Lachen, wo gestorben wurde

Eine seriöse Komödie mit Bully Herbig über etwas vollkommen Unkomisches 

„Viel Spaß!“ überschrieb Leander Haußmann seine erste Saison als Intendant in Bochum – und das blieb seine Losung. Viel Spaß sagen auch Hans Zeisig und Siggi Meyer, wenn sie, Berlin 1933, Hitler und Stalin parodieren .

Jahre später werden sie diese Rollen wiederum so spielen,  so echt, dass man sie tatsächlich dafür hält.  Hotel Lux, Moskau, 1939.

Viel Spaß? In diesem Hotel, das wohl berüchtigste dieser Erde, lebten die Vertreter der Komintern, Kommunisten aus aller Welt, auf der Flucht vor den Nazis. In diesem Hotel, einer Brutstätte von Angst und Denunziation, trieb der sowjetische Geheimdienst in den Nächten die Kommunisten zusammen, um sie in die Keller der Ljubjanka zu verbringen. Lachen an einem historischen Ort, wo wirkliche Tode gestorben wurden, wo tatsächliche Tragödien stattfanden?

Ja.  Leander Haußmann verletzt nie den Respekt vor den Opfern, er schafft immer wieder Situationen der Bedrohung, immer wieder dunkelt er seinen Film ein, in der Farbe, in der Atmosphäre.

Nicht wirklich viel Spaß, aber immer wieder ein Lächeln, immer wieder ein Gag.

„Die eigenen Leute“ sagt missbilligend  eine alte Frau, da jagt die SS den Führer durch die Straße. Es ist aber gar nicht der Führer, es ist Hans Zeisig, ein bunter Vogel. Der kommt ins Hotel Lux und wird von Stalin selbst für den Astrologen Hitlers gehalten, was der Anfang einer wahnwitzigen Karriere ist und der Plot einer immerhin seriösen Komödie – trotz Bully Herbig, den man seinen Winnetou nicht ansieht und der hier auf Augenhöhe mit Jürgen Vogel agiert. Und wenn der Film keinen weiteren Effekt erzielte, dann doch den, ein Vorurteil gegen Herbig abzubauen.

Haußmann, der auch das Buch mitbestimmte, inszeniert seine beiden Hauptdarsteller mit diskretem  Humor, die Lust an der Klamotte lebt er mit der übrigen Personage aus, allesamt Knallchargen: Stalin und  Jeschow, Ulbricht und Pieck. Und weil sich ein Herbig-Film an ein junges Publikum wendet, werden die historischen Figuren erklärt. Dennoch, der eigentliche Witz und sein unkomischer Hintergrund, eröffnet sich wohl nur denen, die wenigstens die Ausläufer davon noch miterlebten und  sei es nur in Form von Parteiversammlungen.

Haussmann zitiert nach Herzenslust, Ernst Lubitschs „Sein oder Nichtsein“, Bully Herbig turnt am roten Stern des Hotels wie einst Harold Lloyd an der Uhr überm Broadway, Jürgen Vogel huschelt als alte Frau über den Flur, wie Robert Benigni durch’s KZ.

Eine halbwegs gelungene und seriöse Unterhaltung, die auch deutlich macht, wie weit die Historisierung schon gediehen ist. Eine Generation weiter wird ein solcher Film keine Fragen mehr auslösen. Allerdings, er wird wohl auch niemanden mehr interessieren.

Henryk Goldberg in Thüringer Allgemeine

Bilder: Constantin Film

 

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