Punkten Angst hat vor dem eigenen Witz. Aber es ist nun einmal komisch, wenigstens: auch komisch, was Paul Hengge schrieb in seinem Roman „Wie es Victor Kaufmann doch noch gelang, Adolf Hitler zu überleben“.

Ausgerechnet Moses. Ausgerechnet Moses will der Führer der deutschen Nationalsozialisten dem Führer der italienischen Faschisten schenken zur atmosphärischen Aufhellung der diplomatischen Beziehungen. Doch dieser Moses ist von Michelangelo und er befindet sich im Besitz der jüdischen Galerie Kaufmann in Wien. Kaufmanns haben einen Sohn, Victor, und der hat einen Freund, Rudi. Rudi ist bei den Kaufmanns aufgewachsen, seine Mutter hat der wohlhabenden Bürgerfamilie treu gedient.

Doch dann werden die Österreicher fröhlich heim ins Reich gekehrt und Rudi kauft sich eine Uniform, SS ist schließlich besser als Prolet.

Nun beginnt die Jagd nach dem Michelangelo, Rudi wird ein bester, bösester Feind mit guten Aussichten, die Aussicht der Kaufmanns ist die auf Stacheldraht. Diese Aussichten werden besser, als sich der Michelangelo als Kopie erweist und Rudi den echten finden soll. Als sie ihn mit dem Flugzeug, so beginnt der Film, nach Wien fliegen, wird die Maschine abgeschossen und aus Angst vor Partisanen tauschen der Jude und der SS-Mann die Kleider. Aber es kommen die Deutschen und nun ist der Jude ein ehrenwerter Offizier der deutschen Elite-Truppe.

Ab hier, wenigstens ab hier, könnte es sehr komisch werden. Aber das wird es nicht.

Wolfgang Murnberger hat einen handwerklich gediegenen Film in dunklen Farben mit einer wie unbeteiligt wirkenden Kamera gemacht, der zwar die Unwahrscheinlichkeit der Komödie, der Klamotte hat, aber nicht ihren grellen Witz. Die Nazis sind Karikaturen, die beiden Freunde aber werden beinahe ernst behandelt. Moritz Bleibtreu, vor allem als SS-Mann, und Georg Friedrich sind sehr gut, aber sie agieren mit schaumgebremster Ernsthaftigkeit und die trägt das Sujet nicht. So erleben wir eine weithin seriöse Biederkeit.

Chuzpe hat hier nur Victor als Figur, aber nicht der Film, der davon erzählt.

Henyk Goldberg, Thüringer Allgemeine, 01.09.2011

Bild: Neue Visionen

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